Irrgarten

Irrgarten im Park Schönbusch
Irrgarten im Park Schönbusch
Irrgarten im Großen Garten von Hannover-Herrenhausen
Irrgarten im Großen Garten von Hannover-Herrenhausen
VanDusen Botanical Garden, Vancouver
VanDusen Botanical Garden, Vancouver
St. Louis botanical gardens, Missouri, USA
St. Louis botanical gardens, Missouri, USA

Ein Irrgarten ist eine (Garten)anlage mit einem verzweigten, kunstvoll-kompliziertem Wegesystem, das idealerweise von mannshohen Hecken, gelegentlich auch Mauern oder Bretterwänden, gebildet wird. Der Reiz des Hecken-Irrgartens besteht in dem Gefühl des zeitweisen Gefangenseins durch Hindernisse aus blickdichten und undurchdringlichen Hecken. Gelungene Anlagen sind Meisterwerke der Gartenkunst, deren Pflanzung und Unterhalt kostspielig sind.

Im verallgemeinerten Sinn bezeichnet Irrgarten auch jedes andere Gebilde mit verzweigten Gängen, wenn nur einer oder wenige der Gänge zum Ziel führen.

Im Unterschied zum Labyrinth, in dem nur ein Weg ohne Verzweigungen vom Eingang bis zur Mitte führt, bekommt ein Irrgarten durch sein Netz von Wegen, das außer einfachen Abzweigungen auch Kreuzungen, Sackgassen und Wegeschleifen aufweisen kann, eine vollständig andere Funktion. Die Bezeichnung „Labyrinth“ wird manchmal gleichermaßen für „Irrgarten“ verwendet, zumal im nichtdeutschen Sprachraum.

Die allermeisten Irrgartenanlagen weisen einen Zielplatz auf, der eine Aussichtsmöglichkeit bieten oder von einem Baum, einer Statue oder einem Brunnen geschmückt sein kann. Dieses Ziel gilt es zu finden; daran schließt sich der möglicherweise ebenso schwierige Rückweg zum Ausgang an.

Inhaltsverzeichnis

Typisierung

Gestalterisch handelt es sich beim Hecken-Irrgarten oft um ein Konzept des „Garten-im-Gartens“. Der Irrgarten ist daher sowohl in einer größeren Garten- oder Parkanlage integriert zu finden wie auch als eigenständiges Element anzutreffen.

Am einfachsten lassen sich die Hecken-Irrgärten nach ihrer Form in drei große Gruppen unterscheiden. Es sind dies: 1. Geometrische oder formale Irrgärten, 2. Irrgärten mit unregelmäßigem Wegenetz, 3. Symbolische Irrgärten mit Superzeichen-Charakter. Am verbreitetsten und bekanntesten sind die formalen Anlagen. Meist sind sie aus geschnittenen Hecken geformt, haben quadratische, rechteckige oder runde Gestalt und weisen ein Netz aus linearen oder (teil)kreisförmigen Wegen auf; Hecken und Wege haben immer konstante Breite. Die unregelmäßigen Formen sind durch in Schwüngen und beliebigen Kurven geführte Wege gekennzeichnet, auch kann die Wegbreite variieren und die Anlage durch kleine Plätze aufgelockert sein. Die symbolischen Irrgärten stellen in ihrer Ganzheit übergroße, stilisierte Bilder dar; sie treten erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf, in einer Zeit, in der die Sicht aus der Höhe durch Flugzeuge alltäglich geworden ist.

Eine Sonderform des formalen Irrgartens ist das Wirbellabyrinth, eine Erfindung von Antoine-Joseph Dézallier d'Argenville. Es ist durch die umgekehrte Aufgabenstellung gekennzeichnet: Der Weg vom Eingang führt rasch zu einem zentralen Platz, von dem wirbelartig meist acht Arme in Schwüngen wegführen, den Besucher in die Irre leiten und das Verlassen der Anlage zum Geduldspiel werden lassen.

