Lainzer Tiergarten

Der Lainzer Tiergarten
Der Lainzer Tiergarten

Der Lainzer Tiergarten ist ein öffentlich zugängliches Naturschutzgebiet in Wien. Er ist kein Tiergarten im klassischen Sinn, sondern ein weitläufiges Waldgebiet mit reichem Wildbestand.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Naturschutzgebiet erstreckt sich in Hietzing, dem 13. Wiener Bezirk, im nördlichen Teil des Wienerwaldes, zwischen Wienfluss- und Liesingbachtal. Der Großteil des Areals liegt in der westlichen Hälfte des 13. Bezirks, ein kleiner Teil befindet sich in Niederösterreich bei Laab im Walde.

Größe

Die Gesamtfläche des Lainzer Tiergartens beträgt 2.450 Hektar. Davon sind 1.945 Hektar reine Waldfläche.

Mauer und Tore

Das Lainzer Tor
Das Lainzer Tor

Die Umfassungsmauer umgibt den gesamten Lainzer Tiergarten; sie ist zirka 22 Kilometer lang. Eintritt in den Tiergarten ist nur durch zu unterschiedlichen Zeiten geöffnete Tore möglich (im Uhrzeigersinn):

  • Lainzer Tor
  • Gütenbachtor
  • Laaber Tor
  • Pulverstampftor
  • Nikolaitor
  • Sankt Veiter Tor

Tierbestand

Der Lainzer Tiergarten zeichnete sich von jeher durch Wildreichtum aus (in der Nachkriegszeit stark dezimiert). Hirsche, Damwild, Rehe, Mufflons (gehörnte Wildschafe) und vor allem auch Wildschweine gehören zu den vielen dort heimischen Tierarten. Eine große Vielfalt an Fledermäusen wurden nachgewiesen.

Naturschutzgebiet

Der ganze Lainzer Tiergarten ist ein Naturschutzgebiet. Der Park beherbergt einige der ältesten Buchen und Eichen im Wienerwald. Stammumfänge von bis zu vier Meter sind zu finden. Die meisten dieser alten Bäume findet man am Johannser Kogel.

Aufgrund des hohen Wildbestands im Park findet man sehr viele Viehlägerbiotope, welche sonst sehr selten sind.

Im Bereich zwischen Lainzer Tor und Hermesvilla befinden sich Wildgatter und ein Arboretum, in dem viele der heimischen Holzgewächse gezeigt werden.

Geschichte

Historische Nutzung und Nutzungskonflikte bis 1918

Die ersten Besiedlungen auf dem Areal des Lainzer Tiergarten gehen auf die Römerzeit und zurück. Im Zuge von archäologischen Ausgrabungen wurden Keramikbruchstücke, die auf das 2. Jahrhundert n. Chr. datiert wurden, gefunden. Weitere Funde wurden dem späten 11. bis 13. Jahrhundert zugeordnet. Der Wienerwald wurde schon im 11. Jahrhundert von den Babenbergern als Jagdgebiet genutzt. Zurzeit Kaiser Karl VI., beschreibt eine zeitgenössische Publikation den Tiergarten als „vornehmsten Wildpark Europas“. Das Jagdgebiet im Wienerwald wies schon zu jener Zeit (18. Jahrhundert) eine gemessen an der natürlichen Population überdurchschnittlich hohe Wilddichte, auf. Die durch die unmittelbare räumliche Nähe zu dicht besiedeltem Gebiet auftretenden Probleme des Verbisses, Wildwechsels und Nahrungssuche auf Äckern und Wiesen führten zu massiven Flurschäden auf den Agrarflächen der Umgebung. Zudem waren auch der Schutz der Weingärten und die Trennung der Interessenssphären der Jagd und der Agrar- und Weinwirtschaft ein Anliegen. Dies führte zur erstmaligen Einzäunung eines etwa 20 km umfassenden Gebietes an Rande des Wienerwaldes. Erste Datierungen diverser baulicher Maßnahmen zur Umzäunung gehen dabei möglicherweise schon bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Kaiser Ferdinand I. ließ 1561 um das Gebiet einen Holzzaun bauen und ernannte es zum kaiserlichen Jagdrevier. 1781 wurde der Holzzaun durch eine 24,2 km lange Steinmauer ersetzt. Mit deren Errichtung wurde der Baumeister Philipp Schlucker beauftragt, der sich jedoch bei der Kalkulation der Baukosten schwer verrechnet hatte und so weit unter den tatsächlichen Kosten die Mauer fertigstellen musste. Von dieser Begebenheit soll sich der Ausspruch „Armer Schlucker“ ableiten. Ein Teil der originalen Schlucker-Mauer ist direkt neben dem Pulverstampftor erhalten geblieben.

