Johanna (Flandern)

Johanna, genannt Johanna von Konstantinopel (* 1200, † 5. Dezember 1244 in Marquette), war ab 1205 Gräfin von Flandern und Hennegau. Sie war die ältere Tochter von Graf Balduin IX. (Balduin VI. von Hennegau) und Marie de Champagne.

Im Jahr 1198 hatte Fulko von Neuilly im Auftrag des Papstes Innozenz III. den erneuten Kreuzzug gepredigt; Graf Balduin war einer der ersten, die dem Aufruf folgten. Im Jahr 1200 wurde dann seine erste, im Jahr 1202 seine zweite Tochter, Margarete, geboren. Im Sommer 1202 brachen die Kreuzritter von Venedig aus zum Vierten Kreuzzug auf, darunter auch Balduin, nachdem er seine beiden Grafschaften und seine Töchter der Obhut seines Bruders Philipp von Namur anvertraut hatte.

Marie de Champagne starb am 9. August 1204, nachdem sie Balduin gefolgt war, Balduin (der im gleichen Jahr Kaiser des Lateinischen Kaiserreichs von Konstantinopel geworden war) am 11. Juni 1205 in bulgarischer Gefangenschaft. Johanna erbte Flandern und Hennegau, und Philipp von Namur blieb Regent.

Während eines Kriegs mit Frankreich geriet Philipp von Namur in Gefangenschaft, aus der er sich nur freikaufen konnte, indem er zum einen die Ehe (August 1210) mit Maria, einer Tochter des Königs Philipp II. August und der Agnes von Andechs-Meranien, einging, zum anderen seine beiden Nichten als Geiseln an den französischen Hof schickte.

Am 1. Januar 1212 heiratete Johanna Ferdinand von Portugal, einen Sohn des Königs Sancho I., der dadurch zum Grafen von Flandern und Hennegau wurde und Philipp von Namur in dieser Funktion ablöste.

Auf der Rückreise nach Flandern wurden Johanna und Ferdinand von Ludwig von Frankreich, dem Sohn Philipp August und späteren König, gefangen genommen. Ludwig Ziel war der Erwerb eines großen Teils der Mitgift seiner Mutter, Isabella von Hennegau, einer Schwester Balduins IX. und Tante Johannas, die aus der Grafschaft Artois bestanden hatte, und die Balduin IX. nach Isabellas Tod (1190) gewaltsam zurückbehalten hatte.

Nachdem Johanna und Ferdinand mit dem Vertrag von Guînes Aire-sur-la-Lys, Saint-Omer und Guînes abgetreten hatte, wurden sie freigelassen – und schlossen sich umgehend den alten Verbündeten Balduins, dem englischen König Johann Ohneland und dem deutschen König Otto IV. an. Die Verbündeten wurden am 27. Juli 1214 in der Schlacht bei Bouvines vernichtend geschlagen, Ferdinand fiel dabei in französische Gefangenschaft, aus der erst mehr als 12 Jahre später, im Januar 1227, wieder freikam. Johanna regierte nun Flandern und Hennegau alleine.

In diesen Jahren begannen die Auseinandersetzungen mit ihrer Schwester Margarete, wobei es um deren Ehen und damit die Legitimität ihrer Kinder ging, vor allem also und Johannas Nachfolge.

Im Jahr 1225 trat ein Mann auf, der behauptete, der nach 20 Jahren Abwesenheit zurückgekehrte Graf Balduin zu sein und mit dieser Behauptung auch großen Zulauf fand. Lediglich mit Hilfe ihres Vetters Ludwig, jetzt König Ludwig VIII. von Frankreich, konnte sie den ausbrechenden Aufstand unterdrücken.

Ferdinand kehrte 1227 aus der Gefangenschaft zurück und starb 1233. 1231 bekam sie eine Tochter, Maria, die 1235 starb. Am 2. April 1237 heiratete Johanna Thomas II., Graf von Savoyen, der ab 1239 ebenfalls als Ehemann den Titel eines Grafen von Flandern und Hennegau führte. Mit ihrem erbenlosen Tod am 5. Dezember 1244 gingen die Grafschaften dann an ihre Schwester Margarete über.

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