Das KZ Natzweiler-Struthof war ein Straf- und Arbeitslager der Nationalsozialisten nahe dem Ort Natzweiler im Elsass, etwa 55 km südwestlich von Straßburg, 8 km vom Bahnhof Rothau entfernt, auf einem Gipfel der Vogesen in 800 m Höhe.
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Im September 1940 machte der SS-Oberst und Geologe Blumberg die Stelle in den Vogesen ausfindig, an der sich eine Ader mit seltenem rotem Granit befindet. Im Auftrag von Gestapo-Chef Heinrich Himmler und Oswald Pohl, Leiter des SS-Verwaltungshauptamtes, wurde daraufhin beschlossen, in 800 m Höhe am Nordabhang des Mont-Louise ein Konzentrationslager für 4.000 Gefangene einzurichten. Blumberg war bei den Deutschen Erd- und Steinwerken (DEST) angestellt, einem SS-Betrieb, der von Himmler 1938 gegründet worden war. Die Firma war auf den Abbau von Steinen spezialisiert und setzte Deportierte für die härtesten Arbeiten ein. Der rote Granit aus Natzweiler-Struthof sollte auf Wunsch von Hitlers Architekt Albert Speer für den Bau des "Deutschen Stadions" in Nürnberg verwendet werden.
Am 1. Mai 1941 begann der Bau des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof, am 21. und 23. Mai kamen in zwei Transporten die ersten Deportierten aus Sachsenhausen an, mit rund 7.000 Gefangenen war das Lager gegen Ende des Jahres 1944 deutlich überfüllt. Dies kam durch Evakuierungen von qanderen Konzentrationslagern. bald deutlich überfüllt. Etwa 52.000 (männliche) Personen aus ganz Europa sowie den nahe gelegenen Gefängnissen in Epinal, Nancy und Belfort wurden dorthin sowie in die angeschlossenen Außenlager deportiert. Die meisten Deportierten kamen aus Polen (13.800), der UdSSR (7.600) und Frankreich (6.800), meist aus politischen (60%) und rassistischen (11%) "Gründen". 22.000 Personen starben in Folge von Entkräftung, Kälte, Mangelernährung und lagerbedingten Krankheiten oder wurden direkt ermordet.
Heute erinnert das Museum sowie das 2006 eröffnete großzügige Europäische Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers an die Geschichte dieses und anderer Konzentrationslager. Beide Einrichtungen bieten sich unter anderem für den Besuch von Schulklassen an, die Mehrzahl der Informationsangebote liegt auch in englischer und deutscher Sprache vor.
Die Gefangenen mussten bei kargen Mahlzeiten in den umliegenden Steinbrüchen für Speers geplante Monumentalbauten körperlich schwer arbeiten. Die hierdurch verursachte Todesrate betrug fast 40%. (Zum Vergleich: KZ Stutthof 66,5%, KZ Auschwitz 57%, KZ Mauthausen 52,5%, KZ Neuengamme 50%, KZ Sachsenhausen 42%, KZ Bergen-Belsen 40%, KZ Buchenwald 25%.) Im Einzelnen gab es 61 Tote von Mai 1941 bis März 1942, 750 von April 1942 bis Mai 1943, 700 von Juni 1943 bis März 1944, 2000 von April 1944 bis September 1944, 14000 von Oktober 1944 bis April 1945.
Darüber hinaus wurden Gefangene auf mehrere Arten der ermordet: Durch Genickschuss (praktiziert in eigens dafür gebauten Räumlichkeiten), in der Gaskammer sowie durch Erhängen. Beim Erhängen gab es zwei Varianten: Bei geheimer Hinrichtung wurde die Person auf einen Schemel gestellt, der dann weggestoßen wurde. Das Genick brach und der/die Betroffene starb sofort. Bei öffentlichen Hinrichtungen, speziell zur Abschreckung, mussten sich die Todeskandidaten auf eine Falltür stellen. Der Strick um den Hals wurde vorher bereits angezogen, so dass das Genick nicht brach. Die langsam öffnende Falltür verursachte dann einen schrecklichen Erstickungstod, der sich über mehrere Minuten hinzog. Die so Ermordeten wurden im Krematorium verbrannt.
