Leder ist eine durch Gerbung chemisch haltbargemachte Haut beziehungsweise Hautschicht mit oder ohne Haare oder Wolle, deren ursprüngliche Faserstruktur erhalten ist. Leder wird zumeist aus der Lederhaut genannten Hautschicht gewonnen. Diese gliedert sich ihrerseits in die nach außen liegende, und der Lederoberfläche ihr Aussehen gebende Papillarschicht und die darunter liegende Retikularschicht. Der Fachmann spricht von einer Haut, einem Fell oder einem Balg, abhängig von der Größe der dem Leder zugrunde liegenden Tierhaut.
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Leder ist ein geschmeidiges, zähes, relativ festes, haltbares und vielseitig einsetzbares Material. Es ist relativ undurchlässig für Wasser, trotzdem ist es atmungsaktiv, d. h. ausreichend durchlässig für Luft und Wasserdampf.
Für die fachkundige Beschreibung und Beurteilung von Leder sind die Dichte (spezifisches Gewicht), die Zugfestigkeit, die Dehnbarkeit, die Bruchfestigkeit des Narbens, die Wasser- und Luftdurchlässigkeit, die Lichtbeständigkeit und die Schrumpfung entscheidend. Die Qualität des Leder wird durch verschiedene Parameter bestimmt: Reißfestigkeit, Wasserdurchlässigkeit oder Wasserdampfdurchlässigkeit, Schrumpfverhalten, den Gehalt an Wasser, Asche oder sonstiger Chemikalien.
Lange vor der Zeitenwende waren lederne Gegenstände in Ägypten, in Mesopotamien und bei den Israeliten in Gebrauch. Die pflanzliche Gerbung war schon im 4. Jahrtausend v. Chr. im alten Ägypten bekannt. Auf dem Sarkophag von Ti, einem reichen Ägypter, der um 2850 v. Chr.-2700 v. Chr. gestorben sein muss, kann man Szenen mit Gerbern erkennen.
Während des römischen Imperiums wurde Leder viel für die Herstellung der Ausrüstung der römischen Soldaten der Legionen verwendet. Diese Produktion wurde vor allem in Rom durch eine Zunft der Leder- und Hautverkäufer aus Ostia geregelt. Der Lederhandel war u. a. auch einer der Gründe für die punischen Kriege; Karthago war ein Zwischenhandelsplatz zwischen den Märkten Nordafrikas und denen des Mittelmeers und hatte somit das Monopol für den Lederhandel in Europa und im Mittelmeerraum.
Vom 3. Jahrhundert an war der Lederhandel unter römischer Aufsicht. Vermutlich waren Südfrankreich und Spanien die Produktionszentren dieser Zeit. Dieses bestätigen vor allem Funde in Botonita (Zaragoza); dort wurde größere Mengen Kalk, Schwefel und andere chemische Produkte gefunden, die vermutlich zum Gerben verwandt wurden. In den Ausgrabungen in Contrebia Belaisca wurden ebenfalls Beweise für die Existenz der Lederherstellung aus der Epoche vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr.) gefunden.
Später, nach dem Sturz des römischen Reichs, im Jahr 476, übernimmt Karl der Große die Gesetzgebung hinsichtlich der Lederherstellung und deren Handel. Er belegt einige Produkte mit einer Steuer. In dieser Zeit war das Leder relativ grob verarbeitet, und stammte meist aus einem nahen Einzugsgebiet, obwohl in Einzelfällen Leder auch importiert wurde.
Im Mittelalter war die Produktion von Leder in Vorderasien und Nordafrika sehr viel weiter fortgeschritten als in Europa, sowohl was die Quantität als auch was die Qualität anbetraf. Erst 1749 wurde die erste Saffianleder-Fabrik im Elsass errichtet.
Für die Mode dieser Zeit wurde oft Leder aus Sibirien importiert. Später wurde dieser Handel aber durch ein Monopol der Juden aus Warschau oder Lviv kontrolliert, die in direktem Kontakt mit den russischen Jägern standen.
