Kölsch (Sprache)

Kölsch

Gesprochen in

Köln und Umgebung (Deutschland)
Sprecher 250 000 bis 750 000
Linguistische
Klassifikation
Kölsch
Offizieller Status
Amtssprache in -
Sprachcodes
ISO 639-2: (B) gem (T) gem
ISO 639-3 (SIL): KSH

Kölsch (IPA: [kœlːʃ]     hören ?/i) ist eine Variante des Ripuarischen. Beinahe alle Sprecher benutzen auch die Standardsprache. Kölsch wird in und in der Gegend um Köln gesprochen und ist nah mit den niederrheinischen und moselfränkischen Dialekten verwandt und stellt ein Bindeglied zwischen diesen dar. Das Kölsche ist südlich der maken/machen-Linie (Benrather Linie) angesiedelt, aber beispielsweise nördlich der Das-dat-Linie.

(SIL code der 14. Ausgabe:KOR, 15. Ausgabe:KSH; ISO 639-2:gem, ISO/DIS 639-3:ksh)

Inhaltsverzeichnis

Stellung des Kölschen in der Gesellschaft

Allgemeines

Inschriften auf Kölsch gehören zum Kölner Stadtbild.
Inschriften auf Kölsch gehören zum Kölner Stadtbild.

Im Gegensatz zu anderen Dialekten Deutschlands war das Kölsch zu keiner Zeit ernsthaft vom Aussterben bedroht. Ähnlich wie das Berlinische hat sich Kölsch als Stadtdialekt fest etabliert und wird von sehr vielen Kölnern noch beherrscht, wenn sich auch in den letzten Jahrzehnten eine Abschleifung hin zum Hochdeutschen bemerkbar gemacht hat. „Tiefes Kölsch“, also der unverfälschte Dialekt, wird heute nur noch von relativ wenigen, zumeist älteren Kölnern gesprochen, die ihren Wortschatz noch ohne Einfluss moderner Kommunikationsmedien in ihrer Kindheit bilden konnten.

Das Engagement, mit dem der Kölner Dialekt von seinen Sprechern gepflegt und immer aufs Neue in Erinnerung gerufen wird, lässt sich an vielen Beispielen darstellen: Selbst Zeitungsüberschriften in Boulevardblättern, Werbeslogans und öffentliche Inschriften sind häufig in Kölsch gehalten. Hinzu kommt ein lebendiges Brauchtum, insbesondere der Kölner Karneval, wo Kölsch die einzig akzeptierte Sprache bleibt. Köln verfügt mit Theatern (Volkstheater Millowitsch, Hänneschen-Theater), einer dichten Szene an Karnevals- und sonstigen mundartlichen Musikgruppen (bis hin zum sogenannten Kölschrock) und einer stattlichen Anzahl Kölner Volksdichter über ein reichhaltiges, kölsch geprägtes Kulturangebot.

Die Bewahrung der Dialektsprache ist sicherlich auch auf den Umstand zurückzuführen, dass den Kölnern das gesprochene Kölsch auch Ausdruck ihres regionaltypischen Charakters ist. So begreift sich ein Kölner grundsätzlich als fröhlich, pragmatisch und obrigkeitskritisch. Die als solche empfundene Fremdherrschaft der Franzosen und später der als militaristisch und kalt empfundenen Preußen, die die lange Tradition eines selbstbewussten und selbstverwalteten bürgerlich-katholisch geprägten Gemeinwesens beendeten, hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Sicht der Kölner auf das Weltgeschehen immer dualistisch ist: Zuerst kommt Köln und danach der Rest. Spötter sprechen auch von einer „Selbstbesoffenheit“ der Kölner.

Bemerkenswert ist, dass Kölsch auch von Zugezogenen („Imis“) gelernt wird. Neben dem offiziellen Hochdeutschen wohnt somit dem Kölschen Jargon eine ausgeprägt identitätsstiftende Funktion inne. Die Durchdringung mit hochdeutschen Elementen ist eine direkte Folge davon und trägt daher zur „Verwässerung“ des ursprünglich Kölschen bei, was einerseits als Gefahr, andererseits als Chance zum Erhalt des Dialektes gesehen wird.

Dies wurde unter anderem zum Anlass genommen, mit der Akademie för uns kölsche Sproch eine stiftungsgetragene Institution zu schaffen, die Erhalt und Pflege des Kölschen als Zweck verfolgt. Unter anderem wird dort versucht, kölsche Lexik und Grammatik zu kodifizieren, und es werden nachvollziehbare Regeln für die Schriftsprache vorgeschlagen. Es gibt zwar eine Reihe von Wörterbüchern, aber keines verfügt über eine geregelte Orthographie. In Das Kölsche Wörterbuch, herausgegeben von der Akademie, sind Regeln angegeben und erklärt. Zu jedem Eintrag findet man die Aussprache nach der IPA (Internationales Phonetisches Alphabet). Der sprachwissenschaftliche Ansatz wird allerdings immer wieder durch den Umstand konterkariert, dass gerade die Kulturschaffenden Kölsch auf eigene Initiative vertexten, nämlich es so schreiben, wie sie meinen, dass es der Aussprache entspricht. Da oft theoretisch mehrere Möglichkeiten bestehen (z.B. eets / ehts / eez / ehz,     hören ?/i) und sich oft Nicht-Muttersprachler am Kölschen versuchen (vlg. verstecke (statt: versteche,     hören ?/i), Butz (statt Botz,     hören ?/i), weil das geschlossene o nicht vom u unterschieden wird), führt das zu einer großen Varietät an Schreibweisen.

Des Weiteren glauben viele Menschen, dass westliche ripuarische Dialekte stark durch die französische Besatzung geprägt wurden. Hier ein Beispiel: „Maach keijn Fisematente!“ (Kölsche Variante), was soviel heißt wie „Mach keine Dummheiten!“. Die Annahme, dass die französischen Soldaten zu den einheimischen Mädchen sagten: „Visitez ma tente!“ („Besuch mich in meinem Zelt!“) und die Mütter daraufhin, wenn ihre Töchter unterwegs waren, gesagt hätten: „Maach keijn Fisematente!“, ist wohl nur eine nette Anekdote. Ein weiteres Beispiel: Im französischen heißt der Regenschirm „Parapluie“. In der kölschen Sprache sagt man ebenso „Paraplü“.

