Kroatische Reiter

Hrvatski Abbildung eines Kroatischen Reiters (mit Ur-Krawatte)
Hrvatski Abbildung eines Kroatischen Reiters (mit Ur-Krawatte)

Kroatische Reiter (kroat.Hrvatsko Konjaništvo), auch als kroatische Reiterei oder Wallensteins kroatische Reiter, Krabaten oder Kroaten bezeichnet, nahmen als Söldner am Dreißigjährigen Krieg auf Seiten der Kaiserlichen Katholischen Liga, Bayerischen, Spanischen, Dänischen und französischen Truppen in Europa teil. Sie gehörten zur Truppengattung der leichten Reiterei.

Die Kroaten waren ursprünglich vorwiegend Wehrbauern in der Habsburger Militärgrenze und stellten im 16. Jahrhundert während des Dreißigjährigen Krieges eine der am meisten gefürchteten und effektivsten Kavallerie-Streitmächte der leichten Reiterei.

Wegen der Bewaffnung mit der Arkebuse wurden sie auch als Arkebusierreiter bezeichnet.

Sie erlangten als leichte Kavallerie Ruhm und gehörten zu den verwegensten und gefürchtetsten Söldnern im Dreißigjährigen Krieg und auf Seiten der kaiserlichen zu den besonders gefragten Einheiten jener Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nach der Schlacht bei Sisak im Jahr 1593 und dem darauf folgenden Krieg, der bis 1606 dauerte, lebten insgesamt etwa 7.000 Söldner im Gebiet der Habsburger Militärgrenze. Etwa 30 Prozent dieser Söldner waren Kroaten, die in unterschiedlichen Einheiten als Husaren, Haramijas und in Einheiten der leichten Infanterie ihren Dienst leisteten.

Im Fall größerer militärischer Auseinandersetzungen mit den Osmanen wurden zusätzlich mehrere tausend Kroaten auf Befehl des Bans oder der Kirche mobilisiert. Generell überwog bei den Kroaten die Zahl der Soldaten in Einheiten der Infanterie gegenüber der Kavallerie.

Militärgrenze

Nach der verlorenen Schlacht auf dem Krbava-Feld befand sich das damalige Kroatien in einem Eingliederungsprozess in die Habsburger Monarchie. Für die Habsburger bedeutete die Errichtung der Militärgrenze vorrangig den Schutz ihrer Länder. Dieser Teil Kroatiens war daher politisch Wien direkt unterstellt.

Seinerzeit befanden sich mehr Truppen Wiens, die sich ethnisch aus allein Teilen des Habsburgerreiches zusammensetzten, als die der autochtonen Kroaten in der Militärgrenze.

Während des dreißigjährigen Krieges fand sich Wien jedoch in einer schwierigen Lage, öffnete seine Kriegskassen, und warb Kroaten zur militärischen Unterstützung an.

Der Krieg wurde seinerzeit zu einer bezahlten Beschäftigung bzw. Berufssoldatentum, so dass sich viele Kroaten ihren Dienst als Söldner antraten. Am Höhepunkt des dreißigjährigen Krieges gab es etwa zwanzig tausend kroatische Söldner im Dienst der Kaiserlichen. Obwohl Kroatien von den langwierigen Kämpfen gegen das Osmanische Reich geschwächt und ausgeblutet war, meldeten sich trotzdem tausende Männer im wehrfähigen Alter als Söldner zum den Dienst im den Dreißigjährigen Krieg.

Bewaffnung

Kroatische Adelige, deren Militäreinheiten, wohlhabende Bürger und ein Teil der Söldner waren geschickte Reiter.

Die Bewaffnung bestand aus mindestens zwei Pistolen, einer Arkebuse sowie einem Säbel, der über die Schulter umgehängt wurde, um besser Gehen zu können. Dies ist eines jener Merkmale, die sie von anderen Truppen jener Zeit unterschied: Sie waren sowohl geschickte Reiter als auch Infanteristen, was sie als universelle Soldaten ihrer Zeit erscheinen ließ.

Durch das Leben und Überleben an der Grenze zum Osmanischen Reich und den damit verbundenen Kontakt zu den nomadischen Kriegern aus den asiatischen Steppen lernten die Kroaten von diesen auch den Umgang mit dem Schwert, Beweglichkeit und andere überlebensnotwendige Fähigkeiten.

Im Jahr 1622 rief der kroatische Sabor zum Dienst in der Reihen der kaiserlichen Truppen auf.

Organisation

Die „Arbeitgeber“, waren seinerzeit meistens auch die Kommandeure und investierten ihr Geld in die Aufstellung und Ausrüstung von Einheiten, die sie danach an Kriegsherren der Kaiserlichen verkauften.

