Langschwert

Als Langschwert wurden im historischen Sprachgebrauch verschiedene Formen desjenigen Schwertes bezeichnet, das jeweils länger als das bis zum jeweiligen geschichtlichen Zeitpunkt übliche Schwert war.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklungsgeschichte

Zunächst wird in Spätantike und Frühmittelalter das von den Römern aus keltischem Gebrauch übernommene Spatha als Langschwert bezeichnet, da es länger als das Gladius oder das Sax war. Nachdem sich das einhändige Schwert vom Typ Spatha in Europa etabliert hatte, wurde es gemeinhin nur noch als Schwert bezeichnet.

Im Laufe des Mittelalters verlängerte sich die Klinge zusehends, von zunächst ca. 70 cm auf ca. 100 cm. Dabei handelte es sich nach wie vor um Einhandschwerter, die gegen Schild und Kettenpanzer eingesetzt wurden. Die Klinge wurde meist zweischneidig geschliffen und zur Gewichtsreduzierung mit einer Hohlkehle (oft fälschlicherweise als Blutrinne bezeichnet) versehen. Später entstanden aber auch, zur besseren Stoßfestigkeit, Schwerter mit einem Mittelgrat.

Im Spätmittelalter wird, ermöglicht durch metallurgische Fortschritte und notwendig gemacht durch bessere Rüsttechnik, ein weiterer neuer Schwerttypus entwickelt, der nunmehr "langes Schwert" genannt wird. Im Zuge der Entstehung der Plattenrüstung wurde der Schild überflüssig. So fand die linke Hand ihren Platz am Schwertgriff, der inzwischen bis zu 30 cm lang war. Es entstand der Anderthalbhänder. Durch diese zweihändige Führung und aufgrund des relativ geringen Gewichtes von ca. 1300 - (max.) 1600 g wurden komplexe Fechttechniken bei gleichzeitiger hoher Aufschlagskraft möglich.

Auf Grund der Weiterentwicklung des Schießpulvers fand zu Beginn der Neuzeit die Rüstung nicht mehr all zu viel Verwendung. So konnten auch die Schwerter - einhergehend mit einer sich verfeinernden Fechttechnik - schlanker und dünner werden und entwickelten sich schließlich zum Rapier.

Historische Irrtümer

Da das mittelalterliche Langschwert auch erlaubte, einige Techniken mit nur einer Hand am Schwert durchzuführen, kam in neuerer Zeit zu der irrtümlichen Auffassung, beide Führungsweisen seien gleichberechtigt gewesen (Anderthalbhänder). Stellenweise wird sogar behauptet, es hätte sich um hauptsächlich einhändig geführte Waffen gehandelt. Diese Vorstellung geht wahrscheinlich auf Vorstellungen aus Fantasy-Rollenspielen zurück. Historisch korrekt ist eigentlich die einfache Bezeichnung "langes Schwert" und die nahezu ausschließliche Führung mit zwei Händen. Ein Schild wird niemals gleichzeitig mit einem langen Schwert eingesetzt.

Sport

Das lange Schwert erfreut sich wachsenden Interesses durch die Wiederbelebung und Rekonstruktion europäischer Kampfkünste.

Typologie

Eine Einteilung nach der Form der Klinge zur Bestimmung der Zeit der Herstellung nimmt die Oakeshott-Klassifikation vor.

Literatur

  • R. Ewart Oakeshott, "The Archaeology of Weapons: Arms and Armour from Prehistory to the Age of Chivalry" ISBN 0486292886
  • Wendelin Boeheim, "Handbuch der Waffenkunde", Das Waffenwesen in seiner historischen Entwicklung vom Beginn des Mittelalters bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. (2000) ISBN 3826202120
  • Liliane Funcken, Fred Funcken, "Historische Waffen und Rüstungen des Mittelalters, Ritter und Landsknechte vom 8. bis 16. Jahrhundert" (2001), ISBN 3-572-01308-9
  • Talhoffer, Hans, "Talhoffers Fechtbuch" Gerichtliche und andere Zweikämpfe darstellend (1999) ISBN 3-932077-03-2
  • André Schulze, "Mittelalterliche Kampfesweisen - Das lange Schwert" ISBN-10: 3805336527 ISBN-13: 978-3805336529

Weblinks

Quelle:
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