Kinderladen

Ein Kinderladen ist ein selbstverwalteter („alternativer“) Kindergarten, zumeist von freien Trägervereinen, in denen Kinder im Vorschulalter betreut werden. Durchschnittlich werden 12 bis 18 Kinder je Kinderladen betreut. Oft werden ehemalige Ladenräume genutzt, deshalb die Bezeichnung Kinderladen. Ähnliche Projekte, die vor allem Schulkinder als Zielgruppe haben werden Schülerladen genannt. Auch manche Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen nennen sich Kinderladen.

Die Gründungen der ersten Kinderläden erfolgte 1968 in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hamburg. Diese waren meist durch ein antiautoritäres Konzept geprägt.

Selbstverwaltet heißt, dass die Kinderläden zunächst völlig unreglementiert, dann bald von kleinen, gemeinnützigen Vereinen getragen wurden, in denen sich die Eltern und oftmals auch die Erzieher zusammengeschlossen hatten. Diese Vereine organisieren die Arbeit des Kinderladens. Auch wenn die Vereine weitestgehend in Eigenregie arbeiten und die Eltern der Kinder direkt mitwirken können, die Fachaufsicht über einen Kinderladen liegt dennoch, wie auch bei anderen „normalen“ Kindergärten freier Träger, beim Jugendamt. In den 1970er-Jahren förderte z.B. der Senat von Berlin viele seiner etwa 270 Kinderläden oft als sog. „EI-Kita“, als Elterninitiativ-Kindertagesstätte (Elterninitiative).

Welche Aufgaben Eltern und Erzieher in Eigenregie erledigen, ist von Laden zu Laden verschieden. In der Regel werden Verwaltung und Instandhaltung ehrenamtlich erledigt. Für die Bereiche Kochen, Putzen und Krankheitsvertretung existieren beinahe so viele Modelle wie es Kinderläden gibt.

Das ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten ist an die Möglichkeit gebunden, in den kleinen Kinderläden eine individuellere Betreuung der Kinder gewährleisten zu können, als dies in großen Einrichtungen der Fall ist.

Siehe auch:

Literatur

  • Bott, Gerhard (Hrsg.): Erziehung zum Ungehorsam. Kinderläden berichten aus der Praxis der antiautoritären Erziehung.Frankfurt: März Verlag 11970 31971 (Kinderladen Stuttgart; Kinderschule Frankfurt; Sozialistischer Kinderladen Berlin Kreuzberg).
    (Im Anhang der exakte Wortlaut und die exakte Benennung aller Sprecher in dem von Gerhard Bott 1969 für das NDR-Fernsehen gedrehten gleichnamigen 50-Minuten-Film über antiautoritäre Kinderläden (Erstsendung am 1. Dezember 1969 um 22:00). Eine auf 30 min. gekürzte Version (FWU; 16mm) wird von Stadt- oder Landesbildstellen verliehen. Im Film „Die müssen doch irgendetwas an sich haben : antiautoritäre Erziehung und ihre Folgen.“ zeigt Bott später, was aus den im ersten Film gezeigten Kinderladen-Kindern im Jugendalter wurde.)
  • Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Analysen, Protokolle, Dokumente Frankfurt/M: Fischer Taschenbuch 1971. ISBN 3-436-01356-0.
  • Werder, Lutz von: Von der antiautoritären zur proletarischen Erziehung. Ein Bericht aus der Praxis. Frankfurt/M: Fischer Taschenbuch 1972. ISBN 3-436-01521-0. (Die Geschichte des Westberliner Roten Kollektivs proletarische Erziehung („Rotkol“)).
  • Werder, Lutz von: Was kommt nach den Kinderläden? Erlebnis-Protokolle. Berlin: Wagenbach 1977. ISBN 3-8031-1075-0.
  • Berliner Kinderläden. Antiautoritäre Erziehung und sozialistischer Kampf. Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch 1970.
Quelle:
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