Kölsche Literatur und Musik

Als Beispiel für kölsche Heimatdichter wird Willi Ostermann angegeben, der mit Oden, Liedern und Gedichten an seine Heimatstadt ein reiches mundartliches Erbe hinterlassen hat. Dieses wurde von der Familie Millowitsch fortgeführt, die im 19. Jahrhundert ein Puppentheater führte, aus dem sich die heutige Volksbühne entwickelt hat. Seit 1802 existiert auch das Hänneschen-Theater, ein Puppentheater, welches sich stetiger Zuneigung seitens der Kölner Bevölkerung erfreut. Bekannte Mundartautoren wie Hanns Georg Braun, Peter Berchem, Goswin Peter Gath, Wilhelm Schneider-Clauß, Johannes Theodor Kuhlemann, Anton Stille, Suitbert Heimbach, Wilhelm Räderscheidt, Max Meurer, Laurenz Kiesgen und unzählige mehr haben schon früh das Kölsche als Schriftsprache gefördert.

Durch die Entstehung des Karnevals hat sich im Kölner Raum insbesondere das Liedgut sehr selbständig entwickelt. Einige Bands, die unter anderem durch den Karneval bekannt wurden, sind die Bläck Fööss, Höhner, Räuber und Paveier. Daneben hat sich auch die auf kölsch gehaltene, karnevalistische Büttenrede als volksnahe Kunstform etabliert.

Zunehmend spielt auch nicht-karnevalistische Musik eine Rolle in Köln. Bekanntestes Beispiel sind BAP, die bisweilen sogar ausgesprochen karnevalsfeindlich aufgetreten sind („Nit für Kooche“, 1982). Verständlich sind solche Bestrebungen, wenn man berücksichtigt, dass der traditionelle Karneval von der zunehmend aufgeklärten, alternativen bzw. linken bürgerlich-liberalen Gesellschaft als verstaubte Tradition empfunden wird. Auch die Gruppe Brings war ursprünglich eine Kölschrock-Band, die jedoch immer näher an den Karneval heran rückt, der für das wirtschaftliche Überleben vieler Künstler eine entscheidende Rolle spielt. Andere Gruppierungen haben sich von Anfang an unabhängig vom Karneval entwickelt, zum Beispiel die Zeltinger Band, die ihre Rolle im Underground-Milieu von Anfang an wahrgenommen hat.

Gleiches kann von der Kabarettszene behauptet werden. Konrad Beikircher (dessen leicht als nicht rheinisch erkennbarer Ideolekt bönnschen Einfluss verrät), belegt eigene Themen zum Wesen des Rheinländers an sich. Jürgen Becker ist als Miturheber der Stunksitzung bekannt, die ein Gegenentwurf zu den offiziellen karnevalistischen Prunksitzungen war, verfolgt aber auch nicht-karnevalistische Programme. Der Sänger und Schauspieler Gerd Köster hat mit dem Projekt „The Piano has been drinking“ Aufsehen erregt, als er Lieder von Tom Waits kölsch vertextete. Ähnliches tat Trude Herr zuvor gegen Ende der 1980er Jahre und erreichte damit sogar die top 20 der deutschen Hitparaden.

Sowohl karnevalistische, nicht-karnevalistische, als auch klar anti-karnevalistische Literatur und Musik sind gleichwohl kulturelle Exportschlager Kölns, die auch außerhalb der Region reges Interesse wecken und dem Kölschen unter den deutschen Dialekten zu einem ungewöhnlich guten Ruf verholfen haben.

Kölsche Insider

Köln als überregionales Handelszentrum zwischen Mittelrhein und Niederrhein mit Stapelrecht stand immer im Austausch mit jedwedem fahrenden Volk. Ähnlich dem Rottwelschen bestand auch bei Kölner Händlern, Wirten, und Bürgern immer wieder Bedarf an einer Kommunikation, die nicht unbedingt von jedem Fremden vollständig verstanden wurde, hilfreich war das sicher auch unter französischer und preußischer Herrschaft. Bis heute ist es leicht möglich, dass ein Fremder in einer kölner Kneipe in angeregter und angenehmer Unterhaltung mit Einheimischen steht, die sich unbemerkt zugleich sehr offen und fast respektlos über ihn austauschen. Ein Vertriebler berichtet, er habe stundenlange Familientelefonate auf Kölsch aus seiner Firma in Nordbayern geführt, seine Kollegen glaubten an niederländische Kunden und verstanden kein Wort. Eine ständig geübte Eigenschaft der Kölschen, gerne Formulierungen zu verwenden, die auf unterschiedliche Weise verstanden werden können, mit und ohne Augenzwinkern, begünstigt dergleichen. Gerne werden Dinge nicht direkt benannt, sondern unausgesprochen dem Hörer zum assoziativen Einfüllen überlassen. Als Erfolgskontrolle dient der Gesichtsausdruck, eine Bewegung, ein Lachen oder die Antwort des Gegenübers. Man kann sich vielfach auf einen Fundus an lokalem Wissen oder gemeinsamen Erlebnissen beziehen, genauso wie auf in der Sprache versteckte Mehrdeutigkeiten, die darauf hinweisen. Viele Vokabeln und Spracheigenschaften des Kölschen begünstigen es, auf eine Weise zu sprechen, die von Unkundigen fehlinterpretiert werden muss, welche etwa von einer vermeintlichen Ähnlichkeit zur eigenen Sprache ausgehen, die der Kölsche viel besser beherrscht, als er sich anmerken lässt.

Regionale Bedeutung

Der Kölsche selber fühlt sich unverrückbar seiner Region verbunden. Alles, was Rheinisch ist, das kennt man, liebt man (vielleicht außer Düsseldorf) und man versteht sich. Sprachlich, wie in der Wahrnehmung vieler Kölner, sind Flandern, Limburg, Holland nur auf dem Papier Ausland, „do kam_mer jo Platt kalle,“ man spricht Dialekt.

Etwas differenzierter sehen das die Bewohner der Region. Die komplizierte Vielfalt der Dialektvarianten im rheinischen Fächer sorgt für eine beachtliche Zahl unterschiedlicher, und klar als unterschiedlich empfundener, Lokalsprachen. Deren alternde Sprecher, die noch mit dem Dialekt ihres Dorfes als Umgangssprache aufgewachsen sind, werden weniger, die Bewohner mittleren Alters sind oft zugezogen und haben ihren Dialekt mitgebracht, sei es Ostpreußisch oder „nur“ der des Nachbarortes, oder eben Kölsch. Spätestens seit den 1960er Jahren lässt sich eine permanente Stadtflucht weit ins Umland beobachten, bei der zwar nicht unbedingt viele der besonders urtümlichen Kölschen, wohl aber kölschsprachlich beeinflusste Deutsch- oder Regiolektsprecher Anteile des Kölschen weitertragen. Die überall beliebten kölschen Mundartgruppen, das kölschlastige Kulturprogramm des WDR tun ein übriges, besonders bei der jüngeren Bevölkerung, der es schwer fällt, den örtlichen Dialekt überhaupt noch aufzunehmen. So finden sich von der Eifel bis ins niederländische Nordlimburgische oder ins Ruhrplatt hinein Übernahmen, Lehnwörter und andere Einflüsse des Kölschen. Viele ohnehin gefährdete oder teilweise im Aussterben befindliche kleine Dorfdialekte nähern sich dem Kölschen an, oder werden gar vom Kölschen verdrängt.

