| Kugelfische | ||||||||||||
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Schwarzflecken-Kugelfisch (Arothron nigropunctatus)
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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Die Familie der Kugelfische (Tetraodontidae) (= Vierzähner) gehört zur Unterordnung der Kugelfischähnlichen (Tetraodontoidei) in die Ordnung Kugelfischverwandte (Tetraodontiformes). Sie besteht aus zwei Unterfamilien, den Rundkopfkugelfischen (Tetraodontinae) und den Spitzkopfkugelfischen (Canthigasterinae). Letztere besteht aus nur einer Gattung, Canthigaster.
Zu den Kugelfischen gehören etwa 150 Arten. Die Größe variiert zwischen 2 Zentimetern beim Zwerg- oder Erbsenkugelfisch (Carinotetraodon travancoricus) und 120 Zentimetern beim Riesenkugelfisch (Arothron stellatus).
Ihr bekanntester Vertreter ist der Fugu, der in Japan eine kulinarische Spezialität darstellt, obwohl viele Körperteile giftig sind. Daher wird Fugu oft auch als Synonym für Kugelfisch gebraucht.
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Die Körperform von Kugelfischen weicht stark von der typischen Fischgestalt ab, er hat eine rundliche, gedrungene Gestalt, Kopf und Augen sind stark ausgebildet. Der schnabelähnliche Beißapparat besteht aus zu Zahnleisten verwachsenen Zähnen, wobei je zwei Zahnleisten oben und unten stehen. Hierauf bezieht sich auch die wissenschaftliche Namensgebung dieser Familie hochentwickelter Knochenfische: Tetraodontidae = Vierzähner. Ihre lederartige, widerstandsfähige Haut ist nackt, die Schuppen sind auf kurze Stacheln reduziert.
Der Antrieb erfolgt überwiegend durch die Brustflossen, Rückenflosse und Afterflosse schwirren nur zur Unterstützung mit. Schwanzstiel und Schwanzflosse dienen als Steuerruder. Dadurch ist der Kugelfisch zwar recht langsam, aber äußerst wendig, er kann sowohl vorwärts als auch rückwärts schwimmen und aufwärts und abwärts steigen.
Kugelfische können sich bei Gefahr aufpumpen, indem eine kräftige Muskulatur ruckweise Wasser aus der Mundhöhle in eine bauchseitige, sackartige Erweiterung des Magens presst. Dies soll auf Angreifer abschreckend wirken. Starke Ringmuskeln am Übergang zum Magen und Mageneingang verhindern das Rückfließen des Wassers. Die Stacheln, die sonst eng am Körper anliegen, stehen nun nach außen und fungieren als eine Art Widerhaken. Dadurch und durch die enorme Volumenvergrößerung ist es einem Raubtier fast unmöglich, den Kugelfisch zu verschlingen.
Kugelfische kommen weltweit in einem Gürtel von ca. 47 Grad nördlicher bis 47 Grad südlicher Breite in tropischen und warmen Meeren vor, zumeist in Salzwasser, Küstengebieten, Korallenbänken oder Seegraswiesen. Manche Arten kommen auch in Süß- und Brackwasser vor.
Bei den Giftstoffen der Kugelfische handelt es sich nach dem heutigen Wissensstand um das Gift Tetrodotoxin (TTX), das sich besonders in Haut, Leber und Eierstöcken des Fisches befindet, aber nicht im Muskelfleisch.
Dieses Nervengift ist eines der stärksten bekannten, nicht proteinartigen Gifte: Die tödliche Dosis beträgt nur etwa 10 µg/kg Körpergewicht. Es wirkt nur auf die Körpernerven, nicht auf das Gehirn - die Opfer werden vollständig gelähmt und können sich weder bewegen noch sprechen, bleiben aber bei Bewusstsein. Sie sterben dann an durch die Lähmung bedingtem Atemstillstand und folgender Erstickung oder an Herzstillstand. Wenn Atmung und Kreislauf schnell genug durch Notfallmaßnahmen in Gang gehalten werden, klingt die Giftwirkung innerhalb etwa 24 Stunden ab, und die Opfer erleiden keinen bleibenden Schaden.
Es wird davon ausgegangen, das die verschiedenen Arten der Kugelfische das Nervengift nicht selbst synthetisieren. Bakterien die der Fisch vermutlich durch die Nahrung (z.B: verschiedene Krebstiere, Würmer und Rotalgen) aufnimmt werden hierfür verantwortlich gemacht. So wurden z.B. Pseudomonas–Bakterien bei der Art Fugu poecilonotus[1] und verschiedene Vibrionen, wie das Bakterium Vibrio aIginolyticus bei Fugu vermicularis ssp. vermicularis gefunden[2]. Diese Bakterien gelten als TTX-Produzenten. Man kann von einer Symbiose zwischen den Fischen und Bakterien ausgehen. Der Fisch ist durch den speziellen Aufbau seiner Nervenzellen gegen das Gift resistent und profitiert durch die ermöglichte Verteidigung und liefert den Bakterien wiederum einen Lebensraum in dem sie sich vermehren können. Die These das Bakterien die Giftbildung verursachen wurde allerdings wieder angezweifelt[3].
Um die Gefahr einer Vergiftung bei dem Verzehr von Fugu zu vermeiden wird z.B. die Art Takifugu rubripes in Gefangenschaft gezüchtet. Es wird ein spezielles Futter verwendet und darauf geachtet das keine TTX-enthaltende Organismen von den Fischen aufgenommen werden. Die gezüchteten Fugu sind dadurch tatsächlich ungiftig[4]. Dies wird als Beweis dafür angesehen, dass der Fisch Tetrodotoxin nicht selber bildet.
