Jakob Wassermann

Jakob Wassermann(1899 von Emil Orlik)
Jakob Wassermann
(1899 von Emil Orlik)

Jakob Wassermann (* 10. März 1873 in Fürth; † 1. Januar 1934 in Altaussee) war ein deutscher Schriftsteller jüdischer Herkunft. Sein Grab befindet sich im Friedhof Altaussee in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren als Sohn eines gescheiterten Geschäftsmanns, verlor er früh seine Mutter. Er zeigte bereits in jungen Jahren literarische Ambitionen; erste Veröffentlichungen in Tageszeitungen folgten. Sein Vater stand seinen literarischen Neigungen ablehnend gegenüber, so dass er nach Schulabschluss eine Lehre zum Kaufmann in Wien begann. Diese brach er jedoch ab.

In Nürnberg absolvierte er seine Militärzeit. In der Folgezeit hielt er sich in Süddeutschland und in der Schweiz auf. 1894 begab er sich nach München. Hier war er als Sekretär, später als Lektor der Zeitschrift Simplicissimus tätig. In diesen Zeitrahmen fiel das Erscheinen seines Romanes Melusine - Ein Liebesroman (1896). Hier lernte er auch bedeutende Schriftsteller seiner Zeit kennen, wie beispielsweise Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Thomas Mann.

Ab 1898 war Wassermann als Theaterkritiker in Wien tätig. 1901 heiratete er Julie Speyer, von der er sich 1919 trennte, um mit Marta Karlweis zusammen zu leben. Die Ehe mit Julie Speyer wurde nach langen Streitereien 1926 geschieden. Im selben Jahr heiratete er Marta.

Seit 1906 lebte er abwechselnd in Wien und in Altaussee in der Steiermark, wo er nach einer schweren Erkrankung 1934 verstarb. Die Gedenkrede auf Wassermann hielt am 23. Januar 1934 in Wien sein Kollege Heinrich Eduard Jacob, er hob dabei die "bewahrenden Kräfte der Juden" hervor.

Jakob Wassermann wurde 1926 zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt. Er trat 1933 jedoch wieder aus, womit er als Jude einem Ausschluss durch die Nationalsozialisten knapp zuvorkam. Nach der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland wurden hier auch seine Bücher verboten, obwohl er bis dahin einer der meistgelesenen Autoren gewesen war.

Wassermanns literarisches Schaffen umfasst vor allem Gedichte, Essays, Romane und Erzählungen. Als seine bedeutendsten Werke gelten der Roman Der Fall Maurizius aus dem Jahr 1928 sowie die Autobiografie Mein Weg als Deutscher und Jude 1921, in der er seine Empfindungen über das Verhältnis zwischen den Juden und den übrigen Deutschen ausdrückte.

Jakob-Wassermann-Preis

1995 stiftete die Stadt Fürth einen Jakob-Wassermann-Literaturpreis, den sie alle zwei bis drei Jahre verleiht.

Werke

Literatur

  • Daniela Eisenstein, Dirk Niefanger, Gunnar Och (Hrsg.): Jakob Wassermann. Deutscher, Jude, Literat. Göttingen: Wallstein, 2007, ISBN 3835301586
  • Stephen H. Garrin: The concept of justice in Jakob Wassermann's trilogy. Bern u. a.: Lang. 1979. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1, Dt. Sprache u. Literatur; 267) ISBN 3-261-03154-9
  • Birgit Gottschalk: Das Kind von Europa. Zur Rezeption des Kaspar-Hauser-Stoffes in der Literatur. Wiesbaden: DUV. 1995, ISBN 3-8244-4166-7
  • Hermann Greissinger: "In die vierte Existenz vielleicht". Konzeptionen von "Leben" und "Nicht-Leben" im Werk von Jakob Wassermann und in den Erzähltexten der frühen Moderne. Eine semiotisch-strukturale Werk- und Epochenanalyse. Bern u. a.: Lang. 1986. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur; 933) ISBN 3-261-03597-8
  • Christa Joeris: Aspekte des Judentums im Werk Jakob Wassermanns. Aachen: Shaker. 1996, ISBN 3-8265-1720-2
  • Rudolf Koester: Jakob Wassermann. Berlin: Morgenbuch-Verlag. 1996. (= Köpfe des 20. Jahrhunderts; 122) ISBN 3-371-00384-1
  • Martin Neubauer: Jakob Wassermann. Ein Schriftsteller im Urteil seiner Zeitgenossen. Frankfurt am Main u. a.: Lang. 1994. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur; 1485) ISBN 3-631-47919-0
  • Regina Schäfer: Plaidoyer für Ganna. Männer und Frauen in den Romanen Jakob Wassermanns. Tübingen: Niemeyer. 1992. (= Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte; 62) ISBN 3-484-32062-1
  • Esther Schneider-Handschin: Das Bild des Bürgertums in Jakob Wassermanns "Andergast-Trilogie". Bern u. a.: Lang. 1990. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur; 1170) ISBN 3-261-04164-1
  • Kaspar Schnetzler: Der Fall Maurizius. Jakob Wassermanns Kunst des Erzählens. Bern: Lang. 1968.
  • Marion Weindl: Funktion und Konstruktion des Erzählkunstwerks. Würzburg: Königshausen und Neumann. 1995. (= Epistemata; Reihe Literaturwissenschaft; 144) ISBN 3-8260-1010-8
  • Heike Lindemann-Luiken: Es ist vergeblich... Sie sagen: Er ist ein Jude. Die Auswirkungen des Antisemitismus im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert auf Leben und Werk Jakob Wassermanns. Frankfurt a.M. u.a.: Lang, 2005. (=Kölner Studien zur Literaturwissenschaft, Bd. 14) ISBN 3-631-54100-7
  • Rudolf Kayser Jakob Wassermann in: Zeitschrift f.d. Geschichte der Juden, H. 1/ 1970, Tel Aviv: Olamenu, S. 37-44

Weblinks

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