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International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems

Die International Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen. Die ICD ist eine Kern-Klassifikation der Familie der internationalen Klassifikationen der WHO[1].

Die aktuelle Ausgabe der ICD wird als ICD-10 bezeichnet. Ziel der ICD ist die weltweite Erforschung von Morbidität und Mortalität mit einer international einheitlichen Systematik zu ermöglichen.

Die deutsche Übersetzung der ICD wird vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) gepflegt und herausgegeben.

Die gemäß SGB V im deutschen Gesundheitswesen verwendete Fassung ICD-10-GM (German Modification) ist eine angepasste Version, die nicht alle Codes der internationalen ICD enthält. Sie wird jährlich überarbeitet und angepasst.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der ICD

1893 wurde die Bertillon-Klassifikation bzw. das Internationale Todesursachenverzeichnis eingeführt. 1948 dehnte die WHO diese Systematik in der 6. Revision auf Krankheiten und Verletzungen aus. Bis zur ICD-9 (1976) erfolgten etwa alle zehn Jahre Revisionen, da aufgrund der Fortschritte in der Medizin Änderungen und Ergänzungen erforderlich wurden. Die Arbeit an der letzten, zehnten Revision begann 1983 und wurde 1992 abgeschlossen. Eine ICD-11 ist derzeit nicht vorgesehen, stattdessen soll eine auf den neuesten Stand gebrachte Version der ICD-10 jährlich von der WHO herausgebracht werden. Derzeit ist die aktuelle Version die ICD-10, Version 2007.

In Deutschland wurde 1986 erstmals die ICD-9 zur Diagnosenverschlüsselung in Krankenhäusern verpflichtend eingesetzt. Eine deutschlandspezifische, von der WHO-Version abweichende Version (ICD-10-SGB-V) wurde seit 2000 eingesetzt. Ab 2004 ist eine deutsche Fassung, eine sogenannte "German Modification" (GM) im Einsatz. Momentan ist gilt die ab dem 01.01.2007 verwendete:

ICD-10-GM 2007
Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten
und verwandter Gesundheitsprobleme.
10. Revision - German Modification
Version 2007 - Stand 9. Oktober 2006

Die ICD-10 liegt in 3 Bänden vor:

  • Band I: Systematisches Verzeichnis
  • Band II: Regelwerk
  • Band III: Alphabetisches Verzeichnis

ICD-10-Schlüssel

Als Notation wird jeder ICD-Klasse ein bis zu fünfstelliger Schlüssel zugeordnet. Die ersten drei Stellen ergeben eine grobe Bezeichnung der Diagnose („Dreisteller“):

A00-B99: Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten
C00-D48: Neubildungen
D50-D89: Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems
E00-E90: Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
F00-F99: Psychische und Verhaltensstörungen
G00-G99: Krankheiten des Nervensystems
H00-H59: Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde
H60-H95: Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes
I00-I99: Krankheiten des Kreislaufsystems
J00-J99: Krankheiten des Atmungssystems
K00-K93: Krankheiten des Verdauungssystems
L00-L99: Krankheiten der Haut und der Unterhaut
M00-M99: Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
N00-N99: Krankheiten des Urogenitalsystems
O00-O99: Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
P00-P96: Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben
Q00-Q99: Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien
R00-R99: Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind
S00-T98: Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen
V01-Y98: Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität
Z00-Z99: Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen
U00-U99: Schlüsselnummern für besondere Zwecke

Weitere Buchstaben und Ziffern schränken die vorliegende Erkrankung diagnostisch immer genauer ein. Hier ein Beispiel:

Die Übermittlung zusätzlicher Informationen durch einen angefügten Buchstabencode (A = Ausschluss einer solchen Erkrankung; V = Verdacht auf; G = gesicherte Diagnose; Z = symptomloser Endzustand nach Überstehen einer Erkrankung; R = rechts; L = links; B = beidseits) ist in Deutschland im ambulanten Bereich vorgesehen, aber nicht Bestandteil der ICD.

Nach den §§ 295 und 301 Sozialgesetzbuch V sind in der Bundesrepublik Deutschland Ärzte und Krankenhäuser zur Diagnoseverschlüsselung nach ICD verpflichtet. Aus dem ICD und dem OPS-Code wird eine DRG errechnet, so dass eine fall- und diagnosebezogene Abrechnung möglich wird. Die ICD sind zusammen mit der OPS-Verschlüsselung für Krankenhäuser Grundlage des DRG-Systems, das seit 2003 als Berechnungsgrundlage für Leistungsvergütung in Deutschland eingeführt wird. Ziel dieses neuen Systems ist es, trotz zunehmender Belastung des Gesundheitswesens durch die demographische Entwicklung eine Steuerungsmöglichkeit der Kostenentwicklung zu erhalten.