Besonders bekannt geworden ist der Mord an 86 jüdischen Gefangenen. Mit ihnen wollte August Hirt, Direktor des Anatomischen Instituts der Reichsuniversität Straßburg, eine Skelettsammlung anlegen. Dafür wählte er Anfang August 1943 im KZ Auschwitz 86 jüdische Frauen und Männer aus acht europäischen Ländern aus und ließ sie nach Natzweiler-Struthof bringen. Dort wurden sie in der Gaskammer getötet. Mit der Skelettsammlung, die dann aber nicht umgesetzt wurde, wollte der Hirt die NS-Rassentheorie und die "Minderwertigkeit von Juden und Jüdinnen" nachweisen.
Zwei weitere NS-Ärzte, Eugen Haagen, und Otto Bickenbach, nutzten das KZ Natzweiler-Struthof für ihre medizinischen Experimente und Menschenversuche. Sie injizierten Gefangenen Typhuserreger und experimentierten mit den Kampfstoffen Lost und Phosgen. Die Gefangenen starben daran einen qualvollen Tod.
Ins KZ Natzweiler-Struthof wurden auch gefangene WiderstandskämpferInnen gebracht, um dort hingerichtet zu werden. So wurden im September 1944, kurz vor der Räumung des Konzentrationslagers, 107 Frauen und Männer der Gruppe "Réseau Alliance" durch Genickschüsse und den Strang ermordet. Auch vier britische Frauen, Mitglieder des britischen Geheimdienstes, wurden extra ins KZ Natzweiler-Struthof zur Hinrichtung gebracht. Als Angehörige der Special Operations Executive (SOE) enttarnt, wurden sie am 6. Juni 1944 mit Phenolspritzen ermordet.
Die Häftlinge wurden immer wieder im lagereigenen Gefängnis unter Druck gesetzt, es wurde dabei zwischen drei Inhaftierungsstufen unterschieden:
Ein Häftling grub während der Arbeit im Steinbruch unbemerkt ein Loch in die Erde und bedeckte sich mit Gras, um nicht gesehen zu werden. Nachdem die anderen Häftlinge am Abend ins Lager zurück mussten, blieb er die ganze Nacht über in seinem Versteck. Tatsächlich war er der Flucht sehr nahe, denn am nächsten Morgen war noch nichts aufgefallen. Beim Morgenappell jedoch, der immer mit größter Sorgfalt abgehalten wurde, fehlte der Mann und Suchhunde wurden benutzt, um alle möglichen Aufenthaltsorte abzusuchen. Als die Suchhunde den „Ausbrecher“ stellten, wurde er festgenommen. Mit grausamen Bisswunden wurde er tagelang gefangengehalten, bis er dann ausnahmsweise wieder im Lager arbeiten "durfte" (normalerweise wurden Fluchtversuche mit dem Tod durch Erhängen bestraft). Bei einem späteren Transport in ein anderes KZ gelang ihm ein neuer Fluchtversuch.
Einem Mann gelang es, sich die Uniform des Kommandanten anzueignen. Mit dessen Wagen konnte er unbemerkt aus dem Lager entkommen, denn die Wachposten salutierten den perfekt gekleideten Kommandanten sogar. Da im Elsass die Résistance sehr aktiv war, konnte der ehemalige Häftling innerhalb weniger Tage bis nach Algerien gelangen. In Algerien hatte er nichts mehr zu befürchten. Dies war der einzig bekannte erfolgreiche Fluchtversuch im KZ Natzweiler-Struthof.
In zehn „Außenstellen“ des KZ Natzweiler-Struthof sollte zwischen Reutlingen und Rottweil im Vorland der Alb im dortigen "Schwarzen Jura" Ölschiefer im Tagebau gebrochen, in Meiler geschichtet, verschwelt und zu Öl umgewandelt werden, als Nazi-Deutschland wegen der durch alliierte Bombenangriffe zerstörten Raffinerien und Depots und des Ausfalls des vorher aus Rumänien bezogenen Erdöls in den letzten beiden Kriegsjahren gravierenden Mangel an Treibstoffen hatte.
Vier dieser "Werke" begannen mit der Produktion:
Der Wirkungsgrad des Verfahrens war lächerlich; im KZ Bisingen schüttete der Lagerkommandant ab und zu Öl hinzu, wohl um seinen Posten zu behalten.
Die anderen sechs KZ wurden errichtet, Inhaftierte litten darin, aber mit der Produktion wurde gar nicht erst begonnen.
