Kastron ist die Bezeichnung für eine byzantinische „Festungsstadt“, welche im Laufe des 7. Jahrhunderts oft an Stelle älterer urbaner Siedlungszentren trat.
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In den Wirren nach dem Perserkrieg des Herakleios, der 628/29 ein Ende fand und die einst blühenden orientalischen Provinzen Ostroms (Byzanz) stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, begann in den 30er Jahren des 7. Jahrhunderts die islamische Expansion. Syrien, Ägypten und Africa gingen verloren, während sich die Landnahme der Slawen auf dem Balkan fortsetzte. Das spätrömische Reich ging infolge dieses Umwälzungsprozess und der fortschreitenden Gräzisierung des Staates seit Herakleios endgültig zu Ende. Die Geschichte des mittelalterlichen Byzanz begann, womit auch das Ende der Antike im Osten gekommen war.
Die meisten der einst prosperierenden oströmischen Städte (wie Athen, Pergamon, Milet, Sardes) wandelten sich in diesem Zusammenhang zu wesentlich verkleinerten Gemeinwesen um (wenn sie nicht, wie mehrere kleinere Städte, zugrunde gingen), die, auf einen kleinen Stadtkern reduziert, nur noch den Bruchteil der früheren Bevölkerungszahl aufwiesen und stark befestigt wurden. Neugründungen wie Monemvasia oder Nikopolis waren die Ausnahme.
Solche Wehrfestungen wurden kastron genannt, was die gräzisierte Form des lateinischen Begriffs castrum darstellt. Zunächst wurden damit (etwa ab dem 6. Jahrhundert) nur Festungen im Grenzraum bezeichnet. Im 7. Jahrhundert aber stand kastron, im Gegensatz zur polis, dem urbanen Lebenszentrum der antiken Mittelmeerwelt, für eine Garnisons- und Festungsstadt. Kastra dienten als Militärstützpunkte und ermöglichen es den byzantinischen Truppen, den regelmäßigen Vorstößen der Araber (Razzien) wenigstens teilweise einen Riegel vorzuschieben. Diese Vorgehensweise war durchaus erfolgreich: Im Jahr 716 verteidigten etwa 800 Mann Amorion gegen eine zehnmal so große arabische Streitmacht.[1]
In derartigen kastra lebte jedoch kaum noch Zivilbevölkerung, obwohl sie oft auch Bischofssitze waren; in Notzeiten dienten sie auch als Fluchtburgen für die umliegende Bevölkerung. Über die inneren Strukturen ist aber kaum etwas bekannt, eine städtische Selbstverwaltung, wie in den antiken griechischen und römischen Städten üblich, fand aber wahrscheinlich nicht statt. Stattdessen lag die Verwaltung hauptsächlich in der Hand des Garnisonskommandeurs, des Kastrophylax.
Vielleicht sollten die Unterschiede, wenigstens zur spätantiken Stadt, aber auch nicht übertrieben werden, da ein derartiger Wandlungsprozess bereits im 5., spätestens aber im 6. Jahrhundert langsam einsetzte und sich auch das städtische Leben wandelte.[2] Allerdings ist es unbestreitbar, dass es zu einer Reduzierung der bebauten Flächen kam und nur relativ wenige Städte, wie Konstantinopel, Thessaloniki oder Nikaia, mehr von ihrer alten städtischen Substanz behielten.
Manche kastra, wie beispielsweise Ankyra oder Amorion (das im 9. Jahrhundert einen Durchmesser von nur wenigen hundert Metern hatte), spielten eine zentrale Rolle im byzantinischen Verwaltungssystem. Sie wurden auch zu Keimzellen des neuen urbanen Lebens, als im 10. Jahrhundert eine neue Bauphase begann, die über die alten Befestigungsganlagen hinweg ging (wie etwa die archäologischen Untersuchungen in Pergamon zeigen).[3]
Als Ende des 11. Jahrhunderts der Druck durch die Türken in Kleinasien zunahm, wurden wieder erneut kastra errichtet, wozu sogar eine Sondersteuer erhoben wurde. Noch im 13. Jahrhundert wurde diese Bautätigkeit fortgesetzt, bis die byzantinischen Kaiser die Grenzverteidigung in Kleinasien nicht mehr in der Form fortsetzen konnten. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die dortigen byzantinischen Festungen von den Türken erobert.