Kurden

Kurden
Bevölkerungsverteilung
Gesamt       32 - 42.5 Millionen [1]
Türkei       20-25 Millionen[2]
Iran       4,8 - 6,6 Millionen[3][4]
Irak       4 - 5,3 Millionen[5]
Syrien       1,6 - 2 Millionen[6]
Asien/Kaukasien
GUS       1,1 Millionen[7]
Afghanistan       200,000[7]
Israel       100,000[8]
Libanon       80,000[7]
Europa
Deutschland       0,5 - 0,6 Millionen[7]
Frankreich       120,000[9]
Schweden       100,000[9]
Niederlande       70,000[9]
Schweiz       60,000[9]
Österreich       25,000 bis 80,000[9]
Vereinigtes Königreich       50,000[7][9]
Griechenland       20,000 bis 25,000[9]
Amerika
Vereinigte Staaten       15,000 bis 20,000[7]
Kanada       6,000[7]
Kurdische Sprachen
Religion
 Islam
 Religiöse Minderheiten
 Yezidentum
 Judentum
 Christentum
Ethnische Gruppe
 Iranische Völker

Die Kurden sind ein Volk im Nahen Osten, vor allem in Mesopotamien und in Anatolien. Sie sprechen eine indogermanische Sprache aus der iranischen Gruppe und gehören zu den iranischen Völkern. Damit unterscheiden sie sich sprachlich von ihren unmittelbaren Nachbarn - Türken und Arabern - sind aber verwandt mit Persern und anderen iranisch-sprachigen Völkern der Region. Die sprachlich nächsten Verwandten der Kurden sind die Belutschen in Pakistan und Afghanistan. Auch die heutige Kultur und Mythologie der Kurden ist in den iranischen und zoroastrischen Traditionen verwurzelt.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft der Kurden

Die Frühgeschichte des kurdischen Volkes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Sie beginnt nach grober Schätzung am Ende des zweiten Jahrtausends v. Chr. mit der Einwanderung indogermanischer Arier in den Iran[10].

Über die Abstammung (Ethnogenese) der Kurden gibt es verschiedene Thesen, wobei zu beachten ist, dass über diesen langen Zeitraum Völkervermischungen stattgefunden haben. Jedoch ist keine ausreichend bewiesen.

1. Sie seien Nachfahren der Hurriter, die (um 2000 v. Chr.) das Mitanni-Reich gründeten und auch Churri genannt wurden, wovon sich der Name Kurde ableite. Das Siedlungsgebiet der Hurriter stimmt fast exakt mit den heutigen Siedlungsgebieten der Kurden überein. Die Hurriter sprachen allerdings keine indogermanische Sprache.

2. Abstammung von den Medern (Kurmandsch hergeleitet von Kur/Kurd und Mandsch für "Meder"). Viele Kurden sehen sich heute als Nachfahren der Meder. Dies hat sich auch dadurch verstärkt, dass das altmedische Wort Kur/Kurd "stark" bedeutet. Man findet diese Form im sogenannten Kurmanji, einem kurdischen Dialekt, wobei die medische Übersetzung "Starker Meder" wäre. Prof. Syies: Meder sind kurdische Stämme, die mit dem assyrischen Land benachbart sind. Diese sind von der Sprache her indoeuropäisch und von der Herkunft her Arier. Ebenso schrieben weitere Forscher, wie Prof. V. Minorsky, W.C.F. Wilson, der irakischer Prof. Taha Baqr, Theodor Nöldeke, der legendäre kurdische Führer Nuri Dersimi, C.S.A. Edmonds, der armenischer Historiker Masay Xorinsky, Mehrdad Izady, dass Kurden die Nachfahren der Meder seien und die Wurzeln der kurdischen Sprache in der medischen Kultur gesucht werden sollten.

3. Abstammung von den Skythen. Xenophon berichtet in der Anabasis (III,5,15) von einem Stamm der Karduchen. Allerdings bezweifeln die meisten Historiker und Archäologen, dass größere Teile der Skythen in dem späteren kurdischen Volk aufgegangen sind, denn die Heimat der Skythen war Kasachstan, Südrussland und die Ukraine.