Sprachliche Merkmale

Zur Verdeutlichung der Aussprache soll hier die Umschrift verwendet werden, die die Buchstaben des Alphabets verwendet. Einige Gesetzmäßigkeiten im Vergleich zum heutigen Hochdeutschen können für das Kölsche grob angegeben werden:

Vokale

Im Unterschied zu den meistem mitteldeutschen und den oberdeutschen Varianten hat das Kölsche die neuhochdeutsche Diphthongierung der mittelhochdeutschen Langvokale ī,ū,iu [ü] (in Wörtern wie mhd. wīn > nhd. Wein vgl. ksh. Wing, mhd. hūs > nhd. Haus vgl. ksh. Huus, mhd. hiute > nhd. heute vgl. ksh. hück) nicht vollzogen. Diphthonge „ei“, „au“, „eu“ etc. bleiben im Kölschen deshalb entweder zu einem Einzelvokal zusammengezogen (Beispiele: Eis > íes, aus > us, Leute > Lück, feiern > fiere.), „-ein“ erscheint oft zu „-ing“ umgebildet (zum Beispiel: Rhein > Rhing, mein > ming), oder sie werden anders gesprochen, „verfärben“ sich: der Bau > dä Bau (ausgesprochen: „bou“, wie das englische „bow“, jedoch deutlich länger), träumen > dräume (ausgesprochen „dröüme“). In sehr seltenen Fällen werden Diphthonge - meist im Auslaut - wie im Hochdeutschen ausgesprochen: Schnaps > Schabau (sprich: „au“).

Es gibt auf der anderen Seite aber auch Diphthongierung im Kölschen, das heißt, dass ein einzelner Vokal des deutschen Wortes im Kölschen als Diphthong auftritt, z. B. Ruhe > Rauh (sprich: „au“ oder „ou“, je nach Betonung), Schnee > Schnei (sprich: „ei“), Soße > Zauß (sprich: „au“), flöten > fleute (sprich: „öü“), schief > scheiv (sprich: „ei“) spritzen > spreuze (sprich: „öü“), Spucke > Späu (sprich: „öü“). Meist handelt es sich dabei um für das Kölsche typische mittel- und niederfränkische Vokalkombinationen (vgl. nl. fluiten) oder aber um Lehnwörter (vgl. frz. sauce).

Die Lautfärbung im Vergleich zum Standarddeutschen wechselt mitunter, beispielsweise vom u zum geschlossenen, kurzen o (Lust > Loss), vom a zum offenen, langen o (Schlaf > Schlof), oder vom langen e zum etwa 100 % längeren ä (Weg > Wääsh). Als Faustregel kann gelten, dass diese gleich oder sehr ähnlich in den anderen Ripuarischen Sprachen vorliegen.

Die Vokale o, ö, e haben eine besondere Stellung. Gibt es im Hoch- und Niederdeutschen nur zwei Varianten, ein o auszusprechen, nämlich geschlossen und lang (Boot, schonen) oder offen und kurz (Sommer, noch), so gibt es im Kölschen zusätzlich die jeweils andere Kombination: geschlossen und kurz (Botz = Hose, Fott = Gesäß) sowie offen und lang (Zoot = Sorte, Krohm = Kram). Ebenso beim ö, die vier Varianten: lang und geschlossen (Böötsche = Böötchen), lang und offen (Wööbsche = Weste, Wams) kurz und geschlossen (kötte = „die Hand aufhalten“), kurz und offen (öm = um). Auch bei e gibt es neben der deutschen Variante lang (Besen, Weg) die kurze geschlossene Alternative (Kess = Kiste, nemme = nehmen); dazu ähnlich dem niederländischen schwa ein unbetontes e, das im Kölschen jedoch gelegentlich zugunsten der Satzmelodie und Betonung verschwindet oder auftaucht (Schwarr(e)m = Schwarm, (e)su = so, fönn(e)f = fünf, (e)ne schäle Kä(e)l = ein schielender Kerl oder auch „schräger Vogel“)

Einen merklichen Teil der vom heutigen Hochdeutschen abweichenden Lautfärbungen teilt das Kölsche mehr oder weniger ausgeprägt mit einer ausgedehnten Sprachregion entlang des Rheines. Beispielsweise beobachtet man, waschen, Waschmaschine > wäsche, Wäschmaschien, überall zwischen etwa Kaiserslautern (Pfälzisch) und dem unteren Niederrhein (Rheinmaaßländisch)

Die Länge der Vokale schwankt. Manche kurzen Vokale aus dem Deutschen sind im Kölschen lang: machen > maache, Dach > Daach, Tag > Daach. Umgekehrt sind manche lange Vokale des Deutschen im Kölschen kurz: geben > jevve, Töne > Tön. Manchmal ist die Länge gleich: Apfel >Appel, Pfahl > Pohl.

Weitere Vokaleigenschaften sind weiter unten gegen Ende des Abschnitts zum Sprachverlauf beschrieben.

Konsonanten

Besonders im Auslaut ist das l dunkel gefärbt (Fachausdruck: uvularisiert, ähnlich dem Englischen l in „well“).

Das „ich“-ch scheint für ungeübte Ohren zu sch zu werden: isch, wischtisch, Bööscher. Tatsächlich aber handelt es sich beim kölschen „Ich-Laut“ um eine deutlich unterscheidbare Variante des Sch, die bei gleicher Artikulationsstelle mit entrundeten Lippen gesprochen wird, ebenso wie das englische Pendant mit entrundeten Lippen gesprochen wird. Es handelt sich also für Nicht-Kölner um Allophone, während es sich für den (echten) Kölner um zwei unterschiedliche Phoneme zu handeln scheint. Die häufiger zu beobachtende Tatsache, dass Kölner im Hochdeutschen statt eines „sch“ ein „ch“ sprechen („Tich“ statt „Tisch“, „Fich“ statt „Fisch“ usw.), ist jedoch kein Ausdruck des Unterschieds zwischen kölschem Ich-Laut und hochdeutschem „sch“, sondern eher als Hyperkorrektismus zu werten und wird als „rheinische sch-Phobie“ bezeichnet. Verstärkt oder provoziert wird/wurde dieser vermutlich durch angrenzende Dialekte (Bönnsch, Bergisch, z.T. Siegerländisch), die im Vergleich zum Hochdeutschen eine Umlautung hin zum „ich“-ch haben.

