Iwan IV. Wassiljewitsch (russ. Иван Грозный Aussprache ?/i, Grosny wörtlich der Strenge), im deutschen Sprachraum der Schreckliche genannt (* 25. August 1530 in Kolomenskoje; † 18. März 1584 in Moskau), war der erste gekrönte russische Zar. Durch Reformen von Verwaltung, Rechtswesen und Armee stärkte er die Zentralgewalt des Zaren und förderte den niederen Dienstadel auf Kosten der mächtigen Bojaren.
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Iwan verlor im Alter von drei Jahren seinen Vater Wassili III. Seine Mutter war Helena Glinskaja. Anfangs übernahm Helena die Regentschaft für ihren Sohn, starb aber wenig später im Jahre 1538, vermutlich an Gift. Nach dem Tod der Mutter entwickelte sich ein Machtkampf zwischen den Bojaren, wobei vor allem die Schuiski und Belski hervorstachen, um die Beherrschung des Throns und des jungen Zaren. Er wurde von ihnen mit Grausamkeit behandelt und sie schotteten Iwan von der Außenwelt ab. Als sich Iwan im Alter von dreizehn Jahren seiner Macht bewusst wurde, schlug er zurück. Er ließ einen Bojaren ergreifen und durch die Wache des Kremls ermorden.
Im Alter von 17 Jahren heiratete er die Tochter eines Bojaren, Anastasia Romanowna und ließ sich durch den Metropoliten von Moskau zum Zaren krönen. Dabei wurden Zeremonien verwendet, die er sich selbst ausgedacht hatte und die seine Macht und „Erwähltheit“ betonen sollten. Denn die Macht des Zaren war nicht unumstritten. Viele Bojaren waren faktisch unabhängig vom Zaren und unterhielten Privatarmeen und sprachen Recht. Iwan begann damit diese Macht zu beschneiden und enteignete Bojaren und steckte diese ins Kloster.
Nach der selbständigen Übernahme der Regierung im Jahr 1549 führte er in den 50er Jahren bedeutende Gesellschafts- und Staatsreformen durch. Unterstützt wurde er dabei von einem Kreis bedeutender Berater, dem „Auserwählten Rat“ (Isbrannaja Rada). Hierzu gehören die Neufassung der Gesetzgebung durch den „Sudebnik“ (Gesetzbuch) von 1550 und die Neuordnung des russischen Heeres. Zar Iwan IV gründete das erste russische Parlament, in dem die feudalen Stände repräsentiert waren (Zemskij Sobor, 1549). Das neue Gesetzbuch und die Regierungsverordnungen (Ustavnije Gramoty) dehnten die Rechte der gewählten Vertreter bäuerlicher Gemeinden im Gericht und in der lokalen Selbstverwaltung aus.[1] Die Reformen festigten den zentralen Staatsapparat, erhöhten die militärische Schlagkraft Russlands und schufen die Voraussetzung für außenpolitische Erfolge.
Die Eroberungen der Khanate Kasan 1552 und der Khanate Astrachan 1558 begründeten das russische Imperium. Durch die Siege über die Tataren stoppte der Zar die Raubzüge der Khanate Kazan im Nord-Osten Russlands, erschwerte die Angriffe von aggressiven Völkern aus Asien nach Europa über die Wolga [2], der russische Staat erhielt neue Ländereien, konnte den Handel nach dem Süden und Südwesten erweitern und dadurch einen Ausgangspunkt für den Vorstoß nach Sibirien schaffen. Im Westen versuchte er einen Zugang zur Ostsee zu schaffen und griff Livland an. Der hierdurch ausgelöste lange Krieg von 1558 bis 1583 mit Polen-Litauen und Schweden ruinierte die Wirtschaft Russlands. Die Krimtatarische Kavallerie verwüstete die südlichen Grenzgebiete Russlands [3]. 1571 brannten die Krimtataren Moskau nieder. Das eigentliche Ziel, einen direkten Zugang zur Ostsee zu schaffen, konnte durch die Auseinandersetzungen nicht erreicht werden.
Unter Iwan IV. begann der internationale Aufstieg Russlands und dessen Mitgestaltung der Belange der europäischen Staaten.
Im November 1581 erschlug er seinen Sohn Iwan Iwanowitsch. Als er seine Schwiegertochter in ihren eigenen Gemächern, seiner Meinung nach zu leicht bekleidet vorfand und deshalb gegen sie vorging, versuchte sein Sohn dieser beizustehen; im anschließenden Streit kam es zum verhängnisvollen Totschlag.
Iwan IV. war sieben mal verheiratet. Seine erste Frau Anastasia Romanowna war die Tante des Patriarchen Filaret, des Stammvaters des Hauses Romanow. Mit ihr hatte er folgende Kinder:
in zweiter Ehe heiratete er 1561 Maria, Tochter des Temrink Fürst Tscherkassky, die ihm 1563 den Sohn Wassili gebar, der aber im gleichen Jahr wieder starb. In siebter und letzter Ehe vermählte er sich 1580 mit Maria, Tochter des Fjodor Nagai. Sie wurde die Mutter des Prinzen Dmitri (* 19. Oktober 1583, vermutlich ermordet am 15. Mai 1591), als den sich später die sogenannten Pseudodimitris (Pseudodimitri I., Pseudodimitri II.) ausgaben.
Iwan litt zeitlebens unter Stimmungsschwankungen und Depressionen. Er starb am 18. März 1584. In seinen letzten Lebensjahren soll er Trost bei Hexen und Zauberern gesucht haben und heulend durch sein Schloss gelaufen sein.
Der deutsche Beiname „der Schreckliche“ ist nicht die adäquate Übersetzung der russischen Bezeichnung. Iwans Beiname lautet im Russischen grosny, was eher „bedrohlich“ oder „streng“ bedeutet. Doch schon zu Lebzeiten Iwans verbreitete sich an westeuropäischen Höfen ein Ruf, der zu der Bezeichnung „der Schreckliche“ führte.
Iwan wird als fromm und in der Heiligen Schrift belesen geschildert. Allerdings war er launisch und jähzornig. So befahl er für Tausende seiner Untertanen den Tod. Er soll Gefallen daran gefunden haben, sich besondere Foltermethoden auszudenken und dem Todeskampf seiner Opfer zuzusehen. Hierbei machte er auch vor seinen Bediensteten nicht halt. Bei der Ermordung der Bevölkerung tat sich vor allem die berüchtigte Leibgarde, die Opritschnina, hervor.
Pervertierter Großmut zeigte sich darin, dass er Wünsche seiner Untertanen in einem Korb sammeln ließ, um sie dann nicht zu erfüllen. Ein zeitgenössisches Sprichwort lautet daher „Leg deinen Wunsch in Iwans Korb“.
Die Figur Iwans des Schrecklichen bot reichen Stoff für Künstler. Die Historienmaler des ausgehenden 19. Jahrhunderts wie Wiktor M. Wasnezow und Ilja J. Repin präsentierten ihn in opulenten Ölgemälden. Rimski-Korsakows Opern Das Mädchen von Pskow und Die Zarenbraut spielen in der Epoche Iwans IV. Alexei Konstantinowitsch Tolstoi schuf das Drama Der Tod Iwans des Schrecklichen, das 1867 uraufgeführt wurde. Alexei Nikolajewitsch Graf Tolstoi schrieb unter Stalin einen Roman unter dem Titel Zar Iwan der Schreckliche. Im deutschsprachigen Raum dürfte Sergei Eisensteins Film Iwan der Schreckliche am bekanntesten sein, zu ihr komponierte Prokofjew die Filmmusik .
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