Isaak Luria

Das Grab von Isaak Luria in Safed, Israel
Das Grab von Isaak Luria in Safed, Israel

Isaak Luria (* 1534 in Jerusalem; † 1572 in Safed in Galiläa) war ein jüdischer Kabbalist.

Inhaltsverzeichnis

Namensvarianten und Beinamen

  • Isaak Aschkenasi ben Salomo, unter Anspielung auf seine väterliche aschkenasische Abstammung – seine Mutter war sephardisch
  • ARI, Abkürzung für Aschkenasi Rabbi Isaak oder Adonenu Rabbi Isaak (Unser Herr Rabbiner Isaak)

Vita

Nach dem frühen Tod von Lurias Vater zog die Mutter mit ihm nach Kairo, wo sein Onkel, ein Grundbesitzer, ihn großzog und für seine jüdische Ausbildung sorgte. Als 22jähriger begann er sich mit dem Sohar zu beschäftigen und lebte sieben Jahre lang auf einer einsamen Nilinsel. Er besuchte seine Familie nur am Sabbat, sprach sehr selten und ausschließlich hebräisch. Als Asket hatte er zahlreiche Visionen, in denen er sich mit dem Propheten Elija unterhielt. 1569 kehrte Luria ins Heilige Land zurück und ließ sich nach einem kurzen Aufenthalt in Jerusalem in Safed nieder. Mit einem Schülerkreis, zu dem unter anderem Moses Cordovero (1522-1570) und Josef Karo (1488-1575), der Verfasser des Schulchan Aruch, gehörten, vertiefte er seine kabbalistischen Studien. Zusehend wuchs dieser kabbalistische Kreis, und die mystischen Lehrsätze von Luria begann den Gottesdienst als Ganzes zu beeinflussen.

Lehren zu Schöpfung und Erlösung

Luria interpretierte die theoretische und praktische Kabbala neu. Man spricht von lurianischer Lichtmystik. Zentrale Punkte seiner Lehre sind:

  • Der Zimzum, wörtlich Zusammenziehung oder Rückzug, ist ein Akt göttlicher Selbstbeschränkung des En Sof (der bzw. das Unendliche). Erst dadurch wird die Schöpfung ermöglicht. Dieser Rückzug von Gott ist eine Metapher für Exil. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 erhielten die Begriffe Exil und Erlösung im Judentum neue Bedeutung. Zu Erlösung siehe unten Tikkun.
  • Die Sefirot als zehn Dimensionen des Seins entstehen, zugleich auch der erste Geistmensch, Adam Kadmon. Der kabbalistische Lebensbaum enthält diese Sefirot.
  • Von Adam Kadmons Gesicht strömt Licht in die Gefäße der Sefirot.
  • Es kommt zu einem Unfall im Schöpfungsgeschehen: Das Licht ist zu stark, die Gefäße brechen, die Schöpfung gerät in Unordnung, alle Geschöpfe befinden sich im Exil, von der Schechinah als weiblicher Erscheinung Gottes, bis zur Mikrobe.
  • Die materielle Welt entsteht, in der Gutes und Böses gemischt sind. Die Lichtfunken sind in den Kelipoth (Schalen) gefangen.
  • Im Tikkun, einem komplizierten Prozess der Wiederherstellung wird das Licht aus den Kelipoth befreit und zum Ursprung zurückgebracht. Dem Menschen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Beim Tikkun spielen Gilgul (Seelenwanderung / Reinkarnation) und Ibbur (Schwängerung einer lebenden Seele durch eine andere Seele) ebenso eine Rolle wie die Kawwana als meditatives Gebet, aber auch Askese und die Mizwot (Erfüllung der Gebote).

Überlieferung und Wirkung

Isaak Luria schrieb seine Lehren nicht selbst nieder, bis auf ein paar kurze Traktate und drei Hymnen zum Sabbat, die im Judentum äußerst beliebt wurden.

Was als lurianische Kabbala überliefert wurde, hat zum größten Teil der Luria-Schüler Rabbi Vital Calabrese (1543-1620) aufgezeichnet, der auch die Lebensgeschichte Lurias aufzeichnete.

Um Issak Luria rankten sich bald mannigfaltige Legenden, er soll bereits als Kind durch wunderbare Eigenschaften aufgefallen sein, auch in Safed wirkte er durch Wunder.

Sein Leben wie sein Werk wirkten auf die Kabbalisten, etwa den Messias Sabbatai Zwi, beeindruckten aber im 17. bis frühen 19. Jahrhundert auch weite Kreise im Judentum. Während einerseits ein Moses Mendelssohn die Philosophie der Aufklärung vertrat, entwickelten sich auf lurianischer Basis mystische Strömungen, die mit dem Chassidismus verknüpft sind.

Eine Renaissance erlebt die Lehre Lurias in der von Thorwald Dethlefsen gegründeten Neuen Religiösen Bewegung Kawwana - Kirche des neuen Aeons zum Jahrtausendwechsel.

Literatur

  • Chaim Bloch: Das himmlische Urteil. Kabbalistische Legenden. Mit einer Einleitung herausgegeben von Manfred Baumotte. Hannover : Lutherisches Verlagshaus, 2001 ISBN 3-7859-0841-5
  • Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 330

Weblinks

Quelle:
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