Koranrezitation

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Die Koranrezitation ist ein Beruf, der von einem "qari" oder "muqri" ausgeübt wird. Jeder geprüfte professionelle Koranleser darf von Amts wegen den Titel "shaykh" tragen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lernen die "muqriin" ihre Kunst, indem sie ihrem Lehrer zuhörten und ihn nachahmten. Gewöhnlich ist der Rezitator ein Mann, aber im 20. Jahrhundert gab es auch viele Koranleserinnen, und noch in den 1920er Jahren warb zum Beispiel die Sängerin Umm Kulthum auf ihrer Visitenkarte mit dieser Fertigkeit.

Jedes Jahr veranstaltet das Ministerium für Religiöse Angelegenheiten einen Koranrezitations-Wettbewerb für Kinder und Jugendliche (Atfal), die den ganzen Koran auswendig können. Der 12. allgemeine Koran-Wettbewerb fand am 16. Juli 2003 statt. Die jungen Rezitatoren sind aufgerufen, ihre Begabung unter Beweis zu stellen und werden dafür mit Förderpreisen bedacht. Der Wettbewerb soll die Schüler der Korankurse anregen, sich intensiv der Lektüre des Koran zu widmen. Dabei sind bestimmte Regeln für eine adäquate Rezitation des Korans zu beachten.

Wer in Kairo früher den Titel eines Koranlesers erlangen wollte, musste, und sei es nur für kurze Zeit, an der Universität und Moschee Al-Azhar studiert haben und vom amtierenden "großen Meister der Rezitation" zugelassen werden. In den entlegeneren Provinzen hingegen reichte es, wenn die Koranleser eine Ausbildung auf lokaler Ebene genossen hatten oder sich auf das Prestige berufen konnten, das sie während mehrerer Jahre in Kairo erworben hatten. Heutzutage gehen alle Rezitatoren durch die Schule von Al-Azhar, aber zusätzlich erwartet man von ihnen, dass sie acht Jahre am Institut für Koranrezitation im Stadtteil Shubra studiert haben. Damit ihre Darbietungen im Rundfunk übertragen werden können, müssen sie ferner vor einem "Prüfungsgremium für Vorleser" bestehen, das vom Rundfunkamt eingesetzt wird. In diesem Gremium sitzen neben den religiösen Kapazitäten, die sich vergewissern, ob die Rezitatoren mit den heiligen Texten aufs beste vertraut sind, auch Musiker, die überprüfen, ob die Kandidaten richtig singen können und die Modi beherrschen.

Zitate zur Koranrezitation

„Eine Religion ohne die physische Erfahrung des Rituals ist kaum mehr als ein Gedankengebäude, ein Konstrukt. Jede Religion bedarf sinnlicher oder ästhetischer Erfahrungen. Im Islam ist es vor allem die Koranrezitation, die diese Funktion erfüllt. Sie ist ein spiritueller Vorgang und ritueller Akt: Indem der Gläubige die Rede Gottes hört, hört er den Sprecher selbst - er hört Gott.“ „Der mündliche Vortrag des Korans ist sehr wichtig, denn er ist seiner Natur nach kein Lesetext.“ [1]

  1. Nasr Hamid Abu Zaid Ein Leben mit dem Islam
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