Wenn auch der klare phonetische Unterschied für die Wortunterscheidung (Pech - Pesch) praktisch keine Rolle spielt, sollte er sich um der Erkennbarkeit der Wörter willen und aus etymologischen Gründen auch im Schriftbild wiederfinden. Eine scheinbar lautgerechte Schreibweise mit sch stört den Lesefluss empfindlich. Für diesen Laut ist kein spezielles Zeichen in der IPA-Lautschrift festgelegt. Nach den alten IPA-Empfehlungen von 1949 hätte sich „£“ angeboten. In neueren Veröffentlichungen findet man am ehesten [ɕ] (Unicode: U+0255).

Anlautendes g wird immer wie j gesprochen Gold > Jold (jolt, mit geschlossenem o), auch vor Konsonanten: Glück > Glöck (jlök, mit geschlossenem ö), Gruß > Groß (jroos, mit langem offenem o), ebenso am Silbenanfang nach hellen Vokalen sowie l und r: fliegen > fleege (fleeje), Morgen > Morge (morje, mit geschlossenem o), Galgen > Galge (jalje). Nach dunklen Vokalen wird es in der Regel wie r ausgesprochen: Magen > Mage (maare).

Auslautendes g wird ausgesprochen wie ch (Ach-Laut), nach hellen Vokalen wie ch (ich-Laut, kölsch gesprochen): Zug > Zog (zoch, mit geschlossenem o), Schlag > Schlag (schlaach); ewig > iwig (iewish).

Intervokalisches oder auslautendes b des Hochdeutschen ist in der Regel beim niederdeutschen v geblieben: geben > gevve (jevve, geschlossenes e), bleibt > bliev (blief, bliif), ab > av (aff), ob > ov (off, offenes kurzes o).

Anlautendes t wird öfters zu d: Tisch > Desch (desch, geschlossenes e), tun > donn (geschlossenes kurzes o), Traum > Droum.

Anlautendes s wurde teilweise zu z: Suppe > Zupp (tßup), Soße > Zauß (tßauß).

Ein intervokalisches ss wird auch nach kurzem Vokal überwiegend stimmhaft gesprochen (vgl. deutsch: Fussel, Dussel): lesen > lässe, Restchen > Nüssel, Konsole > Possument, (sich) darstellen, mit Bedacht platzieren > possumenteere, usw.

Ein -eit oder -eid im heutigen Deutsch wurde im Kölschen mitunter zu -igg: schneiden > schnigge, läuten > lügge, weit > wigg, Zeit > Zigg. Kann man das Wort nicht erweitern, wird es am Wortende zu ck, Leute > Lück. (vgl. wigg, wigger oder Zigg, Zigge)

pf ist im Kölschen nie entstanden, statt dessen wird immer das sprachgeschichtlich ältere p gesprochen: Pferd > Pääd (päät), Pfeife > Pief, Schnupfen > Schnups oder Schnuppe. (Dies ist einer der Bereiche, in dem das Kölsch wie alle Ripuarischen Sprachen, dem Niederdeutschen bis heute näher geblieben ist als dem sich entwickelnden Hochdeutschen)

Tritt im Deutschen ein r vor anderen Konsonanten auf, wird im Kölschen der vorhergehende Vokal meist verlängert, ein r findet nicht statt: Garten > Gaade (jaade), Karte > Kaat, gern > gään (jään), Durst > Doosch.

Einige Konsonante-Aggregationen, insbesondere bei Fremdworten, werden ins Kölsche nicht übernommen und durch mit der ripuarischen Satzmelodie verträglichere ersetzt: Porzellan > Poßtelling (kurzes offenes o, Betonung auf i)

Liquide, wie l, m, n, ng, sowie s, ß, v werden im Kölschen oft wesentlich länger gesprochen, als im Hoch- und Niederdeutschen. Dies ist einerseits den Satzmelodien geschuldet, anderseits hin und wieder auch ein prosodisches Stilmittel, das für Betonungen und ggf. den Transport von kleinen Bedeutungsvarianten in Wortgruppen benutzt wird.

Stimmlose oder harte Konsonaten der Kölschen werden bei der Verlagerung in die Wortmitte, bei Verlängerung und (im Gegensatz zum Deutschen, jedoch ähnlich der französischen Liaison) ebenfalls bei vielen Wortübergängen nach stimmhaft / weich umgelautet. Typisch sind die Übergänge t>d, (c)k>g(g), p>bb sch>sch (stimmhaft), sch>jj Beispiele: Akkordeon > die Quetsch und dä Quedschebüggel (mit stimmhaftem sch!), einer sagt: ich gehe > ish jonn, ein anderer will nicht mit: ich aber nicht > ejj_ävve_nit (klingt wie ein Wort), oder: es gelingt ihm (nicht) > dä pack dat, dä pagg_et nit. Die jeweilige Sprach- oder Satzmelodie hat einen bestimmenden Einfluss auf das Fehlen oder Vorkommen solcher wortübergreifenden Anpassungen.

Sprachverlauf

Endungen (-e, -n, -t) werden meist getilgt: Woche > Woch, Mädchen > Mädche, Macht > Maach, macht > maat.

Das Ineinandergreifen von Wörtern, die wie bei der französischen Liaison zusammen gezogen werden, kommt häufig vor. Beispiel: „Räum den Tisch ab“ wird zu „Rüüm der Desch av“, wobei das -sch stimmhaft wird (wie in Journal) und in den Anfangsvokal hinein fließt, wenn die Betonung in diesm Satz auf dem „Tisch“ liegt. Dieses Sandhi wird in der Regel beim Schreiben nicht berücksichtigt. Der bekannte Satz aus dem so genannten „Rheinischen Grundgesetz“ „Et es, wie et es“ (Es ist, wie es ist) verweicht das -t fast zu -d, so dass die Liaison besser funktioniert (etwa: „eddés, wie-eddés“, alternative Schreibweise: ed_eß wi_ed_eß). Wie im Französischen können Wortanteile in der Liaison fortfallen oder abgeändert werden: „lo'mer“ entspricht „loss mer“, „so'mer“ „solle mer?“ (Lass uns ... Sollen wir?) Insbesondere beim Schnellsprechen können ganze Silben zu einem fast unhörbaren Laut verschmelzen oder ganz verschwinden: ein „Krißenit!“ für „[Dat] Kriss De nit!“ (Das bekommst Du nicht!) benötigt weniger Zeit, als das entfallene „Dat“, die beiden i-Laute sind extrem kurz, das e fast nicht hörbar. Allerdings fallen in der kölschen Liason nicht nur Buchtaben oder Silbenteile fort, es können auch Phoneme, hinzukommen, was in aller Regel beim Schreiben nicht berücksichtigt wird. Beispielsweise wird „Di es, wi enne Ässel“ (Sie ist wie ein Esel) etwa gesprochen wie: „Diijéß wijenne Ässel“ (das ss ist stimmhaft!)