Unter den symbolischen Anlagen existiert eine Gruppe von Irrgärten, die einem literarischen oder historischen Thema gewidmet sind. Diese Schöpfungen sind aus diskreten Heckengrundrissen zusammengefügt, die erkennbare Einzelfiguren bilden, die inhaltlich aufeinander bezogen sind. Diese Anlage haben meist eine regelmäßige Außenform, etwa ein Rechteck oder ein Achteck.

Geschichte

Der Hecken-Irrgarten ist eine europäische Schöpfung, seine historische Entwicklung weitgehend eigenständig und von den vielfältigen Formen ornamentaler Labyrinthdarstellung und christlicher Umdeutung des Labyrinthsymbols in den Fußbodenmosaiken der Kirchen losgelöst zu betrachten. Die häufigen Assoziationen früher Hecken-Irrgärten mit England basieren auf wenig stichhaltigen Quellen und führen zu Fehlschlüssen. In der Entwicklung des Hecken-Irrgartens lassen sich vier Phasen erkennen:

1. Die späte Renaissance

In den Gärten der Renaissance existierten, lediglich durch Abbildungen überliefert, florale Labyrinthe. Sie befanden sich meist in der Nähe der Terrasse einer Villa, so dass die Muster aus Blumen oder niedrigen Hecken vom Betrachter gut überblickt werden konnten. Der labyrinthische Weg wurde mit den Augen verfolgt, die Begehbarkeit der Pflanzung war wahrscheinlich nicht vorgesehen. Verzweigungen im Netz der meist schmalen Wege kamen nicht oder nur vereinzelt vor. Erst mit der späten Renaissance in Italien tritt ein grundlegender Wandel ein; aus der rein visuellen wird eine kinästhetische Funktion. Nicht mehr die reine Augenbewegung sondern die Begehbarkeit und damit die Bewegung des eigenen Körpers wird zum Erlebnis. Die Wege werden durch höhere Hecken begrenzt, die nicht mehr überstiegen werden können. Der italienische Manierismus, zeitlich zwischen Renaissance und Barock, dürfte den Hecken-Irrgarten heutiger Art hervorgebracht haben. Dazu zählt vor allem ein Wegesystem, dass die zum Ver-Irren notwendige Komplexität aufweist. In der Abkehr vom Labyrinth des Spätmittelalters ohne Wegeverzweigungen und der Zuwendung zum Irrgarten mit Abzweigungen und Sackgassen spiegelt sich auch ein geistiger Wandel, der die selbstverantwortliche Entscheidung des einzelnen Menschen, der nicht mehr bedingungslos durch göttliche Fügung geleitet wird, wiedergibt.

Ein Nebeneinander von Labyrinth-Entwurf und Plan für einen echten Irrgarten ist für den Palazzo del Te um 1530 in Mantua belegt. Die Zeichnungen stammen von Giulio Romano für Federico II. Gonzaga. Der Plan ist nie verwirklicht worden. Die frühen Irrgärten an anderen Orten sind oft nicht in Form geschnittener Hecken, sondern als Spalieranlagen ausgeführt. Dabei werden Holzspaliere mit kletternden Pflanzen versehen, die in recht kurzer Zeit zu blickdichten Wänden heranwachsen. Der erste „echte“ Irrgarten befand sich wahrscheinlich im Giardino Giusti in Verona um 1570. In Thüringen ist es der protestantische Pfarrer Johann Peschel, der für verschiedene Auftraggeber Irrgärten erstellt, den ersten vermutlich 1576 in Grüningen für Caspar von Kutzleben. Von diesen Anlagen ist, auch bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg, keine mehr erhalten. Die Idee des Irrgartens verbreitete sich in den Folgejahren erstaunlich schnell über weite Teile Europas.