In allen Lagern kamen viele der meist jüdischen Häftlinge auf unmenschliche Weise ums Leben. In Bisingen erinnerern ein Massengrab mit Kreuzen und Gedenkstein, ein Museum und ein Lehrpfad daran. Massengräber gab und gibt es auch bei den anderen KZ, manche wurden unter der französischen Besatzung von ehemaligen Mitgliedern der NSDAP exhumiert.
siehe Gedenksätte Vulkan in Haslach im Kinzigtal
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Herkunft: siehe Diff. 21:03, 14. Jul. 2007 - Veröffentlicht im SCHWARZWÄLDER BOTEN Nr. 160/2007 vom 24.07.2007 vom gleichen Verfasser Kristian-Heinrich Schüssler -- Ra'ike D C B 12:08, 25. Jul. 2007 (CEST)
Auf dem „Fliegerhorst“ Echterdingen wurde ab November 1944 das KZ Echterdingen eingerichtet. Ungefähr 600 jüdische Inhaftierte wurden in einem Areal rund um einen weißen Hangar, eine sogenannte Eskimohalle, eingepfercht, der heute noch auf dem „South Airfield“ der United States Army steht. Sie mussten unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen Schäden auf dem Flughafen ausbessern und in Steinbrüchen der Umgebung (z.B. im "Emerland" bei Bernhausen) arbeiten. Die ausgemergelten Häftlinge konnten mitunter nicht mehr aus eigener Kraft zurück ins Lager: Zwei Mithäftlinge mussten sie mitschleifen, oder sie wurden auf einem zweirädrigen Karren transportiert. Bewacht wurden sie von Soldaten des „Fliegerhorstes“. Im Januar 1945 begann die SS mit der Auflösung des Lagers. Zurück blieben Massengräber, so zum Beispiel in der Nähe des Waldstückes "Ramsklinge" und auf dem Flughafen - und die weiße Halle.
Ein weiteres Außenlager befand sich bei Geislingen/Steige. Die Häftlinge arbeiteten für die Württembergische Metallwarenfabrik. Eingerichtet wurde es im Februar 1944 als abgetrennter Teil des bereits bestehenden Fremdarbeitslagers in der Heidenheimer Straße mit einer Fläche von 10.000 m². Die 15 vorgesehenen Aufseherinnen wurden in Ravensbrück „ausgebildet“. Das Lager selbst bestand aus fünf Wohnbaracken, einer Revier- und einer Wirtschaftsbaracke. Die ersten Häftlinge für das Lager, etwa 700 jüdische Frauen, trafen am 28. Juli 1944 ein und mussten ab dem 16. August 1944 für WMF arbeiten. Die WMF zahlte pro Häftling täglich 4 RM an das KZ, erhielt im Gegenzug 0,80 RM für Essen und Bekleidung. Die Arbeit war in zwei Schichten eingeteilt; von 06:00 Uhr bis 18:00 Uhr und 18:00 Uhr bis 06:00 Uhr. Die überlebenden Häftlinge berichteten, dass die Meister und anderen Mitarbeiter des Unternehmens sie korrekt behandelt hätten und ihnen teilweise sogar Lebensmittel und Medikamenten zugesteckt haben. Die Versorgung der Häftlinge mit Lebensmitteln im Lager war sehr mangelhaft, zum Teil auch, da die wenigen für die Gefangenen bestimmten Lebensmittel durch die Wachmannschaften teilweise unterschlagen wurden. Daher sah sich WMF gezwungen, die Lebensmittelrationen um eine Zulage von Käse und in den Nachtschichten um 1,5 l Suppe zu erweitern. Kranke oder schwangere Frauen wurden in das KZ Auschwitz transportiert, nach dessen Auflösung u.a. nach Bergen-Belsen. Leichter verletzte Häftlinge wurden im Krankenlager des Lagers versorgt. Im März 1945 bemühten sich Aufsichtsrat und Vorstand der WMF um Auflösung des Lagers, bevor die US-Truppen die Gegend erreichten. Ab Ende März 1945 arbeiteten die Häftlinge nicht mehr für die WMF; im April wurde die Insassen Richtung Dachau „evakuiert“. Ihr Ziel erreichten sie allerdings nicht, da der Zug von alliierten Truppen gestoppt wurde.
