| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Sachsen | |
| Regierungsbezirk: | Chemnitz | |
| Landkreis: | Aue-Schwarzenberg | |
| Koordinaten: | 50° 26′ N, 12° 43′ O | |
| Höhe: | 650–1000 m ü. NN | |
| Fläche: | 29,59 km² | |
| Einwohner: | 5235 (31. Dez. 2006) | |
| Bevölkerungsdichte: | 177 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 08349 (alt: 9438) | |
| Vorwahl: | 03773 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ASZ (alt: SZB) | |
| Gemeindeschlüssel: | 14 1 91 180 | |
| Stadtgliederung: | 12 Stadtteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Eibenstocker Straße 67 08349 Johanngeorgenstadt |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Holger Hascheck (SPD) | |
| Lage der Stadt Johanngeorgenstadt im Landkreis Aue-Schwarzenberg | ||
Johanngeorgenstadt ist eine Bergstadt im sächsischen Erzgebirge. Sie liegt direkt an der tschechischen Grenze, ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und nennt sich „Stadt des Schwibbogens“.
Inhaltsverzeichnis |
Die Stadt erstreckt sich vorwiegend auf dem östlichen Hang des fast 900 m hohen Fastenberges an der Einmündung des teilweise die Grenze zur Tschechischen Republik bildenden Breitenbaches in das Schwarzwasser. Die nächsten höheren Berge in der Umgebung der Stadt sind der 1019 m hohe Auersberg, der 1043 m hohe Blatenský vrch (Plattenberg) und der 913 m hohe Rabenberg.
Angrenzende Gemeinden im Landkreis Aue-Schwarzenberg sind Breitenbrunn, Eibenstock und Sosa.
Johanngeorgenstadt besteht aus den Ortsteilen Altstadt (volkstümlich genannt Sockendorf), Mittelstadt, Neustadt, Schwefelwerk, Jugel (Ober- und Unterjugel), Henneberg, Wittigsthal, Pachthaus, Heimberg (mit Külliggut), Steigerdorf (mit Haberlandmühle), Steinbach und Sauschwemme. Der frühere Ortsteil Neuoberhaus ist heute eine wiederaufgeforstete Wüstung.
Aufgrund der Höhenlage (die Passhöhe der Straße zur Neustadt beträgt 892 m NN) dehnt sich der Winter mit seiner langanhaltenden Schneedecke oft ein halbes Jahr aus, sodass Johanngeorgenstadt zu den schneesicheren Gebieten Sachsens zählt. Windstärken von vier bis sieben sind das ganze Jahr über keine Seltenheit, was dazu führte, dass der Ort bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer beliebten Sommerfrische geworden ist. Da die dortige Gegend im 18. Jahrhundert in einigen Publikationen als Sächsisches Sibirien bezeichnet wurde, lautet einer der liebevollen Spitznamen der Stadt Johannsibirsk.
Am 23. Februar 1654 wurde in Annaburg von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen die Gründung von Johanngeorgenstadt durch aus der Bergstadt Platten und Umgebung vertriebene böhmische Exulanten am Fastenberg unmittelbar an der sächsischen Grenze im Amt Schwarzenberg genehmigt. 1680 sind in der Stadt und deren Umgebung etwa 100 Erzgruben gezählt worden. Der Bergbau auf Silber wurde auch auf Zinn ausgedehnt, erreichte um 1715 seinen Höhepunkt, und ging im Laufe des 18. Jahrhunderts zurück.
Nach dem Ablauf der 1656 gewährten zwei Freijahre überließ der Kurfürst von Sachsen der Stadt wegen der herrschenden Armut die staatlichen Akzise-, Schock- und Tranksteuern bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Die große Hungersnot im Erzgebirge 1771/72 forderte in der Stadt etwa 650 Todesopfer.
Bereits 1651 wurde im heutigen Stadtteil Wittigsthal ein Hammerwerk in Betrieb genommen und 1828 durch den dortigen Hammerherrn Carl Gotthilf Nestler (1789-1864) das erste funktionstüchtige Eisenblechwalzwerk Sachsens in der Haberlandmühle errichtet. Im 19. Jahrhundert begann u. a. die Produktion von Bandspitze und ab 1860 von Lederhandschuhen. Am 19. August 1867 vernichtete ein verheerender Großbrand 287 der 355 Häuser des Stadtgebietes. Es kamen dabei sieben Erwachsene und fünf Kinder ums Leben.
Die erste Großsprungschanze Deutschlands entstand 1929 in der Nähe von Johanngeorgenstadt. Sie trug den Namen Hans-Heinz-Schanze. 1934 wurde der zuvor eingestellte Bergbau wieder aufgenommen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Johanngeorgenstadt mit der Belegung des Hotels „Deutsches Haus“ des Eigentümers Arthur Krautmann gegenüber dem Bahnhof Lazarettstandort. Ferner war in der Stadt ein Außenkommando des KZ Flossenbürg untergebracht, in dem zahlreiche Häftlinge starben. Das Außenlager wurde am 13. April 1945 geräumt und die Häftlinge auf einem Todesmarsch in Richtung Theresienstadt geschickt.