Es gibt bis heute keine genaue geographische Definition von Kurdistan. Die Staaten, zu deren Territorien die kurdischen Gebiete gehören, versuchen mit allen Mitteln, eine solche Abgrenzung und Begriffsbildung erst gar nicht entstehen zu lassen. In der Sprache der Perser bedeutete der Name Kurdistan „Land der Kurden“. Damit wurde eine Provinz des persischen Reiches bezeichnet, in der die türkischstämmigen Seldschuken herrschten. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert übten sie die Macht über weite Teile des Vorderen Orients aus. Im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts entstand bei einer Verwaltungsreform eine Provinz mit dem Namen Kurdistan, die jedoch bald wieder aufgelöst wurde.

Siedlungsgebiet

Das traditionelle historische Siedlungsgebiet der Kurden trägt den Namen Kurdistan. Daneben gibt es noch andere größere Gebiete innerhalb der Staaten, die schon länger von Kurden bewohnt werden. In der Türkei ist es das Gebiet bei Ankara und Konya, in dem sich seit Generationen verstreute kurdische Siedlungen befinden. Die meisten Kurden wurden nach Aufständen hierhin vertrieben. Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder Infrastruktur und Versorgung sowie den Aktivitäten der PKK in den kurdischen Gebieten siedelten viele Kurden nach Mersin, Adana, Istanbul und in die südostanatolischen Städte um, so dass diese Städte größere kurdische Gemeinden haben.

Im Iran leben etwa 3-3,5 Mio. Kurden in den westlichen Provinzen. Aber auch in Chorasan gibt es kleinere kurdische Gemeinden. Im Jahre 1388 kamen nach Vertreibungen durch Tamerlan viele Kurden hierher. 1587 und 1628 fanden Umsiedelungen durch den Safawiden Schah Abbas I. statt. Durch ein Abkommen zwischen Osmanen und Safawiden wurden 1590 etwa 10.000 alevitische Kurden aus dem Osmanischen Reich hierhin umgesiedelt. Die meisten Kurden aus Chorassan sind Schiiten.

Geschichte

Frühgeschichte/Altertum

Die blühendste Periode, nach kurdischer Sicht, war im 7. Jahrhundert v. Chr. im Meder-Reich.

Mittelalter

Eine Statue von Saladin in Damaskus.
Eine Statue von Saladin in Damaskus.

Im 7. Jahrhundert n. Chr. erobern die Armeen des Kalifen Umar ibn al-Chattab die kurdischen Gebiete, so dass die Kurden zum Islam zwangsbekehrt worden sind. Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert unter islamischer Herrschaft gründeten Kurden mehrere Dynastien, wie die der Marwaniden, der Rawendiden, der Hasanwayhiden, der Schaddadiden und der Ayyubiden. Die Marwaniden lebten im nördlichen und westlichen Kurdistan mit Wintersitz in Diyarbakir und Sommerresidenz in Farqin (Silvan), die Rawendiden in Aserbaidschan, das in der Zeit überwiegend kurdisch besiedelt war, mit der Hauptstadt Täbriz, die Hasanwayhiden im Osten Kurdistans, also nordöstlich von Kermanshah und die Schaddadiden außerhalb Kurdistans in Transkaukasien, auf dem Gebiet des heutigen Armeniens und Aserbaidschans. In den Jahren von 1750 bis 1789 herrschte sogar der Kurde Karim Khan Zand über den ganzen Iran. Diese Zand-Dynastie endete aber schon 1794.

Im 12. Jahrhundert gründete Saladin, der zu Rawendis Zweig des Hadabani-Stammes gehörte, die Ayyubiden-Dynastie von Syrien. Dieses Reich erstreckte sich über Teile von Ost- und Westkurdistan, Ägypten und dem Jemen. Das Ayyubidische Reich war aber keinesfalls ein Kurdisches Reich, viele seiner Bewohner waren Araber und andere Völker. Es war ein islamisches Reich, denn die Bewohner bezeichneten sich als Muslime und nicht als Araber oder Kurden.

