Kürschner

Dieser Artikel behandelt den Beruf des Kürschners, für Kürschners Handbücher siehe Kürschners Handbücher. Für den Schriftsteller und Lexikographen Joseph Kürschner (1853–1902), siehe Joseph Kürschner.
Der Kürschner aus Jost Ammans Ständebuch, 1568
Der Kürschner aus Jost Ammans Ständebuch, 1568

Ein Kürschner ist ein Handwerker, der Tierfelle zu Pelzkleidung verarbeitet.

Inhaltsverzeichnis

Berufsbild

Neben der Herstellung, Reparatur und Pflege von Pelzen zählt auch die Kundenberatung, Modellentwurf und Materialauswahl zu seinen Aufgaben.

Die Kürschnerei ist in Deutschland ein zulassungsfreies Handwerk. Somit können auch Gesellen einen eigenen Betrieb führen, ohne über langjährige Berufserfahrung oder einen Meisterbrief zu verfügen. Kürschner/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und umfasst neben den handwerklichen Fähigkeiten auch die Vermittlung von kaufmännischen Kenntnissen.

Der Kürschner könnte wegen seiner kreativen Arbeit heutzutage auch Pelz-Designer genannt werden. Seine Tätigkeit umfasst die komplette Herstellung eines Pelzes, Entwurf und Schnittherstellung, das Sortieren, Schneiden und Nähen der Felle, das Zwecken (Glattspannen), Abgleichen, Beheften, Zusammennähen, Ausfertigen und Füttern des Pelzteils. Hinzu kommen das Nähen der Stoffhüllen für Pelzinnenfutter, die Verarbeitung von Leder und Stoff in Zusammenhang mit der Pelzverarbeitung und die Herstellung von Kleinpelzen wie Schals, Muffs oder einfache Hutformen. Ein erheblicher Teil seiner Arbeit in den Sommermonaten besteht in der Pflege der Kundenpelze: Pelzumgestaltung, Reparatur, Reinigung, Pelzaufbewahrung und sonstigen Servicearbeiten.

Zunftwappen
Zunftwappen

Je nach Größe des Handwerksbetriebs erfolgt nach dem Ende der Ausbildung oft eine Spezialisierung der Tätigkeit in den „Schneide“- und den „Nähkürschner“, das heißt alle Näharbeiten werden von dem Pelznäher beziehungsweise der Pelznäherin ausgeführt. Für das Nähen mit der Pelznähmaschine erfolgt häufig eine erneute Arbeitsteilung, insbesondere auch für das Nähen der sogenannten „Auslassarbeiten“ (Verlängern der Felle durch Schnittanlagen). - Der Meister leitet neben seiner normalen Kürschnerarbeit in der Regel die Werkstatt, er führt die Kundengespräche, erstellt die Schnittmuster und erledigt die Anproben. Falls er nicht, wie meist, gleichzeitig der Inhaber des Betriebs ist, überschneiden sich die Tätigkeiten insbesondere im Einkauf der Ware, der Modellentwicklung, der Kalkulation und im Verkauf im Geschäft.

Der Wareneinkauf für Felle und Konfektion erfolgt über Großhändler und auf den Messen (hauptsächlich Frankfurt und Mailand), für Felle auf internationalen Auktionen, entweder direkt durch den Inhaber und/oder den Meister oder über Kommissionäre.

Die Ausbildung erfolgt in den Betrieben des Kürschnerhandwerks. Der schulische Teil der Ausbildung erfolgt meist im Blockunterricht in der Berufsschule in Fürth (Bayern).