Für die ausgelagerte Produktion von Flugzeugmotoren im badischen Obrigheim wurde die Außenstelle Neckarelz errichtet, in der gleichzeitig bis zu 7500 Häftlinge aus verschiedenen Lagern arbeiteten. Sie war von März 1944 bis März 1945 in mehreren Gipssteinstollen untergebracht. Die Häftlinge waren in einer Schule und neu errichteten Baracken untergebracht. Insgesamt waren etwa 10.000 Gefangene in einem der zum Neckarelzer Lager gehörigen sogenannten Neckarlagern, wenn auch nicht alle zur selben Zeit, da die Häftlinge nach Bedarf zwischen den Kommandos verschoben und nicht mehr arbeitsfähige selektiert wurden. Die nicht mehr arbeitsfähigen Häftlinge wurden nach Natzweiler, KZ Dachau oder Vaihingen deportiert. Allein bis Oktober 1944 waren dies bei drei Transporten mindestens 750 Personen.
Am 28. März wurden wegen des Vorrückens amerikanischer Truppen in den Neckarraum die zu diesem Zeitpunkt dort befindlichen 4.000 gehfähigen Häftlinge des Außenlagers Neckarelz über Neuenstadt und Kupferzell zum Bahnhof in Waldenburg in Marsch gesetzt. Von Waldenburg aus erfolgte ein gruppenweiser Bahntransport nach Dachau.
Ein Eisenbahntunnel, der zwischen den Ortschaften Bruttig und Treis bei Cochem an der Mosel verlief, sollte 1944 zu einer unterirdischen Fabrikhalle ausgebaut werden, deren Fertigstellung zu den ehrgeizigsten Vorhaben des SS-Generals Hans Kammler zählte. Dieser war von der Reichsführung mit dem "Sofortprogramm für bombensichere Unterbringung der Flugzeugindustrie" betraut worden.
Der Tunnel zwischen Bruttig und Treis bot eine Nutzfläche von insgesamt 21.000 Quadratmetern. Für den Ausbau der 2.565 Meter langen zweigleisigen Tunnelröhre veranschlagte Kammler gigantische Mengen von Baustoffen: 550 Tonnen Baueisen, 275 Tonnen Maschineneisen, 145 Festmeter Rundholz, 610 Kubikmeter Schnittholz, 1500 Tonnen Zement und 200.000 Ziegelsteine. Das Gesamtbauvolumen betrug dreieinhalb Millionen Reichsmark. Die Durchführung der Bauplanung, sowie die Bauleitung wurde dem Architekturbüro Heese in Berlin und dort federführend dem Dipl. Ing. Remagen übertragen. Die ausführende Baufirma war die Firma Fix aus Dernau. Der Reichsbahntunnel wurde der Firma Bosch in Stuttgart zur Fertigung von Zubehör für Flugzeugmotoren zur Verfügung gestellt. Bereits im April 1944 zogen die ersten Bosch-Arbeiter in den Tunnel ein und begannen mit der Produktion von Zündkerzen.
Die Gesamtleitung des Projektes "A7" oblag dem SS Führungsstab, dessen Büro sich in einem Hotel der Stadt Cochem befand. Chef war der SS Hauptsturmführer Gerrit Oldeboershuis, genannt Oldenburg, sein Stellvertreter SS-Untersturmführer Karl-Heinz Burckhardt. Insgesamt gehörten dem Führungsstab 18 Personen an: Zivilangestellte, Luftwaffeningenieure sowie technische Offiziere und Mannschaften der Waffen-SS. Ein Problem stellte zunächst die mangelhafte Zahl an Arbeitskräften dar, die dieses umfangreiche Großprojekt realisieren sollte. Doch die SS bot sich bereitwillig an, genügend Arbeitskräfte zu "liefern". Die Konzentrationslager boten hier eine anscheinend unerschöpfliche Quelle für "Menschenmaterial".
Menschen aus fast ganz Europa wurden als KZ-Häftlinge an die Mosel verschleppt und zur Zwangsarbeit herangezogen: Franzosen, Belgier, Luxemburger, Holländer, Norweger, Polen, Ukrainer, Russen, Griechen, Italiener, Spanier und einige Reichsdeutsche. Die meisten waren politische Häftlinge oder Kriegsgefangene. Viele trugen die Bezeichnung "AZA" , was verharmlosend für "Ausländische Zivilarbeiter" stand. Einige, besonders Deutsche, waren als "Kriminelle" eingestuft. Tatsächlich wurden alle nur zu einem Zweck an die Mosel gebracht: "Vernichtung durch Arbeit". Zu ihrer Bewachung wurde ein Kommando von Angehörigen der Luftwaffe nach Cochem beordert. Sie mussten unter schwersten Bedingungen den Ausbau des Tunnels vorantreiben. In der Zeit von der Errichtung des Lagers, Anfang März bis zu seiner Evakuierung am 15. September 1944 verloren viele Hundert Häftlinge ihr Leben durch Erschöpfung, Unterernährung, Folter und Exekutionen.
