Die Kulturethologie ist ein Fachgebiet der Humanethologie und befasst sich mit den biologischen Grundlagen kultureller Entwicklungen. Die Kulturethologie versteht die Kulturfähigkeit des Menschen, genauso wie all seine anderen Merkmale als eine Anpassung an seine Umwelt. Die Vorväter der Kulturethologie waren der Wiener Emanuel Herrmann, der eine Arbeit über die Naturgeschichte der Kleidung verfasst hat und Bernhard Rensch der in seiner Arbeit "Homo sapiens" in einem gesonderten Abschnitt die "Gesetzlichkeiten der Kulturentwicklung" dargestellt. Der Begriff Kulturethologie wurde schließlich von Otto Koenig geprägt und 1970 in dem Buch "Kultur und Verhaltensforschung" veröffentlicht.
Der Ausgangspunkt kulturethologischer Überlegungen waren zahlreiche Beobachtungen der Ähnlichkeit zwischen kulturellen und biologisch-evolutionären Entwicklungen. So wurden in der Entwicklung von Kleidungsstücken, Uniformen, Eisenbahnwaggons und der Verwendung der Augenmotivs Verlaufsformen gefunden die biologischen Verlaufsformen ähneln. Während diese Argumentation lediglich auf eine Analogie der Verlaufsformen hinweist, kann auch ein kausaler Zusammenhang zwischen kulturellen und biologischen Verlaufsformen diskutiert werden. So ist die Kultur ein Produkt des Geistes, der seinerseits der Aktivität des Nervensystems und des Hormonsystems entspringt. Diese Organsysteme sind allerdings in der Evolution als Anpassung an die Umwelt entstanden. Dies würde auch den Anpassungswert kultureller Merkmale nahelegen.
Mit dem Anpassungswert kultureller Errungenschaften beschäftigt sich auch die Soziobiologie, die damit in einem gewissen Naheverhältnis zur Kulturethologie steht. Im englischsprachigen Raum befassen sich erst in den letzten Jahren die Evolutionäre Psychologie und die Memetik mit den Ähnlichkeiten zwischen kulturellen und biologischen Entwicklungen. Eine Synthese zwischen deutschsprachiger und englischsprachiger Literatur ist noch ausständig.