James Baldwin

Dieser Artikel bezieht sich auf den Schriftsteller James Baldwin, zu dem Philosophen und Psychologen siehe James Mark Baldwin.
James Baldwin, fotografiert von Carl van Vechten, 1955
James Baldwin, fotografiert von Carl van Vechten, 1955

James Baldwin (* 2. August 1924 in Harlem, New York City; † 1. Dezember 1987 in Saint-Paul de Vence, Südfrankreich) war ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

James Baldwin wurde 1924 im Harlem Hospital unter dem Namen James Arthur Jones als erstes Kind der alleinstehenden Mutter Emma Berdis Jones geboren; sein Vater ist unbekannt. Nach der Hochzeit der Mutter mit dem Fabrikarbeiter und Baptistenprediger David Baldwin nahm James im Alter von drei Jahren dessen Nachnamen an. Emma und David Baldwin bekamen in den folgenden Jahren gemeinsam acht Kinder.

Zu seinem Stiefvater hatte James ein äußerst angespanntes Verhältnis, welches sich zur Rivalität verschärfte als er ab 1938 in dessen Pfingstgemeinde Anerkennung als jugendlicher Prediger fand. Die Ablehnung, die er durch David Baldwin erfuhr, und dessen religiöser Fanatismus spiegelten sich später als dominierende Themen in James Baldwins Werken wider.

Schon früh zeigte James ein großes Interesse an Literatur. Er war als Kind und Jugendlicher ein leidenschaftlicher Leser, der sein Lesematerial in den öffentlichen Bibliotheken New Yorks fand. Zu den ersten literarischen Einflüssen auf ihn zählten Werke von Harriet Beecher-Stowe, Horatio Alger und Charles Dickens.

1941 gab James Baldwin sein religiöses Engagement auf, weil er zu der Überzeugung gekommen war, er täusche den Gemeindemitgliedern eigenen Glauben und Inbrunst nur vor. Er verließ auch seine Familie. 1942 schloss er mit Erfolg seine Schulausbildung an der De Witt Clinton High School, einer vornehmlich von Weißen besuchten Schule in der Bronx, ab. Dort hatte er sich zuvor durch die Herausgabe einer Schülerzeitung profiliert.

1943 starb sein Stiefvater und Baldwin sah sich in der Pflicht, für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Er nahm mehrere Gelegenheitsarbeiten an. Sein Entschluss, Schriftsteller zu werden, wurde durch diese Arbeiten bestärkt. Einen Förderer fand er in dem 16 Jahre älteren Schriftsteller Richard Wright, den er 1944 erstmals traf. 1946 veröffentlichte Baldwin seine erste Buchrezension in der Zeitung „The Nation“. In den folgenden Jahren wurde er als Essayist und Rezensent, der in namhaften Zeitschriften und Zeitungen publizieren konnte, bekannt. Sein erstes bedeutendes fiktionales Werk war die Kurzgeschichte „Sonny's Blues“ aus dem Jahr 1948.

Im November 1948 reiste James Baldwin nach Frankreich, weil er - wie er selbst später betonte - den Rassismus in New York nicht mehr ertragen konnte. Die folgenden vierzig Jahre seines Lebens verbrachte er überwiegend als Schriftsteller in seiner französischen Wahlheimat. Baldwin bezeichnete dies als „Selbstexilierung“. In Amerika sei es ihm nicht gestattet gewesen, sich in die Richtung zu entwickeln, in die er sich nur habe entwickeln können: „[A]lles, was mir meine Landsleute in jenen 24 Jahren, die ich im Lande zu leben versuchte, anzubieten hatten, war der Tod - ein Tod überdies nach ihrem Geschmack.“ [1]

Wrights Kritik an Baldwins erstem längeren Manuskript und die Veröffentlichung seiner Essays „Everybody's Protest Novel“ (1949) und „Many Thousand Gone“ (1951) in der „Partisan Review“ führten zum Bruch mit dem inzwischen ebenfalls in Frankreich lebenden Schriftstellerkollegen. Baldwin hatte in den beiden Essays die künstlerische Qualität und sozial-politische Relevanz von „Protestromanen“ wie Beecher-Stowes Onkel Toms Hütte und Wrights Native Son in Frage gestellt.

Nachdem er sich fast zehn Jahre lang vergeblich an längeren fiktionalen Texten versucht hatte, veröffentlichte Baldwin 1953 seinen ersten Roman Go Tell It on the Mountain, in dem sich seine Kindheits- und Jugenderfahrungen in der heimatlichen Baptistenkirche spiegeln. 1962 erschien sein wohl berühmtester Roman Another Country. Ein weiterer Roman mit dem Titel Giovanni's Room erregte wegen seiner homosexuellen Thematik großes Aufsehen und wurde heftig diskutiert.