2. Die Barockzeit

In den großen prachtvollen Gartenanlagen des Barock steht der Wunsch sowohl nach Repräsentation als auch Zerstreuung und Amusement der höfischen Gesellschaft im Vordergrund. Der Irrgarten, nun mit überkopfhohen massiven Heckenwänden, ist eines der beliebten Gestaltungselemente des Fürstengartens – und verschwiegener Treffpunkt. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelangt der Irrgarten-Gedanke auch nach England, wo sich, wahrscheinlich von Henry Wise geschaffen, der heute noch existierende, immer wieder nachgepflanzte, berühmte Irrgarten von Hampton Court befindet. Auch im übrigen Europa entstehen in den Gärten von Fürsten und Adeligen zahlreiche Irrgärten; die meisten sind nicht mehr vorhanden. Als Beispiele im deutschen Raum können die Anlagen im Hofgarten der Münchner Residenz, in Nordkirchen und in Altjeßnitz angeführt werden; in Österreich der große, mehrteilige Irrgarten in Schönbrunn und in Italien die Gärten der Villa Barbarigo und der Villa Altieri. In den Niederlanden werden Irrgärten als Attraktion für jedermann erstmals bei Gasthäusern angelegt, so der Oude Doolhof in Amsterdam, eine quadratische Anlage aus Spalierhecken und einer Laube im Ziel.

Eine weitere Form des Irrgartens, die im Barock entsteht, ist der Boskett-Irrgarten. Es handelt sich dabei um eine Anlage, bei der zwischen den durch Hecken begrenzten Wegen nicht begehbare Bereiche in Form von Freiflächen oder mit Büschen oder Bäumen bepflanzte Partien liegen. Diese Anlagen, häufig Wirbellabyrinthe, nehmen eine erhebliche größere Fläche ein (ein bis zwei Hektar) und zeichnen sich durch breitere Wege aus, manchmal sind auch freie Plätze mit Lauben eingeschlossen.

3. Die Zeit des Landschaftsgartens

Glendurgan bei Falmouth (Cornwall)
Glendurgan bei Falmouth (Cornwall)

Mit den aufkommenden Landschaftsgärten im englischen Stil im 18. Jahrhundert werden, zuerst in England, später in anderen Regionen Europas, wurden die überwiegende Zahl der Barockgärten zerstört oder überformt. Mit diesem Wandel gehen fast alle alten Irrgärten verloren; es dürfte sich um vermutlich mindestens einhundert Anlagen handeln. Allerdings will man auf labyrinthische Schlängelwege, die einem Garten einen geheimnisvollen Charakter geben, häufig nicht verzichten. So entstehen in die Landschaftsgärten integrierte Bereiche mit irrgarten-ähnlichen Funktionen, mit frei wachsenden Hecken und Bäumen, auch mit künstlichen Felsen oder Wegen, die in unterirdische Grotten führen. Sie sind so angelegt, dass sie den Eindruck erwecken sollen, als habe die Natur selbst diese Irrgänge zufällig geschaffen ( La Bagatelle, Wörlitz). Die Künstlichkeit derartiger Pflanzungen war jedoch meistens nicht zu überdecken, so dass sie an vielen Orten bald verwilderten oder entfernt wurden.

Im 19. Jahrhundert kommt, in Reaktion auf den mittlerweile überall anzutreffenden Landschaftsgartenstil, der Wunsch nach Irrgärten in ancient manner (nach alt-hergebrachter Art) auf. So entstehen, zuerst in England, zahlreiche neue Irrgärten des formalen Stils mit exakt geschnittenen Hecken und geometrischen Wegesystemen. Es ist unter anderem der englische Landschaftsarchitekt William Andrews Nesfield, der eine Reihe kunstvoller Anlagen schafft (Somerleyton Hall, Royal Horticultural Society in Kensington). Diese Entwicklung findet ihre Fortsetzung auch auf dem Kontinent ( Schönbusch bei Aschaffenburg).

4. Die moderne Entwicklung

Mit den beiden Weltkriegen findet das Interesse an feinsinnigen Garten-Gestaltungselementen wie Irrgärten ein Ende. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts gilt der Irrgarten als Relikt früherer Zeiten. Dahinter steht unausgesprochen auch der hohe Investitionsbedarf für Neupflanzungen und die erheblichen Unterhaltskosten, insbesondere für den Heckenschnitt. Nur wenige Anlagen waren noch in der Zwischenkriegszeit entstanden (Probsteierhagen, Menkemaborg).

