Konfuzius

Konfuzius
Konfuzius
Konfuziusstatue im Dichtergarten München
Konfuziusstatue im Dichtergarten München
Konfuzius-Statue von Liu Shih auf dem Confucius Plaza in New York-Chinatown
Konfuzius-Statue von Liu Shih auf dem Confucius Plaza in New York-Chinatown
Konfuziusgrab am Ende des 19. Jahrhunderts
Konfuziusgrab am Ende des 19. Jahrhunderts

Kǒng Zǐ (chin. 孔子, transkribiert: Kong Tse; Wade-Giles: K'ung-tzû, „Meister Kong“) war ein chinesischer Philosoph und Begründer des Konfuzianismus. Sein eigentlicher Name war 孔夫子 Kǒng Fū Zǐ, (höflichere Anrede) zu Deutsch Meister Konfuzius – die Endung -us hat ihren Ursprung darin, dass seine Texte zuerst von Jesuiten ins Lateinische übertragen wurden. Auch die Bezeichnung Hoang-Dzuy Vo, zu Deutsch Meister Suti, erscheint in einigen Quellen.

Er lebte vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr. und wurde unter dem Namen Kong Qiu (Wade-Giles: K'ung Ch'iu) in der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu (鲁, die heutige Provinz Shandong) geboren, wo er auch starb.

Die Familie Kong besteht weiterhin in gerader Linie und dürfte damit eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Welt sein. Ein Nachfahre der 75. Generation lebt heute in Taiwan. Auch eine Familie Kong in Qufu führt ihren Stammbaum auf Konfuzius zurück.

Konfuzius gründete eine Schule für Philosophie. Der zentrale Wert seiner Lehren war die Ordnung, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei. Im Mittelpunkt seines Denkens stand der „Edle“ (君子 junzi), ein moralisch einwandfreier Mensch. Der Gedanke der Harmonie spielt eine bedeutende Rolle in seiner Weltanschauung: „Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint“, sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht seien das Ziel.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Zwei Jahre nach seiner Geburt, 551 v. Chr., im Staat Lu, dem heutigen Shandong, starb sein Vater und der junge Konfuzius erhielt 539–533 v. Chr. Privatunterricht bei seinem Großvater. Mit 19 Jahren erfolgte die Heirat und in den Jahren 532–502 v. Chr. war er u. a. als Scheunenaufseher sowie anderen niedrigen Anstellungen tätig.

Seine Mutter starb 529 v. Chr. Nach einem angeblichen Treffen mit Laozi in Luoyang 518 v.Chr. musste er zwei Jahre später die Flucht vor internen Machtkämpfen ergreifen und Exil im Nachbarstaat Qi suchen. Nach seiner Rückkehr nach Lu begann etwa 500 v. Chr. der politische Aufstieg des Konfuzius. Er wurde zunächst Bauminister und dann Justizminister von Lu und schließlich 498 v.Chr. stellvertretender Kanzler.

497 v. Chr. nimmt Herzog Ding von Lu 80 Singmädchen als Geschenk des Nachbarstaates Qi entgegen, woraufhin Konfuzius abermals ins Exil geht. Nun beginnt eine 13-jährige Wanderschaft durch verschiedene Staaten. Er besucht nacheinander

  • 495 v. Chr. Staat Wei
  • 494 v. Chr. Staat Chen
  • 492 v. Chr. Wei, dann Jin
  • 490 v. Chr. Staat Cai
  • 489 v. Chr. Auseinandersetzungen zwischen Chen und Cai lassen Konfuzius fast verhungern
  • 488 v. Chr. Staat Wei
Konfuziusgrab in Qufu
Konfuziusgrab in Qufu

Erst 484 v. Chr. erfolgt die Zurückberufung nach Lu. Dort erlebt er 482 v. Chr. den Tod seines Sohnes Bo Yu und 481 v. Chr. den Tod von Yan Hui und die Ermordung des Herzogs von Qi. Dies wird auch als der Beginn der „Zeit der Streitenden Reiche“ bezeichnet. 480 v. Chr. stirbt sein Schüler Zilu auf dem Schlachtfeld und ein Jahr später stirbt auch Konfuzius selbst.

Andere Quellen

Über das Leben und Wirken des Konfuzius informiert vor allem ein ausführliches Kapitel in den Historischen Annalen (Shiji) von Sima Qian, der Jahrhunderte später während der Han-Dynastie lebte und schrieb.