Um den Wortfluss zu vereinfachen, wird einem Wort manchmal ein e vorangestellt oder eingefügt: so > (e)su, hinauf > (e)rop, herunter/herab > (e)runger/(e)runder/(e)raff, Milch > Mill(e)sch, fünf, elf, zwölf > fön(ne)f, el(le)f, zwöl(le)f. Anders als in vielen anderen Sprachen (beispielsweise im Japanischen, Italienischen, Französischen und Spanischen) hat das jedoch nichts damit zu tun, dass es etwa als schwierig empfunden würde, Worte ohne diesen Anlaut auszusprechen. Im Gegenteil, es ist eine vielfach dem Sprecher überlassene Option. Gelegentlich kann die Bedeutung eines Wortes von der Betonung im Satz abhängen: „Dat hät dä (e)su gesaat“ > „Das hat er ausdrücklich/wörtlich gesagt“, dagegen „Dat hät dä (e)su gesaat“ > „Das hat er (wohl) so dahergeplappert“. Diese „weichen“ Epenthesen dienen gelegentlich dazu, Rhythmus bzw. Melodie von Worten und Satztypen einander anzupassen, sind mindestens ebensooft reine Stilmittel.

Die Sprachmelodie ist ausgeprägter als beim Standarddeutschen. Bei Fragen wird zum Beispiel die vorletzte Silbe weiter in der Tonlage herab gezogen, während die letzte Silbe sehr viel höher geht, bevor sie wieder etwas abfällt. Wesentlich mehr als im Hochdeutschen werden Modalitäten und Nuancen der Bedeutung (bis hin zum Gegenteil!) über veränderte Betonung, zusätzliche Vokaldehnungen und Wechsel der Stimmlage transportiert. Dazu kommt die sogenannte Schärfung. Dieses Intonationsphänomen teilt das Kölsche mit mehreren anderen „West-Sprachen“ wie Eifeler Platt, Luxemburgisch, Niederrheinisch und Limburgisch (Letzteres in den Niederlanden, Belgien und im Selfkant). Die Schärfung ist eine besondere Art der Vokalbetonung: Der Stimmton sackt dabei sehr schnell ab, mitunter so stark, dass er für einen Sekundenbruchteil unhörbar wird. Ohne Schärfung geht der Stimmton nur andeutungsweise nach unten und kehrt sofort wieder nach oben zurück. Die Schärfung ist hin und wieder sogar bedeutungsunterscheidend: „schlääch“ (schlääch) ohne Schärfung bedeutet „schlecht“, „Schläg“ (schläähch) mit Schärfung bedeutet „Schläge“.

Die Überlagerung von Wortmelodie und Satzmelodie verleiht dem Kölschen seinen typischen „Singsang“.

Varianten

Das heutige Kölsche ist historisch aus einer andauernden Vermischung und Überlagerung unterschiedlicher Sprachströmungen entstanden, sicher ist das eine Ursache für seinen Formenreichtum. Kölns zweitausendjährige Position als Handelsmetropole, die Öffnung zum damaligen Umland und Eingemeindungen der letzten zweihundert Jahre haben unterschiedliche Sprachen zusammengebracht, die zum Teil heute noch nachwirken, so dass Formen nebeneinander existieren, benutzt und verstanden werden, ohne noch einer bestimmten Herkunft innerhalb des jetzigen Stadtgebietes zugeordnet zu werden. So kann man treppab als „de Trebb_eraf“ „de Trepp (e)runder“ „de Trepp (e)runger“ gehen und mit „de Trap (e)rop“ wie „de Trebb_erop“ wieder hoch steigen und „Ming Auto, Ding Auto“ genauso gut wie „mi Auto, di Auto“ sagen.

Grammatik

Das Kölsche ist geprägt von einer Reihe Vereinfachungen im Vergleich zur Grammatik des (historischen) Hochdeutschen. Beispielsweise existiert kein Genitiv (die scheinbaren Ausnahmen: Modderjoddes (Mutter Gottes) Kölnisch Wasser (Eau de Cologne), Kölner Dom, begreifen die Kölschen als feststehende Ausdrücke und ehemalige Fremdworte) Besitzanzeigende Fälle werden mit Dativ und angehängtem Possessivpronomen gebildet: Das Haus meines Bruders > Mingem Broder sing Huus oder Mingem Broder si Huus. Das ist seins > Dat es däm sing, dat es däm singe oder Dat es däm et singe. Der 1. Fall Nominativ und der 4. Fall Akkusativ sind immer identisch: Der Winter kommt. > D'r Winter kütt. Ich spüre den Winter. > Ich spöre d'r Winter.

Die Pluralbildung erfolgt am häufigsten durch -e: Das Pferd, die Pferde > dat Pääd, di Pääde; oder -(e)re: Das Ding, die Dinger > dat Ding, die Dinge/Dingere; seltner durch -te: Der junge Mann, die jungen Männer > dä Poosch, di Pooschte; noch seltener durch -r: Lück, Lückcher (ohne Entsprechung im Deutschen); oder -(e)n: Die Tür/das Tor, die Türen/Tore: Di Pooz, de Poozen, der Schuh/die Schuhe: dä Schoh, di Schohn (geschlossenes o); bei Lehn- und Fremdworten auch wie im Original mit -s: Der Code, die Codes > dä Kood, di Koodß; oder unregelmäßig und durch Umlautung: Der Pfahl, die Pfähle > Dä Pohl, di Pöhl (offenes ö); Der Sarg, die Särge > dä Sarrsch, di Särrsch; durchaus auch ohne Entsprechung im Deutschen, wie: Der Hund, die Hunde > dä Hongk, di Höngk (geschlossenes o und ö).

Verkleinerungsformen sind häufig anzutreffen und werden im Singular mit -sche oder -je gebildet, je nach vorangehendem Laut: Wägelchen > Wäjelsche, Tässchen > Täßje. Im Plural wird ein r angehängt: mehrere Vögelchen > Füjjelscher.

Eigennamen, v.a. Familiennamen, bilden einen dem alten deutschen Genitiv ähnliche adjektivische Sonderform: Die Katharina Pütz > et Pötze Kätt; Familie Schmitz > de Schmitzens; die Kinder der Familie oder Sippschaft Lückerath > de Lükerohts Pänz; die Familie Fahls mit Freunden und Verwandten > Dat Fahlses Schmölzje. Auch bei Spitznamen und sozialen Rollenbezeichnungen: Müllers Aap; de Fuzzbroojschs Mamm.