Ab 1945 erlebte der Uranabbau durch die Gründung der SAG Wismut, später SDAG Wismut, einen rasanten, keine Rücksicht auf Mensch und Umwelt nehmenden Aufschwung. Ein Großteil der Altstadt musste aufgrund von Bergschäden von 1953 bis 1960 weitgehend abgebrochen werden und es wurden mehrere neue Wohnsiedlungen errichtet (Mittel- und Neustadt: Grundsteinlegung: 23. April 1952, Mühlberg, Neuoberhaus).
Von 1952 bis 1957 bildete Johanngeorgenstadt einen eigenen Stadtkreis. Danach wurde der Ort in den Kreis Schwarzenberg (heute Landkreis Aue-Schwarzenberg) integriert.
Die ab 1990 einsetzende Schließung zahlreicher Betriebe der Handschuh-, Textil- und Möbelindustrie sowie des Maschinenbaues sorgte für einen enormen Rückgang der Bevölkerungszahl weit unter das Vorkriegsniveau. Dies wiederum hatte den Abriss zahlreicher leerstehender Fabrik- und Wohngebäude (vor allem in Neuoberhaus, Pachthaus und der Mittelstadt, teils frühere Baracken der Wismut-Kumpel) zur Folge. Von den Abbruchmaßnahmen war 2005 auch eines der wenigen Kulturdenkmale der Stadt betroffen: Das zwischen 1806 und 1812 errichtete und vom großen Stadtbrand 1867 verschonte Gebäude des Bergmagazins wurde mit Genehmigung des Stadtrats abgerissen.
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1955 31. Dezember):
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1815 bis 1946
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1950 bis 1971
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1974 bis 2006
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1 29. Oktober
2 31. August
Von den 5.748 Einwohnern am 31. Dezember 2003 waren 2.751 Einwohner männlich und 2.997 weiblich.
Das Stadtwappen stammt aus der Gründungszeit der Stadt.
Blasonierung: „Geteilt von Silber über Rot; oben drei rote Gebäude mit Türmen, unten ein kleiner Silberschild, darin schwarze Schlägel und Eisen.“
Unweit der Schwefelwerkstraße liegt der am 30. Oktober 1993 eingeweihte Nachbau eines Pferdegöpels und Huthauses mit Besichtigungsmöglichkeit. In unmittelbarer Nachbarschaft des Pferdegöpels befindet sich ein Lapidarium historischer Grenz- und Marksteine.
Ebenfalls an der Schwefelwerkstraße in der Mittelstadt befindet sich eine Heimat-Stube.
Im 1898/99 errichteten und nach einem Großbrand am 7. August 1993 umgebauten Bahnhofsgebäude finden verschiedene Ausstellungen statt.
Das Lehr- und Schaubergwerk „Frisch Glück“ (Glöckl) im Stadtteil Wittigsthal.
Johanngeorgenstadt ist der Herkunftsort der erzgebirgischen Volksmusikgruppe „De Randfichten“. Von den drei Musikern lebt heute jedoch lediglich Michael Rostig in der Stadt.
Im Rahmen des Erzgebirgszweigvereins ist eine vom Lehrer a. D. Eberhard Müller geleitete Gesangsgruppe aktiv.
Die evangelisch-lutherische Stadtkirche wurde nach dem Stadtbrand, der die erste Exulantenkirche aus dem 17. Jahrhundert zerstört hatte, im neugotischen Stil unter Benutzung des alten Turmmauerwerkes errichtet und am 27. August 1872 geweiht. Im Inneren befindet sich unter anderem die Monumentalgemälde „Hausandacht“ (auch „Betender Bergmann“ und „Bergmannsglaube“ genannt) und „Exulantenschicksal“ des Kunstmalers August Herrmann (1885-1962).
Auf dem Marktplatz steht das Standbild des Stadtgründers Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585–1656). Es wurde 1863 vom Bildhauer Wilhelm Schwenk aus Dresden aus Postelwitzer Sandstein geschaffen und 1984 erneuert. Davor befindet sich eine Freitreppe aus Granit und ein wasserspeiender Bärenkopf als Hinweis auf die kurfürstlichen Jagden in der Umgebung der Stadt.
Ebenfalls auf dem Marktplatz befindet sich der Schillerbrunnen. Dieser wurde 1859 erbaut und zur Feier des 100. Geburtstages von Friedrich von Schiller eingeweiht.
Weitere Denkmäler auf dem Marktplatz sind das hellgraue Granitpostament des Kriegerdenkmals (1870/71) und mehrere Gedenksteine für die Söhne der Stadt. Die zwei Meter hohe Bronzefigur des Kriegerdenkmals wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.