Einen großen Wendepunkt in der kurdischen Geschichte stellt die Schlacht von 1514 bei Caldiran (in der Provinz Van) zwischen Osmanen und Safawiden dar, bei der sich die mehrheitlich sunnitischen Kurden mit den Osmanen verbündeten. Die Osmanen sicherten sich die Unterstützung der kurdischen Lokalfürsten, indem sie ihnen die Umwandlung ihrer Besitztümer in erbliche Fürstentümer anboten. Diese kurdischen Herrschaften (Kürt Hükümetleri) mussten keinen Tribut zahlen und keine Soldaten für die osmanische Zentralregierung stellen. Daneben gab es noch die kurdischen Sandschak, deren Gouverneure per Erbe bestimmt wurden, aber trotzdem wie alle Sandschaks Steuern zahlten und Soldaten bereitstellten. Im Osmanischen Reich war das nicht üblich. Normalerweise wurden Ländereien nur auf Lebenszeit an kriegsverdiente Soldaten verteilt (Timar-System).

Schah Ismail I. unterliegt Sultan Selim I.. Danach kommt fast ganz Ostanatolien unter osmanische Herrschaft. Auf seinem Zug in die Osttürkei bringt der Sultan bei Sivas an die 40.000 Aleviten um, welche türkische und kurdische Gruppen umfassen, um Kollaboration mit den Safawiden zu unterbinden. 1596 verfasst Şerefhan, Fürst von Bitlis und Sohn von Idris Bitlisi, das Geschichtswerk Şerefname (Prachtschrift) mit dem ersten vollständigen Überblick über die kurdische Geschichte. Darin wird von den Geschehnissen in den kurdischen Fürstentümern bis zum Ende des 16. Jahrhunderts erzählt.

Bedeutende kurdische Fürstentümer im osmanischen Reich waren die Baban mit Sitz in Silemani, das Soran-Fürstentum, die Azizan in Hakkari, Badinan mit Sitz in Amediye und das Fürstentum von Bitlis. Im persischen Reich war das bedeutendste das der Ardalan.

20. Jahrhundert

Türkei

Kaffee shop in Diyarbakır, 1909.
Kaffee shop in Diyarbakır, 1909.

Bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs wurde das kurdische Bewusstsein einerseits durch die Stammeszugehörigkeit geprägt, andererseits durch den sunnitischen Islam. Unter dem Einfluss europäischer Ideen entwickelten sie dann ein eigenes Nationalgefühl. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches gegen die Alliierten wurde den Kurden im Vertrags von Sèvres eine autonome Region in Aussicht gestellt.

Gegen die Bestimmungen und territorialen Verluste auf dem Gebiet der heutigen Türkei kam Widerstand auf. Im türkischen Unabhängigkeits- und Befreiungskrieg kämpften die Kurden an der Seite der Türken gegen die Besatzungsmächte. Nach dem Sieg konnte die Türkei am 24. Juli 1923 im Vertrag von Lausanne die Bestimmungen aus dem Vertrags von Sèvres revidieren. Dadurch verloren die Kurden unter anderem ihren Status als Minderheit.

In der Türkei war der Gebrauch der kurdischen Sprache bis vor einigen Jahren verboten. Nach dem Beginn des bewaffneten Kampfes der PKK 1984 gegen den Staat, verschärfte sich die Situation der Kurden im Südosten der Türkei. Über ein Jahrzehnt galt in den betroffenen Provinzen der Ausnahmezustand. Der Krieg dauerte bis 1999, als Abdullah Öcalan verhaftet wurde. In dem gesamten Zeitraum wurden mehr als 35.000 Menschen, der größte Teil kurdische Zivilisten, getötet. Im Zuge der Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union wurden die Rechte der Minderheiten in der Türkei verbessert. Allerdings wird die kurdische Identität offiziell nur als eine Unterkategorie der türkischen Kultur angesehen. Derzeit wächst der kurdische Bevölkerungsteil schneller als der Rest der türkischen Gesellschaft. Voraussichtlich wird deshalb der Anteil der Kurden an der Gesamtbevölkerung in der Türkei in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen.