Die Herstellung einzelner Lederarten war in Deutschland lange Zeit einzelnen Regionen oder Städten vorbehalten:
Leder hat früh auch eine Bedeutung in Bereich der Bekleidung erreicht, wie es z. B. die Cowboys zeigen, die das Leder aufgrund seiner Resistenz gegen Wind und Wetter bevorzugten. Auch die ersten Piloten- und Motorradfahrerhelme waren aus diesem Material. Außerdem wurde die Lederbekleidung oft mit den Heavy-Metal-Gruppen assoziiert wie z. B. den Scorpions.
Im 19. Jahrhundert findet man in der Literatur verschiedene Hinweise auf Leder, in denen vor allem auch seine Verwendung im Bezug auf die menschliche Fantasie eine Rolle spielt, einschließend sexuelle Ausrichtungen. So hat sich z. B. Leopold von Sacher-Masoch, von dessen Nachnamen sich der Masochismus ableitet, sehr von der erotischen Seite des Leders angezogen gefühlt. Dieses beweist er in seinen Romanen Venus im Pelz und Falsches Hermelin.
Leder gehört zu den ältesten von der Menschheit verwendeten Materialien zusammen mit Holz, Stein und Wolle. Erzeugnisse aus Leder werden als Lederwaren oder Portefeuilles bezeichnet. Darüber hinaus hat Leder Bedeutung und Verwendung in der Fetischszene und im BDSM. In der Geschichte wurde Leder auch für Waffen und Geräte verwendet. Verschiedene Holzgegenstände wurden mit Leder überzogen, wie z. B. die Truhen und kleinere Kästen. Auch die Spielwürfelbecher bestanden meist aus Leder, ebenso wie die ersten Eimer.
Die nordamerikanischen Indianer verwendeten Leder für die Bekleidung, als Zelt (Tipi) und als Schreibfläche (Pergament ) zum Übermitteln von Botschaften.
Das Leder wird immer nach Größe des Fells verkauft. Diese Angaben werden heute noch in Quadratfuß gemacht. Ein Quadratfuß ist dabei 929 cm² groß.
Leder wird in der Bekleidungsindustrie für Kleidungsstücke (z. B. Jacken, Hosen, Mäntel), Handschuhe und Schuhe verwendet. Daneben gibt es Schutz- und Funktionskleidung aus Leder, wozu man Fliegerjacken und Motorradkleidung zählt, aber auch Schürzen oder Helme. Auch -hüte können aus Leder hergestellt werden. Heute werden auch Korsetts aus Leder getragen.
Leder in Form von Lederjacken und Lederhosen hatten seit den 1950er Jahren gelegentlich Status aufmüpfiger Jugendbekleidung. Heute ist sie ein fest etablierter Bestandteil der Alltagskleidung und zum Teil sogar zum Prestigeobjekt geworden. Daneben gibt es in den Trachten traditionell vor allem in Bayern und Österreich die berühmten Lederhosen.
Accessoires aus Leder können sein: Taschen, Handtaschen, Geldbörsen (siehe auch Geldkatze) oder Portemonnaies, Koffer, Kästen, Schmuckkästen, Futterale, Gürtel und Hüte. Es wird auch in Form von Lederschnüren als Schmuckkette mit Anhänger, als Lederarmreif angeboten oder auch als Haarschmuck angeboten.
In der Möbelindustrie wird Leder vor allem als Bezug verwendet z. B. von Möbeln wie Ledersofas und Ledersesseln. Im weitesten Sinn können hier auch die Ledersitze in den Autos genannt werden.
Beispiele sind hier Überzüge von Bällen (z. B. Fußball, Handball, Medizinball) oder Sportgeräten (z. B. Böcke, Boxsack, Boxhandschuhe, Knieschoner und Sportbekleidung, v.a. Sportschuhe).