Zunehmende Wildschäden in den Weinbergen führte zum Patent Kaiserin Maria Theresias vom 25. August 1770, in welchem sie die Haltung von Schwarzwild nur mehr in geschlossenen Tiergärten erlaubte. Die ersten Pläne für eine Einfriedung sind auf den 10. Oktober 1770 datiert, der Zaun war ursprünglich aus Holz gebaut, was immer wieder intensive Reparaturmaßnahmen erforderlich machte. Der ursprüngliche Zaun umschloss dabei nur einen kleinen Bereich des heutigen Areals. Unter Kaiser Joseph II. wurde anstelle des Holzzauns eine Mauer geplant, welche ein viel größeres Gebiet umfassen sollte und von 1782 bis 1787 vom Maurer Philipp Schlucker errichtet wurde. Das im Zuge der Märzrevolution von 1848 geänderte Besitzrecht führte zu diversen Besitzstreitigkeiten Der anfänglich unter kaiserlichem Privatbesitz stehende Saugarten, der erst später die Bezeichnung Tiergarten erhielt, kam schließlich am 26. August 1855 in Staatsbesitz, wobei die Jagd bis auf weiteres Vorrecht des Kaisers blieb, welches sich Kaiser Franz Joseph I. am Vortag des Vertagabschlusses sicherte. Das Gebiet wurde ausschließlich zu Jagdzwecken genutzt, der Wald war bis Anfang des 18. Jahrhunderts nur Brenn- und Bauholzlieferant und wurde nicht nach forstwirtschaftlichen Kriterien gepflegt oder bewertet. Durch die geographische Nähe zur Großstadt Wien kam es immer wieder zu groß angelegten „Holzentwendungen“ der auf Brennholz angewiesenen Bevölkerung, was durch forstpolizeiliche Maßnahmen verhindert werden sollte.

Von 1882-1886 wurde im östlichen Teil des Tiergartens die Hermesvilla, als Refugium für Kaiserin Elisabeth, errichtet. Der zur damaligen Zeit, auch auf Grund von Franz Josephs ausbleibender Jagdfreude, weniger zum eigentlichen Nutzen verwendete Tiergarten, wurde dadurch erstmalig anders genutzt. Der mit dem Anwesen errichtete Park ist ein bis heute bestehendes völlig vom Menschen bepflanztes, planiertes und gepflegtes Areal, welches sich hinsichtlich der botanischen, wie zoologischen Ausstattung stark von der Umgebung unterscheidet. Die Nutzungskonflikte in der Folge dieses bautechnischen Eingriffes in ein nahezu unbebautes Gebiet blieben nicht aus. So beklagen sich die Jäger über Wilderei und bezichtigten die Bauarbeiter der Brandstiftung, die Jagd- und forstwirtschaftlichen Arbeiten ruhten während des Aufenthalts der Kaiserin im Tiergarten. Das Zutrittsverbot für die Öffentlichkeit wurde nach und nach aufgehoben. Heute kann der Lainzer Tiergarten fast das ganze Jahr tagsüber besucht werden.