Ähnlich der Unterschiede zwischen dem Niederdeutschen und den großen Varianten des Niederländischen, unterscheidet sich gelegentlich das grammatikalische Geschlecht eines Wortes mittelhochdeutscher Herkunft im Kölschen von der Ursprungsform: Das Bündel > Dä Pöngel (kurzes geschlossenes ö!) – hier mit einer starken Bedeutungsverschiebung verbunden. Das kann sehr weit gehen: der Affe > di Aap sorgt dafür, dass ein Mann dieses Spitznamens selbstverständlich mit dem weiblichen Artikel belegt wird, auch wenn sein Geschlecht im übrigen männlich bleibt: „Die Aap hät singe Schwejevatte verkammesöhlt“ (nicht: „ihre Schwejevatte“). Jüngere Wortneuschöpfungen haben manchmal kein klares Wortgeschlecht: dä Auto, die Auto. „Dat Auto“ wurde erst allmählich aus dem Standardhochdeutschen übernommen.

Der Infinitiv endet, außer bei einigen unregelmäßigen bzw. starken Verben, auf -e: setzen > setze (kurzes offenes e), sitzen > setze (kurzes geschlossenes e), fummeln > fummele, ärgern > ärjere, aber: stehen > stonn, gehen > jonn, tun > donn (kurzen geschlossenes o) oder dunn, sein > sinn, schlagen > schlonn.

Die Konjugation ist häufig einfach, indem 1. und 3. Person Plural mit der 1. Person Singular zusammenfallen: Ich gehe, wir gehen, sie gehen > ich jonn, mer jonn, se jonn.

Personalpronomen und personenbezogene oder demonstrativ benutzte Artikel reduzieren sich auf die männliche und die sächliche Form: die Kleine > dat Klein; Darf sie das? > Darf et dat? / Darf dat dat? Es sei denn, man spricht von einer Person, die man siezt: Frau Schmitz > die Schmitz; Kommt sie auch? > Kütt se och? / Kütt die och? Ähnlich dem Niederländischen ist für das Kölsche dabei die Verwendung des Demonstrativpronomens als betonte Personalform typisch: Kütt d'r Schäng? - Ich denk, hä kütt. / Ävver klor kütt dä! Gesiezt wird in der Ihr-Form: Wat maat Ühr esu? > Wie läufts bei Ihnen?

Das Präteritum oder Imperfekt wird im mündlichen Sprachgebrauch außer bei Hilfsverben oft durch das Perfekt ersetzt: Ich ging > Ish ben jejange. Diese Entwicklung zur Vernachlässigung der einfachen Vergangenheit ist auch in der allgemeinen deutschen Umgangssprache zu beobachten. Endet das Partizip auf mehreren Konsonanten, wird in der Regel eine leichter aussprechbare Sonderform gebildet: gelegt > jelaat, gemacht > jemaat, versucht > versöhk (mittellanges geschlossenes ö mit mittelhohem Tonakzent und deutlichem Druckakzent)

Eine Besonderheit ist ein im Hochdeutschen unbekannter Reflexiv, der zur Verdeutlichung bestimmter Tätigkeiten verwendet wird: Er hatte ein Brötchen gegessen > Dä hat sijj e Brüdche jejesse.

Das Kölsche kennt das Gerundium, die sogenannte Rheinische Verlaufsform. Er schläft gerade. > Hä es am Schlofe. Sie wird für andauernde Zustände verwendet, die änderbar sind oder von begrenzter Dauer.

Für fortlaufende Handlungen oder Zustände wird die zweite Verlaufsform tun mit Infinitiv verwendet: Er kocht gerne. > Hä deit jään koche. Sie beschreibt Andauerndes meist grundsätzlicherer Bedeutung, mit dessen Änderung nicht, oder wenigstens nicht so bald, gerechnet wird.

Kölsche Vokabeln

Was das Erlernen des Kölschen erschwert, sind die Sondervokabeln, die nieder- und hochdeutsche, aber auch französische, niederländische und spanische Einflüsse aufweisen. Einige Vokabeln werden nur im Kölner Raum verwendet und stehen als isolierte Wörter, die kein anderer Dialekt aufweist. Diese werden allerdings im allgemeinen Sprachgebrauch zunehmend weniger. Beispiele für Vokabeln sind:

Hochdeutsch Kölsch Anmerkung
Abstellraum, bzw. winziges Zimmer, Klause Kabuff, Kabüffje
Affe Aap (wie im Niederdeutschen) siehe auch: Müllers Aap
Angsthase Bangendresser
ansehnlich, stattlich staats (häufige Redensart „staatse Käl“ - stattlicher Kerl, toller Typ)
arbeiten, hantieren brassele
Ärger, Stress, Arbeit Brassel
„aus dem Stegreif“,
„aus der Hüfte geschossen“
us der Lamäng (von frz. la main = die Hand)
Bezahlen, „Blechen“ Lazze
Bierkellner Köbes („Jakob“, der Ober im rheinischen Brauhaus, typischerweise mit blauer Schürze)
Blaubeeren, Waldbeeren Wollbere, Worbelle
Blutwurst Flönz Siehe auch [1] und [2].
Brunnen, Teich, Pfütze Pütz nach „Schmitz“ der häufigste Nachname (von Französisch puits = Brunnen, Grube, Schacht; vgl. im Niederländischen put; vgl. im Ruhrdeutschen „Pütt“ (Schacht, Grube))
(weibliche) Brust, Brüste Mämme
Butterbrot Botteramm (vgl. im Niederländischen boterham)
Dummkopf Blötschkopp, Doll, Doof, Jeck, Tünnes, Tring, Verdötschte u.v.a.m. je nach Situation
Drachen Pattevu(e)l
drücken/ziehen däue/trecke (hat Entsprechungen im Niederdeutschen)
Eisbein, Schweinshaxe Hämmche
Erbse Ääz
erzählen verzälle (hat Entsprechungen im Vorderpfälzischen verzehlen und Niederdeutschen, ndl. vertellen, engl. to tell)
etwas jet (hat Entsprechungen im Kleverländischen und Westfälischen)
Faxen, Getue, Sich-Anstellen Fisematente, Fisematentcher (nur Pl.) Fisimatenten
Flirt Fisternöll, Höggelsche
Geizhals Knießkopp, Knießbüggel
Gepäck, auch: Sippschaft, Verwandtschaft Bajasch / Bagage (von frz. bagage)
Grünschnabel Jrönschnabel, Lällbeck, Schnuddelsjung
Hintern, Po, Gesäß Fott (hat Entsprechungen im Alemannischen)
Hose Botz (hat Entsprechungen in anderen Regiolekten, vgl. Ruhrgebietssprache „Buxe“, Norddeutsch „Büx“, „Büxen“)
Kartoffel Ääpel, Äädappel (Ableitung von Erdapfel)
Kohl Kappes (vgl. engl. cabbage, pol./slow. kapusta, lux. Kabes)
Kind, Kinder Panz, Pänz
Knopf Knopp
(sterbens-)krank aussehen beripsch ussinn (entstanden aus der Abkürzung: RIP, aus dem lat.: Ruhe in Frieden, was oft auf Grabsteinen zu finden ist)
krank malad von frz. malade =krank sein
Kuss, Küsschen Butz, Bützche
Nachthemd Poniel
nackt, bloß bläck
nervös, unruhig iggelisch (vgl. Niederl. „iebelig“, Dt. „hibbelig“
oben bovve (hat Entsprechungen im Niederdeutschen, vgl. ndl. boven)
Oberbett (genauer: Federbett) Plümmo (von frz. plumeau, dort heute anders belegt)
oder ov (entspricht dem Niederdeutschen, vgl. ndl. of; im südlichen Umland ist „ov“ bereits unbekannt)
Onkel Ühm (z.T. regional verblassend, mhd. Entsprechung zum Oheim und zur Uhme anderer Dialekte, niederl.: oom.)
Ostdeutscher Pimmock (ursprünglich abfällige Bezeichnung für Saisonarbeiter aus dem Osten Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Zuwanderungen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Auflösung der DDR so wieder aufgenommen, heute auch allgemein ein Mensch, der die Kölner Mentalität nicht verinnerlicht hat; vgl. auch Imi)
Pellkartoffel Quellmann, Quallmann (vgl. Vorderpfälzisch: Quellde
Popel Mömmes (Abgeleitet: Mömmesfresser)
reden, quatschen/sich unterhalten, sprechen kalle, klaafe, schwaade („Schwaade“ kann i.a.R. nicht mit „Schwätzen“ übersetzt werden, auch wenn beide Worte verwandt sind)
Regenschirm Parraplü (frz. Lehnwort)
reisen, sich fortbewegen jöcke „unterwegs“, „verreist“ = Op Jöck
rothaarig fussisch von „Fuss“ = Fuchs, also fuchsrot
(hören:     Fuss ?/i     fussisch ?/i     fussije ?/i     fussijen ?/i     Füßje ?/i)
Rosenkohl Spruute, Sprühtsche (vgl. Niederländisch: spruitjes, Englisch: Brussels sprouts)
Rotkehlchen Rähnvü(je)lche (wörtl. „Regenvöglein“)
Salat Schloot
Schmutz, Dreck Knieß, Knös, Knüüß (auch für talgige Schmutzablagerungen, z.B. an Brillen)
Schnaps Schabau
schon, bereits, eben ald (in verkürzter Redeweise auch ad)
schon(ein)mal, (ein)mal ens (gleicher etymologischer Stamm, wie Hochdeutsch: „einst“. Vergleiche: niederl.: eens = „(ein)mal, einst“) (hören:     ens ?/i)
Schwätzer Schwaatlapp(e)
Schrank Schaaf (wie Moselfränkisch, vgl. ndl. und NorddeutschSchapp“)
Senf Mostert (von frz. moutard, auch am Niederrhein verbreitet, niederl.: mosterd)
Sonnenschirm Pasoläh, Parsolee (von frz. parasoleille)
Spatz (Haussperling) Mösch (von frz. mouche, dort ursprünglich für Fliege und Spatz, niederl.: mus, slawisch: Mucha)
Stachelbeeren Kröönschele
Straßenmädchen Trottoirschwalv (zusammengesetztes Wort aus: Trottoir, frz. Lehnwort (Bürgersteig) und Schwalv (Schwalbe))
Streit, ein dauerhaft schlechtes Verhältnis Knies
Stroh Strüh
unterwegs, auf Tour, auf Reisen, auf Achse op Jöck
Verhältnis, Liebschaft Fisternöll
verrückt jeck (häufig anzutreffen, wohl wegen der Karnevalsjecken), niederl.: gek
Vetternwirtschaft, Nepotismus, „Filz“ Klüngel (eigentlich Knäuel, vgl. Kölscher Klüngel)
Wahlkölner Imi von imiteete Kölsche = nachgemachter Kölner (seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg; wurde durch ein Lied des Krätzchenssängers Karl Berbuer in den frühen 1950er Jahren auch außerhalb der Stadt sehr bekannt.)
Wirsing Schavuur
Zwetschgen Quedsche ebenso in der Vorderpfalz
Zwiebel Öllsch, Öllisch, Öllije


Es gibt Wörter ohne geeignete Entsprechung im Hochdeutschen:

Hochdeutsch Kölsch Anmerkung
Auseinandersetzung, Streit, Darlegung, Disput, Krach, Wortgefecht, Erklärung Explezeer (von frz. explicer)
- stievstaats Diese Kombination von staats = herrlich, stattlich, „aufgemotzt“ mit stiev = steif, unbeweglich, bewegungslos/tot, höhergestellt, unpersönlich/förmlich, aber auch „dermaßen betrunken, dass er/sie nicht mehr zu einer Bewegung des Einknickens fähig ist und daher lang ausgestreckt umfällt“ dürfte auf das Exerzieren und Paradieren der preußischen Rheinarmee zurückgehen, die die napoleonische Besatzung in Köln ablöste.
- Krangköllish Beschreibung eines Menschen, dem es gesundheitlich schlecht geht, wörtlich: kranke Zwiebel.
Stadtteil, Revier, Kontaktbereich, Sozial-/Wohnumfeld Veedel (von Stadtviertel) Das BerlinerischeKiez“ kommt dem „Veedel“ relativ nahe.
Verdickung, Ansammlung, Kollektiv/Brigade, Stau, Menge/Anzahl Knubbel Alle genannten Worte sind wenig treffende mögliche Übersetzungen durch einen Oberbegriff. Die Liste der spezifischen Übersetzungen dürfte mehrere hundert Wörter umfassen. Dazu kommen noch etliche Bildungen, wie etwas „im Knubbel“, also gemeinsam, zu tun. „Gemeinsam“ hat so z.B. keine direkte Entsprechung in Kölsch.
Delle, Faulstelle, Fehler/Sinnlosigkeit Blötsch (Lautmalerisch) Unter anderem das Gegenteil von einem Knubbel. (vgl. Niederl. „bluts“)
dumm, eingedrückt, zerdellt blötschisch
reflektiert werden, (zurück)springen, hüpfen, (an)stupsen, stoßen, schlagen titsche (Lautmalerisch)
Delle, Beschädigung, Ab- oder Eindruck, Loch bzw. großer Kratzer Katsch (Lautmalerisch) Ein Katsch ist alles Genannte zugleich.
Riss Ratsch (Lautmalerisch)
winkelförmiger Einriß in Stoff en Fönnnef die Form ähnelt der lateinischen Ziffer V
„Die Polizei“ de Schmier (nur unpersönlich, v.a. im Kontext des unerwünschten Kontrollierens, lästigen Beobachtens, beim Beschneiden von Freiheiten)
-
-
knibbele
piddele
Beide nahe dem Ruhrsprachlichen, West- und Ostfälischen prokeln aber jeweils viel spezifischer, teilweise überlappend mit dem Hochdeutschen kratzen, jedoch spezifischer, erst recht als das Umgangssprachliche fummeln