Die Vorfahren des Konfuzius waren die Könige von Shang, denen der König von Zhou nach dem Sturz der Shang-Dynastie das Lehen von Song gegeben hatte. Die Familie verarmte jedoch später. Bereits in früher Jugend verlor Konfuzius seinen Vater und wurde von seiner Mutter allein aufgezogen.

Mit 19 Jahren heiratete Konfuzius und trat in den Dienst des Staates Lu ein. Mit 50 Jahren soll es ihm gelungen sein, einen Ministerposten zu erlangen. Diesen Posten soll er jedoch bereits ein paar Jahre später wieder enttäuscht quittiert haben. Anschließend zog er mit seinen Schülern als Wanderlehrer von einem Lehnsstaat zum anderen und wirkte als Berater an verschiedenen Fürstenhöfen. Drei Jahre vor seinem Tod kehrte er in seinen Heimatstaat Lu zurück. Erfolg war ihm nicht beschieden. Erst seine Schüler bauten seine Lehre aus und gewannen Einfluss.

Dass es schwierig ist, ein klares Bild von Konfuzius zu zeichnen, liegt daran, dass er kein einziges schriftliches Werk hinterlassen hat. Ähnlich wie bei Jesus wurden seine Lehren erst ca. 100 Jahre später von seinen Anhängern niedergeschrieben. Am meisten über seine Gedankenwelt erfahren wir aus den Gesprächen (Lunyu), in denen viele seiner Aussprüche überliefert sind.

Lehre

traditionelle Darstellung
traditionelle Darstellung

Das einflussreichste Werk der ostasiatischen Geistesgeschichte ist das Lunyu. Es enthält die vier Grundbegriffe des Konfuzius:

  • Humanität (仁 ren),
  • Gerechtigkeit (義 yi),
  • kindliche Pietät (孝 xiao)
  • und Riten (禮 li).

Außerdem wird dem Lernen eine hohe Priorität eingeräumt. Das erste Wort des Lunyu ist „lernen“:

Original Pinyin Übersetzung
「学而时习之,
不亦悅乎?
Xue er shi xi zhi,
bu yi yue hu?
Lernen und es von Zeit zu Zeit wiederholen,
ist das nicht auch eine Freude?
有朋自远方来,
不亦乐乎?
You peng zi yuan fang lai,
bu yi le hu?
Wenn ein Freund von weit her kommt,
ist das nicht auch eine Freude?
人不知而不愠,
不亦君子乎?」
Ren bu zhi er bu yun,
bu yi junzi hu?
Von den Menschen verkannt zu werden, aber sich nicht zu grämen,
ist das nicht die Haltung eines Edlen?

Der Konfuzianismus

Der Konfuzianismus ist eine der philosophisch-politischen Strömungen Chinas, die sich als Antwort auf eine tief greifende Krise der Gesellschaft herausgebildet haben. Der Begriff Konfuzianismus ist allerdings eine westliche Prägung ohne genaues chinesisches Äquivalent. Der nächste chinesische Ausdruck Kongjiao (孔教 „Konfuzius-Lehre“), gebildet analog zu Fojiao (佛教 Buddha-Lehre) und Daojiao (道教 Dao-Lehre), bezieht sich auf den religiösen Kult, der um die Person des Stammvaters der Schule, Kong Qiu (孔丘, 551–479 v. Chr.), lateinisch Konfuzius (孔夫子 nach Kong Fuzi „Lehrer Kong“), betrieben wurde. Der in China gebrauchte Begriff Rujia (儒家) lässt sich wörtlich als „Schule (家 jia) der Sanftmütigen (儒 ru)" verstehen, wobei „Sanftmütiger“ für den Gelehrten steht, der sich mit seinem Geist statt mit Gewalt für seine Sache einsetzt. Der Schwierigkeit zu bestimmen, was „Konfuzianismus“ überhaupt sei, steht eine sehr undifferenzierte Alltagsverwendung des Begriffs im Westen gegenüber. Das Etikett „konfuzianisch“ wird hier meist für das ethische System verwandt, welches (durchaus nicht unumstrittenerweise) dem Verhalten von vor „konfuzianischem“ Hintergrund aufgewachsener Chinesen (oder Koreanern) zugrundegelegt wird. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Verwender dieses Begriffes selber keinerlei Vorstellungen darüber haben, was diesen ‚Konfuzianismus‘ kennzeichnen könnte. Ähnliche Tendenzen sind im Zuge der Öffnung der chinesischen Märkte im Übrigen auch in China beobachtbar, wo Konfuzius seit Anfang der Neunzigerjahre wieder hoffähig ist. (Hier dienen sie als ein im Grunde genommen haltloses „Erklärungsmodell“ für das schnelle Wirtschaftswachstum und haben apologetische Funktion für das rasante Anwachsen sozialer Ungleichheit – betont Konfuzius doch die Segnungen einer stabilen politischen Ordnung).

