Kart

Dieser Artikel behandelt das Tretauto, das Kart genannt wird; für den deutschen Fußballspieler, siehe Özgür Kart.
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Davide Fore - KF1 (2007)
Davide Fore - KF1 (2007)

Das Kart (auch Gokart) ist ein an Tretautos angelehntes, mit einem Verbrennungsmotor und entsprechenden Bremsen versehenes Fahrzeug. Als Laie hat man zudem die Möglichkeit, auf diversen kleinen Rennstrecken und sehr leistungsverringerten Karts an den eher unbekannten Sport herangeführt zu werden. Mit diesen Karts sind aber auch je nach Ausführung Geschwindigkeiten von 50 bis 70 km/h möglich, bei Rennkarts je nach Klasse 80-240 km/h.

Das Kart verfügt über keine Karosserie wie zum Beispiel ein Pkw oder Überrollbügel (bis auf spezielle Anfertigungen für öffentliche Kartbahnen). In der Regel, bei offiziellen Rennen Pflicht, trägt der Fahrer Schutzbekleidung in Form eines Schutzhelmes, eines feuerfesten -Overall, -Handschuhe, -Schuhe, und auch feuerfester Unterwäsche.

Der Kartsport ist ein Teil des Motorsports. Viele namenhafte Vertreter dieser Sportart kommen aus dem Kartsport. Senna, Prost und auch Michael Schumacher. Dieser begann seine Formel-1-Karriere als Kartpilot auf der väterlichen Kartbahn. Nach Bekanntwerden von Schumachers Werdegang erfolgte ein Run auf die Kartbahnen, da eine Vielzahl von Formel-1-Fans ihrem großen Vorbild Michael Schumacher nacheifern wollten. In Anlehnung an die F1 werden mit dem Kart Rennserien von nationalem bis internationalem Rang ausgetragen.

Karts auf einer Outdoor-Kartsportanlage
Karts auf einer Outdoor-Kartsportanlage

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

ADAC-Kart, 2006, Essen Motor Show
ADAC-Kart, 2006, Essen Motor Show

Das Kart ("Wägelchen", ursprünglich Go-Kart) ist ein Fahrzeug bestehend aus:

  • einem Rundrohr- bzw. Ovalrohrrahmen
  • einem Bodenblech
  • einem Sitz (Schalensitz meist aus GFK), selten auch zwei Sitzen
  • zwei Achsschenkeln (Vorderradaufhängung und gleichzeitig Lenkung)
  • zwei Spurstangen bestückt mit Kugelköpfen, die die Achsschenkel mit der Lenkstange verbinden
  • einer Lenkstange (Verbindung zwischen Spurstangen und Lenkrad)
  • einem Lenkrad
  • zwei Pedalen (links Bremse/rechts Gas)
  • einer Hinterachse (Durchmesser von ca. 25 mm bis hin zu 50 mm, Länge von ca. 900 mm bis hin zu ca. 1080 mm bestückt mit:
    • Kugellagern (2-4 Stück)
    • Bremsscheibenaufnahme mit Bremsscheibe
    • Kettenrad (mit oder ohne Aufnahme, verschieden viele Zähne möglich)
    • und zwei Radsternen (zur Befestigung der Hinterräder)
  • eine Bremsanlage (früher mechanisch/heute hydraulisch) bestehend aus:
    • Hydraulikschläuchen
    • Ausgleichsbehälter (1 oder 2, gefüllt mit Bremsflüssigkeit)
    • Bremssattel (1 bremst die Hinterachse/3 bremst die Hinterachse und je ein anderer ein Vorderrad)
  • einem Auffahrschutz
  • 4 Felgen, bezogen mit 4 (schlauchlosen) luftgefüllten Gummireifen (Slicks, Regenreifen oder Intermediates)
  • der "Verkleidung" (Frontspoiler, 2 Seitenkästen und ein Frontschild)
  • sowie einem Motor, der über eine Kette oder einen Zahnriemen die Hinterachse antreibt
  • einem Tank mit Leitungen und Auslaufschutz

eventuell noch:

Neuerdings gibt es auch Sitze mit integriertem Überrollbügel.