Siehe auch: Kurdenkonflikt in der Türkei

Iran

In den dreißiger Jahren gab es immer wieder Aufstände, die durch Simko Aga angeführt wurden. Simko Aga wurde gefangen genommen und hingerichtet. Am 22. Januar 1946 wurde die Republik Mahabad gegründet. Bis zur islamischen Revolution herrschte Friedhofsruhe in den kurdischen Gebieten. Allerdings überwarfen sich die Kurden mit Chomeini, der ihnen keine Autonomie geben wollte. Daraufhin begann die Armee den Dschihad gegen die Kurden, die mit Bombardierungen der Städte und Dörfer vielen Zivilisten das Leben kostete. Im Juli 2005 brach nach der Tötung des Kurden Schuaneh Ghaderi in der Stadt Mahabad ein Aufstand gegen die iranische Regierung aus. Der Aufstand breitete sich auf etwa zehn kurdische Städte aus. Bislang kamen dabei etwa 20 Menschen ums Leben. Die iranische Regierung bezeichntete die Aufständischen als Hooligans und verlegte 100.000 Soldaten in die kurdischen Gebiete.

Irak

Zu einer begrenzten Selbstverwaltung und Beteiligung an der Regierung kam es im Irak 1970 bis 1974. Nach dem zweiten Golfkrieg 1991 verfügte die UNO im Irak eine Schutzzone nördlich des 36. Breitengrades. Im dritten Golfkrieg 2003 beteiligten sich kurdische Kräfte auf Seiten der USA an der Eroberung nordirakischer Städte. Seitdem genießen die irakischen Kurden einen besonderen Status als Verbündete der USA. Das Ziel der irakischen Kurden, mehr Autonomie und Einfluss zu bekommen, wird vor allem von der Türkei missbilligt, da man einen entsprechenden Einfluss auf die Kurden in der Türkei befürchtet.

Politische Autonomie genießen seit mehr als einem Jahrzehnt weltweit allein die irakischen Kurden. Auch die neue irakische Verfassung gewährt den Kurden im Norden des Landes umfangreiche Selbstbestimmungsrechte.

Trotz Proteste seitens der Türkei konnten die Kurden im Irak ihren Einfluss ausweiten und erreichten bei der Wahl am 30. Januar 2005 75 Sitze im Parlament und stellen mit Celal Talabani den ersten kurdischen Staatspräsidenten. Über die Angliederung von Gebieten an die kurdische autonome Region wird zäh verhandelt. Dabei ist Kerkuk der brisanteste Aspekt. Dort konnte eine Allianz der kurdischen Parteien die Mehrheit der Sitze im Stadtrat erringen. Die Wahlen in Kerkuk wurden von den meisten Turkmenen und Arabern boykottiert, da die Kurden angeblich viel mehr Rückkehrer in die Stadt ließen, als Saddam Hussein damals vertrieben haben soll.

Syrien

Die Grenze zwischen Syrien und der Türkei wurde durch den Verlauf der Bagdadbahnlinie festgelegt. Dadurch gibt es in Syrien drei kurdische Enklaven, nämlich Cizire, Kurd-Dag und Ain-el-Arab. Diese Enklaven sind Hunderte Kilometer voneinander getrennt, was die Kommunikation unter den Kurden erschwert. Nach der Gründung Syriens unter französischem Protektorat konnten die Kurden ein Radio betreiben und Zeitschriften wie Hewar (Hilferuf) veröffentlichen. Viele wichtige Kurden sind von der Türkei nach Syrien geflohen, wo sie ihre politischen Arbeiten fortsetzen. So hatte Xoybun ihren Sitz jahrelang in Damaskus. Nachdem Syrien 1945 ein souveräner Staat wurde, wurden die Rechte der Kurden schrittweise beschnitten. Schließlich wurden Kurden aus dem öffentlichen Dienst ausgeschlossen, verhaftet und die kurdischen Ortsnamen verändert. Nach dem ersten Krieg gegen Israel putschten die Offiziere und es folgten Jahre sozialer Unruhen. Am 23. August 1962 wurde in den kurdischen Gebieten eine außerordentliche Volkszählung durchgeführt. Dabei wurden 120.000 Kurden als Flüchtlinge deklariert und ihrer syrischen Staatsbürgerrechte beraubt. Heute haben immer noch 200.000 Kurden ihren Pass nicht zurück. Syrien begann vor kurzem diese Ausbürgerung teilweise rückgängig zu machen. Im März 1963 übernahm die Baath-Partei die Herrschaft und 1971 wurde Hafiz al-Assad Präsident. Er blieb es bis zu seinem Tod am 10. Juni 2000. Assad stoppte zwar die Diskriminierungen gegen die Kurden, aber unternahm nichts, um ihre Rechte wieder herzustellen Die rechtliche Lage der Kurden hat sich kaum gebessert. Assad gewährte der PKK nach dem Militärputsch in der Türkei von 1980 Zuflucht. In der Bekaa-Ebene im Libanon konnte die PKK ihre Leute ausbilden und bewaffnen. Der Sturz von Saddam Hussein und der Baath-Regierung mit Hilfe der Kurden im Irak polarisierte auch Syrien. Die Baath-Regierung unter Baschar al-Assad nutzte ein Fußballspiel als Provokation und Gelegenheit, um hunderte Kurden zu verhaften und die Parteien der Kurden zu verbieten.

