Kneiphof (russ. Кнайпхоф) war die Bezeichnung für einen Stadtteil von Königsberg in Ostpreußen, heute Kaliningrad. Der Kneiphof befand sich auf einer gleichnamigen Flussinsel im Pregel. Der Name leitet sich von dem prussischen Wort "knypabe" (kneip-abe, ape) ab und bedeutet umflutet sein, überschwemmt werden.
Von 1255 bis 1724 war der Kneiphof eine eigenständige, von Großhandel geprägte Stadt mit einer eigenen Stadtverwaltung. Im Jahre 1327 bekam Kneiphof Stadtrechte. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Insel dicht bebaut. Auf der Insel befand sich neben dem Königsberger Dom das Grabmal Immanuel Kants, Universitätsgebäude und viele weitere Altstadtgebäude. Wegen des sumpfigen Bodens mussten vor dem Bau eine große Zahl Eichenpfähle in die Erde gerammt werden. Die Insel war durch fünf Brücken mit dem Festland verbunden. Diese Brücken, zusammen mit zwei weiteren Brücken über den Pregel bildeten das bekannte Königsberger Brückenproblem.
Nach der Bombardierung durch die Royal Air Force im August 1944 waren fast alle Bauten zerstört. Nur der Königsberger Dom und das Kant-Grabmal blieben mehr oder weniger erhalten.
Von 1945 bis 1953 wurde die Insel als eine Art Steinbruch genutzt. Ruinen und nur wenig beschädigte Häuser wurden abgebaut, Steine und Ziegel für den Wiederaufbau von Leningrad verwendet. Die Domruine blieb aber stehen, vor allem weil daneben Immanuel Kant beerdigt war. In den Siebzigern ließ die Kaliningrader Stadtverwaltung auf der Insel einen „Dendropark“ und einen Skulpturenpark anlegen: auf die Fundamentreste wurde eine Lage Erde aufgeschüttet, Wege wurden angelegt, Rasen und Bäume eingepflanzt. Auf den Rasenflächen stehen seitdem Skulpturen aus Museumsreserven und speziell dafür gekaufte Skulpturen.
Anfang der 1990er Jahre, als Kaliningrad auch für ausländische Touristen zugänglich wurde, beschloss der damalige Bürgermeister Witali Schipow, Kaliningrad zu einer Festivalstadt zu machen. Der ehemalige Kneiphof, der nun Kantinsel genannt wurde, erwies sich als guter Platz für die Durchführung solcher Feste: er liegt unweit des heutigen Zentrums der Stadt, ist aber gleichzeitig relativ isoliert und geräumig.
Der Königsberger Dom wird seit 1992 renoviert. Zurzeit laufen noch Arbeiten an der Innenausstattung.
Im Jahre 1993 wurden die zwei Kaliningrader Künstler Waleri Morosko und Olga Dmitrijewa von der Stiftung „Königsberg“ nach Duisburg eingeladen und beauftragt, ein Modell der Insel zu erstellen, das die Bebauung der Insel vor den Bombardierungen im August 1944 nachbilden sollte. Nach einem halben Jahr Arbeit war die Nachbildung fertig. Im August 1994, bei der Öffnung der Ausstellung zum 450-jährigen Jubiläum der Albertina, übergab der Bürgermeister von Duisburg das Model dem Geschichts- und Kunstmuseum Kaliningrads. Das Modell kann dort heute besichtigt werden.