Schon früh wurde Leder für Transmissionsriemen, Treibriemen und Ähnliches verwendet. Auch der Blasebalg wurde teilweise aus Leder hergestellt. In modernen Autos nimmt die Verwendung von Leder als Innenraum- oder Lenkradverkleidung sowie für Ledersitze zu (siehe dazu auch: Fahrzeugtuning).
Vor der Verwendung von Kunststoffen wurde Leder auch zur Isolierung von elektrischen Kabeln eingesetzt. Auch als Dichtung (Technik), als Putz-, Wasch- und Filtrierleder wird Leder verwendet.
Ein historisches Beispiel für die Verwendung von Lederriemen ist das Bandalier.
Im Bereich der Buchbinden wurde bereits seit ihren Anfängen Leder für Einbände und Einbandgestaltung verwendet. Der Buchbinder überzieht auch Kästen, Schuber, Etuis und Futterale mit Leder.
Leder wurde auch in Form von Tapeten (historisch auch Goldledertapeten) für die Wandgestaltung verwendet.
Leder ist der überwiegende Bestandteil von Sätteln und Geschirren für Pferde und Ochsen in Reitsport und Landwirtschaft. Auch einige Peitschen (Martinet, Tawse) werden aus Lederschnüren hergestellt. Aber nicht nur für Arbeitstiere wurden Lederriemen verwendet, sondern auch für Hundehalsbänder oder Hundeleinen.
Die römischen Soldaten trugen teilweise unter dem Schienenpanzer oder Kettenhemd eine Art Posterweste aus Leder, die an Schultern und Unterkante mit Lederstreifen verziert war. Auch die Militärstiefel der römischen Armee waren aus Leder, genau wie die Hüllen, die während des Marsches über die Schilde gezogen wurden, um diese vor Feuchtigkeit und Beschädigungen zu schützen. Leder wurde auch für die Pfeil-Köcher der Bogenschützen verwendet. Alternativ wurden auch Pistolenhalfter oder Scheiden für Messer aus Leder gefertigt. Auch Masken, vor allem auch im afrikanischen Raum, waren Symbol eines Kriegers.
Es gibt zahlreiche unterschiedliche lederverarbeitende Handwerksberufe wie den Feintäschner, Gerber, Buchbinder, Kürschner, Riemer, Sattler, Schuster oder Schuhmacher. Im Mittelalter waren diese Lederberufe in folgenden Zünften organisiert: Lederer, sowie Weiß- und Rotgerber und Corduanmacher. Weitere eher historische Berufsbezeichnungen sind: Beutler, Taschner, Gürtler, Futteralmacher und Pergamenter.
Ein relativ neuer Beruf, der sich auch mit Leder beschäftigt ist der Restaurator, insbesondere der Buchrestaurator, der Restaurator archäologischer Funde und der Textilrestaurator, der sich generell der Kleidung annimmt.
Für die Herstellung von Leder kann jede tierische Haut verwendet werden. Das Ausgangsmaterial ist oft entscheidend für die Qualität des Leders. Von allen weltweit verarbeiteten Häuten stammen über 95% von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen und Schwein und sind quasi ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie. Am vielschichtigsten werden Rinderhäute eingesetzt.
Daneben finden sich Leder aus Häuten exotischer Tiere und – eher selten – anderen Ursprungs. Vor allem die Schuh-, Handtaschenproduktion und auch andere Modebranchen haben exotische Quellen entdeckt. Dazu gehören Krokodile, Wild (Hirsch, Reh), Bison, Büffel, Känguru, Strauß, Fische (Aalleder) und Schlangen. Vor allem das Krokodil- und das Schlangenleder war aufgrund von Modeerscheinungen eine Zeitlang sehr begehrt, was fast zur Ausrottung der Tierarten führte. In den 1970er Jahren wurden vor allem Strauße gezüchtet, deren Fleisch und Leder vielseitig eingesetzt worden ist. Dieses Leder gilt als sehr fein und sehr haltbar und wird von sehr vielen aktuellen Modefirmen verwendet. Das Känguru-Leder wird oft für die Motorradhandschuhe verwendet, für die es aufgrund seiner Stärke und Anpassungsfähigkeit eher geeignet ist als Kuh- oder Rindsleder.