Kritik an der ICD

Quellenangaben
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In Deutschland sollte bereits 1996 die vertragsärztliche Abrechnung ausschließlich auf Basis der Verschlüsselung nach ICD-10 erfolgen. Nach massivem Widerstand aus der Ärzteschaft wurde die ICD-10 zunächst als freiwillige Option eingeführt, die Verwendung einer überarbeiteten Version ist seit 2000 Pflicht.

Hauptkritikpunkte an der ICD waren:

  • Es wurde befürchtet, dass durch datentechnische Auswertungsverfahren die ärztliche Schweigepflicht ausgehöhlt werden könnte („gläserner Patient“)
  • Durch die Möglichkeit einer maschinellen Auswertung der Abrechnungsdaten solle die ärztliche Tätigkeit in unzulässigem Maß transparent und kontrollierbar gemacht werden („gläserner Arzt“)[2]
  • Die Gliederung entspricht nicht medizinischen oder praktischen Gesichtspunkten, sondern folgt lediglich statistischen Erfordernissen. So werden etwa unter K alle Krankheiten des Verdauungssystems zusammengefasst (von den Zähnen bis zum Darmausgang), die in der ärztlichen Praxis ganz verschiedene Fachgruppen betreffen. Andererseits fehlen dort wichtige gastrointestinale Krankheiten wie Karzinome, die allgemein unter C eingeordnet sind.
  • Die nationalen Anwendungen der ICD sind unvollständig. So waren zeitweise in der Bundesrepublik Deutschland Codes ausgeschlossen. Die internationale Vergleichbarkeit von Krankheitsursachen ist damit eingeschränkt.
  • Die offizielle Formulierung der Diagnosetexte entspricht nicht dem ärztlichen Sprachgebrauch, sondern stellt mehr ein „Behördendeutsch“ dar.
  • Viele ICD-Codes stehen nicht für eine einzelne, sondern für eine Reihe von Diagnosen, die der Arzt in seiner praktischen Arbeit noch feiner untergliedern muss. Das DIMDI hat hier im November 2006 zur Verfeinerung der Diagnosen die Alpha-ID realisiert.
  • Die Verwendung mancher Diagnosen, speziell unter Z, könnte eine unzulässige Offenlegung der persönlichen Situation und Umgebung des Patienten sein, z. B. Angaben über Einflüsse aus dem familiären oder beruflichen Umfeld.
  • Wie allen Klassifikationsverfahren liegt der ICD ein Weltbild zugrunde, das sich im Einzelnen kritisieren lässt. So war beispielsweise bis zur ICD-9 (1979) Homosexualität (Klasse 302.0) als eigene Krankheit vertreten, verschiedene BDSM-Praktiken sind trotz wachsender gesellschaftlicher Akzeptanz noch unter F65.5 klassifizierbar.[3] 1995 verzichtete Dänemark als erstes europäisches Land darauf sadomasochistische Praktiken weiterhin unter ICD zu diagnostizieren.[4]
  • Nicht jede Symptomatik entspricht einem Krankheitsbild nach ICD; das erschwert dem Arzt klare Angaben, wenn zunächst kein Krankheitsbild hundertprozentig passt.
  • Auch unter statistischen Gesichtspunkten ist die ICD fragwürdig, weil sie nicht klar zwischen Diagnosen und Symptomen unterscheidet. (Hämaturie (ICD10: D68.3) ist ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Dies führt zur Ungenauigkeit, weil formal immer das Symptom und die Ursache codiert werden müsste, aber oft nicht beides codiert wird.)

Literatur

  • Odd Reiersol, Svein Skeid:The ICD Diagnoses of Fetishism and Sadomasochism, in Journal of Homosexuality, Harrigton Park Press, Vol.50, No.2/3, 2006, S.243-262
  • Peggy J. Kleinplatz, Charles Moser: Sadomasochism - Powerful Pleasures, Haworth Press, ISBN 978-1-56023-640-5

Quellen

  1. Klassifikationen der WHO: http://www.who.int/classifications/en/ (englisch)
  2. vgl. WELT-Online Artikel Der "gläserne Patient" wird zum Zankapfel
  3. vgl. Die Kritik des AK Psychologie und Sexualwissenschaft der Bundesvereinigung Sadomasochismus e.V., online unter Inhaltliche Arbeit an der " ICD-10-GM".
  4. vgl. revisef65.org Denmark withdraws SM from Diagnosis-list, online unter revisef65.org

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
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