Der Kastorhut (auch Castorhut, vom lateinischen Castor = Biber) ist ein aus Biberhaar gefertigter Filzhut. Der von Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts von Männern und Frauen getragene Hut war ein Vorläufer des Zylinders.
Inhaltsverzeichnis |
Die Verwendung von Biberfellen für Kopfbedeckungen in Europa reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. Verstärkt wurde diese Entwicklung im 17. Jahrhundert durch den Import von Biberfellen durch holländische Siedler aus Nordamerika. Um 1780 trugen erstmals englische Landadlige einen aus Biberhaar gefertigten schwarzen Filzhut mit hohem, zylindrischen Kopf. Dieser hatte eine mehr oder weniger breite Hutkrempe. Später wurde diese auch als Biberhut oder hoher Hut bezeichnete Kopfbedeckung auch zum Gesinnungszeichen der Französischen Revolution und fand in allen westlichen Ländern Verbreitung. Damenhüte wurden mit zusätzlicher Verzierung geschmückt, wie beispielsweise mit Federn. Ab 1830 verdrängten Seidenhüte den Kastorhut, und es entstand der wesentlich niedrigere Zylinder.
Als typisches Bekleidungsstück seiner Zeit wurde der Kastorhut in zahlreichen literarischen Werken verewigt. So schreibt Bettina von Arnim in Clemens Brentanos Frühlingskranz:
In der Erzählung Die indische Hütte von Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre ist zu lesen:
Adolph Freiherr Knigge formuliert in der Geschichte Peter Clausens den Satz:
und Theodor Fontane schreibt in Stine:
Durch Zusammenlegung der Häuser „Ullner“ und „Selzer“ am Römerberg in Frankfurt am Main entstand das „Englischer Kastorhut“ genannte Haus. Dieser Barockbau wurde beim Durchbruch der Braubachstraße 1904/1906 abgerissen.