Als Kapelle (v. lat.: cappa = Mantel; Diminutiv capella) wurde ursprünglich der Ort bezeichnet, an dem im 7. Jahrhundert die Mantelhälfte des heiligen Martins von Tour in Paris als Reichsreliquie verehrt wurde [1].
Die Bezeichnung ging auf kleine unselbständige Bet- oder Gottesdiensträume innerhalb von größeren Sakralbauten oder profanen Gebäuden über, wie Chor-, Scheitel-, Kranz-, Seitenschiffs- und Votivkapellen in Kirchen, Beträume in Krankenhäusern und dergleichen, aber auch auf freistehende Bauten wie Tauf-, Toten-, Burg- und Schlosskapellen und auf kleinere Gotteshäuser.
Von der römisch-katholischen Kirche werden kirchenrechtlich mit dem Titel Kapelle (lat.Umschreibung: oratorium, sacellum, siehe can. 1123-1229 CIC) alle Gottesdiensträume belegt, die nicht die volle Rechtsstellung einer Pfarrkirche haben. Ein Unterscheidungsmerkmal von Kirchen und Kapellen ist auch, dass Kapellen normalerweise keinen Tabernakel enthalten (siehe auch -> Kapellengemeinde).
Im deutschen Sprachraum wird, unabhängig von der Größe, auch die gottesdienstliche Versammlungsstätte einer Freikirche als Kapelle bezeichnet.
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Aufgrund der im Mittelalter üblich werdenden Messstipendien, der Gründung von Bruderschaften und der Stiftung von Votivaltären sowie der bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil üblichen Einzelzelebration der Priester wurden in Kirchen je nach Größe zwei oder mehrere Seitenaltäre eingerichtet. Insofern durch diese Abtrennung halboffene Räume entstehen, spricht man von Seitenkapellen. Wenn diese wiederum rund um die Apsis gebildet wurden, nennt man diese Ansammlung Kapellenkranz. Einer der ersten davon wurde in Tours (um 1000) geplant und umgesetzt. Sogenannte Chorkapellen finden sich vorwiegend bei Cluniazensern und Zisterziensern.
Auch Gottesdiensträume mit speziellen Funktionen – innerhalb oder außerhalb großer Kirchen – erhielten diesen Namen: Taufkapelle, Sakramentskapelle, Grabkapelle, Friedhofskapelle.
Ebenso wurden nach dem Vorbild des fränkischen Königspalastes in weltlichen und geistlichen Höfen Kapellen als private Bet- und Andachtsräume eingerichtet, die je nach Ort, Träger oder Auftragsgeber betitelt sind (Pfalz-, Burg-, Schloss-, Bischofskapelle, Sixtinische Kapelle). Auch in manchen Rats- und Bürgerhäusern befinden sich solche Gottesdiensträume, in denen vornehmlich Reliquien, Throninsignien, Urkunden, Siegel etc. aufbewahrt wurden.
Auch entlang von Pilgerwegen sind oft Stations- oder Wegkapellen entstanden. Insofern am Zielort nur eine kleinere Kirche steht, spricht man von Wallfahrtskapelle.
Einzelpersonen, Vereine, Bruderschaften, Dorfgemeinschaften u.v.m. haben aus Dankbarkeit oder infolge eines Gelübdes Kapellen errichtet. So gibt es beispielsweise zahlreiche Pestkapellen, die entweder an die Opfer einer Pestepidemie erinnern sollen, oder aber aufgrund des Gelübdes gebaut wurden, eine Kapelle zu errichten, wenn der Ort von der Pest verschont bliebe.
Im Gedenken der Opfer von Kriegen wurden zahlreiche Friedenskapellen errichtet.
In dem Bemühen, sich von den Volks- und Staatskirchen abzugrenzen, suchten freikirchliche Gemeinden des 19. Jahrhunderts nach einer Bezeichnung für ihre gottesdienstlichen Versammlungsstätten. In der Anfangsphase nannten sie ihre Gotteshäuser, die zunächst in umgebauten Wohnhäusern und Ställen untergebracht waren, schlicht Versammlungslocale. Mit Beginn des freikirchlichen Kirchenbaus erfreute sich der biblische Begriff Bethaus einer häufigen Verwendung. Schließlich verwandte man in Anlehnung an die kongregationalistische chapel des angelsächsischen Sprachraums den Begriff Kapelle. Hinter diesem Begriff verbarg sich ein schlichter Saalbau ohne Glockenturm. Aufgrund obrigkeitlicher Verfüngung durften freikirchliche Kapellen (ähnlich den Synagogen) nur als Hinterhofbebauung errichtet werden. Die Inneneinrichtung der Kapellen war auf das Notwendigste beschränkt: Bänke, zentrale Kanzel, Abendmahlstisch (Baptistenkapelle) oder Altar (Methodistenkapelle), Harmonium (in seltenen Fällen eine Orgel) sowie häufig eine Empore. An der inneren Stirnwand befand sich meist ein schlichtes Kreuz und oft auch eine Inschrift mit biblischem oder evangelistischem Inhalt. Allerdings gehörten eine Küche, Toiletten und Gruppenräume schon sehr früh zur Ausstattung freikirchlicher Kapellen. Damit versuchte man dem Gemeindeleben Rechnung zu tragen, das nicht nur im Sonntagsgottesdienst bestand. Es entwickelte sich zeitweilig – auch in Kreisen der Gemeinschaftsbewegung – eine regelrechte Kapellenfrömmigkeit. Beleg dafür ist u.a. ein Lied des Methodisten Ernst Gebhardts:
Günter Balders (aaO, S. 291) schreibt: "Lassen sich frühere Kapellennamen unter dem Leitmotiv Erlebnisgemeinschaft des Volkes Gottes zusammenfassen (mit einer Vorliebe für Alttestamentliches: Bethel-, Eben Ezer-, Immanuel-, Zions- und Zoar-Kapelle), so werden heute Bezeichnungen aus dem Bereich der Christusverkündigung bevorzugt: Christus-, Kreuz-, Auferstehungs- und Friedenskapelle." – Ein weiterer Trend lässt sich allerdings in der Gegenwart auch beobachten: Kapellen werden im freikirchlichen Bereich zunehmend zu Kirchen und Gemeindezentren.
Siehe auch: Adventkapelle - das Versammlungsgebäude der Siebenten-Tags-Adventisten
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