Die Kommune 2 war eine Lebensgemeinschaft in Berlin-Charlottenburg, in der versucht wurde kollektives Leben mit politischer Arbeit zu verbinden. Kommune 2 bezieht sich auf die kurz vorher gegründete Kommune 1, gegenüber der sie auch als die Politkommune bezeichnet wurde.
Die Kommune 2 begann im August 1967 und scheiterte nach einem Jahr im Sommer 1968. Die zu der Zeit neuen Erfahrungen - in der Bundesrepublik Deutschland war eine solche Form des Zusammenlebens bis dahin unbekannt - wurden von den Beteiligten ausführlich in einem Buch dokumentiert. Beteiligt waren vier Männer, drei Frauen und zwei Kinder. Die Kommunarden und Kommunardinnen kamen zum Großteil aus dem SDS.
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Im Juni 1966 diskutierten eine Woche lang neun Männer und fünf Frauen in einem Landhaus über die Bedingungen, wie in Westeuropa eine revolutionäre Bewegung entstehen könne. Ihnen war gemeinsam, dass sie bereits in Berlin und München an Aktionen der Antiautoritären Linken teilgenommen hatten und die "Seminarmarxisten" in den SDS-Arbeitskreisen verachteten. Auf diesem Treffen nahmen die Münchener das Zuspätkommen Rudi Dutschkes, der noch seine Eltern treffen wollte, zum Anlass, persönliche Probleme mit Hilfe psychoanalytischer Kategorien zu thematisieren, was von einigen als Psychoterror empfunden wurde.
Nach der Jahresdelegiertenkonferenz des SDS wurde von fünf Teilnehmern der oben angeführten Gruppe Anfang September in Westberlin eine neue 25-30 Mitglieder umfassende Gruppe gegründet, zu der Ende September noch Dieter Kunzelmann und Rudi Dutschke stießen. Diese Gruppe nannte sich bereits nach US-amerikanischen Vorbild Kommune, wobei sich dieser Begriff auf eine enge Solidarität bezog und noch nicht auf eine Wohnform. Ein großer Teil dieser Gruppe war sehr praxisorientiert, was sich in einem Beitrag Bernd Rabehls vom November 1966 widerspiegelt:
Sie beriefen sich auf Herbert Marcuses These der Randgruppen-Theorie, wonach der Widerspruch der kapitalistischen Gesellschaft nicht mehr in der Produktionssphäre erfahrbar sei, sondern nur noch außerhalb gegen sie. In der Gruppe wurde - noch sehr unbeholfen - versucht mittels gruppendynamischer Elemente den als autoritär empfundenen Diskussionsstil des SDS zu durchbrechen.
In der Silvesternacht zu 1967 beschlossen 12 Menschen aus dem SDS und deren Umfeld, in eine Wohnung zu ziehen, allerdings machten fünf von ihnen am nächsten Morgen schon einen Rückzieher. Diese Gruppe wurde SDS-Kommune genannt und sah sich selber als Vorläuferin einer neuen Organisationsform des SDS, der nach und nach in Wohngruppenkollektive überführt werden sollte. Im Mai 1967 wurde die "Gemeinsame Ökonomie", das heißt, eine Kasse eingeführt, in der alle Privateinkommen der Bewohner einfließen und aus der alles gezahlt wurde. Während die bereits gegründete Kommune 1, die sich in die Isolation zurückgezogen hatte, um persönliche Probleme aufzuarbeiten, inzwischen von der Kommunikation persönlicher Probleme absah, versuchte die SDS-Kommune das Persönliche mit dem Politischen zu verbinden. Im Sommer 1967 zerbrach die SDS-Kommune, doch im August 1967 zogen dann sieben Erwachsene und 2 Kinder in eine 7 1/2 Zimmerwohnung in Berlin-Charlottenburg und gründeten die Kommune 2.
Wesentliches Element der Kommune war die kollektive Organisation des Alltags:
Die gemeinsame Kinderziehung der Kommune sollte eine auf der Psychoanalyse beruhende Antiautoriäre Erziehung sein, für die es kaum Vorbilder gab. Die beiden Kinder gingen zunächst in einen Kindergarten, der jedoch von der Kommune nach einiger Zeit als Aufbewahranstalt betrachtet wurde. Sie wechselten dann in einen der beiden vom Aktionsrat zur Befreiung der Frauen organisierten Kinderladen.
Die Kommune sah ihr Scheitern vor allem im Scheitern einer gemeinsamen politischen Arbeit. Lediglich ein kleiner Teil der Gruppe arbeitete intensiv zur Inhaftierung Fritz Teufels. Dies wurde darauf zurückgeführt, dass es den Frauen in der Kommune nicht möglich war, zu einer gemeinsamen politischen Praxis zu finden, die ihre Interessen spiegelte.
Im Januar begann die Gruppe eine an der psychoanalytischen Praxis ausgerichtete Gruppenanalyse, die sie Reihenanalyse nannte:
Im März 1968 änderte die Kommune die therapeutische Praxis, in dem nun immer eine bestimmte Person der Gruppe von der Person, die ihre Probleme bearbeiten wollte, als Analytiker bestimmt wurde, während die anderen sich zurückhielten und am Ende die Analyse gemeinsam besprachen.
Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 sah sich die Gruppe außerstande, weiterhin intensiv die Gruppenanalyse zu betreiben. Zwar beteiligte sich das Kollektiv an den Massenprotesten, konnte jedoch aus den oben genannten Gründen nicht zu einer gemeinsamen politischen Arbeit gelangen. Die Gruppenanalyse, die am 1. Mai wieder aufgenommen wurde, wurde mit unterschiedlichem Interesse durchgeführt und wurde von den Kommunarden und Kommunardinnen nur noch als ein "Dahinschleppen" wahrgenommen. Schließlich zogen sie die Konsequenz und lösten die Kommune im Sommer 1968 auf. Ihre Geschichte dokumentierten sie anhand von Protokollen und Analysen detailliert in einer Buchveröffentlichung[3].