Ende der Monarchie, Kriegsgeschädigtenfond (1919-1937)

Nach der Zerschlagung der Monarchie und damit dem Ende des kaiserlichen Jagdreviers kam es im Tiergarten zu Wilderei und Holzakquistitionen, gegen die die verbliebenen Jäger und Förster vorgingen, allerdings ohne merklichen Erfolg. Das Sammeln von „Klaubholz“ war auf Grund des Fehlens der Kohlelieferungen aus dem Ausland eingeschränkt gestattet worden. Das illegale Holzsammeln und -fällen musste mittels Gewalteinsatz der Jagd- und Forstbeamten eingedämmt werden. Auch Baumaterial, sowie die Straßenbeleuchtung wurde entwendet.

Am 18. Dezember 1919 wurde der Lainzer Tiergarten, wie viele andere ehemalige höfische Besitztümer, an den Kriegsgeschädigtenfond (K.G.F.) übertragen. Der Kriegsgeschädigtenfond konnte die an ihn gestellten Aufgaben jedoch nicht erfüllen, vor allem die Finanzlage war miserabel, sodass der Staat 1929 alle finanziellen Aufwendungen, wie Steuern, Pensionszahlungen etc. übernahm und der Fonds nur mehr die Bewirtschaftung der Güter innehatte. Der Fonds erzielte durch kommerzielle Jagd im Lainzer Tiergarten Einnahmen, wurde aber für das durch intensive Bejagung veränderte Wildverhalten kritisiert („Trophäenschießen“). Die Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre war mitverantwortlich für die Verschuldung des Kriegsgeschädigtenfonds. Schließlich erfolgte seine Auflösung.

Der Lainzer Tiergarten ging in das Eigentum des Bundes über. In den Nachkriegsjahren des Ersten Weltkrieges wurden Nutzungsänderung des Tiergartens diskutiert, so sollte der Wildbestand auf ein kleines Gehege beschränkt und der Rest des Waldes an Bauern verpachtet werden, um den defizitären Charakters der Anlage entgegen zu wirken. Ebenfalls wurde eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung nach Abschuss des Wildbestandes überlegt. Die größte Bedrohung für das heutige Naturschutzgebiet ging von verschiedenen Bebauungsplänen aus, welche, zwar teilweise verwirklicht wurden, jedoch meist keine Mehrheit im Gemeinderat fanden. Der eigentliche Grund für das weiter Bestehen des Tiergartens in fast unveränderter Form war der aufkommende Naturschutz, der das Ökosystem Lainzer Tiergarten als schützenswert erachtete.

1919 wurde der Tiergarten für die Öffentlichkeit zeitweilig zugänglich gemacht. Die Schließzeiten sorgten für Unverständnis. Obwohl die Anlage nur für die Dauer der Brunft geschlossen war, fühlten sich die Bürger ungerecht behandelt und forderten eine völlige Öffnung. Das ehemalige Jagdgebiet wandelte sich langsam zum öffentlichen Park mit der Möglichkeit zur Tierbeobachtung. Müllprobleme und die Forderung nach einer Gastwirtschaft am Gelände führten zu einem recht intensiven Streit zwischen „Naturschützern“ und Befürwortern der Kommerzialisierung. Dieser endete 1925 in einer halbherzigen Erweiterung der „allgemeinen Forstbeschreibung im Forsteinrichtungswerk“. Schonzeiten für Wildtiere wurden eingeführt und die Flora und Fauna allgemein besser geschützt. Dies wurde jedoch vor allem für die gewinnbringende Vermarktung des Parks abgeändert.

1927 wurden Teile des Tiergartens für die Errichtung einer Golfanlage freigegeben, was schwere Konflikten zur Folge hatte. Die Störung des Wildes auf der einen Seite, der Autoverkehr und die durch das Wild verursachten Flurschäden auf der anderen Seite, sowie die Pläne, Hotels und Tennisplätze in der Anlage zu errichten, waren die Auslöser. Das Problem verschwand jedoch von selbst, da der Club mit Geldproblemen zu kämpfen hatte und schließlich 1938 die Benützung des Areals gekündigt wurde, obwohl der Golfclub formal auch während des Krieges bestand.

