Der Begriff Kollektiv (lat: colligere „zusammensuchen“, „zusammenlesen“) beschreibt unspezifisch ein soziales Gebilde, deren Beteiligte nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten zusammengefasst werden - es kann ein Volk, eine Klasse, eine Belegschaft u.v.m. sein.
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In der Soziologie wird zwischen unorganisierten und organisierten Kollektiven unterschieden.
Mit dem Begriff Kollektiv wird in der Soziologie nach Robert King Merton u.a. allgemein eine Mehrzahl von Personen definiert, die aufgrund eines Systems von gemeinsamen Normen und Werten Gefühle der Zusammengehörigkeit entwickeln. Er unterscheidet sich hier von dem Begriff der Sozialkategorie, der demographisch Personen zuordnet und von dem Begriff der sozialen Gruppe, deren Mitglieder im Gegensatz zum Kollektiv miteinander in Interaktion stehen.
Vergleichbar definiert Ferdinand Tönnies den Begriff Kollektiv der das Merkmal des fehlenden organisatorischen Zusammenhalts hervorhebt. Gemeinsame Willensentscheidungen und gemeinsame Handlungen kommen somit nur durch spezielle Bedingungen zustande.
Als abstrakte Kollektive werden im Gegensatz zur Masse und sozialen Gruppen von Leopold von Wiese soziale Gebilde wie Kirche und Staat bezeichnet, die aufgrund von "Dauerwerten" einen "überpersönlichen Charakter" erhalten.
Als politisches Kollektiv werden sich soziale freiwillig organisierende Mitglieder einer Gruppen mit fortschrittlichen und gemeinsamen Zielen bezeichnet, die durch gemeinsame Arbeit miteinander verbunden sind und nach den Grundsätzen der Gleichheit und Gleichberechtigung – oft nach dem Prinzip des Konsens – Entscheidungen treffen und Handeln.
Nach vergleichbaren Strukturen und an dem Konzept der Räterepublik angelehnt, definierte Anton Semjonowitsch Makarenko das Prinzip eines marxistisch kommunistischen Kollektives. Hierbei ist jedes Kollektiv gleichzeitig Mitglied des Gesamtkollektivs einer insgesamt sozialistischen Gesellschaft.
In der Alternativen Ökonomie bezeichnet Kollektiv ein hierarchielose Projekt oder einen selbstverwalteten Betrieb. Seit Ende der 1970er entstand in der Alternativbewegung in Westeuropa und Nordamerika eine Vielzahl dieser Kollektive, in denen oftmals die Entscheidungsstruktur und Vergütung auf folgenden Prinzipien beruht:
Speziell wird damit auch Lebens- oder Arbeitsgruppe bezeichnet, in der die Gruppenaufgaben gemeinschaftlich angegangen werden und die Güter „zur gesamten Hand“ besitzt. Vgl. auch Gemeinnutz.
Besondere Formen dieser Art von Kollektivität sind die Kommunen, in denen zudem noch gemeinsam gewohnt wird, was dann als zusätzlich Prinzip von dem gemeinsamen Leben und Arbeiten verstanden wird. Da in Deutschland die Rechtsformen nicht explizit auf diese Kollektive und ihre Prinzipien zugeschnitten sind, entstehen oftmals rechtliche Probleme.[1]
In der DDR entsprach der Begriff „Kollektiv“ ungefähr dem, was man in der Bundesrepublik Deutschland Team nennt. Eine andere in der DDR für ein Kollektiv verwendete Bezeichnung war Brigade.
Es wurden in Verlautbarungen und Agitprop auch große Kollektive zitiert, wie die Arbeiterklasse.[2] Es ging eher darum, die gesamte Bevölkerung genossenschaftlich zusamenzuschließen. [3]
Kollektivverhalten bezeichnet die unstrukturierten Reaktionen und Verhaltensweisen einer größeren Anzahl von Personen in einem Problemlösungsprozess, die im Gegensatz zur sozialen Gruppe in diesem Prozess nicht durch Interaktion bestimmt ist und im Gegensatz zur Masse oder Mob sich nicht rein zufällig, sondern sich entwickelnd vollziehen. Entstehung und Verlauf des Prozesses sind beispielsweise bei der Bildung von öffentlichen Meinungen, bei Revolutionen oder Sozialen Bewegungen unterschiedlich.
Kollektivbewusstsein (frz. conscience collective) ist ein soziologischer Begriff der Durkheim-Schule für die geistigen Eigenschaften einer Gesellschaft wie Moral, Recht, Gewohnheiten, Sprache, Gewissen, Wissen u.Ä. Allgemein ist auch die Rede von Volksseele, Kollektivseele, kollektive Mentalität, Gruppenseele und anderer Gesamtheiten geistiger Eigenschaften eines sozialen Gebildes.
Nach Alfred Vierkandt bilden die Angelegenheiten einer sozialen Gruppen die kollektiven Bewusstseinsinhalte, die das kollektive Subjekt in Form des "Wir" gegenüber dem individuellen "Ich" formuliert.
Kollektivsymbole sind nach Jürgen Link in gesellschaftlich gefestigte diskursive Sinnbilder und Codes, die sowohl als Erklärung und Erschließung von Wirklichkeit und der politischen Landschaft dienen, als auch zu Handlungsweisen anleiten. Sie bieten die Möglichkeit zwischen Normalität und Abweichung zu unterscheiden. Im Gegensatz zu Vorstellungen von angeborenen Bildern oder der Vorstellung eines kollektiven Unterbewusstseins ist nach Link das System der Kollektivsymbolik historisch veränderbar und interkulturell verschieden.
In der Theorie der „Tragik der Allmende“ wird nahegelegt, dass kollektives Eigentum zu einer erhöhten Ausbeutung der Ressourcen durch die einzelnen Mitglieder führt.
Kritiker der Bildung von „Kollektiven“ unterstellen, dass dabei das Bewusstsein des Einzelnen durch das Bewusstsein der Gruppe als Gesamtheit verdrängt werde (oder schärfer, dass das „Bewusstsein der Gruppe“ eine ideologische Fiktion zur Knutung des Einzelnen sei). An die Stelle der persönlichen Verantwortung trete die (womöglich hohle) Verantwortlichkeit der Gruppe (siehe auch Kollektivismus und Soziologie).