Ein Kruckenkreuz ist ein Kreuz mit Querbalken an den 4 Enden. Der älteste Nachweis findet sich in der jüngeren Steinzeit, dann in China, in der Antike und in lateinamerikanischen Kulturen. Im Mittelalter wurde es als Münzzeichen, Handwerkermarke, in der Kunst, vier Kruckenkreuze über und unter den Querbalken eines großen Kruckenkreuzes als Kreuzfahrerzeichen (Jerusalemkreuz) und als Wappen des Heiligen Grabes verwendet. So findet es sich beispielsweise als Schwertfegermarke auf dem Reichsschwert des Heiligen Römischen Reiches.
Lanz von Liebenfels verwendete es neben der Swastika als Symbol seines "Ordo Novi Templi".
Heute trägt der christliche Studentenverband Wingolf das Kruckenkreuz als Symbol.
Seine erste offizielle Einführung geht auf Bundeskanzler Ignaz Seipel zurück, der für das Große Ehrenzeichen der Ersten Republik Österreich die Kruckenkreuzform wählte. Ab 1922 wurde es auf seine Veranlassung auch auf der Rückseite der österreichischen 2-Groschen- und ab 1931 der 5-Groschen-Münzen geprägt.
Der Rückgriff auf das ehemalige Kreuzfahrersymbol, sollte ein Zeichen im Sinne des politischen Katholizismus der Ersten Republik setzen.
Während des Austrofaschismus wurde es das Symbol der im Jahre 1933 von Engelbert Dollfuß gegründeten Vaterländischen Front. Das Kruckenkreuz hatte bei Aufmärschen und Paraden eine ähnliche Bedeutung wie das Hakenkreuz der Nationalsozialisten in Deutschland. 1935 wurde das Kruckenkreuz der Staatsflagge gleichgestellt, mit Bundesgesetz über die Bundesflagge vom 28. Dezember 1936 wurde bestimmt:
Das Regime des Ständestaates verstand die Verwendung des Kruckenkreuzes, wie in einer staatsbürgerkundlichen Broschüre aus dem Jahre 1936 zum Ausdruck kommt, in folgendem Sinn:
Ähnlich wie im ideologischen Bereich, wo der „Ständestaat“ mit der Propagierung einer Österreich-Ideologie, die Österreich als das „bessere Deutschland" verstand, nicht zu der notwendigen scharfen Abgrenzung gegenüber dem Nationalsozialismus fand, konnte auch sein Symbol, das dem Hakenkreuz allzu sehr ähnelte, nicht die beabsichtigte Abwehrfunktion erfüllen.
Im Science Fiction-Film Equilibrium von Kurt Wimmer aus dem Jahre 2002 ist das Kruckenkreuz Staatssymbol des fiktiven dystopischen Überwachungsstaates Libria. Es ist auch in seine Flagge eingearbeitet, die der Flagge der NSDAP sehr ähnlich sieht (rot mit Kruckenkreuz auf weißem Kreis in der Mitte). Da das Staatssystem und die Regierung von Libria der nationalsozialistischen Regierung des Deutschen Reichs von 1933 bis 1945 ähnelt, kann vermutet werden, dass das Kruckenkreuz eine Art "neues Hakenkreuz" ist.