Klimaschutz ist der Sammelbegriff für Maßnahmen, die der globalen Erwärmung entgegen wirken und ihre Folgen abmildern oder verhindern sollen. Weil der Klimawandel aus Sicht vieler Forscher bereits nicht mehr völlig zu stoppen, sondern nur noch zu mildern und zu begrenzen ist, sind zudem Maßnahmen zur Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel nötig, z. B. Deichbau und Katastrophenvorsorge. Hauptansätze des Klimaschutzes sind gegenwärtig die Verringerung des von Menschen verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen und die Erhaltung und Unterstützung der Bestandteile der Natur, die das mengenmäßig bedeutsamste Treibhausgas Kohlenstoffdioxid aufnehmen (so genannte CO2-Senken). Dabei handelt es sich – neben den Ozeanen – vor allem um große Waldareale, namentlich tropische Regenwälder und boreale Wälder. Die Beiträge zum Klimaschutz sind auf verschiedene Ebenen verteilt. Dazu gehören großtechnische Maßnahmen und makroökonomische Ausrichtungen ebenso wie die staatliche und internationale Klimaschutzpolitik.
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Die Zukunft des globalen Klimas hängt vor allem vom politischen Willen zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen ab. Inzwischen haben die meisten Länder die völkerrechtlich verbindliche Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 unterzeichnet, mit deren Hilfe eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindert werden soll. In ihrer Folge wurde und wird vor allem über Reduktionsziele von Treibhausgasemissionen verhandelt, die im Kyoto-Protokoll verzeichnet sind. Dieses trat offiziell am 16. Februar 2005 in Kraft und enthält Regelungen bis zum Jahr 2012. Im „Post-Kyoto-Prozess“ wird unterdessen über ein Nachfolgeregime für den anschließenden Zeitraum verhandelt.
Auf technischer Ebene existieren eine Vielzahl von Optionen zur Verminderung von Treibhausgasemissionen. So ließe sich auch mit heutigen Mitteln ein effektiver Klimaschutz realisieren. [1] Die Kosten einer solchen Vermeidungsstrategie sind allerdings nicht eindeutig abschätzbar; noch deutlich größere Unsicherheiten treten bei der Bezifferung der Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels auf und hemmen die notwendigen Investitionen. Gleichwohl schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass ein effektiver Klimaschutz bis zum Jahr 2050 etwa 200 Billionen US-Dollar an Folgeschäden vermeidbar machte.[2]
Da die Nutzung fossiler Brennstoffe einen wesentlichen Beitrag zur Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre leistet, ist aus Gründen des Klimaschutzes ein Umstieg auf CO2-arme oder -freie Energieträger erforderlich. Am ehesten bieten sich hierfür die erneuerbaren Energien und Kernkraftwerke an. Auch diese Energiequellen sind nicht völlig CO2-frei (Rohstoffgewinnung, Bau der Kraftwerke, ggf. Gewinnung der organischen Brennstoffe), bieten jedoch teilweise eine deutliche Reduktion der spezifischen CO2-Freisetzung. Eine andere Möglichkeit liegt in der Erhöhung der Energieeffizienz von bestehenden Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, besonders in Ländern mit großen Ineffizienzen wie beispielsweise China. Dort werden Kraftwerke genutzt, deren Energieeffizienz ca. 20% unter der liegt, die bereits technisch möglich ist.
Gleichwohl gibt es vorläufig keine Option, auf fossile Brennstoffe gänzlich zu verzichten, so dass es nur als eine Frage der Zeit erscheint, bis wann durch vollständigen Verbrauch dieser Brennstoffe aller darin gebundene Kohlenstoff als CO2 freigesetzt wird. Unterdessen wird aber die Landfläche, die zur längerfristigen Akkumulation von CO2 in Biomasse, speziell in Wäldern und Mooren, geeignet ist, weltweit immer geringer. Alternative, technische Möglichkeiten zur Bindung von CO2 fehlen bisher bzw. sind energieintensiv, etwa die CO2-Sequestrierung.
