John Gotti (* 27. Oktober 1940, † 10. Juli 2002 in Springfield (Missouri)), Spitzname „Teflon-Don“, weil die Anklagen an ihm abzuperlen pflegten wie an der beschichteten Pfanne, ist nach Al Capone der bekannteste Angehörige des Organisierten Verbrechens in den USA.
Er war der erste Mafioso, der in den Medien vollumfänglich präsent war; unter anderem schaffte er es auf die Titelseiten des Time Magazine, People und New York Times Magazine, der Prozess, in dessen Verlauf man ihn schließlich verurteilte, wurde von der Presse in mehreren Kolumnen regelmäßig kommentiert, und die Prozession bei seinem Begräbnis wurde von zahlreichen Fernsehreportern aus Hubschraubern heraus gefilmt.
John Gotti war der Älteste von fünf Brüdern: Gene, Peter, Richard und Vincent Gotti. Sie wuchsen in Ozone Park (Queens, New York City) auf. Schon früh schlug John eine kriminelle Laufbahn ein, wohin ihm alle seine Brüder folgten. Geradezu prädestiniert für Verbrecher war dabei der nahgelegende JFK-Flughafen, dessen Zulieferer und Lagerhäuser immer wieder ausgeraubt wurden, oft, weil korrupte Gewerkschafts- und Wachbeamte bestochen wurden. Gotti stieg dabei rasch zu einem geachteten Mitglied des Gambino-Clans auf.
Seine Leute, insbesondere sein Bruder Gene, waren alle als Drogenhändler bekannt, was mehrmals zu Konflikten mit Paul Castellano, dem Boss der Familie, führte. Aniello Dellacroce, Castellanos zweiter Mann, unterstützte Gotti. Nach dessen Tod im Jahr 1985 ließ Gotti zusammen mit Sammy Gravano Castellano auf offener Straße ermorden, da dieser dazu ansetzte seine Autorität als Oberhaupt gegenüber Gene Gotti durch Mord wiederherzustellen, und John wurde zu dessen Nachfolger bestimmt.
Nur sein Einfluss und die Aura der Furcht, welche ihn umgab, hinderten Mafiosi aus anderen Clans daran, ihn zu beseitigen; er war in der Unterwelt höchst unbeliebt, da er geradezu vernarrt in Zeitungen und Fernsehen war. Zeitweise ließ er sich fast jeden Abend vor dem Ravenite Club, wo sich seine Leute versammelten, von Reportern filmen, und in vielen kleinen Prozessen stieg sein Bekanntheitsgrad noch, da er die Strafverfolgung immer wieder charismatisch dazu aufforderte, ihm doch endlich etwas nachzuweisen.
1992 gelang es, ihn zusammen mit Gravano, der inzwischen zu seinem Stellvertreter geworden war, und mit seinem Consigliere (it. Berater) wegen Mordes anzuklagen. Wegen Gottis unausstehlichem Auftreten im Gefängnis entschloss sich Gravano schließlich, gegen seinen Boss auszusagen, und wurde damit zum bisher höchstrangigen Verräter der Cosa Nostra, was das immense Medieninteresse noch steigerte. Wegen Gravanos Aussage wurde Gotti zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Er starb im Jahr 2002 an Krebs.
Auch in Haft blieb er formales Oberhaupt der Gambino-Familie, was er durch die Beförderung seines Bruders Richard zum Capo weiter festigte. Der Gambino-Clan zerfiel unter seinem gleichnamigen Sohn „Junior“ Gotti und seinem Bruder Peter in den 1990er-Jahren schnell und soll heute kaum mehr eine Rolle spielen, insbesondere als auch noch seine Brüder Richard und Peter am 13. März 2003 eine 16jährige Haftstrafe antreten mussten. Allerdings kehrte das hochrangige Mitglied der Gambino-Familie John D'Amico nach einer langjährigen Haftstrafe nach Brooklyn zurück und gilt seit 2002 - seitens des FBI - als neues Oberhaupt der Gambino-Familie und eigentlicher Nachfolger von John Gotti.