Baldwin engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung und vor allem gegen den Rassismus. Seine Reden und Essays hatten großen Einfluss, allen voran seine Schrift The Fire Next Time, in der er, von persönlichen Erfahrungen ausgehend, die rassistische Struktur und die sexuelle Doppelmoral der US-amerikanischen Gesellschaft analysierte. Im Unterschied zu anderen afroamerikanischen Schriftstellern der 1950er und 1960er Jahre bewahrte Baldwin seinen Optimismus, dass sich die ethnischen Konflikte in den USA, wenn auch mit großer Kraftanstrengung, langfristig überwinden ließen.

Für sein Werk wurde Baldwin mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet und 1986 zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion ernannt.

Er starb 1987 im Alter von 63 Jahren an Magenkrebs.

Werke

Essays

  • Notes of a Native Son, 1955 (dt. teilw. in Schwarz und Weiß, 1963)
  • Nobody Knows My Name, 1961 (dt. teilw. in Schwarz und Weiß, 1963)
  • The Fire Next Time, 1962 (dt. Hundert Jahre Freiheit ohne Gleichberechtigung, 1964)
  • No Name in the Street, 1972 (dt. Eine Straße und kein Name, 1973)
  • The Devil Finds Work, 1976 (dt. Teufelswerk, 1977)
  • The Evidence of Things Not Seen, 1985 (dt. Das Gesicht der Macht bleibt weiß, 1986)
  • The Price of the Ticket, 1985

Romane

  • Go Tell It on the Mountain, 1953 (dt. Gehe hin und verkünde es vom Berge, 1966)
  • Giovanni's Room, 1956 (dt. Giovannis Zimmer, 1963)
  • Another Country, 1962 (dt. Eine andere Welt, 1965)
  • Tell Me How Long the Train's Been Gone, 1968 (dt. Sag mir, wie lange ist der Zug schon fort, 1969)
  • If Beale Street Could Talk, 1973 (dt. Beale Street Blues, 1974)
  • Just Above My Head, 1979 (dt. Zum Greifen nah, 1981)

Erzählungen

  • Going to Meet the Man, 1965 (dt. Gesammelte Erzählungen, 1968; später als: Des Menschen nackte Haut (Tb.), Sonnys Blues (geb.))

Theater

  • Blues for Mister Charlie, 1964 (dt. Blues für Mr. Charlie / Amen Corner, 1971)
  • The Amen Corner, 1968 (dt. Blues für Mr. Charlie / Amen Corner, 1971)

Drehbuch

  • One Day When I Was Lost, 1972 (dt. Sie nannten ihn Malcom X, 1974) nach der von Alex Haley herausgegebenen Autobiographie von Malcom X

als Mitautor

  • Nothing Personal, 1964 mit Richard Avedon (Fotos)
  • Little man, little man, 1976 mit Yoran Cazac (Illustrationen); Kinderbuch

Interviews und Gespräche mit James Baldwin

  • James Baldwin, un étranger dans le village, Künstlerportrait von Pierre Koralnik (1962)
  • A Rap on Race, 1971 mit Margaret Mead (dt. Rassenkampf - Klassenkampf. Ein Streitgespräch, 1973)
  • Gespräche Francoise Bondy, 1972 (das Gespräch mit Baldwin ist von 1963)
  • A Dialogue, 1973 mit Nikki Giovanni
  • ...gegen die US-gesellschaft Gespräche mit Henry Miller + James Baldwin Thomas Ayck, 1977
  • ZEIT-Gespräche Fritz J. Raddatz, 1978

Literatur

  • Wolfgang Binder: „Baldwin, James (Arthur)“, in: Bernd Engler und Kurt Müller (Hrsg.): Metzler Lexikon amerikanischer Autoren, Metzler, Stuttgart und Weimar 2000, 41-3.
  • Trudier Harris: „James Baldwin 1924-1987“, in: Paul Lauter u.a. (Hrsg.): The Heath Anthology of American Literature, 3rd Edition, Vol. 2, S. 2221.
  • Kristina Scholz: Vision and Sound in James Baldwin's „Sonny's Blues“. To Revelation Through Perception. FU Berlin SoSe 98 - Onlinefassung (980 KB).

Weblinks

Fußnoten

  1. James Baldwin: „Blues für Mr. Charlie / Amen Corner“., Hamburg 1971, S. 96.


Quelle:
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