Jauch ist der Name eines deutschen Notabeln- und Großbürgergeschlechts, dessen Hamburger Hauptast zu den alteingesessenen Hanseaten zählt. Der nobilitierte sächsisch-polnische Zweig ist mit August von Jauch (* 1731) ausgestorben.
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Erster Namensträger ist der Bürgermeister zu Stadtsulza Georg Jauch (1606-1675). Das Geschlecht verbreitete sich von Sulza zunächst über Güstrow nach Lüneburg und Polen. Ende des 17. Jahrhunderts trat das Geschlecht in der Freien Reichs- und Hansestadt Hamburg auf, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts dort ansässig und erwarb das Großbürgerrecht der Stadtrepublik, auf die es sich im 19. Jahrhundert konzentrierte. Die Jauch sind lutherischer Konfession. Hans Jauch (1883-1965) begründete den römisch-katholischen Zweig.
Die Jauch haben von Lüneburg ausgehend bis zu ihrem Wechsel nach Hamburg zu gleichen Teilen als Domherrn, Geistliche, Juristen und Kaufleute gewirkt. Mit dem Lüneburger Superintendenten Johann Christopher Jauch (1669-1725) und dem Ersten Domherrn des benachbarten landtagsfähigen Domstifts Bardowick Johann Christian Jauch (1702-1788) - verheiratet mit einer Urenkelin des Reformationstheologen Salomon Gesner (1559-1605)[1] - haben die Jauch leitende kirchliche Funktionen wahrgenommen. Friedrich August Jauch (1741-1796), Sohn des Kaiserlichen Notars Adolph Jauch (1705-1758), wurde Ratsherr und Senator zu Hannover. Carl Jauch (1735-1818) war ebenfalls Domherr zu Bardowick.
In Polen treten die Jauch durchgängig als Stabsoffiziere auf. Zunächst wandte sich Catharina Elisabeth Jauch (1671-1736) nach Sachsen und Polen. Sie ehelichte den Obersten und Barockarchitekten Johann Christoph v. Naumann und war Großmutter des Hochfürstlich-Salzburgischen Ingenieuroffiziers und Vedutenmalers Franz Heinrich von Naumann (1749-1795). Ihr Bruder, der Generalmajor und Direktor des Sächsischen Bauamtes zu Warschau, Joachim Daniel von Jauch (1688-1754), war der Organisator des barocken Ausbaus der Stadt Warschau. Ihm folgten mehrere Familienmitglieder in polnische Militärdienste, darunter Franz Georg Jauch (ca. 1682-nach 1753), 1724 bei dem Thorner Blutgericht als seinerzeitiger Capitaine des Inf.-Rgts. Garde des Königs und Kompaniechef in der Festung Thorn beteiligt. Franz Georg war später wie sein Neffe Heinrich Georg Jauch (* 1709) Oberstleutnant der Krongarde - jeweils mit dem Rang eines Obersten im Verhältnis zu den anderen Regimentern. Der früh verstorbene August von Jauch (* 1731) war Patenkind Augusts des Starken. Die vom König zur Geburt geschenkte Wiege steht heute im Nationalmuseum in Krakau.[2]
In Hamburg wirkten die Jauch als Großkaufleute. Den von Carl Daniel Jauch (1714-1795) begründeten Holzhandel baute Johann Christian Jauch senior (1765-1855) unter der Firma J.C.Jauch & Söhne zum führenden Holzgroßhandel Hamburgs aus. Seine Söhne begründeten die heute noch blühenden Linien Wellingsbüttel, Schönhagen und Fernsicht. Der Linie Jauch-Wellingsbüttel entstammen Walter Jauch (1888-1976), der die auf dem europäischen Festland führenden Versicherungs- und Rückversicherungsmakler Jauch & Hübener gründete, sein Bruder Rudolf Jauch (1891-1915), Zweiter Offizier auf SM U 40, dem ersten in einer britischen U-Boot-Falle versenkten U-Boot der kaiserlichen Marine, und Hans Jauch (1883-1965), Oberst und Freikorpsführer. Hans Jauchs Sohn ist der Journalist Ernst-Alfred Jauch (1920-1991), seine Enkel sind der Fernsehmoderator und Fernsehproduzent Günther Jauch (*1956), P. Robert Jauch OFM (*1954), Franziskaner und Autor, und der Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch. Luise Jauch (1885-1933) war leitende Krankenschwester am Waldsanatorium Berghof in Davos, dem Zauberberg Thomas Manns. Die Philanthropin Auguste Jauch (1822-1902), geborene Stubbe, leistete große Beiträge zur Verbesserung des Sozialwesens in Hamburg und schuf das Jauchsche Damenstift in Kiel. Ihr Sohn Hermann Jauch (1856-1916), Herr auf Schönhagen und Schwonendahl, erbaute das Herrenhaus Schönhagen und ist Mitstifter des Jauchschen Männerstifts am Stadtdeich zu Hamburg. August Jauch (1848-1930), Herr auf Fernsicht sowie Notabelnabgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft, und Robert Jauch(-Wellingsbüttel) (1856-1909), Herr auf Krummbek, wechselten - auf Erwerb nicht angewiesen - von ihren Gütern nach Hamburg und widmeten ihr Leben ebenfalls caritativen Aufgaben. Moritz Jauch (1804-1876) und Carl Jauch (1828-1888), beide Großbürger und Teilhaber von J.C. Jauch & Söhne, waren Oberleutnante der Hanseatischen Kavallerie. Walter Jauchs angeheiratete Cousine war Sigrid von Amsberg, Schwester von Claus von Amsberg, Prinz der Niederlande.
