Klemens Wenzel Lothar von Metternich

Metternich, gemalt von Thomas Lawrence
Metternich, gemalt von Thomas Lawrence

Klemens Wenzel (oder Clemens Wenceslaus) Nepomuk Lothar Graf (seit 1813 Fürst) von Metternich-Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), Graf von Königswart, seit 1818 Herzog von Portella, war ein Staatsmann im österreichischen Kaiserreich.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend

Klemens Metternich wurde 1773 im Haus Metternich in Koblenz geboren und begann 1788 im Alter von 15 Jahren ein Studium in Straßburg. 1790 beteiligte er sich gemeinsam mit seinem Vater als Zeremonienmeister des katholischen Teils des Grafenkollegiums Westfalens an den Feiern zur Krönung Leopolds II. in Frankfurt am Main. Danach setzte er sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften bis 1794 in Mainz fort. Durch seine Heirat mit Marie-Eleonore von Kaunitz-Rietberg, der Enkelin des Staatskanzlers Wenzel Anton Graf von Kaunitz-Rietberg, entstand eine enge Beziehung zum Hof.

Karriere

Seine diplomatische Laufbahn begann 1797 als Vertreter des westfälischen Grafenkollegiums. 1801 wurde er Gesandter in Dresden, 1803 in Berlin und nach dem Pressburger Frieden 1805 in Paris. Nach der Niederlegung der Reichskrone durch Kaiser Franz II. und damit Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am 12. Juli 1806 bemühte Metternich sich um eine engere Verbindung zwischen Österreich und Frankreich.

Nach der Niederlage Österreichs übernahm Metternich am 8. Oktober 1809 das Außenministerium und versuchte bis 1813 einen Ausgleich mit Frankreich herbeizuführen. Er fädelte die Heirat der Erzherzogin Marie-Louise mit Napoleon I. ein und es gelang ihm, die Bedeutung der Monarchie wieder zu erhöhen. Als Napoleons Stern im Frühjahr 1813 anfing zu sinken, löste er sich von Frankreich und versuchte erfolgreich die Befreiungskriege gegen Napoleon in einen dynastischen Krieg zu verwandeln.

Wiener Kongress

Durch seinen Vorsitz auf dem Wiener Kongress war er maßgeblich an der Umwandlung des Befreiungsgedankens in die Restauration beteiligt. Mit der Initiierung einer engen Zusammenarbeit der Großmächte in der Heiligen Allianz und der Zersplitterung Deutschlands, Italiens und Polens sicherte er die Vormachtstellung Österreichs im Deutschen Bund und in Italien. Metternich bezog auch Portugal in sein Bündnissystem ein und arrangierte die Hochzeit des portugiesischen Thronerben Dom Pedro, dem späteren Kaiser von Brasilien, mit Maria Leopoldine von Österreich. In diesem Zusammenhang finanzierte Metternich auch die Österreichische Brasilien-Expedition.

Als Gegner von Demokratie und Liberalismus errichtete er einen Polizeistaat, zu dem Zensur und Spitzelwesen gehörten, und versuchte seine Ideen auch im Reich durchzusetzen. Dieses Gefüge politischer Leitlinien wurde als Metternichsches System bekannt.

Vormärz und Abdankung

Fürst von Metternich erhielt auf eigenes Betreiben die Domäne Schloss Johannisberg nach dem Wiener Kongress 1816 aus den Händen Kaiser Franz' I. zum Geschenk. Dort verbrachte er im Sommer häufig mehrere Wochen. Am 25. März 1821 wurde ihm die Würde des Haus-, Hof- und Staatskanzlers zuerkannt.

Der Name Metternichs ist in dieser Zeit vor allem mit den Karlsbader Beschlüssen verbunden, die innenpolitisch die Unterdrückung liberaler Strömungen zur Folge hatten und die Verfolgung von Intellektuellen und Künstlern bewirkten. Die Zensurmaßnahmen und Polizeimethoden führten zur Ausprägung von Biedermeier und Vormärz in den Jahren zwischen 1815 und 1848.