Die Wiederbelebung der Idee des Irrgartens als Gestaltungselement der Gartenkunst beginnt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach der spektakulären Auftragsarbeit des britischen Künstlers Michael Ayrton (1921-1974), der 1969 eine in Rasen eingesenkte, mit skulpturalem Schmuck versehene Irrgarten-Anlage aus hohen Ziegelmauern für einen amerikanischen Multimillionär anlegte, entstanden auch in Europa wieder klassische Hecken-Irrgärten und ebenso ganz neue Formen in symbolischer Art, als erstes der Abdruck eines Fußes in Lechlade, Großbritannien. Vom Flugzeug aus als land art wahrzunehmen, entstehen bis heute weitere Großformen, meist mit kommerziellen Interessen. Der britische Irrgarten-Designer Adrian Fisher hat eine große Zahl diverser Anlagen in aller Welt geschaffen und damit eine inflationäre Entwicklung eingeleitet, die sich mancherorts in Kitsch und Beliebigkeit ausdrückt. Eine der letzten Entwicklungen ist in der Einführung des quick exit und der victory bridge zu sehen; sie gestatten dem Besucher nach Erreichen des Ziels das schnelle Verlassen des Irrgartens, kombiniert mit einem Überblick von einer Brücke. Diese neuen Ausgestaltungen haben keine historischen Wurzeln. Hervorzuheben sind dagegen gartenhistorisch sorgfältige Rekonstruktionen alter Anlagen und sorgfältige Restaurationsarbeiten, wie im denkmalgeschützen Irrgarten in Altjeßnitz.

Bedeutende Irrgärten

Zerstörte Anlagen

  • Arley Hall (Cheshire): sechseckige Anlage, Vorläufer eines modern-formalen Stils (1870 bis um 1940)
  • Belton House (Grantham, Lincolnshire): runde Anlage (um 1850 bis 1939)
  • Royal Horticultural Society's Gardens (South Kensington, London): rechteckig-halbrunde Anlage (um 1862 bis 1888)
  • Doolhof van der Burcht (Leiden, Zuid-Holland): runde Anlage auf dem Burgplatz (1651 bis nach 1782)
  • Schönbrunn (Wien): große rechteckige, vierteilige Anlage, partienweise verkleinert (um 1740 bis 1892)
  • Tivoli (Kopenhagen): Wirbellabyrinth (1877 bis 1908)
  • Villa Altieri (Rom): runde Anlage, elf Umgänge (1670 bis 1860)

Existierende Anlagen

Deutschland

  • Kleinwelka (Sachsen): quadratische Anlage, mit Brücke (1992)
  • Erholungspark Marzahn (Berlin): trapezähnliche Anlage, Hampton-Court-Muster (2007)
  • Eckartsberga (Sachsen-Anhalt): quadratische Anlage, mit Brücke (2004)
  • Altjeßnitz (Sachsen-Anhalt): größter der historischen deutschen Hecken-Irrgärten, ohne Sackgassen (um 1750)
  • Herrenhäuser Gärten (Niedersachsen): achteckiger Irrgarten (1936/37)
  • Mosigkau (Sachsen-Anhalt): Irrgarten mit unregelmäßigem Wegenetz (1756/57)
  • Park Schönbusch (Bayern): runder Irrgarten (1829)
  • Probsteierhagen (Schleswig-Holstein): Nachahmung des Irrgartens von Altjeßnitz (1927)
  • Weimar-Belvedere (Thüringen): rechteckige, sehr kleine Anlage im „Russischen Garten“ (1843)

Österreich

  • Florarium Hirschstetten (Wien): Anlage in Form eines stilisierten Schmetterlings (2001/02)
  • Schloss Schönbrunn (Wien): unhistorische Neuschöpfung an der Stelle des zerstörten Irrgartens (1998/99)