Eleonora Maria Jauch (1732-1797), Tochter des Domherrn Johann Christian Jauch (1702-1788), ehelichte Georg Christian Overbeck.[3] Ihr Sohn ist der Lübecker Bürgermeister und Dichter Christian Adolph Overbeck (1755-1821). Ihre Enkel sind der Maler Johann Friedrich Overbeck (1789-1869) und Charlotte Overbeck (1790-1872), verheiratet mit dem Mediziner Matthias Ludwig Leithoff. Von dem Enkel Johannes Overbeck (1788-1832) stammen ab ihr Urenkel Johannes Adolph Overbeck (1826-1895), Archäologe, die Urenkelin Wilhelmine Friederike Charlotte Overbeck (1829-1908), verheiratet mit den Ingenieur Franz Reuleaux, und die Urenkelin Cäcilie Lotte Eleonore Overbeck (1856-nach 1920), verheiratet mit dem Anthropologen und Leibarzt von Alfred Krupp Emil Ludwig Schmidt. Ur-Urenkelin ist Agnes Elisabeth Overbeck (1870-1919), Komponistin und Pianistin, verheiratet (!) unter dem Pseudonym "Baron Eugen Borisowitsch Onégin" mit der Opernsängerin Sigrid Onégin. [4] Ein weiterer Abkömmling ist der zu den Kommandeuren der Waffen-SS gehörende SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Karl von Treuenfeld (1885-1946). Die Nachfahrin Emilie Charlotte Adele Fehling (1865-1890) heiratet Bernhard v. Hindenburg, Bruder des Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten Paul v. Hindenburg.
Constance Jauch (1722-1802), Tochter von Joachim Daniel v. Jauch, (1684-1754) heiratete Heinrich Lölhöffel v. Löwensprung (1705-1763), Königlich-Polnischer Hofrat und Leibarzt Augusts III., Königs von Polen. Sie ließ aus den Mitteln des väterlichen Erbes ab 1755 an einer der Hauptachsen Warschaus, der Ulica Miodowa, durch Ephraim Schröger nach dem Vorbild Pariser Hôtels das Palais Lelewel errichten,[5] so bezeichnet nach ihrem polonisierten Namen "Lelewel", und hat einige insbesondere für Polen bedeutende Nachkommen.[6] Ihr Sohn Karol Maurycy Lelewel (1750-1830) ehelichte eine Nichte des Erzbischofs von Mahiljou und Katholischen Metropoliten des Russischen Reiches Kasper Kazimierz Cieciszowski,[7] erlangte das polnische Indigenat und wurde Mitglied des Sejm.[8] Ihr Enkel ist Joachim Lelewel (1786-1861), Freiheitskämpfer und Polens wichtigster Historiker. Sein jüngerer Bruder ist der Freiheitskämpfer und Ingenieur Jan Paweł Lelewel (1796-1847). Constance Jauchs Tochter Teresa Lelewelowna (1752-1814) ehelichte Adam Józef Cieciszowski,[9] Bruder des Erzbischofs Kasper Cieciszowski. Constance Jauchs Enkelin Aleksandra Franciszka Cieciszowska war verheiratet mit dem polnischen Politiker und Minister Jan Paweł Łuszczewski (1764-1812).[10] Die polnische Dichterin und Schriftstellerin Jadwiga Łuszczewska (1834-1908), genannt Deotyma, ist Enkelin aus dieser Verbindung. Ur-Urenkel von Constance Jauch ist der polnische Schriftsteller, Autor von "Quo Vadis" und Nobelpreisträger für Literatur Henryk Sienkiewicz (1848-1916), weiterer Nachfahre der Professor für Literaturgeschichte Ignacy Chrzanowski (1866-1940), im Rahmen der Sonderaktion Krakau im KZ Sachsenhausen ums Leben gekommen.[11] Constanzes Enkelin Anna Cieciszowska war angeheiratete Schwägerin von Prinzessin Magdalena Agnieszka Lubomirska (1739-1780), Mätresse des Königs Stanislaus II. August Poniatowski. Großtante der Nachkommen Lelewel ist Jadwiga Walewska (* 1740), Schwägerin von Gräfin Maria Walewska (1786-1817), der Geliebten Napoleons I..