Ab Oktober 1944 befand sich in Mannheim-Sandhofen eine Außenstelle des KZ Natzweiler. Es diente zur Unterbringung von KZ-Häftlingen, die für Daimler-Benz Mannheim als Zwangsarbeiter beschäftigt wurden. Bei dieser Außenstelle handelte es sich um ein Lager der Endzeit des Dritten Reichs - es war ein Hungerlager. Über 1.000 polnische Männer und Jugendliche, die während des Warschauer Aufstands im Sommer 1944 aus ihrer Heimatstadt verschleppt worden waren, wurden hier zur Zwangsarbeit untergebracht. Dies geschah mitten in einem Wohngebiet, und zwar in der damaligen Friedrichschule. Die Anerkennung und der Versuch, dies auch öffentlich mittels einer Gedenktafel darzustellen, stieß über Jahrzehnte hinweg auf massiven Widerstand, da die Häftlinge ja als Zwangsarbeiter für den wichtigsten Arbeitgeber der Stadt, Daimler Benz, unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und dies natürlich nicht offen zugegeben werden wollte, weder von Teilen der Stadtverwaltung noch von der Firmenleitung von Daimler Benz selbst. Im Jahre 1978, bei der Übergabe einer Gedenktafel zur Erinnerung an die Häftlinge der ehemaligen KZ-Außenstelle Sandhofen, kam es zu einem Eklat, als bei der Feier der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Josef Bugl mit den Worten «"Das ist ein Skandal", gemeinsam mit einem Großteil der Zuhörer unter Protest die Turnhalle der Gustav-Wiederkehr-Schule während einer Rede des CDU-Stadtrats Heinrich Kirsch verlassen hatte.[1]
Gegen viele Proteste und Einwände beschloss der Mannheimer Gemeinderat auf Betreiben des Stadtjugendrings e.V. und des DGB am 6. Oktober 1987 die Einrichtung einer Dokumentationsstätte in den Kellerräumen der Gustav-Wiederkehr-Schule; die Existenz des Lagers wird bis heute auf keiner offiziellen Internetseite der Gemeinde Mannheim auch nur erwähnt.
Von Anfang September 1944 bis 18. April 1945 bestand in Spaichingen/Kreis Tuttlingen ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Die Waffenfabrik Mauserwerke aus Oberndorf/Neckar verlegte unter dem Tarnnamen „Metallwerke Spaichingen“ einen Teil ihrer Produktion nach Spaichingen. In verschiedenen Fabrikräumen wurden KZ-Häftlinge zur Herstellung von Flugzeug-Bordwaffen eingesetzt. Außerdem mussten sie am Rande der Stadt im Gewann „Lehmgrube“ eine Halle hochziehen, die jedoch bis Kriegsende nicht fertig wurde. Zur Unterbringung der KZ-Häftlinge reichten die „Metallwerke“ im Sommer 1944 bei der Stadt einen Plan für die Errichtung von drei Baracken ein, eine davon zweistöckig. Bis Kriegsende waren zwei fertig, eine befand sich noch im Rohbau. Die Küchen des Lagers befanden sich Gasthaus „Kreuz“. 300 bis 400 Menschen waren im Lager durchschnittlich untergebracht. Nach Überlebendenberichten waren die Zustände im Außenlager Spaichingen verheerend: SS-Bewacher unter Lagerführer Schnabler und als Kapos eingesetzte „Berufsverbrecher“ misshandelten die Häftlinge. Die Ernährung war völlig unzureichend, Lagerleitung und –köche sollen Lebensmittel verschoben haben. Notwendige Kleidung stand kaum zur Verfügung, Krankheiten grassierten. Das Standesamt Spaichingen beurkundete 1944 2 und 1945 93 im Lager gestorbene oder ermordete Häftlinge. Als Todesursachen werden Herzlähmung, Herz- und Kreislaufschwäche, Herzschlag, allgemeine Körperschwäche, Tuberkulose, Sepsis, Lungenentzündung, „auf der Flucht