Rotes Kurdistan

In der ehemaligen UdSSR gab es in dem Zeitraum von 1923-1929 eine autonome kurdische Region, die Kurdistana Sor (Rotes Kurdistan) genannt wurde. Die Region wurde am 23. Mai 1923 ausgerufen. Sie lag im heutigen Aserbaidschan und ihre Hauptstadt war Laçın. Andere Städte waren Kelbecar, Kubatliski und Cebrail. Der erste Ministerpräsident war Gussi Gaciyev. Die Region lag ziemlich genau im heutigen Korridor zwischen Armenien und der Exklave Berg-Karabach. Unter Stalin wurde diese Region aufgelöst. Ein Versuch, sie 1991 wieder zu gründen, scheiterte am Zerfall der UdSSR. Der Krieg 1994 zwischen Armenien und Aserbaidschan vertrieb die meisten Kurden aus diesem Gebiet.

Libanon

Ismet Şerif Wanli schrieb, dass im Libanon seit Jahrhunderten Kurden gelebt haben und nennt vier kurdische Asirets, nämlich die Clan Banu Sayfa nördlich von Tripoli und der Festung Krac, die Ras Nahasch, die seit dem 16. Jahrhundert bei Tripoli leben, die Amadischen Scheichs, die aus Amadiya im 17. Jahrhundert in den Libanon kamen und die Can Polad, die ursprünglich aus Hakkari kamen. Heute heißen sie Djumblatt. Der Führer der drusischen Gemeinschaft und der Progressiven Sozialistischen Partei Walid Djumblatt ist Kurde. 1925 kamen viele Flüchtlinge nach dem Scheich-Said-Aufstand ins Land. Die Organisation Xoybun wurde in Beirut gegründet. Heute sollen etwa 100.000 Kurden im Libanon leben.

Politik

Bislang sind die Bemühungen um eine staatliche Souveränität auch daran gescheitert, dass die Kurden untereinander zerrissen sind. In einer feudalen Gesellschaft galt nämlich, dass das Recht des Herrn oder geistlichen Oberhauptes vor dem Recht des Volkes steht. Es fehlte das nationale Gefühl. Aber in den letzten hundert Jahren kam auch der Nationalismus nach Kurdistan, so dass die Kurden immer mehr zusammen rückten. Das machte sich auch dadurch bemerkbar, dass die Kurden vermehrt Parteien bildeten, die sich europäische Parteien zum Vorbild nahmen. In den frühen 20er Jahren wurde im Libanon die Organisation Xoybun gegründet, die unter anderem den Ararat-Aufstand anführte. Die bekanntesten Parteien sind Kongra-Gel (ehemals PKK und KADEK), die Komala, die PDK, die PSK, die Ansar al-Islam und die PUK. In Syrien sind bekannte kurdische Parteien die Al Party, die kurdische Volksunion (Hevgirtin Gel) und die Yekiti (Partei der Einheit).