Wenig bekannt ist, dass auch die Haut von Hunden, Katzen und Menschen – wenn auch in geringem Umfang – zu Leder verarbeitet wurde. Hundeleder wurde im Mittelalter bis zur Moderne im Bereich des Buchdrucks und anderen Drucktechniken angewendet, bei denen der Auftrag von Druckerschwärze auf den Druckstock mit einem Ledertampon erfolgte. Da der Hund – seine Haut ist nicht von Schweißdrüsen durchsetzt – ein porenfreies Leder hat, wurde vor allem seine Haut für diesen Zweck verwendet. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war auch Hundeleder für bestimmte Artikel, wie Handschuhe, sehr begehrt. In Brasilien werden Hundefelle, insbesondere die der Dackel, zum Bespannen einer bestimmten Reibetrommel, der Cuíca, verwandt.
Einige Fundstücke aus dem 11. Jahrhundert zeigen, dass Katzenfell von den Wikingern getragen und im Mittelalter in Europa bevorzugt gehandelt wurde. Zu dieser Zeit und noch vor etwa hundert Jahren schätzten insbesondere französische und englische Kürschner Katzenleder als besonders geschmeidiges Material für Handschuhe. Es gibt sogar einige -wenn auch wenige- Beispiele für die Verwendung von menschlicher Haut in Bucheinbänden (Anthropodermic bibliopegy).
Die Inuit (Eskimos) stellten ihr Leder auf eine besondere Weise her. Die Häute wurden gewalkt und dann mit den Zähnen gekaut, bis sie vollkommen geschmeidig und weich geworden sind.
Bei der Gerberei wird aus verderblichen, den natürlichen Abbauprozessen ausgesetzten Häuten ein dauerhafteres Produkt geschaffen. Die Häute werden zunächst in Salz oder durch Trocknen konserviert. In verschiedenen Prozessen der Wasserwerkstatt wie der Weiche, dem Enthaaren (Äschern) und Entfleischen (mechanische Entfernung des Unterhautbindegewebes), dem Entkälken und der enzymatischen Beize, wird die Haut auf die eigentliche Gerbung vorbereitet. Die gewünschten Ledereigenschaften werden bei diesen Arbeitsschritten schon wesentlich beeinflusst. Bei der eigentlichen Gerbung erfolgt die Umwandlung der bis dahin rohen Haut in Leder. In der Gerberei können verschiedene Rohstoffe eingesetzt werden. Bei der pflanzlichen Gerberei (vegetabile Gerbung, Lohgerberei) werden Gerbstoffe in Eichen- oder Fichtenrinden, Auszüge aus Quebracho-, Kastanien- oder Eichenholz, Mimosa-, Sumach- und andere Holz- bzw. Rindengerbstoffe verwendet. Bei der Mineralgerbung werden Chromsalze, Aluminiumsalze Alaun (Weißgerbung) und Zirkonsalze angewendet. Neben den mineralischen und pflanzlichen Gerbstoffen werden auch synthetisch hergestellte Gerbstoffe (Syntane), Aldehyde (Glutardialdehyd, Formaldehyd) und Fettgerbstoffe (Trane) zur Gerbung verwendet. Wurden diese Arbeitschritte früher hauptsächlich in gemauerten Gruben mit wenig Bewegung durchgeführt, werden diese Prozesse heute in drehbaren Fässern aus Holz, Edelstahl oder Kunststoff durchgeführt. Der Aufbau ist ähnlich wie Waschmaschinentrommel aber mit einem Fassungsvermögen von mehren Kubikmetern.
