Vorlage:Linkbox Bücher der Propheten im Alten Testament Jeremia (hebr. ירמיהוYirməyāhū) ist neben Jesaja und Ezechiel einer der drei großen Schriftpropheten des Tanach, der Hebräischen Bibel. Im Kanon des Alten Testaments steht sein Buch nach Jesaja an zweiter Stelle der Prophetenbücher. Im hebräischen Kanon gehört es zu den hinteren der Nebiim. Seit dem Mittelalter wird das Buch in 52 Kapitel unterteilt.
Inhaltsverzeichnis |
Jeremia wirkte etwa 627 bis 587 v. Chr. in Jerusalem. Er predigte dem Volk Israel Bekehrung und Umkehr zu JHWH und prophezeite jahrelang den Untergang der Tempelstadt, der im Jahr 586 v. Chr. tatsächlich eintrat.
Das Buch ist eine wichtige Quelle für die Geschichte des ausgehenden Königtums im Südreich Juda. Viele der darin erwähnten Völker des Nordens finden sich auch in assyrischen und griechischen Quellen (Aschkenas, Gomer, Minni, Meder und Perser).
Der Autor bezeichnet Jeremia (in Jer. 1,1.11) als Sohn des Priesters Hilkija, der möglicherweise von Ebjatar, dem von David nach Anatot verbannten Priester (1 Kön 2,26), abstammt. Ob dieser mit dem 2 Kön 22 genannten Priester Hilkija identisch ist, ist höchst zweifelhaft. Eine priesterliche Prägung seiner Botschaft, wie etwa beim Propheten Ezechiel, ist trotz seiner priesterlichen Herkunft jedenfalls nicht erkennbar. Auch seine Stellung gegenüber der Josianischen Reform (622 v. Chr.) bleibt völlig unklar, da Jeremiaworte aus den Jahren zwischen der Reform und dem Tod des Josia nicht überliefert sind.
Jeremia stammt aus Anatot (Jer 1,1), dessen Bewohner ihm das Auftreten als Prophet ausreden wollen (Jer 11,18-23).
Im biblischen Jeremiabuch ist die letzte Nachricht seine Verschleppung nach Ägypten. Spätere nicht-kanonische Schriften erzählen von seinem Leben dort und seiner Steinigung ca. 580 v. Chr. durch Juda .
1-10 Berufung Jeremias als Prophet und Gerichtsworte
Besonders beachtenswert ist die Tempelrede in Kap. 7 und die Götzenpolemik in Kap. 10 (vgl. Jes 44).
11-20 Klagen und Gerichtsworte
Die Konfessionen Jeremias thematisieren die Einsamkeit des Propheten, der darum Gott anklagt. Einprägsam sind auch die zahlreichen Zeichenhandlungen Jeremias: Der verdorbene Gürtel (13), der zerschmetterte Krug (19), u.a..
21-24 Worte an die Führenden: Jerusalem wird zerstört werden!
25 Ansage des 70jährigen Exils
26-29 1. Schülerbericht: Das Schicksal Jeremias
Hier wird Jeremia im Konflikt mit anderen Propheten gezeigt, v.a. dem Hofpropheten Hananja.
30-35 Heilsworte
Die Rede vom Neuen Bund (31) wird verdeutlicht durch den Ackerkauf in Anatot (32). Dies soll zeigen, dass Israel jenseits der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems eine Zukunft hat.
36-45 2. Schülerbericht: Das Schicksal Jeremias im belagerten Jerusalem
Hier steht Jeremia im Konflikt mit dem letzten König Judas Zidkija. Nach der Eroberung Jerusalems (39) und der Ermordung des babylonischen Statthalters Gedalja (41) flieht er nach Ägypten (43). Seine letzte Zeichenhandlung dort (43) kündigt die Eroberung Ägyptens durch die Babylonier an.
46-51 Worte gegen fremde Völker
52 Bericht über die Zerstörung Jerusalems und die Begnadigung Jojachins (vgl. 2 Kön 24f)
Jeremia 1 kann als Programmtext des gesamten Buches gelesen werden. Dieses Kapitel legt vielfältige Spuren ins Buch hinein:
Theologische und ethische Analysen gehen ineinander über, ebenso die Kritik. Ein Grundgedanke ist, dass - wenn Israel anderen Göttern folgt - JHWH gegen sein auserwähltes Volk prozessiert und mit dem Verlust des Landes droht. Saeqaer (Hebr. = Lug, Trug, Verlogenheit) gilt als Schlüsselwort: Nicht mehr das Recht JHWHs bestimmt eine auf Solidarität gründende Gemeinschaft, sondern Täuschung, Betrug und Gewinn prägen die Gesellschaft. Daher trifft die Kritik v.a. die Propheten, Priester und Könige.