Siehe auch: Kurdische Organisationen

Die größten Aufstände im 20. Jahrhundert

Religion

Bei den Kurden sind verschiedene Bekenntnisse vertreten. Die Mehrheit (ca. 80 – 90 %) der Bevölkerung sind sunnitische Muslime überwiegend schafiitischer Richtung. Hanafiten gibt es vor allem in der Türkei. Im Nordirak sind die Hanbaliten eine weit verbreitete Rechtschule des Islam. Die etwa 3 – 5 % kurdischen Schiiten leben ganz im Süden des kurdischen Verbreitungsgebiets im Irak nahe der iranischen Grenze. Daneben gibt es Aleviten und Schabbak, die aber früher ihre vom sunnitischen Islam abweichenden religiösen Überzeugungen nicht in die Öffentlichkeit getragen haben und deshalb als Muslime galten und oft noch gelten. Des Weiteren gibt es Jesiden und im Iran auch Ahl-e Haqq. Die nicht allzu zahlreichen kurdischen Jesiden der Türkei sind heute fast vollständig ausgewandert und leben zum größten Teil in Nordwestdeutschland. Damit gehören praktisch alle Kurden der Türkei Religionsgemeinschaften an, die man zum Islam zählen kann.

Manche eigenen religiösen Traditionen gehen auf bestimmte Auslegungen des Korans bzw. Islams zurück (z. B. Sufi, oder die Bajwan aus der Schia). Die Kurden gehörten früher mehrheitlich dem zarathustrischen Glauben an, bevor sie zum Islam zwangskonvertiert wurden.

Kultur

Es gibt eine reiche Volksliteratur in kurdischer Sprache. Zu erwähnen wäre das Nationalepos Mem û Zîn, das 1695 von dem Dichter Ehmedê Xanî geschrieben worden ist. Der aus Mardin stammende Dichter Cigerxwin (Sexmus Hasan), der von 1903 bis 1984 lebte, schrieb für Zeitschriften wie Hewar (dt:Hilferuf). Er studierte ausführlich den Marxismus-Leninismus und hinterließ acht Gedichtsammlungen. 1935 wurde der erster Roman der Neuzeit in kurdischer Sprache, Schivane Kurd (dt:Der kurdische Hirte), von Ereb Schemo verfasst. Zeitgenössische Schriftsteller sind Helîm Yûsiv, Haydar Isik, Mehmet Uzun, Mahmut Baksi, Suzan Samanci, Yusuf Yesilöz, Sükrü Gülmüs, Rohat Alakom, Taha Hamid, Muhammed Hamo, Salim Barakat und Nezir Bulut. Ziya Gökalp ist einer der berühmtesten Intellektuellen und Publizisten der Türkei. Er war Mitgründer des sogenannten Türk Ocağı (Türkischer Heimatverein), der als Treff der anatolischen Intellektuellen und als "Wissensbörse" diente. Er veröffentlichte die Zeitung Yeni Mecmua, in der er den Turanismus unterstützte. Heutzutage ist Ziya Gökalp unter vielen Kurden ein Tabu-Thema, da er als Kurde ein Unterstützer des türkischen Nationalismus war. Der berühmte Satz stammt ebenfalls von Ziya Gökalp "Kurden und Türken sind wie das Fleisch und der Fingernagel mit einander verwachsen, man kann sie nicht trennen."

Außerdem schrieb Hilmi Abbas in deutscher Sprache einige der bisher nur mündlich überlieferten altkurdischen Legenden nieder. Das Buch erschien im Jahre 2003 in München unter dem Titel "Das ungeschriebenen Buch der Kurden". Es stellt die Schöpfungsgeschichte aus jesidischer Sicht dar und die mythische Wanderung des kurdischen Volkes von Osten in den Westen in das heutige Siedlungsgebiet.

Am 21. März wird das iranische Neujahrsfest Newroz gefeiert. Das Newrozfest wurde in der Türkei in den letzten Jahren vom Staat übernommen. Damit wollte man der PKK und den Kurden die Möglichkeit entziehen, das Fest zu kurdisieren. Es ist anzumerken, dass das Newrozfest traditionell von den Turkvölkern Zentralasiens gefeiert wird, aber nicht von den Türkei-Türken. Bei den letzten Feiern sah man immer wieder, dass das Fest in den kurdischen Gebieten mit sehr großer Beteiligung gefeiert wurde, jedoch nicht so in den türkischen Gebieten.