Metternich im Alter, von Hugo Bürkner
Metternich im Alter, von Hugo Bürkner

1820 bis 1821 sorgte Metternich für die Unterdrückung des Risorgimento in Italien.

Ab 1836 gehörte er der Geheimen Staatskonferenz an, welche die Regierungsgeschäfte für Kaiser Ferdinand I. führte.

Im Zuge der liberalen Märzrevolution in Österreich und den meisten anderen Staaten des Deutschen Bundes sowie anderer europäischer Fürstentümer gelang es der revolutionären Bewegung in Wien, Metternich am 13. März 1848 zur Abdankung und Flucht zu zwingen. Er floh nach London, von wo er 1851 nach Wien zurückkehrte. Bis zu seinem Tode beriet er die österreichische Regierung unter Kaiser Franz Joseph I..

Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Böhmen auf seinem Gut, dem ehemaligen Kloster Plass.

Bewertung

Metternichs Bewertung ist in der Historiographie umstritten. Aus liberaler, den Ideen der amerikanischen und der Französischen Revolution verpflichteten Sicht verbindet sich mit Metternichs Name der Inbegriff von vormodern-polizeistaatlicher Willkür, Konterrevolution und Reformunfähigkeit. Dabei wird vielfach auf die von Metternich angeordneten Hinrichtungen Liberaler ohne jedes Gerichtsurteil verwiesen. Eine Bewertung im Licht seiner Zeit fällt jedoch anders aus: Für Metternich mussten nach der jahrhundertelangen europäischen Tradition "legitimer Herrschaft" im Sinne monarchischer Autorität liberal-demokratische und insbesondere nationale Vorstellungen von Souveränität ein gesellschaftspolitisches Modell darstellen, durch das die europäische Staatenwelt in ihrem inneren Kern getroffen und in ihrer Stabilität gefährdet wurde. Anders als autokratischen Herrschern des 20. Jahrhunderts kann ihm bei Würdigung seiner Schriften zumindest nicht unterstellt werden, er habe einen Polizeistaat um der schieren Macht willen aufrichten wollen. Vielmehr lässt sich der Eindruck gewinnen, dass er in Erwartung massiven Blutvergießens durch nationale Bewegungen das in seinen Augen bewährte gesellschaftliche System des Ancien Régime vorzog. Stabilität und Ordnung führten zu einer Zeit der Ruhe und einem wirtschaftlichen Aufschwung, mit dem aber die gesellschaftspolitische Entwicklung nicht Schritt halten konnte.

Literatur

  • Peter Berglar: Metternich. Kutscher Europas — Arzt der Revolutionen, Musterschmidt, Göttingen, 1973, ISBN 3-7881-0079-6
  • Guillaume de Bertier de Sauvigny: Metternich — Staatsmann und Diplomat im Zeitalter der Restauration, Diederichs, München, 1996, ISBN 3-424-01341-2
  • Conte Corti: Metternich und die Frauen. Europa Verlag, Wien / Zürich 1948 (2 Bände).
  • Friedrich Hartau: Clemens, Fürst von Metternich, Rowohlt, Reinbek, 1984, ISBN 3-499-50250-X
  • Karl Kraus: Politisches Gleichgewicht und Europagedanke bei Metternich, Haag + Herchen, Frankfurt/M, 1993, ISBN 3-86137-017-4
  • Alan W. Palmer: Metternich, der Staatsmann Europas, Claassen, Düsseldorf, 1977, ISBN 3-546-47346-9
  • Heinrich von Srbik: Metternich — Der Staatsmann und der Mensch, Bruckmann, München, 1957 (Standardwerk in 3 Bd.)
  • Golo Mann: "Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts", insbes. drittes Kapitel 'Metternich-Deutschland', Hamburg, 1966

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