In manchen Texten scheint das Gericht als unausweichlich, dann wieder gibt es doch konkrete Heilserwartungen - vermutlich verstärkt durch spätere Zusätze. Heil und Unheil lassen sich nicht immer säuberlich scheiden. Heil liegt darin, dass die Zeit des Unheils begrenzt ist, dass Gott auf Bestrafung verzichtet und Jerusalem zurückkehren darf zu JHWH.
Die Konfessionen Jeremias in den Kap. 11-20 thematisieren die inneren und äußeren Konflikte des Propheten, sie sind im Stil von Klagepsalmen gehalten.
20, 7: als ein von Gott vergewaltigter will er sich schließlich seinem Dienst entziehen. 20, 14-18: kein Gebet mehr, sondern Selbstverfluchung. Ähnlich wie Hiob 3 verflucht er den Tag seiner Geburt. Im Gesamtkontext des Buches wendet sich jedoch das Geschick Jeremias: Kap. 37ff gehört Jeremia zu den Geretteten, während seine Gegner ihre Strafe erfahren. Deren Überlegenheit und Erfolg waren also nur vorläufig. Man könnte sagen, die Person und das Geschick Jeremias boten sich als „Folie“ für die Spannung zwischen realen Verhältnissen und Gerechtigkeit Gottes, die zwar noch aussteht, sich aber letztendlich durchsetzen wird. In späteren Schriften war es dann kein großer Schritt mehr in Richtung Apokalyptik. Die Verbindung von Gefährdung und Bewahrung eines Propheten gibt es in der Form nur bei Jeremia.
Das Jeremiabuch ist in zwei Versionen überliefert, einer griechischen und einer hebräischen. Die griechische Version ist offensichtlich eine sklavische, aber eigenwillige Übersetzung eines komplexen hebräischen Originals, das nicht die heute vorliegende hebräische Version ist. Unterschiede zwischen den beiden Versionen bestehen in Position und Reihenfolge der Völkerorakel sowie in der Länge: Die hebräische Version ist um ein Siebtel länger. Ob nun die uns vorliegende hebräische Version oder die hebräische Vorlage der griechischen Version älter ist, ist umstritten. Bei den Texten von Qumran finden sich beide Versionen, also kann man von einer längeren parallelen Überlieferungsgeschichte ausgehen.
Als Verfasser gilt in der biblischen Tradition der gleichnamige Prophet, der etwa von 627 bis 587 v. Chr. in Jerusalem wirkte. Der Name Jeremia/Jirmejah/Jirmejah bedeutet "Gott erhöht". Jer 1,1.11 bezeichnet ihn als Sohn des Priesters Hilkija. (Auch 2 Kön 22 nennt einen Hilkija als Hohenpriester; in der Regel wird aber von der Forschung eine Identität der beiden Personen verneint.) Eine priesterliche Prägung der Botschaft Jeremias, wie etwa beim Propheten Ezechiel, ist jedoch nicht erkennbar.
Jeremia stammt aus Anatot (Jer 1,1), dessen Bewohner ihm das Auftreten als Prophet ausreden wollen (Jer 11,18-23). Hatte er eine verwandtschaftliche Beziehung zum dorthin verbannten Priester Davids Ebjatar (1. Kön 2,26)?
Interessanterweise ist das Buch Jeremia durchzogen von Hinweisen auf eine entstehende Schriftkultur: Nicht nur Baruch trägt den Titel ‚Schreiber’ (36,26), sondern der Titel ist auch sonst Funktionsbezeichnung (36,12; 37,15.20; 52,25). Von Tafel (17,3), Tinte (36,18) und Schreibermesser (36,23) ist die Rede. Die wörtlich zitierte Unheilsdrohung Michas (26,17f) und Anspielungen auf zahlreiche frühere Propheten setzen schriftliche Dokumentation dieser früher entstandenen Prophetenbücher voraus.
In der wissenschaftlichen Theologie wird zugestanden, dass überraschend große Anteile des Buches authentischen Ursprungs sind - dies gilt v.a. für die biographischen Passagen, in denen eine auffällige Häufung von Personennamen für ereignisnahe Darstellung bürgt: Baruch ben Nerija, Ahikam ben Schafan, Zefanja ben Maaseja, Ebed-Melech. Dennoch ist das Buch von deuteronomistischen Schülern Jeremias in exilischer Zeit stark nachbearbeitet worden. Wie dies genau geschah, ist umstritten.
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