Nationalsozialistische Ära, Nachkriegszeit und Wiederaufbau (ab 1938)

Ab 1938, unter der Leitung von Reichsjägermeister Hermann Göring, änderte sich die Nutzung des Gebietes erneut. Einerseits wurde eine intensive landwirtschaftliche Verwendung der Wiesen in Betracht gezogen, andererseits wurde der Tiergarten zum Repräsentationsjagdgebiet der Stadt Wien erklärt und die forstwirtschaftliche Nutzung stark eingeschränkt. Durch Ausdehnung der Landwirtschaft im Lainzer Tiergarten sollten Futtermittel für die Winterfütterungen der Tiere bereitgestellt werden, was intensive Bodenpflegemaßnahmen sowie die Anschaffung von Maschinen und geschultes Personal erforderte. 1943 wurden Teile der Wiesen zur Beweidung durch eine Rinderherde freigegeben, auf den Ackerflächen wurden auch Lebensmittel für die Bevölkerung angebaut. Während die Landwirtschaft intensiviert wurde, ging die Holzgewinnung zurück. Die Rückführung der Wälder in ihren ursprünglichen, für den Wienerwald typischen, Charakter hatte zu Folge, dass die Schlägerungen, vor allem von Rotbuche, unter das Plansoll der „Reichsstelle für Holz“ fielen. Zu jener Zeit war der Park nur an Wochenenden für die Bevölkerung zugänglich.

Anders als in der Lobau wurde im Tiergarten nur eingeschränkt gejagt. Hermann Göring war nur einmal Jagdgast, die Zucht und „Blutauffrischung“ des Bestandes standen im Mittelpunkt. Göring regte erstmals 1938 an, den Lainzer Tiergarten zum Naturschutzgebiet zu erklären, was 1941 auch beschlossen wurde.

Nach dem russischen Einmarsch im April 1945 wurde der Wildbestand nahezu ausgerottet. Die Infrastruktur des Tiergartens wurde demontiert oder zerstört, vor allem Buntmetalle galten als Kostbarkeiten. Schießübungen trugen zur Zerstörung der Landschaft bei. Wegen der Nahrungsmittelknappheit unmittelbar nach dem Krieg wurde auf dem Gebiet des Tiergartens wieder vermehrt Getreide angebaut, und die forstwirtschaftliche Nutzung verstärkt, wobei sich die Forstverwaltung erfolgreich gegen die Verwendung von hochwertigem Holz für Heizzwecke zur Wehr setzte. Ebenso wurden andere Nutzungsformen diskutiert, jedoch nie verwirklicht. Eine derart große ungenutzte Fläche wurde von vielen als unnötiger Luxus angesehen, und es gab – wie schon zuvor – Bestrebungen, das Gebiet zu bebauen. Die Trasse der Westautobahn sollte nach ursprünglichen Plänen direkt durch den Tiergarten gelegt werden. Der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Trassenführung drohte zu eskalieren, schließlich kam es aber zu einem Kompromiss. Für den Bau wurden zwar Teile des Areals abgetrennt, als Ersatz jedoch neue eingliedert.

Durch die Sensibilisierung der Bevölkerung in Naturschutzfragen kam vermehrt Kritik an der Jagdausübung auf, obwohl die Bejagung eines derartigen Ökosystems für dessen Bestand unabdingbar ist. Diese Kritik wurde durch Presse und Fernsehen noch angeheizt. Die Gefahren für den Besucher durch unkontrolliertes Füttern der Wildschweine, und der damit einhergehende Verlust der Scheu waren dagegen kaum Thema.

Mit der Zunahme der Besucherzahlen stieg auch der Bedarf an Rasthäusern, 1959 und ´63 wurden die Gaststätten Rohrhaus und Hirschgstemm eröffnet.