„Vor Konfuzius war die Kultur das Geheimnis der Heiligen auf dem Thron. Durch Konfuzius, den „ungekrönten König“, wurde sie einer Schule von Gebildeten anvertraut, die als Berater und Minister von Herrschern und Königen dafür gesorgt haben, dass, wo sie Einfluss hatten, die Macht durch Recht und Sitte geheiligt wurde.
...
Das Problem des Konfuzius war die naturgemäße Organisation der Menschheit. Für den Aufbau seines Systems wählte er eine Ellipse mit zwei Brennpunkten. Der eine Brennpunkt war für ihn das Innere des Menschen, der andere die menschliche Gesellschaft.“
(Richard Wilhelm)

Schüler

Die Lehren des Konfuzius wurden von Zeng Zi an Zi Si, dem Enkel des Meisters, weitergegeben. Nach dessen Tod durch seine Schüler an Menzius.

Die Tradition nennt 77 herausragende Schüler des Konfuzius. Von diesen zeichneten sich Yan Yuan, Min Ziqian, Ran Boniu und Zhong Gong im Bereich der Tugendlehre aus. Ran You und Ji Lu waren bewandert in Regierungsangelegenheiten. Zai Wo und Zi Gong waren gute Redner, während Zi You und Zi Xia für ihre Kenntnis der Literatur bekannt waren.

Besonders erwähnt werden folgende Schüler:

  • 顏回 Yan Hui (30 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 閔損 Min Sun (15 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 冉雍 Ran Yong (29 Jahre jünger als Konfuzius): kam aus den niedrigsten Bevölkerungsschichten
  • 仲由 Zhong You (9 Jahre jünger als Konfuzius): ein derber Mann, der durch Konfuzius gemildert wurde, starb bei einer Revolte im Staat Wei
  • 宰予 Zai Yu: war in eine Revolte verwickelt, durch die er das Leben verlor
  • 端木賜 Duan Muci (31 Jahre jünger als Konfuzius): guter Redner und Debattierer, sehr reich
  • 卜商 Bu Shang (45 Jahre jünger als Konfuzius): Lehrer des Herzogs Wen von Wei, nach dessen Tod er so weinte, dass er erblindete
  • 澹臺滅明 Dantai Mieming (39 Jahre jünger als Konfuzius): hatte 300 Schüler
  • 原憲 Yuan Xian: sehr arm
  • 顓孫師 Zhuan Sunshi (48 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 曾參 Zeng Shen (46 Jahre jünger als Konfuzius): schrieb das Xiaojing
  • 樊須 Fan Xu (36 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 有若 You Ruo (43 Jahre jünger als Konfuzius): ähnelte dem Meister
  • 公冶長 Gongye Zhang: Schwiegersohn des Konfuzius
  • 南宮括 Nangong Guo: heiratete die Nichte des Konfuzius
  • 公皙哀 Gongxi Ai (42 Jahre jünger als Konfuzius)

Vgl. den Artikel der englischen Wikipedia: Wikipedia: Disciples of Confucius.

Fünf Klassiker

Es gibt die so genannten Fünf Klassiker des Konfuzianismus, deren Studium von Konfuzius empfohlen wird:

Angeblich wurden diese Bücher von Konfuzius ediert.

Literatur

  • Carl Crow: Konfuzius. Staatsmann – Heiliger – Wanderer. Leipzig 1939 (Originaltitel: Master Kung)
  • Xuewu Gu: Konfuzius zur Einführung. Junius, 2. Auflage Hamburg 2002. ISBN 3885063611
  • Volker Zotz: Konfuzius. Rowohlt, Reinbek 2000. ISBN 349950555X
  • Heiner Roetz: Konfuzius. C.H.Beck, München (Reihe Denker)
  • Wojciech Jan Simson: Die Geschichte der Aussprüche des Konfuzius (Lunyu). Bern [u.a.]: Lang 2006 (Welten Ostasiens ; 10); ISBN: 3-03-910967-7 (Zugl.: Zürich, Univ., Diss., 2002)

Siehe auch

Neo-KonfuzianismusLunyuQufuMenziusVier Bücher

Weblinks

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Quelle:
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