An der Ecke des Marktplatzes zur Karlsbader Straße stand bis zum Stadtbrand von 1867 das einstige Löbelhaus, in dem der erste Bürgermeister Johann Löbel d. Ä. wohnte. Hier übernachtete im August 1785 Johann Wolfgang von Goethe auf seiner Karlsbad-Reise. Die früher am Truckenbrodtschen Hotel „Sachsenhof“ angebracht gewesene Goethe-Gedenktafel befand sich danach im Hauptpostamt in der Neustadt.
Auf dem Röderplatz befindet sich das am 8. September 1901 eingeweihte Denkmal für den Dichter und Sänger des Erzgebirges, Schuldirektor Christian Friedrich Röder (1827–1900) mit einer überlebensgroßen Büste.
Sehenswert sind ferner der Platz des Bergmanns mit Musikpavillon.
In der Neustadt steht eine kursächsische Postmeilensäule von 1728, deren früherer Standort jedoch der Markt war.
Im Stadtteil Wittigsthal befindet sich neben dem Grenzübergang und dem Lehr- und Schaubergwerk „Frisch Glück“ (Glöckl) das Herrenhaus des früheren Hammerwerkes Wittigsthal von 1836.
Ein Naturbad, das vom Schwefelbach gespeist wird, lädt im Sommer zum Besuch ein. Das unweit des Bades befindliche Natureisstadion an den Schanzen ist in der Wintersaison geöffnet.
Das Loipenzentrum im Stadtteil Schwefelwerk wurde 2004 mit einem neuen Funktionsgebäude komplettiert und als Nordic-Aktiv-Zentrum des Deutschen Skiverbandes anerkannt. Hier beginnt die im Winter sehr beliebte Ski-Kammloipe über Weitersglashütte und Mühlleithen bis nach Schöneck. Ferner stehen im Külliggutgelände Liftanlagen den Skisportlern zur Verfügung.
Die waldreiche Umgebung bietet Wanderfreunden ein weites Betätigungsfeld. Zahlreiche markierte Wanderwege führen zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten, darunter insbesondere der 1995 eingeweihte grenzüberschreitende Anton-Günther-Weg. Beliebt sind auch Ausflüge in die Tschechische Republik, so zum Beispiel auf den 1043 m hohen Plattenberg.
Johanngeorgenstadt war in das Poststraßensystem des Kurfürstentums Sachsens einbezogen, denn die Stadt lag an einem Erzgebirgspass. An diese Zeit erinnert die Distanzsäule von 1728 vor dem Postamt in der Neustadt, die zuvor ihren Standort auf dem Marktplatz hatte, eine Ganzmeilensäule gegenüber dem Pulverturm und ein Viertelmeilenstein im Ortsteil Steinbach, die beide von 1725 stammen. Ferner gibt es in der Umgebung der Stadt mehrere königlich-sächsische Meilensteine, die in den Jahren ab 1858 aufgestellt worden sind, so z. B. am alten Postkurs von Auerbach/Vogtl. über Carlsfeld, Wildenthal nach Johanngeorgenstadt. 1883 wurde die Eisenbahn nach Schwarzenberg in Betrieb genommen und 1899 die bis 1945 bestehende durchgängige Verbindung über Neudek (Nejdek) nach Karlsbad (Karlovy Vary). Es bestehen Busverbindungen nach Schwarzenberg und über Eibenstock nach Rodewisch. Durch die am 30. Juni 1991 erfolgte Wiedereröffnung des Eisenbahn- und eines Fußgängergrenzübergangs, der auch mit Kleinkrafträdern benutzt werden darf, ist die tschechische Nachbargemeinde Potůčky (Breitenbach) zu erreichen.
Das Rathaus befindet sich in einem ehemaligen Kasernengebäude an der Eibenstocker Straße in der Mittelstadt. Das alte Rathaus lag ursprünglich direkt am Marktplatz, es wurde 1867 beim Stadtbrand vernichtet und sein Nachfolgerbau ab 1955 abgerissen.
In unmittelbarer Nähe der Stadtverwaltung befindet sich das 2004 eingerichtete Haus der Jugend.
Das 1956 in der Neustadt errichtete Kulturhaus „Karl Marx“ ist seit vielen Jahren geschlossen.
Seit 1927 besteht in der Hospitalstraße 5 eine Jugendherberge, die über 60 Gästebetten verfügt. 1986 wurde sie mit dem Titel „Schönste Jugendherberge“ ausgezeichnet. Die Jugendherberge trug bis 1990 den Namen Ernst Schneller.
Die in den Jahren 1930/31 an der Eibenstocker Straße errichtete Turnhalle wurde nach Renoverierung und Erweiterung Ende Oktober 2004 als Sport- und Begegnungsstätte „Franz Mehring“ wieder eröffnet.
Aue | Bad Schlema | Bernsbach | Bockau | Breitenbrunn/Erzgeb. | Eibenstock | Grünhain-Beierfeld | Johanngeorgenstadt | Lauter/Sa. | Lößnitz | Markersbach | Pöhla | Raschau | Schneeberg | Schönheide | Schwarzenberg/Erzgeb. | Sosa | Stützengrün | Zschorlau