Großbritannien

Longleat House, Blick von der Aussichtsplattform
Longleat House, Blick von der Aussichtsplattform
  • Aberdeen (Schottland): annähernd rechteckige Anlage im Hazlehead Park (1935)
  • Chatsworth House (Derbyshire): rechteckige Anlage mit einbeschriebenem Kreis (1962)
  • Chevening House (Kent): quadratische Anlage (um 1820)
  • Hampton Court Palace: der wohl berühmteste Irrgarten, Wegemuster vielerorts kopiert (1691)
  • Glendurgan bei Falmouth (Cornwall): kleine Anlage mit unregelmäßigem Wegenetz (1833)
  • Hatfield House (Hertfordshire): rechteckige Anlage (1841)
  • Lechlade (Gloucestershire): Anlage in Form eines stilisierten linken Fußes, erster symbolischer Irrgarten (1975)
  • Longleat House (Wiltshire): Großanlage mit unregelmäßigem Wegenetz (1975/78, erweitert 1989 und 2000))
  • Merritown House (Christchurch, Dorset): Alice-in-Wonderland, achteckige thematische Anlage (1992)
  • Somerleyton Hall (Lowestoft): elegante, halbrunde Anlage (1846)
  • Woburn Abbey (Bedfordshire): runde Anlage (um 1830)

Italien

Irrgarten im Park der Villa Pisani, Blick vom Turm
Irrgarten im Park der Villa Pisani, Blick vom Turm
  • Strà (Véneto): trapezförmige Anlage mit einbeschriebenem Kreis im Garten der Villa Pisani (1720/21)
  • Valsanzíbio (Véneto): große quadratische Anlage im Garten der Villa Barbarigo (um 1688)

Niederlande

  • Amstelpark (Amsterdam, Noord-Holland): kleine, trapezförmige Anlage auf einer Insel (1972)
  • Het Oude Loo (bei Apeldoorn, Gelderland): rechteckige Anlage mit kleinteiligem Wegenetz (1925)
  • Kasteel Weldam (Markeloo, Overijssel): rechteckige Anlage (1885/90)
  • Menkemaborg (Uithuizen, Groningen): rechteckige Anlage (1925)
  • Ruurlo (Berkelland, Gelderland): trapezförmige Anlage, auf ein Hektar vergrößertes Wegemuster des Irrgartens von Hampton Court (1889/90)

Spanien

Villa de Horta (Barcelona), Blick vom nordöstlichen Tempietto auf den von acht Heckenbögen umstandenen Zielplatz
Villa de Horta (Barcelona), Blick vom nordöstlichen Tempietto auf den von acht Heckenbögen umstandenen Zielplatz

Vermeintliche Irrgärten

Die als Trojaburgen bezeichneten Steinsetzungen, Rasenlabyrinthe und Wunderkreise sind keine Irrgärten, auch wenn sie gelegentlich Wegeverzweigungen aufweisen. Ebenso handelt es sich bei dem häufig als „labyrinthischen Wald“ bezeichneten Garten Sacro Bosco nicht um einen Irrgarten. Als Zwischenform kann der Irrhain bei Nürnberg zu seiner Entstehungszeit angesehen werden, heute existiert dort jedoch kein irrgartenähnliches Wegesystem mehr. Ebenso handelte es sich beim ehemaligen Labyrinthe de Versailles nicht um einen Irrgarten, sondern vielmehr um ein Boskett mit einer Fläche von etwa einem Hektar, dessen Wege an 39 Springbrunnen, die mit Skulpturen und Sinnsprüchen zu den Fabeln des Äsop geschmückt waren, vorbeiführten: Die Aufgabe bestand darin, jeden Brunnen genau einmal zu erreichen.