Motor

Bei den Motoren gibt es viele Unterschiede. Es werden beinahe alle Motortypen verwendet, egal ob Zweitakter, Viertakter oder Wankelmotoren. Drehschieber- und Membranmotoren können mit Schiebervergasern und Drosselklappenvergasern kombiniert werden. Im Hobbybereich gibt es einige Exoten. Von Eigenbauten mit Motorradmotoren, oder Motoren aus dem Bereich der Ultraleichtflugzeuge mit über 600 cm³.

Weiter untergliedert wird in Hubraum (von 60 bis über 620 cm³). Für die jüngeren Altersklassen werden bestimmte Durchmesser im Ansaugtrakt streng begrenzt, um die Leistung zu drosseln.

Die meisten serienmäßigen Kartmotoren besitzen nur einen Zylinder (Wankelmotoren ausgenommen) und sind auch im Weiteren recht simpel aufgebaut. Lediglich in der Formel E, bei den sog. Superkarts, kommen Motoren mit zwei Zylindern zum Einsatz. Die bekanntesten Motoren sind:

  • KF3, 125 cm³ ca. 28 PS (2-Takt/wassergekühlt)
  • KF2, 125 cm³ ca. 32 PS (2-Takt/wassergekühlt)
  • KF1 (FA), 125 cm³ ca. 34 PS (2-Takt/wassergekühlt)
  • KZ1 bzw. KZ2, 125 cm³ 6-Gang Sequentiell ca. 42 PS (2-Takt/wassergekühlt)

Im Outdoor-Bereich werden die Motoren mit Gemisch aus Benzin und Öl bei 2-Takt Motoren (1:12 - 1:18 bei IcA- u. FA-Motoren) und mit Benzin und externen Ölzufuhr bei 4-Takt Motoren angetrieben. Im Indoor-Bereich können sie jedoch auch mit Gas betrieben werden.

Die Outdoorbahnen ähneln dem Aufbau permanenter Rundkurse der größeren Motorsportklassen (Formel 1 usw.) mit Curbs, Startgrid und Boxengasse, nur entsprechend der Größe der Karts in einem kleineren Maßstab.

Es gibt in der Kartsportszene einige Meisterschaften. Die bekanntesten und leistungsdichtesten werden von der CIk/FIA mit einer Welt- und Europameisterschaft für KF1 und KF2 und in Deutschland mit der DKM (Deutsche Kart Meisterschaft) für die KF1, KF2,KF3 und KZ2 ausgetragen.

Das Kartsetup

Handling und Fahreigenschaften

Das Kart weist Vereinfachungen gegenüber einem vollwertigem Auto auf, um die Kosten erschwinglich zu halten. Vollwertige Autos seien in diesem Sinne Autos im öffentlichen Straßenverkehr, anderen Bereichen des Rennsports, die meisten virtuellen Autos in Computerspielen und viele Modellautos. Ein Kart hat eine starre Hinterachse. Deswegen ist es wichtig, das kurveninnere Rad zu entlasten, im besten Fall sogar vom Asphalt zu lösen. Deshalb setzt sich die Ideallinie aus lauter Kurvenstücken zusammen, bei dem die Zentripetalkraft groß genug gewählt wird, um das innere Rad abzuheben, aber noch gering genug, um durch Drift nicht zu viel Energie zu verlieren. Dazwischen befinden sich Geraden, auf denen beschleunigt wird, weil dabei beide Hinterräder auf den Asphalt gedrückt werden. Hilfreich wäre eine starke Verwindung des Karts, wobei die vorderen Räder kein aufrichtendes Drehmoment erzeugen. Karts haben keine Federung, werden deshalb auf glatten Strecken gefahren, reagieren auf nahezu unsichtbare Bodenwellen gerne mit Drehern, sodass man diese Bodenwellen auswendig lernen muss. Viele Karts haben keine Vorderradbremse. Der Übergang vom Bremsen vor der Kurve und Lenken in der Kurve gestaltet sich daher anders. Wegen der geringeren Verzögerung bekommt man weniger Kraft auf die Vorderräder und das Kart untersteuert zuerst und, wenn dann von den blockierten Hinterrädern Seitenführungskräfte (=Zentripetalkraft) verlangt werden, übersteuert es. In Verbindung mit der Ideallinie verlangt dies vom Fahrer punktuelle Rucks am Lenkrad. Die Lenkung geht in Relation zum Gewicht des Karts sehr schwer. Karts haben eine Fliehkraftkupplung und werden für maximale Beschleunigung nach der Kurve mit schleifender Kupplung durch die Kurve gefahren. Leih-Karts für Anfänger sind so schwach motorisiert, dass sie auf der Geraden nicht durchdrehen können. Zusammen mit dem fehlenden Differential und der schlechten Bremse führt das zu einer sehr bauchigen Ideallinie.