Die Kroaten bildeten ebenso wie bei ihrem Dienst in der Militärgrenze Einheiten von etwa 50 Mann.

Viele Einheiten der Kroatischen Reiterei zogen in Gruppen von etwa 200-400 Reitern in den Kampf, was deren militärischer Organisation am besten Entsprach.

Für den Guerilla-Kampf waren diese Truppengrößen ebenfalls am besten geeignet.

Kroatophobie

Die Söldner des dreißigjährigen Kriegs bedeuteten - unabhängig davon für welche Seite sie kämpften - für die Zivilbevölkerung stets große Gefahr. Gewaltsame Übergriffe, Plünderungen von Dörfern und Städten wurden von allen Seiten begangen.

Die Kroaten erlangten jedoch insbesondere im protestantischen Teil der Bevölkerung Europas einen negativen Ruf.

Bei der Einnahme Magdeburgs und Chemnitzs wurden die Kroaten wegen Grausamkeiten bezichtigt. Möglicherweise wurde die Kroatophobie auch von Tilly, Wallenstein und anderen Kaiserlichen Feldherrn gezielt gefördert, um den Gegnern den gröstmöglichen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.

Ethnien der Kroatischen Reiterei

In der leichten Kavallerie aller Konfliktparteien des Dreißigjährigen Krieges dienten Angehörige unterschiedlicher europäischer Ethnien: Polen, Kosaken, Ungarn sowie Angehörige anderer Völker. Kroatische Reiter nannten sich möglicherweise jedoch auch Angehörige anderer ethnischer Gruppen.

Nach der Meinung mancher Historiker ist die große Zahl von etwa 20.000 und mehr Kroatischer Reiter ein Indiz dafür, dass sich auch zahlreiche nicht - Kroaten darunter befunden haben sollen.

Bedeutende Schlachten

In den Reihen der katholischen Liga unter der Führung der Feldherrn Tilly und Wallenstein kämpften Kroatische Reiter in zahlreichen Schlachten.

Zu Ruhm gelangten die Kroaten bei der Eroberung Heidelbergs und Göttingens. Im Norden stießen sie bis zur Insel Rügen und Stralsund vor. In der für die Kaiserlichen verlorenen Schlacht bei Breitenfeld im Jahr 1631 zerschlugen Kroatische Reiter zwei Sächsische Regimenter und überstanden diese verlorene Schlacht ohne größere Verluste. Im Jahr 1632 kam bei der Schlacht bei Lützen der schwedische König Gustav Adolf und die schwedischen Truppen wurden besiegt. In der Schlacht bei Nördlingen erlangten die Kroatischen Reiter unter der Führung von Johann Ludwig Hektor von Isolani Ruhm, weil sie durch ihr geschicktes Manövrieren die feindliche Infanterie zerstörten.

Endphase

In der Endphase des dreißigjährigen Kriegs übernahmen auch Kroatische Adelige wie Petar Zrinski das Kommando über einige Militäreinheiten. Einige Einheiten stellten sich in Dienste des französischen Königs Ludwig XIV. Zrinski versuchte den Erzfeind Wiens um Unterstützung bei der Zrinski-Frankopan-Verschwörung zu gewinnen, wurde jedoch verraten und hingerichtet. Im Dienste des französischen Königs wurde im Jahr 1643 das kroatische Reiterregiment der "Royal Cravates" aufgestellt. Es existierte bis zur Französischen Revolution.

Siegeszug der Krawatte

Bei einer Parade zu Ehren des französischen Königs Ludwig XIV. marschierte auch ein kroatisches Reiterregiment auf. Bestandteil der Uniform der Reiter aus Kroatien war ein Stück Stoff, das am Kragen in Form einer Rosette (oder Schleife) befestigt wurde. Das Wort „Krawatte“ geht auf französisch „cravate“ bzw. „a la croate“ zurück. Dieses wiederum auf das Wort französische „croate“, von deutsch (vor allem Österreich) „Krawåt“ einer mundartlichen Bezeichnung von „Kroate“. Dieser traditionelle Bestandteil der Uniform der Kroaten erweckte bald die Aufmerksamkeit des Königs und des Adels. Der Sonnenkönig machte die „Cravate“ zum Zeichen des Adels und sich selbst damit zum Ahnherren der Krawatte.

Erwähnung der Kroaten in der neueren Deutschen Literatur

In mehreren historischen Romanen, Stadtchroniken und Stadtfesten mit Bezug auf den dreißigjährgen Krieg tauchten immer wieder die Kroatischen Reiter auf

In der sächsischen Schweiz ist der Begriff Krabat eine Sagengestalt.

Siehe auch:Panduren

Weblinks

Quelle:
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