Der als Beitrag zum Klimaschutz diskutierte Einsatz der Kernenergie ist unter Wissenschaftlern sowie in der Bevölkerung umstritten. Neben dem mit der Gewinnung, der Anreicherung und dem Transport des Urans verbundenen Ausstoßes von Kohlendioxid werden die Risiken eines GAUs und der langfristigen Lagerung des radioaktiven Abfalls als Kritikpunkte genannt. In Deutschland liegt der Anteil der Kernkraftwerke an der Stromerzeugung bei rund 26% und der Gegenwert an vermiedenen Kohlendioxid-Emissionen bei jährlich 100-150 Millionen Tonnen [3]. Nach Ansicht einiger Experten und Politiker sind dabei die mit der Uranbereitstellung verbundenen Treibhausgasemissionen jedoch unberücksichtigt, was von den Betreibern der Kernkraftwerke bestritten wird [4]. Im Gegensatz zu Kernkraftwerken, die Strom aus Kernspaltung erzeugen, nutzen Kernfusionsreaktoren die Kernfusion. Kernfusionsreaktoren, werden voraussichtlich nicht vor 2050 marktreif sein, so dass sie im Moment keine Rolle im Klimaschutz spielen. Der Forschungsreaktor ITER soll der erste Kernfusionsreaktor sein, der in etwa so viel Energie erzeugt, wie er selber verbraucht.
Eine der so genannten großtechnischen Lösungen ist die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), eine Initiative des Club of Rome und des Hamburger Klimaschutz Fonds. Diese setzt sich für die Umsetzung einer kooperativen interkontinentalen Nutzung der Sonnenenergie ein. In Nord-Afrika und im Nahen Osten soll mittels thermischer Solarkraftwerke Strom erzeugt und dieser durch Hochspannungs-Gleichstromleitungen (HVDC) nach Europa geleitet werden. Satellitengestützte Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigen das überreichliche Angebot an Solarenergie sowie die Notwendigkeit, die Realisierbarkeit und den Nutzen einer möglichst baldigen Umsetzung der von TREC geforderten Maßnahmen. Mit weniger als 0,3 Prozent der verfügbaren Wüstengebiete in Nord-Afrika und im Nahen Osten kann genügend Energie und Trinkwasser für den steigenden Bedarf aller beteiligten Staaten erzeugt werden. Dies ermöglicht einen Stopp des Ausbaus von Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken in allen beteiligten Staaten.
Befürworter von Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen stellen diese Maßnahmen in Zusammenhang mit anderen Initiativen zum Umweltschutz und weisen hin auf positive Nebeneffekte bei der Luftreinerhaltung (etwa in Städten). Die Verfechter von Präventivmaßnahmen führen auch ins Feld, dass die Vorräte der fossilen Energieträger ohnehin in kurzen (Öl: 25-40 Jahre, siehe Ölfördermaximum) bis mittleren (Gas: max. 60 Jahre) Zeiträumen an ihre Grenzen geraten, was eine Umstellung auf alternative Energiequellen notwendig macht.
Der als klimaschutztechnischer Idealfall vorzustellende großflächige Verzicht auf fossile Brennstoffe führt nach gängiger Lehrmeinung wegen der Trägheit des Abbaus von Treibhausgasen zu einer wenigstens für weitere 25 Jahre ungebremsten Erwärmung. Ein sofortiger, vollständiger Umstieg auf erneuerbare Energiesysteme gilt als nicht möglich, so dass Ersatztechnologien mit Hilfe fossiler Brennstoffe noch vor deren Ende entwickelt und gebaut werden müssen. Strittig ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der eine Konversion zur regenerativen Energiewirtschaft möglich ist, doch verfügbare Analysen gehen von einer bis ca. 2050 realisierbaren 100%-Vollversorgung mit erneuerbaren Energien aus.
Auch die Reduktion von tierischen Produkten (wie beim Veganismus)kann zu Klimaschutz beitragen. Bei der Produktion von einem Kilo Rindfleisch würden 6,5 Kilogramm Kohlendioxid freigesetzt, bei einem Kilo Gemüse nur 0,15 Gramm Kilogramm CO2. Die vegane Ernährung trägt dazu bei, den weltweiten Kohlendoxidausstoß zu reduzieren und fördert dadurch auch den Klimaschutz.
Um die Ziele des international weitgehend ratifizierten Kyoto-Protokoll zu erreichen muss auf der technischen Seite dieser Primärenergieverbrauch im Energiemix gesenkt werden, oder gezielt fossile Energieträger durch CO2-ärmere Energieerzeugung ersetzt werden.