Siehe auch: Eşiret, Kurdische Musik, Kurdische Namen, Berühmte Kurden

Ereignisse in Deutschland

  • Am 17. September 1992 werden die vier Mitglieder der Demokratischen Partei Kurdistans Dr. Sadegh Sharafkandi, Fattah Abdoli, Homayoun Ardalan und Nouri Dehkordi bei einem Attentat im Berliner Restaurant Mykonos (Charlottenburg-Wilmersdorf) von Geheimdienstangehörigen des Iran erschossen.
  • Am 17. Februar 1999 stürmen etwa 50 Kurden und Kurdinnen das israelische Generalkonsulat in Berlin-Schmargendorf, weil sie vermuten, dass der israelische Geheimdienst Mossad bei der Verhaftung des PKK-Führers Abdullah Öcalan mitgewirkt hat. Dabei werden vier Personen von Sicherheitsbeamten erschossen.
  • Jedes Jahr findet ein Kultur-Festival in Deutschland (meist in NRW) statt, welches von bis zu 150.000 Kurden aus ganz Europa besucht wird.

Quellen

  1. Basierend auf den genannten Einzelschätzungen.
  2. cia.gov
  3. [1]
  4. lexicorient.com
  5. cia.gov
  6. cia.gov
  7. a b c d e f g institutkurde.org
  8. slis.indiana.edu
  9. a b c d e f g assembly.coe.int
  10. „Die iranische Hochebene war seit alters her ein wichtiger Schnittpunkt zwischen dem Vorderen Orient und Zentralasien bzw. dem indischen Subkontinent sowie Schauplatz von Wanderungsbewegungen von Völkern, die aus dem Osten kamen. Vermutlich sind die Vorfahren der Kurden um die Wende vom zweiten zum ersten Jahrtausend v. Chr. im Zuge von Einwanderungswellen indogermanischer Arier nach West-Iran gekommen und haben sich mit der ansässigen Bevölkerung vermischt. Diese Region war Teil der altorientalischen Reiche der Sumerer, Assyrer und Urartäer.“ (Strohmeier und Yalin-Heckmann)

Literatur

  • Celalettin Kartal: Der Rechtsstatus der Kurden im Osmanischen Reich und in der modernen Türkei. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2002, ISBN 3-8300-0599-7
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Das zwanzigste Jahrhundert. Weltprobleme zwischen den Machtblöcken (Fischer Weltgeschichte; Bd 36). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-8289-0400-9
  • Türkei (Informationen zur politischen Bildung; Heft 277). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 4. Quartal 2002, ISSN 0046-9408
  • Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam. Primus-Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-194-4
  • Klaus Kreiser, Rotraud Wielandt (Hrsg.): Lexikon der Islamischen Welt. Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-011770-X (3 Bde.)
  • Karin Kren: Kurdologie, Kurdistan und Kurden in der deutschsprachigen Literatur. Kommentierte Bibliographie. LIT-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4642-3
  • Martin Strohmeier, Lale Yalçin-Heckmann: Die Kurden. Geschichte, Politik, Kultur. Beck Verlag, München 2003, ISBN 3-406-42129-6
  • Hilmi Abbas: Das ungeschriebene Buch der Kurden. Mythen und Legenden. Hugendubel, Kreuzlingen 2003. ISBN 3-7205-2387-X
  • Albrecht Metzger: Zum Beispiel Kurden. Lamuv Verlag, Göttingen 1996, ISBN 3-8897-7463-6
  • Bülent Imrek: Zur Situation der kurdischen Stämme im Osmanischen Reich. J.W.G. Universität Frankfurt a. M. 2001. ISBN
  • Hans Hauser: Die Kurden, Stiefsöhne Allahs. Herbig Verlag (Mai 1983), Ullstein Tb (1990) ISBN 3-7766-1003-4
  • Günther Deschner: Die Kurden - Volk ohne Staat. Herbig (Juli 2003) ISBN 3-7766-2358-6
  • Siegwart-Horst Günther: Die Kurden Wilhelm Braumüller Verlag (Mai 2001) ISBN 3-7003-1351-9
  • Günter Max Behrendt: Nationalismus in Kurdistan. Hamburg (Dt.Orient-Institut) 1993. ISBN 3891-7302-92 Inhaltsverzeichnis mit Einzelkapiteln zum Download
  • Martin van Bruinessen: Agha, Scheich und Staat. Politik und Gesellschaft Kurdistans. Edition Parabolis, Berlin 2003, ISBN 3-933279-16-X

Die folgenden Werke sind für eine wissenschaftliche Betrachtung des Themas "Kurden" unentbehrlich:

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