Der Schutz durch die Bildung von Tetrodotoxin ist im Tierreich weit verbreitet. Beispielsweise findet man diesen Schutzmechanismus auch bei den Blaugeringelte Kraken und verschiedenen Amphibien, wie dem Rauhäutigen Gelbbauchmolch. Die Art Fugu vermicularis ist hierbei ein wichtiger Modellorganismus zur Erforschung der Tetrodotoxinbildung im Tierreich. Einige weitere durch Tetrodotoxin giftige Arten der Kugelfische: Canthigaster valentini, Lagocephalus lagocephalus, Chelonodon patoca, Tetraodon fahaka sowie viele Arten der Gattung Fugu.
Die Wirkung wie auch die Gefährlichkeit der Kugelfische werden bereits im ältesten chinesischen Kräuterbuch (Pen tsao chin) erwähnt. Die Zahl der Menschen die in Japan in den Jahren 1956 bis 1958 an Fugu-Vergiftungen starben, belief sich auf 420. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen. In Deutschland ist die Zubereitung von Fugu verboten.
Die durchschnittlich fünf Japaner im Jahr, die auch heute noch nach Kontakt mit Fugu-Innereien sterben, sind ausnahmslos Privatleute, die ohne Lizenz mit dem Fisch arbeiteten oder bewusst die gifthaltige Leber als Rauschmittel konsumierten (seit 1983 verboten). Fugu ist auch das einzige Nahrungsmittel, das den Mitgliedern der kaiserlichen Familie nicht aufgetischt werden darf. Eine moderne Legende ist, dass Fugu-Köche, in deren Restaurant Leute vergiftet wurden, Seppuku (rituellen Selbstmord) begingen.
Liebhaber bezeichnen den Fugu als ein besonderes Geschmackserlebnis; vor allem sein Sashimi sei zart und fest, sahnig und würzig zugleich. In Japan wird er traditionell als Statussymbol verspeist – er ist wegen der nötigen Sicherheitsmaßnahmen und der Spezialausbildung der Köche sehr teuer. Sein Fleisch wird in Restaurants angeboten, die sich zumeist auf das Zubereiten von Kugelfischen spezialisiert haben. Nur das ungiftige Filet findet Verwendung. Die Restaurants erkennt man oft an einem getrockneten und aufgeblasenen Kugelfisch am Eingang. Der Fisch wird zumeist roh, als Sashimi in hauchdünne Scheiben zerlegt, verzehrt. Um den Geschmack wahrzunehmen, werden traditionell zwei bis drei Scheiben übereinandergelegt in den Mund gesteckt, oder er wird als Suppe zubereitet. Fugu ist die Spezialität der japanischen Hafenstadt Shimonoseki.
Einige in Japan gegessene Fugu-Arten sind Fugu pardalis, Fugu rubripes rubripes, Fugu vermicularis, Fugu vermicularis prophyreus, Spheroides
Nach deutschem Recht darf ein Fugu nicht zum Verzehr nach Deutschland importiert werden. In den USA haben einige wenige japanische Restaurants das Recht, Fugu zu servieren; dieser darf allerdings nicht vor Ort zubereitet werden, sondern muss fertig filetiert und tiefgefroren aus Japan importiert werden.
Einige Süß- bzw. Brackwasserkugelfische sind recht attraktiv und können als Aquarienfische im Süß- oder Brackwasseraquarium gehalten werden, wo sie außerdem zur biologischen Bekämpfung von Wasserschnecken dienen können. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass irgendwann einmal sämtliche Schnecken verspeist sind. Werden dann keine Schnecken von außen zugeführt, wachsen die Zähne des Fisches, bis er u. U. nicht mehr in der Lage ist, Nahrung zu sich zu nehmen, und infolgedessen verhungert. Es ist somit dringend anzuraten, dass eine Schneckenzucht angelegt wird. Einige Arten attackieren zudem auch andere Fische und sind sogar innerartlich aggressiv, so dass in jedem Fall genau geprüft werden muss, ob eine Haltung im jeweiligen Gesellschaftsbecken problemlos möglich ist. Als relativ unproblematisch gelten beispielsweise der in Südostasien beheimatete Palembang-Kugelfisch (Tetraodon biocellatus), der Zwerg-Kugelfisch (Carinotetraodon travancoricus) und der Assel-Kugelfisch (Colomesus alellus), die allerdings auch, z. B. im Gerangel um Futter, mal nach den Flossen anderer Fische schnappen können. Generell sollten Kugelfische aber, wenn möglich, in Artbecken oder Einzelhaltung gehalten werden.
Falls doch mal ein Kugelfisch eingehen sollte, ist es ratsam, den toten Fisch so schnell wie möglich aus dem Aquarium zu entfernen, da dieser ein sehr starkes Gift absondert. Dieses Gift führt innerhalb von ein bis zwei Stunden (abhängig von der Größe des Aquariums) sehr schnell zu Lähmungen oder zum Tod der anderen Aquarienbewohner.
Die Art Fugu rubripes wird in einigen biologischen Laboren als Forschungsobjekt genutzt. Die Sequenzierung seines Genoms wurde 2002 abgeschlossen. Es hat eine Größe von 365 Megabasen und ist damit das kleinste bekannte Genom eines Wirbeltiers.
Das OpenBSD-Projekt hat einen Kugelfisch als Maskottchen gewählt: Puffy.
Die Koalitionsvereinbarung zur Bildung der ersten roten-grünen Landesregierung in Hessen 1985 sah den Beitritt des Landes zum Shanghaier Kugelfisch-Abkommen vor - eine internationale Übereinkunft, die von den Grünen frei erfunden worden war.
Im Film und Fernsehen wird der Kugelfisch gerne dargestellt, nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland, nicht zuletzt wegen seiner Aufblasfähigkeit:
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