Die gegerbte Haut hat nach dem Gerben eine raue und eine glattere Seite. Die raue wird als Fleischseite (Aasseite) bezeichnet, da sie ursprünglich dem Fleisch zugewandt war. Die glatte wird als Narben bezeichnet und weist die arttypische Oberflächenstruktur auf. Diese Narbenseite kann in verschiedenen Verfahren ihrem Verwendungszweck angepasst werden. Dabei kommen chemische und mechanische Prozesse in Frage.
Leder kann vor und nach dem Gerben gespalten werden (Spaltleder). Der Narbenspalt ist allgemein der wertvollere Teil der Haut. Der Fleischspalt hat zwei raue Seiten und wird zu Velourleder verarbeitet oder mit einer Beschichtung (Zurichtung) als Ersatz für Narbenleder verwendet. Nicht gespaltetes Leder wird auch Vollleder genannt. Die genaue Dickenregulierung erfolgt nach der Gerbung durch „Falzen“. Dabei werden durch rotierende Messerwalzen Falzspäne vom Leder abgetragen.
Ledereigenschaften wie Weichheit oder Fülle werden durch die Arbeiten der Wasserwerkstatt und die Gerbung grundlegend bestimmt. Durch die Nachbehandlung mit Gerbstoffen (Nachgerbung), Farbstoffen und Fettungsmitteln werden die speziellen Eigenschaften für den Verwendungszweck des fertigen Leders bestimmt. Vor allem bei der Mineralgerbung sind diese Arbeitsschritte für die Eigenschaften bestimmend. Vor allem Weichheit, Dehnbarkeit, Fülle, Wasseraufnahme, Färbbarkeit werden durch diese Arbeitsgänge bestimmt.
Die natürliche Farbe des Leders hängt vom Gerbmittel ab. In der Lohgerberei erhält man rötliche-bräunliche Töne, in der Weißgerberei weißes, in der Chromgerbung blaugrünes und mit Fettgerbstoffen gelbliches Leder. Das Leder wird daher oft gefärbt.
Das Lederfärben war bereits den Ägyptern bekannt, wo Leder noch kostspielig mit Purpurschnecken gefärbt worden war. Bis ca. 1860 war der Färber auf Naturrohstoffe angewiesen, heute werden fast ausschließlich Anilinfarbstoffe verwendet. Heute wird zwischen sauren, substantiven, basischen, Entwicklungs- und Schwefelfarbstoffen unterschieden. Die Färbung erfolgt hauptsächlich in der Flotte in Fässern, kann aber auch durch Spritzen, Bürsten oder auf Walzenauftragsmaschinen durchgeführt werden. Gefärbtes Leder wird entweder durchgefärbt oder oberflächengefärbt. Diese Farbstoffe gehen eine chemische Bindung mit dem Leder ein und beeinträchtigen den natürlichen Oberflächencharakter des Leders nicht. Erhalten diese Leder keine oder nur eine geringe Beschichtung (Trockenzurichtung), werden sie als Rein-Anilinleder bezeichnet. Komplett Anilin-gefärbtes Leder hat auf der Ober- und der Unterseite die gleiche Farbe, Kratzer oder Abnutzung fallen dadurch weniger auf. Stärker beschichtetes Leder wird als semianilin oder wenn die Beschichtung mit deckenden Pigmenten versetzt ist, als gedecktes Leder bezeichnet.
Durch die Oberflächenbehandlung der Narbenseite kann Leder bestimmte Effekte erhalten. Es kann glänzend oder matt werden. Auch die Widerstandsfähigkeit der Oberfläche kann wesentlich verbessert werden. Die Behandlung erfolgt heute hauptsächlich mit umweltfreundlichen, wasserdünnbaren Bindemitteln, Pigmenten und Additiven. Der Auftrag erfolgt in mehreren Schichten durch Spritzen, Gießen oder über Walzenauftragsmaschinen (Rolercoater). Die Schichten werden durch Bügeln, Polieren oder Glanzstoßen geglättet und fest auf dem Leder verankert. Durch gekrispelt, geprägt, perforiert oder chagrinieren kann dem Leder eine künstliche Oberflächenstruktur verliehen werden. Auch Lackleder, bei dem ein Öllack, ein Kaltlack oder ein Folienlack auf die Lederoberfläche aufgetragen wird, gehört mit zu den Veredelungen der Lederoberfläche. Wird die Fleischseite geschliffen und als sichtbare Oberfläche verwendet, erhält man ein Rauleder. Bei Nubukleder wird die Narbenseite mit feinem Schleifpapier angeschliffen.