Das Handwerkszeug des Kürschners

  • Kürschnermesser, ursprünglich ein geschliffenes Stück Stahl, das auf dem angefeuchteten Wetzstein bei Bedarf spitz nachgeschliffen wurde. Heute bezeichnet der Begriff einen Klingenhalter in etwa der gleichen Form.
  • Zweckzange, Zange zum Greifen der Lederkanten und Aufnageln des Pelzes mit Zwecknägeln oder Stecknadeln beim „Zwecken“ (Glattspannen).
  • Das Aufnageln erfolgt heute meist mit der Zweckpistole (Pressluft- oder gelegentlich Elektrotacker, erstmals 1964)[1] auf der
  • Zweckplatte, Zwecktisch zum Glattspannnen der angefeuchteten Fellteile, oft beheizbar und mit Ventilatoren
  • Abzwecker zum Herausziehen der Zwecknägel oder der Zweckklammern
  • Nahtroller, Rollholz und Streckholz zum Glätten der Nähte und Weichreiben der gezweckten Pelze
  • Messingkamm und Drahtbürste zur Haarbehandlung
  • Kopierrad zum Markieren von Merkmalen der Haarseite auf die Lederseite und zur Schnittmustererstellung
  • Grotzenstecher, Stechahle, zumindest dem Namen nach zum Anzeichnen des Grotzens (der Fellmitte) auf der Lederseite
  • Gelbstift (Fettstift), Kreiderad für Markierungen, Beschriftungen und weiteres Kennzeichnen auf der Fellabseite
  • Einstreichpinzette zum Einstreichen der Haare beim Nähen mit der Pelznähmaschine
  • Muffblöcke, Hutblöcke, zum Spannen verschiedener Muff- oder Hutformen, Kopfformen für die Anfertigung von Kolliers (Schals in Tierform)
  • Schere, Evelierschere, Nähnadeln, Bügeleisen

Die Maschinen des Kürschners

  • Pelznähmaschine, Einfaden-Blindstich-Nähmaschine zum Zusammenfügen der Fellteile.
    Die Anfänge dieser Nähmaschine mit Überwendlichstich reichen bis etwa 1800 zurück. Balthasar Krems aus Meyen in der Eifel ist die Grundkonstruktion dieser Maschine zuzuschreiben, die in ihren wesentlichen Merkmalen bis heute gleich geblieben ist. Um 1870 baute die Firma Rittershausen in Berlin die ersten Überwendlichmaschinen in großen Serien[2]
  • Pikiermaschine, Einfaden-Blindstich-Flachnähmaschine zum Aufbringen der Zwischenzutaten wie Pikierstoffe, Vliesstoffe oder Wattierungen
  • Bügelpresse anstelle des Pikierens zum Aufbügeln von Zwischenstoffen auf die Pelzlederseite
  • Nähmaschine zum Nähen des Innenfutters und für Schneiderarbeiten
  • Ledersteppmaschine
  • Klopfmaschine zum Entfernen von Staub, losen Haaren und Reinigungsmehl nach dem Läutern in der
  • Läutertonne, zum Reinigen mit Holzmehl und Weichschütteln von Pelzen.
  • Dampf-Steamer zum Aufblasen des Haars.
  • Bügelmaschine zum Glätten des Haars, insbesondere bei Pelzen in Samtoptik.
  • Auslass-Schneidemaschine, schneidet das Fell in schmale Streifen. Diese werden, geringfügig verschoben, zu Streifen in der Länge des Pelzteils (beispielsweise in Mantellänge) neu zusammengenäht.
  • Auslassmaschine, eine Konstruktion der Firma Pfaff, die den gesamten Vorgang des Schneidens in Auslassstreifen, verschieben der Streifen und wieder zusammennähen in einem automatisierten Arbeitsgang bewältigte. Wurde aber wegen des hohen Preises wohl nur in wenigen Exemplaren gebaut (etwa 1980er Jahre).
  • Staffiermaschine, zum Einnähen des Stofffutters, wird vereinzelt in der Konfektion benutzt.

Quellen

  1. Das Pelzgewerbe, 1964, Rifra Verlag, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, 1964, S. 88.
  2. 100 Jahre Strobel 1883–1983, Selbstverlag Alfons Strobel, 1983

Weblinks

  • [1] Berufschule in Fürth
  • [2] Zentralverband des Kürschnerhandwerks
  • [3]Die Deutschen Kürschner-Innungen
  • [4] Schweizer Pelzfachverband
  • [5] Wirtschaftskammer Österreich, Bundesinnung der Kürscher
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