Sitzposition

Da das Hauptgewicht bereits automatisch durch Motor und eventuell Kühler auf der Hinterachse sitzt, muss das Gewicht möglichst weit nach vorne verlagert werden, da sonst eine größere Hinterradbelastung auf dem Kart herrscht. Es gilt allgemein, je mehr Gewicht auf der Vorderachse sitzt, desto größer ist der Gripaufbau. Hierbei kommt es auch darauf an, wie der Fahrer im Sitz sitzt. Auch hier gilt: Je steiler, desto mehr Gewicht und folglich Grip liegt auf der Vorderachse. Allgemein gilt, dass man die Sitzposition selber finden muss, da diese im Grunde vom eigenen Fahrstil abhängt. Ein Fahrer, der lieber ein untersteuerndes Fahrzeug mag, wird den Sitz grundsätzlich weiter hinten im Kart einbauen, als der Fahrer, der es bevorzugt ein übersteuerndes Fahrzeug zu haben. Hierbei muss sich der Fahrer auch an die gegebenen Streckenzustände anpassen. Denn je mehr Grip auf der Hinterachse liegt, desto langsamer kommt ein Kart aus den Kurven, wenn die Strecke ein hohes Gripniveau aufweist. Deshalb wird der Sitz bei professionellen Teams allgemein nach Größe und Gewicht des Fahrers plus/minus zwei Zentimeter eingebaut, um den Schwerpunkt optimal zu verlagern.

Reifen

Die Reifen stellen einen der wichtigsten Faktoren beim Kart dar. Unterschiedliche Reifentypen können auf die Rundenzeiten markante Auswirkungen haben, im extrem Fall im Sekundenbereich. In der Regel kann man sagen, je weicher der Reifen ist, desto mehr Grip baut er auf. Eine Ausnahme sind die Regenreifen, welche extrem weich sind und daher schnell heiß werden bei nicht gegebenen Bedingungen und wieder Grip abbauen. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Grip-Level ist die Reifentemperatur. Ein Trockenreifen hat seine Betriebstemperatur bei 80-95°C, ein Regenreifen bei etwa 40-50°C. Bei abtrocknender Rennstrecke werden die Regenreifen zu heiß, ein erfahrener Fahrer sucht daher den nassen Teil der Strecke auf, um seine Reifen zu kühlen.

Spur und Sturz

Bei dem Kart ist es so, dass sich Spur und Sturz vom Verhalten auf das Setup ähneln. Es kommt als erstes auf die Streckencharakteristik an. Wenn eine Strecke mit vielen schnellen Kurven gefragt ist, geht man mit dem Setup allgemein in den positiven Bereich des Sturzes, um eine schnellere Radentlastung zu bekommen. Dadurch verändert sich aber auch das Lenkverhalten in der gesamten Kurve. So hat der Fahrer am Anfang der Kurve ein schwierigeres Einlenkverhalten und wird sich hier auch über Untersteuern beklagen, jedoch hat das Kart dafür ab Scheitelpunkt der Kurve einen deutlich besseren Gripaufbau, sodass man eher beschleunigen kann. Wenn wir eine "winklige" Strecke vorfinden, geht man im Sturz eher in den negativen Bereich, um den Gripaufbau über die gesamte Kurve zu verteilen. Wichtig ist hier, dass der Grip ab Mitte der Kurve abbaut, jedoch nur in geringem Maße. Der deutlichste Nachteil eines negativen Sturzes ist allerdings der Reifenverschleiß, weil dieser wesentlich höher ist, als wenn man einen positiven Sturz fährt. Die Spur verhält sich ähnlich wie der Sturz. Geht man in den positiven Bereich, bewirkt man praktisch das gleiche wie beim Sturz, nur dass man noch wesentlich später bremsen kann, als wenn man die Spur neutral einstellt oder gar negativ, was von kaum einem Fahrer gemacht wird.

Wichtig ist, bei Spur und Sturz seinen eigenen Kompromiss zu finden, da eine zu große negative oder positive Einstellung zu einem instabilen Fahrverhalten führt.