2005 betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland 14.238 PJ. Dies entspricht einer mittleren Leistungsaufnahme von 451 Gigawatt bzw. 5473 Watt/Kopf bei einer Bevölkerung von 82,4 Mio. Menschen. Der Verbrauch gliedert sich in etwa wie folgt:
Im Bereich der Energieeinsparung, Erhöhung der Energieeffizienz und der Nutzung der erneuerbaren Energien in Haushalt, Gewerbe und Verkehr gibt es mittlerweile eine Vielzahl von technischen Lösungen:
Gute Isolation der Gebäudehülle (Dach, Fassaden, Fenster, Kellerdecke) und Einsatz von energieeffizienten Brennwertgeräten oder Wärmepumpen führt zum Niedrigenergiehaus oder zum KfW-geförderten Passivhaus [2]. Die dezentrale Nutzung von Photovoltaik, Solarthermie, Biomasse ist weitgehend CO2-neutral; Geothermie und Ökostrom sind CO2-arm. Als nicht dezentrale Technologie ist die Kernenergie ebenfalls CO2-arm.
Reduzierung des Transportbedarfs, die Verkehrsmittel selbst und ihrer Antriebe können hier einen Beitrag leisten. Mit einem Tempolimit von 120 km/h auf deutschen Autobahnen könnte bis zum Jahr 2020 mindestens 40 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. [5] Mit dem Angebot von öffentlichen Fahrrädern versuchen verschiedene Städte, das Fahrrad für kurze Entfernungen atraktiver zu machen.
Organisation wie atmosfair oder myclimate ermöglichen Ausgleichszahlungen für vermeintliche Klimaschädigungen z. B. durch Flugreisen. Mit den freiwilligen Abgaben werden Klimaschutzprojekte gefördert.
Im Verkehr werden zudem nicht unumstrittene alternative Treibstoffe wie Biodiesel, Pflanzenöl, Bioethanol oder in der Entwicklung befindliche Biomass to Liquids eingesetzt.
Wichtig ist auch, dass die Effektivität des Energieeinsatzes erhöht wird. Erst mit deutlicher Steigerung der Energieeffizienz wird ein effektiver Klimaschutz möglich. Passivhäuser ermöglichen bereits heute eine Reduktion des Energieverbrauchs in Haushalten um bis zu 80%, und für Fabrikgebäude sind ähnliche Konzepte verfügbar (vgl. BINE). Im Bereich Warmwasser, kann durch moderne Duschbrausen der Warmwasserverbrauch um bis zu 50% gesenkt werden, ohne Komfortverlust. Die Forcierung der Energieeffizienz kommt damit dem Umbau zu einem klimafreundlichen Energiesystem sozusagen auf halber Strecke entgegen.
Siehe auch: Top-Runner-Programm
Unabhängig von der internationalen Klimaschutzpolitik, die bisher nur langsam vorankommt, kann jede/r Einzelne im persönlichen Rahmen und im sozialen Umfeld zur Vermeidung unnötiger Emissionen von Treibhausgasen beitragen. Allein durch persönliche Energieeinsparung kann der Durchschnittsverbrauch - und damit auch der CO2Ausstoß - um 20-50 Prozent im Haushalt gesenkt werden.
Zu den persönlichen Klimaschutzvorkehrungen, die Privatpersonen in ihrem jeweiligen Handlungsbereich treffen können, zählen neben vielen anderen Maßnahmen:
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Sparsame Elektrogeräte verbrauchen zwischen einem und zwei Dritteln weniger Energie im Vergleich zu ineffizienten Geräten. Bei der Neuanschaffung energieeffizienterer Haushaltsgeräte, Heizungen und Fahrzeuge im Sinne des Klimaschutzes ist dabei zu prüfen, ob eine Weiterbenutzung ohne Neuanschaffung oder eine Second-Hand-Lösung über die Lebenszeit des Produkts betrachtet nicht die effizientere Alternative darstellt. Denn sowohl die Produktion neuer Geräte als auch die Entsorgung der Altgeräte sind meist sehr energieintensiv. Bei einem Neukauf kann der Markt nach Niedrigenergieprodukten abgesucht werden. Die Energieeffizienzklasse der EU gibt außerdem Auskunft über die Verbrauchswerte von Geräten, und für große Haushaltsgeräte gibt das Niedrig-Energie-Institut regelmäßig die Liste „Besonders sparsame Haushaltsgeräte“ heraus.[6]
| Wikinews: Klimaschutz – Nachrichten |