Gegenwärtige Nutzungsformen und Konflikte

Die heutigen Nutzungsformen im Bereich des Tiergartens unterscheiden sich beträchtlich von jenen der Gründungszeit. Nach wie vor ist die Wilddichte im Lainzer Tiergarten hoch, und übersteigt den natürlichen Bestand ca. um den Faktor 10, was intensive Pflege und Bejagung verlangt. Zudem ist das Ansiedeln von Prädatoren aus Gründen der Sicherheit der BesucherInnen und der beschränkten Größe des Gebietes unmöglich. Um Gästen des heute öffentlichen Parks vor möglichen Schädigungen durch die Jagd zu schützen, wird diese während der Schließzeiten im Winter durchgeführt. Der unterschiedliche Verbiss an den Waldsäumen bzw. Kraut- und Strauchschicht zwischen wildfreiem und Gebiet mit großer Wildanzahl zeigen die beiden Fotos recht anschaulich. Die dabei bejagten Wildarten sind vor allem Schwarzwild, aber auch Rotwild und Rehwild. Neben diesen werden in eigenen Gehegen Damwild, Muffelwild, so genannte „Auerochsen (Ur)“, sowie Wisente gehalten.

Bild:Natürlicher Waldsaum.jpg
Natürlicher Waldsaum bei natürlichem Wildbestand
Bild:Waldsaum Verbiss.jpg
Waldsaum mit intensivem Wildverbiss

In forstwirtschaftlicher Hinsicht steht vor allem die Erhaltung und Pflege des Bestandes im Vordergrund, einerseits um die Artendiversität zu erhalten und zu erweitern, andererseits um die Besucher vor möglichen Gefahren zu schützen. Das Forstamt der Stadt Wien (MA 49) ist dabei für alle einschlägigen Arbeiten verantwortlich. Der Park bietet, botanisch betrachtet, nicht ausschließlich ursprüngliche, in Mitteleuropa heimische, Bepflanzung. Der Park ist keine Urlandschaft, sondern eine weitgehend der Natur überlassene Kulturlandschaft. Die Durchforstung wird im Vergleich zum Nutzwald auf einem sehr geringen Niveau durchgeführt, abseits der Wege werden die forstwirtschaftlichen Arbeiten auf ein Minimum reduziert bzw. ganz eingestellt. Im Bereich des Johannserskogels wurde der, möglicherweise nicht standortspezifische, alte Eichenbestand trotz Schädigung der Bäume nicht durchforstet und zum Naturdenkmal erklärt. Um den naturnahen Charakter des Parks zu fördern, wird die Benützung schwerer Forstmaschinen so gering wie möglich gehalten. Auf kleinen Teilen des Gebietes wird Landwirtschaft betrieben. Von größerer Bedeutung ist jedoch die Bewirtschaftung der Wiesen, diese werden als Lagerwiesen für die Erholungsnutzung und als Futterwiesen, die nicht betreten werden dürfen, ausgewiesen. Die Zufütterungen während der Wintermonate werden zum Großteil mit auf diesen Wiesen geerntetem Grünfutter durchgeführt. Grundsätzlich ist es den Besuchern nicht gestattet, außer auf dafür freigegebenen Arealen, die Wege zu verlassen. Heute wird der Tiergarten hauptsächlich als Naherholungsgebiet genutzt. Neben der Hermesvilla als Kultur- und Ausstellungszentrum ist das Areal vor allem für Wanderer und Läufer, Familien und Ausflügler interessant. Die Einrichtung zweier Naturlehrpfade, sowie die Möglichkeit, an Führungen und Exkursionen unter fachkundiger Leitung teilzunehmen, erweitert das Angebot. Ein Besucherzentrum bietet wechselnde Detailausstellungen zu Aspekten des Naturschutzes im Park.

Auch in der Gegenwart kommt es immer wieder zu Interessenskonflikten zwischen Besuchern und Verantwortlichen. Auf der einen Seite ist der Park als Naturschutzgebiet konzipiert, was durch den möglichst behutsamen Eingriff in das Ökosystem unterstützt wird, anderseits ist er ein beliebtes Ausflugsziel und muss damit Mindestanforderungen an Erreichbarkeit und Infrastruktur bieten. Die Kombination aus beidem schließt die Möglichkeit eines naturbelassenen Schutzgebietes im Sinne eines Nationalparks von vornherein aus, was aber durch die Jahrhunderte langen Eingriffe in das Ökosystem ohnehin nicht zur Diskussion steht. Um einen möglich umfassenden Schutz zu ermöglichen ist der Lainzer Tiergarten Teil des Biospährenpark Wienerwalds. Auf Grund der Besucherzahl, und dem nötigen Schutz der Besucher sind umfangreiche forst- und landwirtschaftliche Maßnahmen unvermeidbar, als Beispiel sei hier das Fällen von morschen Bäumen in der Umgebung der Wege genannt.

