Karl Heinz Roth (* 27. Mai 1942 in Wertheim) ist Historiker, Sozialforscher und Arzt. Kennzeichnend für Roth ist die in Deutschland ungewöhnliche Kombination von linksradikalem Engagement und wissenschaftlicher Forschung.
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Roth ist Sohn eines Polizeimeisters und einer Näherin; er machte 1961 Abitur und ging dann freiwillig zur Bundeswehr, wo er aber wegen Verweigerung des Gelöbnisses in eine Sanitätseinheit strafversetzt wurde. Es folgte ein Medizinstudium in Würzburg und Köln und die Teilnahme am Studentenprotest gegen Notstandsgesetzgebung und Vietnamkrieg. Im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) gelangte er bis in den Bundesvorstand; außerdem begann er eine Tätigkeit als Betriebssanitäter der Kölner Ford-Werke. 1967 setzte er sein Studium und seine SDS-Tätigkeit in Hamburg fort, wo er bald per Haftbefehl (1969 amnestiert) gesucht wurde, dem er sich aber entzog. Am 5. November 1969 stellte sich Karl Heinz Roth freiwillig der Justiz. Nur 12 Stunden verbrachte er in der Zelle. Die Niederschlagung des Palästinenser-Aufstands 1970 in Jordanien nahm er zum Anlass, in den Nahen Osten zu reisen, um dort medizinische Hilfe zu leisten.
Roth engagierte sich nach dem Zerfall des SDS im Internationalismusreferat des AStA der Universität Hamburg und in der daraus hervogegangenen Trikont-Gruppe. Später ging aus dem Teil dieser Organisation, zu dem auch Roth gehörte, die Proletarische Front-Gruppe Westdeutscher Kommunisten hervor, welche von dem politischen Ansatz der italienischen operaistischen Gruppe Potere Operaio inspiriert war und gemeinsam mit anderen operaistischen Gruppen die Publikationen Wir Wollen Alles! und Autonomie - Materialien gegen die Fabrikgesellschaft herausbrachte, zu beiden steuerte Roth Artikel bei. Daneben arbeitete er in einem Kölner Krankenhaus.
Zu einem Zwischenfall kam es am 9. Mai 1975, als Roth, wieder in Deutschland, in Köln in eine Polizeikontrolle geriet; er befand sich in Begleitung von Werner Sauber, einem Mitglied der Bewegung 2. Juni. Es kam zu einer Schießerei, bei der Werner Sauber und der Polizist Walter Pauli getötet wurden. Ein weiterer Polizist wurde angeschossen. Roth selbst wurde lebensgefährlich verletzt und in der Folge wegen Mordes angeklagt, 1977 jedoch freigesprochen.
Nach seiner Genesung ließ er sich als Arzt nieder. Politisch näherte er sich anarchistischen Bewegungen, zugleich veröffentlichte er diverse Bücher, in denen er sich mit der Sozialgeschichte des Nationalsozialismus, mit dessen Verbrechen, insbesondere auf medizinischem Gebiet, und mit der Geschichte und Gegenwart der deutschen Arbeiterbewegung auseinandersetzte; darunter dürfte sein Buch über die „andere“ Arbeiterbewegung 1974 am bekanntesten sein. Nach der Wende veröffentlichte er im Jahr 2000 das Buch Anschließen, angleichen, abwickeln, in dem er die existierenden Planungen westdeutscher Regierungsstellen für den Eventualfall der Wiedervereinigung beschreibt.
1975 war Roth an der Gründung der Zeitschrift Autonomie. Materialien gegen die Fabrikgesellschaft (*) beteiligt, die (einschließlich Neue Folge) bis 1985 erschien.
1985/86 edierte er die O.M.G.U.S-Berichte gegen die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und die I.G. Farben. 1986 war Roth Mitgründer der Zeitschrift 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20.und 21. Jahrhunderts, seit 2003 unter dem Titel Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts, für die er immer noch schreibt.
1986 wurde Roth mit einer Arbeit über "Filmpropaganda und Vernichtung der Geisteskranken und Behinderten im 'Dritten Reich'" promoviert. 1992 veröffentlichte er zusammen mit Angelika Ebbinghaus eine Dokumentation über Theodor Schieders Polendenkschrift vom 7. Oktober 1939, (in: 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 7 (1992), Heft 1, S. 62–94).
Heute bezeichnet Roth die Gruppe Wildcat als seine politische Heimat. Sein politischer Ansatz ist stark vom Operaismus beeinflusst.
Zum 5-jährigen Jubiläumsratschlag von Attac Deutschland im April 2005 war Roth als Gastredner geladen. Er hielt die Abschlussrede mit dem Titel „Der Zustand der Welt und die Chancen einer glaubwürdigen Alternative“.
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