erschossen“, „Selbstmord durch Erhängen“ genannt. Von den 95 Opfern ist bei 24 das Herkunftsland unbekannt, bei den übrigen handelte es sich um 21 Ungarn, 20 Italiener, 15 Jugoslawen, 5 Tschechen, 5 Slowaken, 2 Franzosen und jeweils 1 Schweizer, Österreicher und Russe.1 Der Spaichinger Arzt Dr. Ruffing, der von Ende September 1944 bis Januar 1945 amtlich 10 Todesfälle feststellen musste, ohne die Leichen gesehen zu haben, schätzte vor Gericht die Toten in diesem Zeitraum auf etwa 80. Zwischen Januar und April sollen nach Auskunft eines polnischen Lagerarztes 78 Menschen gestorben sein. Folglich ließen mindestens 160 Häftlinge im KZ-Außenlager Spaichingen ihr Leben. Die Rot-Kreuz-Schwester Margarete Deller besorgte für die Häftlinge Schwerarbeiterkarten beim Wirtschaftsamt in Tuttlingen, um die Ernährungslage etwas zu verbessern. Einzelne Spaichinger Einwohner deponierten Lebensmittel entlang des Weges, den die Arbeitssklaven zweimal täglich durch die Stadt nehmen mussten. Zwei Häftlinge sollen bei dem Versuch, danach zu greifen, von einem SS-Mann erschossen worden sein. Am 11. Oktober 1944 beschwerte sich die SS beim Bürgermeisteramt über den Besitzer des Gasthauses „Kreuz“, weil er Häftlingen, die in den Küchen arbeiteten, Brot zugesteckt hatte. Das Bürgermeisteramt drohte dem Wirt daraufhin mit Lagerhaft. Als das Lager am 18. April 1945 aufgelöst wurde, folgte für die rund 400 Häftlinge ein etwa zehntägiger Marsch in Richtung Allgäu. Über die Zahl der Toten auf diesem Evakuierungsmarsch liegen widersprüchliche Aussagen vor. Ein ehemaliger Häftling berichtete als Zeuge vor dem Gericht in Rastatt, dass nur etwa die Hälfte der Männer das Ende des Marsches in Füssen erlebte. In Rastatt waren SS-Leute, Wachmannschaften und Kommandoführer auch des KZ Spaichingen angeklagt wegen Mordes, Beihilfe zum Mord, Diebstahls und Kriegsverbrechens. Nach den Prozeßakten sind von den zunächst zur Verantwortung gezogenen sieben Angehörigen des KZ-Personals drei zum Tode verurteilt worden, einer zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, ein anderer zu fünf Jahren Gefängnis. Der Direktor der „Metallwerke Spaichingen“, Jakob Hartmann, erhielt im Laufe des Jahres 1947 mehrere Jahre Gefängnis, weil er u.a. für die schlechte Ernährung der Häftlinge verantwortlich gemacht wurde. Nach Kriegsende ließ die französische Besatzungsmacht ein Steinkreuz auf einem Massengrab errichten. 1963 wurde in Spaichingen ein KZ-Ehrenmal – eine Stahlplastik des Tuttlinger Bildhauers Roland Martin – eingeweiht. Seit 9. November 2005 erinnern drei Bronzeplatten als „Stolpersteine“ im Stadtzentrum an das Außenlager. Das Gelände des ehemaligen KZ ist das Zentrum des heutigen Spaichingen; dort entstanden Rathaus, Evangelisches Gemeindehaus, Post, Büros, Geschäfte,Wohnungen und ein Busbahnhof.
Im Jahr 2006 wurde das neu gebaute Museum eingeweiht, das auf den Fundamenten des unter dem NS-Codenamen Kartoffelkeller errichteten Betonbunkers einen Gang durch die NS-Geschichte bietet. Das von Architekt Pierre-Louis Faloci entworfene Museumsgebäude ist in dunklen Farben gehalten, auch die Innenräume wirken düster und grau. Filme in französischer, englischer und deutscher Sprache zeigen die Geschichte von Widerstandskämpfern, an Computer-Terminals können auch Informationen zu anderen Konzentrationslagern recherchiert werden.