Da der Park ein Naturschutzgebiet ist, ist es auf der anderen Seite unmöglich, die infrastrukturellen Maßnahmen soweit auszudehnen, dass der Lainzer Tiergarten zum voll erschlossenen Erholungs- und Vergnügungsgebiet umgewidmet würde, mit allen dazu nötigen Eingriffen. Das Verbot von Kraftfahrzeugen, Fahrrädern, Skateboards und Haustieren, die nur sehr geringen vorhandenen Parkmöglichkeiten, das Verbot von offenem Feuer, sowie die eingeschränkte Benützung der Grünflächen sind sicherlich im Vergleich zu anderen Naherholungsgebieten wie dem Wiener Prater oder der Donauinsel eine freizeittechnische Einschränkung. Bis auf die Hermesvilla ist das Gebiet weitgehend unbebaut, die Straßen und Wege sind teilweise unasphaltiert, es stehen relativ wenige sanitäre Einrichtungen zur Verfügung. Diese Einschränkungen machen aber andererseits die spezifische Qualität des Parks aus. Der Lainzer Tiergarten wird von der Bevölkerung und Touristen ausnehmend gut angenommen, was als Bestätigung des Konzepts der Kombination von Naturschutz und Freizeitgestaltung angesehen werden kann.

Freizeit

Der Lainzer Tiergarten ist ein beliebtes Ausflugsziel. Das Areal eignet sich besonders für Spaziergänge (v.a. Lainzer Tor) und zum Wandern. Auch für Läufer bzw. Jogger und Nordic Walker ist das gut befestigte Wegenetz ideal geeignet (teilweise ausgeschilderte Laufstrecken). Die Mitnahme von Hunden in den Lainzer Tiergarten ist wegen des Wildbestandes nicht gestattet.

  • Gasthäuser: Rohrhaus, Hirschgstemm (Pächter: Rudolf Wiesinger), Cafe Hermesvilla.
  • Museum in der Hermesvilla
  • Aussichtswarte Hubertuswarte am Kaltbründlberg (508m)
  • Nikolaikapelle (erstmals 1321 erwähnt)
  • Stockwiese (Wildschwein-Fütterung jeden Tag 14 Uhr)
  • Wienblick Baderwiese

Literatur

  • Karl Johann Tichy, Hannes Mayer: Das Eichen-Naturschutzgebiet Johannser Kogel im Lainzer Tiergarten, Wienerwald. Sonderdruck aus: Centralblatt für das gesamte Forstwesen, Jahrgang 96. 1979, Heft 4. Österreichischer Agrarverlag, Wien 1979
  • Gabriele Gergely, Thomas Gergely, Hermann Prossinagg, Vom Saugarten des Kaisers zum Tiergarten der Wiener. Die Geschichte des Lainzer Tiergartens - entdeckt in einem vergessenen Archiv, Wien, Köln, Weimar 1993.
  • Hermann Prossinagg, Wien und die Jagd, aus: Jagdzeit. Österreichs Jagdgeschichte - eine Pirsch, Wien 1996. Seite 113-125.
  • Gerd Pichler, Neue archivalische Ergebnisse zu der mittelalterlichen Wehranlage und der abgekommenen Siedlung bei der Nikolaikapelle im Lainzer Tiergarten in Wien, aus: Fundberichte aus Österreich 34, Wien 1995. 495-496.
  • Gerd Pichler,Alice Kaltenberger, Michaela Müller, Die Nikolaikapelle im Lainzer Tiergarten in Wien. Wiener Archäologische Studien, Wien 4/2002.

Weblinks

Quelle:
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