Leder in seinen vielschichtigen Anwendungsbereichen, kann nach der Verarbeitung auch vielfältig dekoriert und geschmückt werden. Leder kann bemalt, neu eingefärbt werden. Mit heißen Stempeln kann man ein Muster im Blinddruck (Gaufrage) oder auch in Gold oder anderen Farben aufbringen. Bei den Ägyptern waren Verzierungstechniken wie Ausschneiden, Ritzen, Unterlegen, Flechten, Schneiden, Punzen, Sticken und andere Applikationen gebräuchlich. In der Buchbinderei kennt man auch die Technik des Lederschnitts. Leder kann auch durch Pressen und durch Druck reliefartig geformt werden.
Leder setzt sich je nach Herstellungsverfahren verschieden zusammen. Die eigentliche Ledersubstanz kann prozentuell schwanken. Ein pflanzlich gegerbtes Leder hat einen höheren Gerbstoffgehalt und somit eine Ledersubstanz von 38 bis 46 %, ein chromgegerbtes Leder dagegen kann bis zu 72 % Ledersubstanz aufweisen. Die Alaun- und die sämischgegerbten Leder liegen dazwischen.
Daneben wird immer auch der Wassergehalt des Leders begutachtet. Leder ist hygroskopisch und daher ist der Wassergehalt immer auch abhängig von der umgebenden Luftfeuchte. Bei pflanzlich gegerbten Leder liegt er um 14 %, bei mineralgegerbten Leder etwas höher um 18%. Steigt der Fettgehalt im Leder, so sinkt der Wassergehalt. Die Wassermenge im Leder bestimmt dessen Reißfestigkeit, Griff, Stand, Gewicht und Elastizität.
Der Fettgehalt des Leders hängt auch davon ab, von welchem Tier die Haut stammt. Normalerweise liegt der Naturfettgehalt der Haut bei ca. 1 %; eine Ausnahme ist Schafleder, das bis zu 12% Naturfettgehalt aufweist. Während der Fettung im Herstellungsprozess kann ein Fettgehalt von bis zu 50 % erreicht werden. Der Fettgehalt beeinflusst ebenso wie der Wassergehalt die Eigenschaften des Leders: Reißfestigkeit, Elastizität, Wasseraufnahmevermögen, etc.
Wichtig ist auch der Gehalt an gebundenem Gerbstoff. Darunter versteht man, den an die Proteine der Haut gebundenen Gerbstoff in Relation zur Hautsubstanz. Pflanzlich gegerbte Leder enthalten 24 bis 32 %, mineralgegerbte Leder 4 bis 6 % und fettgegerbte Leder 12 bis 18 % gebundenen Gerbstoff.
Daneben findet man in Leder verschiedene Mineralien, die aus dem Herstellungsprozess (Äschern, Gerben) stammen. Normalerweise ist der Mineralstoffgehalt bei pflanzlich gegerbten Leder unter 2 %, der der mineralisch gegerbten zwischen 7 und 9 %.
Leder kann - wie jedes Material - durch eine konstante Nutzung geschädigt werden. Dazu gehören Schäden wie Einrisse, Abrieb, Flecken, Wasserränder, usw. Oft findet man bei Ledern auch Risse in der Oberfläche, die durch eine zu hohe Trockenheit oder auch einen zu hohen Fettgehalt im Leder ausgelöst worden sein können.
