Der große Jüdische Krieg gegen die Römer begann im Jahr 65 n. Chr. in Judäa, ausgelöst durch staatliche und religiöse Unterdrückung, und endete im Jahr 70 mit der Zerstörung des Tempels (bzw. im Jahr 73 mit dem Fall von Masada). Es war der erste der drei großen jüdischen Aufstände gegen die Römer im ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. – der zweite war der Diasporaufstand um 116, der dritte der Bar-Kochba-Aufstand von 132-135 –, die schließlich zur Zerstörung der letzten Reste eines größeren geschlossenen jüdischen Siedlungsgebiets in der römischen Provinz Judäa führten und die Diaspora-Situation des Judentums bis ins 20. Jahrhundert begründeten.
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Als der römische Statthalter Gessius Florus nach andauernden Repressionen und stetigen Anhebungen der Zwangszahlungen an Rom einen Teil des Jerusalemer Tempelschatzes forderte, begann ein Aufstand von Teilen der jüdischen Bevölkerung. Er führte ab 66 zu erbitterten Kämpfen der sogenannten Zeloten in großen Teilen Judäas gegen die immer weiter aufgestockte, römische Armee. Einige einflussreiche Rabbis - vor allem Jochanan ben Sakkai, ein Nachfolger Hillels - versuchten den drohenden Krieg zu verhindern, konnten aber letztlich nur durch vorsichtige Diplomatie der völligen Zerstörung des Landes vorbeugen.
Anführer des Aufstands waren Johann von Gischala, Simon Bar Giora und bis zu seinem Überlaufen zu den Römern Joseph ben Mathitjahu, der später unter dem Namen Flavius Josephus einer der wichtigsten Chronisten des Krieges wurde. Nachdem die Lage für die römische Besatzung immer bedrohlicher wurde, marschierte im Jahr 67 der vom damaligen Kaiser Nero ernannte Vespasian mit drei Legionen nach Judäa ein und konnte schnelle Erfolge verbuchen. Der Sturm auf das von Aufständischen kontrollierte Jerusalem zog sich jedoch hinaus, was mit Veränderungen in Rom zu tun hatte. Nach dem Suizid Neros entstand in Rom ein Machtvakuum, welches das Vierkaiserjahr zur Folge hatte, an dessen Ende sich Vespasian durchsetzte, der auf die Unterstützung der Statthalter und Legionen des Orients bis zur Donaugrenze bauen konnte. Im Jahr 69 wurde er von Tiberius Iulius Alexander zum Kaiser ausgerufen und begründete damit die Flavier-Dynastie. Da sich Vespasian um seine Macht zu festigen nach Italien begeben musste, überließ er die Erstürmung Jerusalems seinem ältesten Sohn, dem späteren Kaiser Titus.
Jerusalem und mit ihm der Zweite Tempel wurden nach langer, verlustreicher Belagerung und Hungersnot im Jahr 70 von den Römern unter Titus erobert und gemäß der römischen Kriegsphilosophie vollständig zerstört ("solo adaequare"). Die Bergfestung Masada auf einem unzugänglichen Felsplateau über dem Toten Meer wurde erst 73 eingenommen. Zu deren Eroberung bauten die Römer mehrere Heerlager und eine riesige Rampe auf den Berg. Diese Bauten und die Verteidigungsanlagen sind großenteils bis heute erhalten und ein beeindruckendes Reiseziel für viele Touristen.
Einige Stunden vor der Erstürmung der Festung entzogen sich die 900 Verteidiger durch gemeinsamen Suizid der Gefangennahme durch die Römer, was beim Heer und den römischen Geschichtsschreibern einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.
Der Talmud (Traktat Gittin 56a) berichtet über die Tage vor der Zerstörung des Tempels im Jahre 70:
In den folgenden 70er Jahren wanderten zahlreiche Juden aus. Die jüdische Diaspora erstreckte sich bald rund ums Mittelmeer, viele emigrierten jedoch auch ins Perserreich, wo für die Juden günstigere Bedingungen als im Römischen Reich herrschten. Die Ankunft palästinensischer Judenchristen in der kleinasiatischen Hauptstadt Ephesos ist z.B. geschichtlich verbürgt.
Nach dem Ende des Krieges wurde Judäa nominell von König Herodes Agrippa II. regiert. Nach seinem Tod um 100 wurde Judäa wieder römische Provinz.
Die Klagemauer in Jerusalem gilt als ein Rest der Fundamente des Plateaus des herodianischen Palastes und des durch die Römer zerstörten 2. Tempels der Juden.
Israelische Archäologen haben bei einer Ausgrabung der IAA im westlichen Sektor von Kerem al-Ras bei Kfar Kana in Untergaliläa jüngst ein System von Katakomben entdeckt, das darauf schließen lässt, dass der Aufstand nicht spontan, sondern geplant und vorbereitet erfolgte. Yardenna Alexandre von der Israel Antiquities Authority gab die nördlich von Nazareth gelegenen Tunnel und Gewölbe bekannt, die sich direkt unter den Wohngebäuden befanden und von außen nicht sichtbar waren. Sie gelten als 2000 Jahre alt und boten im Notfall Schutz für größere Gruppen. In einer der Höhlen fanden die Archäologen elf große Vorratsgefäße.
Flavius Josephus: De bello Iudaico, griechisch/deutsch, hrsg. und mit einer Einleitung sowie mit Anmerkungen versehen von Otto Michel und Otto Bauernfeind, 3 Bde., 1959-1969.
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