Im Regen fährt man normalerweise eine extreme Einstellung im positiven Bereich. So geht man deutlich mehr in den positiven Bereich als bei trockenen Bedingungen. Hier gilt der zuletzt genannte Punkt für das Trockensetup nicht.

Stabilisatoren

Das Prinzip der Stabilisatoren lässt sich einfach erklären. Es war früher so, dass man mehr Grip am Kart aufgebaut hat, indem man die Stabilisatoren ausgebaut hat. Jedoch gilt heutzutage, dass man die Stabilisatoren einbauen muss, um mehr Gripaufbau in den Kurven zu haben. Bei Regen gilt, ein möglichst weiches Chassis-Setup zu haben, also sollte man die Stabilisatoren herausnehmen oder ein Chassis benutzen, welches möglichst häufig gefahren wurde, denn auch dadurch werden die Chassis weich. Auch hier ist es wichtig, wieder seinen eigenen Kompromiss zu finden.

Übersetzung

Die Übersetzung ist vom Fahrer, dem Gesamtgewicht, den Wetterverhältnissen, der Streckenbeschaffenheit und dem Streckenlayout abhängig. Eine kürzere Übersetzung sorgt für bessere Beschleunigung und eine geringere Endgeschwindigkeit. Eine längere Übersetzung kann zwar die Endgeschwindigkeit steigern, kann aber, wenn der Motor seinen Leistungsbereich nicht voll nutzen kann, auch geringe Endgeschwindigkeit zur Folge haben.

Die Übersetzung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Ausnutzung der Leistung des Karts und wird von Rennfahrern auch während eines Tages mehrmals geändert.

Streetkart - Karts mit Straßenzulassung

Seit 2005 gibt es auch Karts mit Straßenzulassung und einige hundert Begeisterte fahren mit ihren Karts auf Deutschlands Straßen und Autobahnen. Die Deutsche Bundesregierung will Karts im Straßenverkehr zwar verbieten, kann dies aber nicht, da Karts nach EU-Recht (EG-Richtlinie 2002/24/EG - Typgenehmigung für zweirädrige oder dreirädrige und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge) als motorisierte Kleinstfahrzeuge bezeichnet werden und somit in den Mitgliedstaaten der EU auch angemeldet werden müssen.[1][2]

Eine Helmpflicht herscht in Deutschland noch nicht. Die Bundesregierung und der ADAC legen aber jedem Fahrer eines solchen Fahrzeugs das Tragen eines Helms nahe. Straßenkarts können als Leichtkraftfahrzeug mit Versicherungskennzeichen zugelassen werden (bis 45 km/h), bei größeren Karts, die mehr als 60 km/h schaffen, darf man auch auf deutschen Autobahnen fahren.

  1. Bernd Huppertz, Zulassung von Fahrzeugen - Rechtliche Einordnung. Schwerpunkte. Fallbeispiele, 2. Auflage von 2007, Richard Boorberg Verlag, ISBN: 3415038475
  2. Abschnitt "Go Karts" in Jahresbericht 2005 des Kraftfahrtbundesamts (http://www.kba.de/Stabsstelle/Presseservice/Jahrespressebericht/2005/Jahresbericht2005.pdf).

Streckentypen

Kartslalom
Kartslalom

Kartstrecken sind in der Regel asphaltierte Rundstrecken, die hauptsächlich im Uhrzeigersinn gefahren werden. Man unterscheidet in Indoor- und Outdoorstrecken, wobei es bei den Outdoorstrecken meist noch eine Unterteilung in Leihkart- und Rennkartstrecken gibt. Die Streckenbegrenzung erfolgt auf Rennstrecken mit bordsteinartigen Kerbs, die die Fahrer am Abkürzen über unasphaltiertes Gelände hindern sollen.

Auf kommerziell genutzten Strecken werden gerne Reifenmauern zum Auffang der Karts, über die die Fahrer die Kontrolle verloren haben, benutzt, da sie durch gute Absorption größere Materialschäden verhindern. Kartstrecken sind immer deutlich vom öffentlichen Verkehrsnetz abgetrennt, da Karts weder eine Zulassung ("Karts mit Zulassung" sind keine Karts im sportlichen Sinn) noch einen Versicherungsschutz haben.

Des Weiteren wird oft auch Kartslalom betrieben. Dabei wird auf grossen Plätzen einen Slalomkurs abgesteckt, der dann möglichst schnell absolviert werden muss ohne die Pylonen umzufahren.

Weblinks

Quelle:
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