Manche Wörter werden aus ursprünglichen Umschreibungen geboren:

Hochdeutsch Kölsch Anmerkung
Akkordeon Quetschebüggel, Quetsch (wörtlich: (Zweiseiten-)Drückbeutel, „Quetschbeutel“ wäre ein falscher Freund)
Bett Lappekess (von Lappen- (oder Tücher-) Kiste)
Fotoapparat Knipser
Geizhals Kniesbüggel, Knieskopp
Pilz Jüddefleisch (eigentlich „Judenfleisch“, wird heute nicht mehr gebraucht)
Polizeiwachtmeister Blööh (von frz. bleu, Uniformfarbe preußischer Polizisten)


Andere Vokabeln sind aus mittlerweile wenig gebräuchlichen oder anders belegten Synonymen entstanden:

Hochdeutsch Kölsch Anmerkung
Bürgersteig Trottewar / Trottoir (Trottoir, frz. Lehnwort, auch in anderen westdeutschen Dialekten verbreitet)
Dachstuhl, Dachboden, Dachbereich Läuv (vgl. Laube)
Aufnehmer / Bodenwischtuch Schotterplaggel (von Schotter / Bodenbelag und Plaggel / Wischtuch)
Schmerz Ping (von Pein)
Streichholz, -hölzer Schwävelche, Schwävele (von Schwefelholz, ältere Bezeichnung für Zündhölzer)
Tür, Tor Pooz (von lateinisch porta, Pforte, vgl. Niederl. „poort“) Das hochdeutsche „Pforte“ heißt heute in Kölsch „Pöözje“ oder „Enjang“ und kann nur in seltenen Fällen mit „Pooz“ übersetzt werden.
umarmen dröcke (von an sich drücken) nicht zu verwechseln mit hochdeutsch drücken = kölsch deue
weg fott (von fort)
weinen kriesche (verwandt mit „kreischen“, vgl. engl. to cry)


Wieder andere Vokabeln entstammen der allgemeinen Umgangssprache:

Hochdeutsch Kölsch Anmerkung
Auto Kess (von Kiste)
Fernsehapparat Kess (von Kiste)
Glück, glücklich Jlöck, jlöcklich
(heraus-/auseinander-)klamüsern (erus-/usenander)klamüsere (Herausfinden durch angestrengtes Überlegen, mühsam zurechtfummeln)
schief, scheel schääl (scheel -schielend- wie das bekannte Kölner Original Schäl, vgl. Schäl Sick)
Verkaufsstelle, (Zeitungs)Kiosk Büdche (entspricht der ruhrsprachlichen „Bude“ im Sinne von „Trinkhalle“)
Akkordeon Quätschkomood (Zusammensetzung von quedsche (drücken, pressen) und kommood (Kasten, Komode)
Wohnung (auch) Bud (von Bude)

Wortbildung

Die kölsche Sprache ist eine sehr reichhaltige Sprache, das betrifft auch ihre Wortbildungen. Sie übertrifft dabei, wie fast alle deutschen Mundarten, das Deutsche - weltweit eine der wortreichsten Sprachen - in einigen Lebensbereichen um ein Vielfaches. Es ist auf Kölsch leicht, neue Wörter bedarfsgerecht zu erfinden, das geschieht im täglichen Sprachgebrauch. Es gibt z. B. etliche Dutzend Schimpfworte und Unfreundlichkeiten, die man sich im Streit sagen kann, Hunderte weiterer Wörter, die Verhältnisse, Verhalten oder Eigenschaften von Menschen charakterisieren. Kombiniert ergibt das einige hunderttausend Wörter für Streitfälle oder um übereinander herzuziehen. Liebevoll-spöttisch sagen die Sprecher des Kölschen dazu, die brauche man auch, man wolle sich wenigstens ein Leben lang streiten können, ohne dass einem die Worte ausgehen.

Literatur

  • Hoenig, Fritz: Wörterbuch der Kölner Mundart. Nach der Erstausgabe von 1877. J. P. Bachem, Köln 1952
  • Lützeler, Heinrich: Philosophie des Kölner Humors, Peters-Verlag, Hanau/Main 1954
  • Heike, Georg: Zur Phonologie der Stadtkölner Mundart (Deutsche Dialektgeographie Band 57), Marburg 1964
  • Hirschberg, Martin & Hochhaus, Klaus: Kölsch för anzelore, Lütgen, Frechen, 1990, ISBN 3980257304
  • Wrede, Adam: Neuer Kölnischer Sprachschatz. 3 Bände mit 1168 Seiten. Greven Verlag Köln. 12. Auflage, 1999. ISBN 377430243-X
  • Tiling-Herrwegen, Alice: De kölsche Sproch, Kurzgrammatik Kölsch-Deutsch. Bachem-Verlag Köln. 1. Auflage, 2002. ISBN 3-7616-1604-X
  • Bhatt, Christa: Kölsche Schreibregeln. Bachem-Verlag Köln. 1. Auflage, 2002. ISBN 3-7616-1605-8.
  • Resch, Helga & Bungter, Tobias: Sprachführer Kölsch (mit einer CD gesprochen von Tommy Engel). Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln, 1. Auflage, 2004. ISBN 3-462-03557-6.
  • Resch, Helga & Bungter, Tobias: Sprachführer Kölsch 2 - für Fortgeschrittene (mit einer CD gesprochen von Tommy Engel). Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln, 1. Auflage, 2005. ISBN 3-462-03591-6.
  • Meyer, Stephan: kleiner kölscher kosmos. LUND-Verlagsgesellschaft mbH, Köln, 1. Auflage 2005. ISBN 978-3-938486-01-6, ISBN 3-938486-01-5.
  • Bhatt, Christa & Herrwegen, Alice: Das Kölsche Wörterbuch. Bachem-Verlag Köln. 2. Auflage, 2005. ISBN 3-7616-1942-1
  • das kölsche liedbuch. LUND-Verlagsgesellschaft mbH, Köln, 4. Auflage 2006. ISBN 978-3-938486-00-9, ISBN 3-938486-00-7.

Siehe auch

Der Kölsche Karneval

Weblinks

Commons
Commons: Kölsche Aussprachebeispiele – Bilder, Videos und Audiodateien
Wikipedia
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