Ludovica Jauch (1772-1805) heiratete in erster Ehe den Kaufmann Johann Carl Deetz, in zweiter Ehe den Musiker Johann Heinrich Griebel, Lehrer Albert Lortzings. Ihr Sohn ist Albert August Wilhelm Deetz (1798-1859), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und der Kaiserdeputation. Wilhelmine Jauch (1809-1893)[12] heiratete den für die Musikgeschichte Norddeutschlands im 19. Jahrhundert maßgeblichen Musikkritiker und Schriftsteller Theodor Avé-Lallemant. Charlotte Jauch (1811-1872) heiratete den namhaften Juristen Gustav Lührsen,[13] Verfasser der Hamburgischen Hypotheken-Ordnung und Befürworter eines einheitlichen deutschen Grundbuchwesens.[14] Ihr Sohn ist der personaladelige - er führte das Prädikat als Hamburger nicht - Kaiserlich-Deutsche außerordentliche Gesandte und Minister Johannes Lührsen (1838-1903). Urenkel sind Hans v. Feldmann (1868-1940), Generalleutnant und Staatssekretär im Reichswehrministerium,[15] und sein Bruder Otto v. Feldmann (1873-1945), Oberstleutnant i.G., im Ersten Weltkrieg als Feldmann Pascha Chef der Operationsabteilung des Osmanischen Großen Hauptquartiers und beteiligt am Genozid an den Armeniern,[16] 1933-1939 Reichstagsabgeordneter. Ihre Enkelin, die Kunstmalerin Irene Marie Lührsen (1883-1968), heiratete den Kunstmaler Felix Freiherrn von Fuchs-Nordhoff, Sohn der Schauspielerin Franziska Ellmenreich. Deren Zwillingsschwester Ines Lührsen heiratete Vistallo Baron Taxis di Bordogna e Valnigra, Sohn des Obrist-Erbpostmeisters zu Trient und an der Etsch Joseph Emanuel Baron Taxis di Bordogna e Valnigra.[17] Weitere Nachkommen von Charlotte Jauch (1811-1872) sind über ihre Urenkelin Victoria Villiers a.d.H. der Earls of Clarendon[18] die Lords Bolton, beginnend mit Algar Orde-Powlett, 7th Baron Bolton of Bolton castle (1929-2001), auf Bolton Hall, Leyburn, Yorkshire, Peer von Großbritannien, erbliches Mitglied des House of Lords. Luise Jauch (1815-1881) heiratete den Hamburger Großbürger Adolf Halske (1814-1888), Cousin des Siemens-Mitbegründers Johann Georg Halske. Ihre Tochter Anna (1854-1909) heiratete Gustav Lichtenberg (1844-1906), Urgoßneffe von Georg Christoph Lichtenberg.
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„Palais Jauch“ am Weichselufer bei Warschau, 1722 erbaut von Joachim Daniel von Jauch |
Gr. Bäckerstraße 12 (vorne links), Lüneburg, erbaut für Carl Daniel Jauch 1740 |
Palais Lelewel (Front), Warschau, erbaut für Constance Jauch 1755 |
Hamburg, Stadtdeich 9 - Stammhaus, ab 1891 Jauchsche Stiftung |
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Jauchsches Damenstift in Kiel, erbaut für Auguste Jauch 1884 |
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Herrenhaus Schönhagen, erbaut für Hermann Jauch 1889 |
Landhaus am Ufer des Mühlenteichs bei Schloss Reinbek, erbaut für Adolph Jauch 1890 |
In Gold ein schwarz gekleideter Mann mit schwarzem Haar und schwarzem Hut, die Unterarme nach oben gewinkelt, Kragen, Manschetten, Knöpfe und Gürtel in Gold, mit seiner Rechten eine schwarz gekleidete Hand haltend, die aus einer schwarzen Wolke im vorderen Obereck ragt; auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken in Gold das strahlende Auge Gottes zwischen einem schwarzen offenen Flug. Die Devise lautet: „HERR, DU LEITEST MICH NACH DEINEN RATH“.[19]
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Brockhaus-1809: Hamburg · Hamburg
Brockhaus-1911: Hamburg – Amerika – Linie · Hamburg
Meyers-1905: Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktiengesellschaft · Schiffs- und Tropenkrankheiten, Institut für, in Hamburg · Hamburg-Amerika-Linie · Hamburg [1] · Hamburg [2]