Die Kohlebürste (oder kurz Bürste) ist ein Gleitkontakt in Motoren und Generatoren und stellt den elektrischen Kontakt zum Kollektor oder zu den Schleifringen des rotierenden Teiles der Maschine (Rotor oder Läufer) her.
Kohlebürsten bestehen meistens aus Graphit. Abhängig vom Einsatzfall werden sie teilweise zusätzlich mit metallischen Komponenten (Kupfer, Silber, Molybdän) angereichert.
Schleifkontakte in Potentiometern und an Stromabnehmern bestehen aus ebensolchen Materialien, werden jedoch bei Stromabnehmern als Schleifleiste und bei Potentiometern als Schleifer bezeichnet.
Schon über einhundert Jahre alt, ist diese Technik der Stromübertragung auch heute noch längst nicht überholt. Kohlebürsten sind nach wie vor in sehr vielen elektrischen Motoren auf der Welt zu finden. Angefangen von Kleinmotoren in Spielzeug, elektrischen Küchengeräten, Rasierapparaten, Waschmaschinen, Haartrocknern, Staubsaugern oder Elektrowerkzeugen (elektrische Bohrmaschinen, Winkelschleifer, Heckenscheren usw.) reicht das Spektrum bis hin zu großen Maschinen in Elektrolokomotiven und auch in Windkraftanlagen. Entsprechend vielfältig sind die geometrischen und elektrischen Dimensionen der Kohlebürsten. Während die kleinsten Varianten in Spielzeugen nur wenige Gramm wiegen und die Übertragung von wenigen mA übernehmen, werden für die Übertragung von bis zu 1000A in der Galvanik Kohlebürsten mit einem Gewicht über 2kg eingesetzt.
Die Bezeichnung Kohlebürste leitet sich historisch von den Pinselbürsten ab, die man früher anstelle von Graphit als Gleitkontakt verwendete. Da die Zusammensetzung von Kohlebürsten praktisch auf jeden Elektromotor hin abgestimmt werden muss, ist ihr Entwicklungsaufwand relativ hoch. Daher werden Kohlebürsten weltweit nur von wenigen spezialisierten Unternehmen entwickelt.
Der Weltmarkt für Kohlebürsten wird von den drei Unternehmen Schunk Kohlenstofftechnik (D), Carbone Lorraine (F) und Morgan Crucible (GB) dominiert. Daneben gibt es aber auch viele mittelständische und kleine Hersteller.
Grundsätzlich werden vom Aufbau und ihren elektrischen Eigenschaften zwei Typen unterschieden:
An Kohlebürsten werden hohe Anforderungen gestellt: Die Bürsten werden vom Motorhersteller auf eine gewisse Lebensdauer hin getrimmt, die in umfangreichen Vorversuchen nachgewiesen werden muss.
Kohlen für Anlasser müssen z.B. ca. 40.000 Startzyklen aushalten und werden in umfangreichen Zusatztests geprüft: Salzwasserspraytest, Wärme- und Kältetests, Staub und Überstrom usw. Jedes Unternehmen hat eigene, genormte Testverfahren, die den extremen Alltagseinsatz simulieren und die zuverlässige Funktion des Elektromotors in der Praxis gewährleisten sollen.
Bei Kraftstoffpumpen wird bei Neuentwicklungen (ca. seit 2000) auch der Kommutator aus Graphitwerkstoffen verwendet. Grund dafür sind die günstigen elektrischen Eigenschaften und erhöhte Lebensdauer durch Selbstschmierung der im Kraftstoff laufenden Bauteile.
Neben der Standzeit der Kohlebürsten, wie z.B. geforderte 4000 Waschzyklen bei Waschmaschinen, stehen auch das Geräuschverhalten und besonders die Vermeidung von Bürstenfeuer im Vordergrund. Nur speziell angepasste Kohlebürstenwerkstoffe, teilweise mit aufwändigen Nachbehandlungen, erfüllen diese Anforderungen. Neben dem Kohlebürstenwerkstoff hat auch das das Design der Kohlebürste entscheidenden Einfluss auf das Verhalten des Gleitkontakts.
Beim Einsatz spielt nicht nur der Verschleiß der Kohlebürste eine Rolle. Kohlebürsten müssen das Gegenlaufmaterial wie Kommutator oder Schleifring schonen, da deren Austausch deutlich kostspieliger ist als der Austausch des Verschleißteils Kohlebürste. Der Austausch verschlissener Kohlebürsten eines Motors setzt dessen Lebensalter nicht wieder auf null, weil auch der Kommutator bzw. die Schleifringe und Lager verschleißen.
Kommutatormotoren verursachen jedoch auch bei geringem Bürstenfeuer elektromagnetische Störungen. Die Bürsten sind daher fast immer mit einer Nahentstörung (parallelgeschalteter Kondensator) versehen.
Gleichstrommaschinen mit Kohlebürsten haben im 20. Jahrhundert einen großen Teil zur industriellen Revolution beigetragen. Auch heute noch ist z.B. die Fertigung von Stahlblechen in Walzwerken ohne große Gleichstromantriebe mit Leistungen bis zu 10 MW nicht möglich.
Nach den Dampflokomotiven eingeführte Elektrolokomotiven und auch Straßenbahnen arbeiten mit großen, mit Kohlebürsten und Kollektoren kommutierten Reihenschlussmotoren.
Eine weitere Anwendung sich Schleifringläufer-Asynchronmotoren und Drehstromgeneratoren (Erregerstrom läuft über Schleifringe, z.B. KFZ-Lichtmaschine).
Auch in Windturbinen werden teilweise Generatoren mit Kohlebürsten eingesetzt.
In kleinen Gleichstrommotoren werden teilweise Bürsten aus Edelmetallen eingesetzt.
Insbesondere bei sehr hohen Drehzahlen kann sich das „Bürstenfeuer“ negativ auswirken. Unter anderem deshalb wurden Motoren ohne Kohlebürsten entwickelt. Diese besitzen anstelle des Kollektors und der Kohlebürsten elektronische Bauelemente zur Kommutierung. Der Aufwand ist aber sehr groß, sodass diese Technologie zur Zeit v.a. in Nischen zu finden ist. Bei Industrie- und Bahnmotoren setzten sich zunehmend die „Drehstrom-Synchronmaschine“ durch.
Generatoren in Kraftwerken verwenden auf der Generatorwelle angebrachte Hilfsgeneratoren zur Erzeugung und Steuerung der Erregerleistung und benötigen keine Schleifringe.
Die Signale der Magnetköpfe der Kopftrommel in Videorecordern werden mit einem konzentrischen Transformator übertragen.
Mikrowellen in Rundsicht-Radargeräten werden über berührungslose Hohlleiter-Flansche übertragen.