Planung und Bau

Wegesystem

Das System der Wege in einem Irrgarten kann aus einem Zielweg mit vielen abzweigenden Sackgassen, die ihrerseits weiter verzweigt sein können, oder aus einem Netz, das eine Vielzahl von Zielwegen ermöglicht, bestehen. Die meisten Anlagen weisen eine Kombination der beiden Prinzipien auf. Es können einfache Abzweigungen oder Kreuzungen eingeplant werden, je höher die Zahl, um schwieriger scheint die Lösung. In Wirklichkeit spielen aber geschickte Täuschungen eine mindestens ebenso wichtige Rolle.

Verwendete Pflanzen

Die für die Heckenwände geeigneten Pflanzen bilden eine sehr begrenzte Liste. Sie müssen sowohl dichte Grünmassen bilden, robust und langlebig sein und regelmäßigen Schnitt vertragen können. Immergrüne Pflanzen haben den Vorteil, einen Irrgarten auch im Winter für Besucher attraktiv zu halten. Ideale Pflanze ist die Eibe, ebenso der Buchsbaum. Sehr häufig wird die Hainbuche verwendet, auch Feldahorn und Liguster sind möglich. In südlichen Ländern ohne Frostgefahr kommen auch Myrte und Lorbeerbaum zum Einsatz. Für einen mittelgroßen Hecken-Irrgarten werden zwischen 1500 und 3000 Pflanzen benötigt, eine große Anlage wie Longleat besteht aus über 15000 Eiben.

Schmuck und Ausgestaltung

Viele historische Irrgärten weisen skulpturalen Schmuck auf, so ist etwa das Türmchen im Irrgarten der Villa Pisani mit einer Statue der Minerva versehen, ein Symbol der Weisheit. Der Eingang des zerstörten Irrgartens im Kopenhagener Tivoli wurde von zwei Sphingen flankiert.

Irrgärten anderer Art

Auf Jahrmärkten und in Vergnügungsparks finden sich gelegentlich Irrgärten mit Glas- oder Spiegelwänden (Spiegellabyrinth). Sie sind überdacht, zerleg- und transportierbar, oder in einem festen Gebäude untergebracht. Die Aufgabe des Besuchers besteht meist darin, den richtigen Weg vom Eingang zu Ausgang zu finden (Passage). Darüber hinaus gibt es auch Irrgarten-Computerpiele (meist jedoch keine reinen Irrgartenspiele, sondern mit Action-Elementen, z.B. Ego-Shooter).

Literatur

  • Robert Field: Mazes. Ancient and Modern. Tarquin Publications, Stradbroke 1999, ISBN 1899618295 (englisch)
  • Adrian Fisher, Georg Gerster: The Art of the Maze. Weidenfeld and Nicolson, London 1990, ISBN 0297830279 (englisch)
  • Josef Hempelmann: Labyrinthe und Irrgänge im Wandel der Jahrhunderte. In: Die Gartenkunst. Bd. 39, 1926, Heft 4, S. 54-58
  • Hermann Kern: Labyrinthe. Erscheinungsformen und Deutungen. München 1982 (3. Auflage, München 1995) - Darin: Kapitel 15, Garten-Labyrinthe und Irrgärten, S. 359-389
  • William Henry Matthews: Mazes and labyrinths. A General Account of Their History and Developments. London 1922 (in englischer Sprache: [1])
  • Philosophie der Sackgasse. Labyrinthe [...] erleben eine weltweite Renaissance. In: Der Spiegel. Jahrgang 45, 1991, Heft 13, S. 266-269.
  • Maria Luisa Reviglio della Veneria: Il laberinto. La paura del Minotauro e il piacere del giardino. Ed. Polistampa, Florenz 1998, ISBN 88-85977-59-6 (italienisch)
  • Jeff Saward: Das große Buch der Labyrinthe und Irrgärten. Geschichte, Verbreitung, Bedeutung. AT, Aarau und München 2003, ISBN 3-85502-921-0
  • Jacques Vergely: Labyrinthes et jardins. In: Labyrinthes, du mythe au virtuel. Paris 2003, ISBN 2-87900-776-3 (französisch, Ausstellung in Bagatelle vom 4. Juni-14. September 2003)

Siehe auch

Weblinks

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