Kastorhut

Der Kastorhut (auch Castorhut, vom lateinischen Castor = Biber) ist ein aus Biberhaar gefertigter Filzhut. Der von Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts von Männern und Frauen getragene Hut war ein Vorläufer des Zylinders.

Französische Herrenmode um 1830
Französische Herrenmode um 1830
Édouard Manet: Absinthtrinker von 1859 mit einem Kastorhut
Édouard Manet: Absinthtrinker von 1859 mit einem Kastorhut

Inhaltsverzeichnis

Ursprünge und Verbreitung

Die Verwendung von Biberfellen für Kopfbedeckungen in Europa reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. Verstärkt wurde diese Entwicklung im 17. Jahrhundert durch den Import von Biberfellen durch holländische Siedler aus Nordamerika. Um 1780 trugen erstmals englische Landadlige einen aus Biberhaar gefertigten schwarzen Filzhut mit hohem, zylindrischen Kopf. Dieser hatte eine mehr oder weniger breite Hutkrempe. Später wurde diese auch als Biberhut oder hoher Hut bezeichnete Kopfbedeckung auch zum Gesinnungszeichen der Französischen Revolution und fand in allen westlichen Ländern Verbreitung. Damenhüte wurden mit zusätzlicher Verzierung geschmückt, wie beispielsweise mit Federn. Ab 1830 verdrängten Seidenhüte den Kastorhut, und es entstand der wesentlich niedrigere Zylinder.

Der Kastorhut in der Literatur

Als typisches Bekleidungsstück seiner Zeit wurde der Kastorhut in zahlreichen literarischen Werken verewigt. So schreibt Bettina von Arnim in Clemens Brentanos Frühlingskranz:

„Der Kastorhut war mir gar zu lockend; ich setzte ihn auf, er stand mir schön, ich glich der Mama, denn ihr Bild wurde mir wieder ganz deutlich - und der Papa hatte mich auch lieb vor allen Kindern, ich glaub wohl, daß ich ohne Sünde den Hut kann behalten.“

In der Erzählung Die indische Hütte von Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre ist zu lesen:

„Wohl oder übel mußte der Doctor seinen Rock aus englischer Wolle, seine Schuhe von Ziegenfell und seinen Kastorhut ablegen.“

Adolph Freiherr Knigge formuliert in der Geschichte Peter Clausens den Satz:

„Ich ging sorgenlos im Zimmer auf und ab, setzte den schönen Castorhut auf.“

und Theodor Fontane schreibt in Stine:

„An allen Läden blieb sie stehen, am längsten vor dem Schaufenster eines Putzgeschäfts, aus dessen buntem Inhalt sie sich abwechselnd eine rote Schärpe mit Goldfransen und dann wieder einen braunen Kastorhut mit Reiherfeder als Schönstes wünschte.“

Ein Gebäude in Frankfurt am Main

Durch Zusammenlegung der Häuser „Ullner“ und „Selzer“ am Römerberg in Frankfurt am Main entstand das „Englischer Kastorhut“ genannte Haus. Dieser Barockbau wurde beim Durchbruch der Braubachstraße 1904/1906 abgerissen.

Literatur

Weblinks

Quelle:
Artikel Kastorhut aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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