Der Kanon des Neuen Testaments ist die Liste der Bücher, die in den Kirchen als Heilige Schrift akzeptiert sind und daher in das Neue Testament aufgenommen wurden.
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Gemäß dem Kanon besteht das Neue Testament aus insgesamt 27 Schriften in griechischer Sprache. Dieser Kanon ist für die orthodoxen, katholischen und protestantischen Kirchen identisch; nur die Reihenfolge der Schriften variiert leicht.
Für die katholische Kirche legte erst 1546 das Konzil von Trient den Kanon offiziell und autoritativ fest. Er ist jedoch bereits seit ca. 200 in Gebrauch, auch bei den orthodoxen und protestantischen Kirchen, für die das Konzil von Trient nicht maßgebend ist.
Allein die syrische und äthiopische Kirche haben je einen eigenen neutestamentlichen Kanon. Die syrische Kirche hat einen kürzeren Kanon, bei ihr gehören 2. Petrus, 2. und 3. Johannes, Judas, und Offenbarung nicht zum Neuen Testament. Die äthiopische Kirche hat dagegen einen nicht eindeutig festgelegten Kanon. Während in allen gedruckten Bibeln dieser Kirche nur die üblichen 27 neutestamentlichen Bücher enthalten sind, nennen einige Quellen bis zu 38 Bücher.
Den Anstoß zur Kanonbildung gab der aus Sinope stammende Marcion, der 144 aus der Kirche in Rom ausgeschlossen wurde. Seine Liste enthielt nur ein (nach seiner Vorgabe von jüdischen Einflüssen „gesäubertes“) Evangelium (das des Lukas) und einige paulinische Briefe (Galater, 1. und 2. Korinther, 1. und 2. Thessalonicher, Kolosser, Philemon, Philipper, sowie ein unidentifizierter Brief an die Laodiceer).
Für 19 der Bücher des Neuen Testaments war die Zugehörigkeit zum Kanon nie umstritten. Diese sind die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, die Paulusbriefe einschließlich der Pastoralbriefe und der 1. Brief des Johannes.
Teilweise angezweifelt, aber schließlich anerkannt wurden die folgenden 8 Bücher:
Teilweise anerkannt, aber schließlich nicht ins Neue Testament aufgenommen wurden
Die hier aufgezeigte Entwicklung beruht auf erhaltenen Texten und Listen von Kirchenvätern. Listen von kanonischen Büchern wurden seit dem 2. Jahrhundert aus verschiedenen Gründen zusammengestellt. Das wichtigste Kriterium für die Aufnahme in den Kanon, das die Kirchenväter eingehend diskutierten, war die apostolische Autorität (aus der Sicht des betreffenden Kirchenvaters): Stammte das Buch von einem Apostel, wie wohl Matthäus und Johannes,oder stand die Autorität eines Apostels dahinter (bei Markus, dem Dolmetscher des Petrus und Reisebegeleiter des Paulus, Petrus und Paulus).
Die neutestamentlichen Schriften waren schon sehr früh in den Kirchen in Gebrauch, wurden abgeschrieben und weiterverbreitet: Eine Sammlung von Paulusbriefen war gemäß einigen Autoren (Trobisch, Robinson) schon um 70 im Umlauf. Um 150 existierte eine Sammlung der vier Evangelien, die für das Diatessaron von Tatian verwendet wurden. Mindestens Teile des Johannesevangeliums waren ca. 125 in Ägypten in Gebrauch. Auch die häufigen Zitate aus dem Neuen Testament der Kirchenväter des zweiten Jahrhunderts weisen auf diesen verbreiteten Gebrauch hin.
Solche Schriften aus dem Neuen Testament -- oder möglicherweise ihnen zugrundeliegende schriftliche Quellen -- wurden schon früh mit den Schriften des Alten Testaments gleichgestellt. Hier einige Beispiele (wobei 1. Tim. und 2. Petrus nach einigen konservativen Autoren ebenfalls ins erste Jahrhundert gehören würden):
Die älteste erhaltene Liste der kanonischen Bücher enthält der so genannte Muratorische Kanon, datiert auf 170-200. Die nur als Fragment erhaltene Liste umfasst die heute fast vergessene Petrus-Offenbarung, fünf der heute als kanonisch geltenden Briefe (1. und 2. Petrus, Hebräer, Jakobus und 3. Johannes) sind hingegen nicht erwähnt.
Irenäus von Lyon stellte am Ende des 2. Jahrhunderts seine kanonische Liste inspirierter Schriften zusammen, in der sechs der heute akzeptierten Briefe (Philemon, 2. Petrus, 2. und 3. Johannes, Hebräer und Judas) fehlen, aber zusätzlich der Hirt des Hermas aufgeführt ist.
Origenes bespricht ca. 230 in seinen Kommentaren alle heute enthaltenen Werke ausführlich, bezeichnet allerdings neben vier heute nicht im Neuen Testament enthaltenen Werken (Brief des Barnabas, Hirt des Hermas, Didache, Hebräerevangelium) auch sechs kanonische Briefe (Hebräer, 2. Petrus, 2. und 3. Johannes, Jakobus, Judas) als umstritten.
Auch die aus dieser Zeit erhaltenen Handschriften (z.B. Codex Sinaiticus, Codes Alexandrinus) spiegeln diese Meinungsvielfalt in den in ihnen enthaltenen Werken wieder, indem ersterer den 'Hirten des Hermas' und den Brief des Barnabas, letzterer die beiden Clemensbriefe enthält.
Eusebius von Caesarea, ca. 260-340, stellte in seiner Kirchengeschichte alle Pros und Contras für die einzelnen Bücher zusammen.
Cyril von Jerusalem führt um die Mitte des 4. Jahrhunderts in Jerusalem in seinen katechetischen Vorträgen einen Kanon auf, der bis auf die Offenbarung des Johannes alle Bücher des Neuen Testaments enthält. Athanasius von Alexandria führt 367 im 39. Osterfestbrief alle Bücher des heutigen Neuen Testaments auf, weicht im Alten Testament aber noch etwas von der heute üblichen Liste ab. Gregor von Nazianz listet in einem Gedicht alle Bücher des heutigen Neuen Testaments bis auf die Offenbarung des Johannes auf.
Die 3. Synode von Karthago (eine lokale Synode) 397, die nur für den Bereich Nordafrika sprach, erkannte den Kanon an (39 Schriften aus dem Alten, 27 aus den Neuen Testament), verbot andere Schriften im Gottesdienst als göttliche Schriften zu verlesen.