Irrationalität ist im deutschen Sprachgebrauch das der Vernunft Widersprechende, noch genauer gefasst stellt sie das sich der Vernunft Entziehende dar. Der moderne Begriff „irrational“ und das „Irrationale“ sind vom ontologischen Irrationalitätsbegriff der antiken griechischen Philosophie zu unterscheiden.
Der Begriff selbst entstammt der Mathematik und wurde vom jüdischen Philosophen Salomon Maimon erstmals in seinem Werk Versuch über die Transzendentalphilosphie (1790) in der Philosophie der Moderne philosophisch verwendet.[1] Offensichtlich stellte dies eine Reaktion auf die zuvor erschienene Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant dar. Danach hält der Irrationalitätsbegriff bald Einzug in die deutsche Philosophie: in einem Brief von Johann Gottlieb Fichte an Friedrich Wilhelm Joseph Schelling von 1801 und in einem Brief an Friedrich Heinrich Jacobi von 1804[2] und in der Wissenschaftslehre von 1804 spricht Fichte von der „proiectio per hiatum irrationalem“.[3] Schelling verwendet in seinen Vorlesungen zur Philosophie der Kunst 1802/1803 den Begriff irrational, indem er die Kunst als eine höhere Form der Vernunft darstellt, welche für den analytischen Verstand irrational sei.[4] Schon bald findet sich der Begriff des Irrationalen auch in der Ästhetik von Friedrich Schleiermacher und Georg Wilhelm Friedrich Hegel in der Wissenschaft der Logik.
Der Begriff des Ir-rationalen ist sorgfältig abzugrenzen vom Unbewussten, also Inhalten, welche zu einer gewissen Zeit nicht bewusst sind, aber bewusst gemacht werden können, sowie dem Unterbewussten, also Sensationen auf der somatischen Ebene, welche nicht bewusstseinsfähig sind im Sinne Eduard von Hartmanns. Grundsätzlich ist anzumerken, dass jede Überlegung, jeder Glaube, jedes Denken über das Irrationale nur innerhalb des begrifflichen Diskurses vor sich gehen kann und hier wiederum dem logisch-kategoriell-begrifflichen Muster der Vernunft unterworfen ist, so wie der Begriff „ir-rational“ selbst jederzeit schon das Rationale voraussetzt, zu welchem Ir-rationales ins Verhältnis gesetzt wird.[5]