Schuhe können, abgesehen durch die tägliche Beanspruchung – auch durch den Fußschweiß geschädigt werden. Um dieses zu vermeiden wird heute Leder verwendet, das schweißbeständiger ist. Kleidungsstücke wie Jacken und Hosen sind ebenso jeder Witterung, d.h. Regen, Schnee, Sonne und Wind ausgesetzt, die auf Dauer auch schädigend auf das Leder einwirken können.
Das gegerbte Leder kann im Laufe der Zeit übersäuern. Die entstehende Säure baut das Leder ab. Dieser Prozess wurde vor allem während der Gasbeleuchtung vorangetrieben, bei der schwefelhaltige Substanzen durch die Luft auch auf das Leder einwirkten. Dieses war vor allem in den Bibliotheken der Fall, so dass dieses Phänomen eine eigene Bezeichnung erhielt: Im Englischen wird es als red rot, im Deutschen auch als Roter Zerfall bezeichnet. Das Leder wird dadurch komplett zerstört, die Oberfläche pulvert ab. Dieser Prozess resultiert bei gleichzeitiger geringer Luftfeuchte (> 40%) über einen längeren Zeitraum in einem trockenen, irreversiblen Schaden der Faserstruktur des Leders. Es werden verschiedene Hausmittel empfohlen, besser ist es doch, einen fachkundigen Restaurator zu konsultieren.
Leder sollte einen Wassergehalt von 14 bis 18 % haben. Mit zunehmenden Fettgehalt nimmt der Wassergehalt des Leders ab. Durch den Wassergehalt des Leders werden Reißfestigkeit, Griff, Stand, Gewicht und Elastizität stark verändert. Der Naturfettgehalt der Haut liegt bei 1 %. Nur Schaffelle weisen bis zu 12 % Naturfettgehalt auf. Wie der Wassergehalt, so beeinflusst auch der Fettgehalt die Eigenschaften des Fertigleders, wie Elastizität, Reißfestigkeit, Wasseraufnahmevermögen, etc. sehr stark. Daher muss bei wertvollen Objekten mit Lederpflegemitteln vorsichtig umgegangen werden – im Zweifelsfall sollte man auf jeden Fall einen Fachmann (z. B. Lederrestaurator) zu Rate ziehen.
Schuhe unterliegen vergleichsweise sehr hohen Belastungen durch äußere Einflüsse wie Schmutz (= schmirgelnde Reibung), Nässe (= Gefahr des Auswaschens von Fettungs- und Farbstoffen), Reibung und Stößen der Oberfläche (= mechanische Beschädigung), wie sie im Alltagsgebrauch nicht zu vermeiden sind. Zusätzlich wird das Leder durch Fußschweiß, Zug, Druck und Walkbewegungen ständig beansprucht. Oft kommen noch chemisch Einflüsse aus den Strumpfmaterialien oder Waschmittelreste hinzu. Deshalb erfordern Lederschuhe eine regelmäßige Pflege.
Die Pflege von Glattlederschäften besteht darin, dass nach einer gründlichen Reinigung der Oberfläche eine Schuhcreme dünn aufgetragen wird und abschließend poliert wird. Dadurch entsteht ein weitgehend geschlossener Schutzfilm, der besonders bei Verwendung einer Hartwachscreme (Dosencreme) das Oberleder optimal schützt, glänzt und eine Neuanschmutzung erschwert. Bei sehr stark beanspruchten Schuhschäften (Arbeitsstiefel, Bergschuhe usw.) ist der für chromgegerbte Schäfte normaler Alltagsschuhe ausreichende Schutz durch Hartwachscreme nicht zufriedenstellend. Hierfür gibt es deshalb spezielle Pflegemittel, wie Fettwachse, Lederfette und andere.
Schuhe aus Rauleder (Velours und Nubuk) haben sehr offenporige Schäfte und erfordern deshalb regelmäßiges gründliches Ausbürsten um den eingedrungenen Staub zu entfernen. Gelegentliches Imprägnieren mit Imprägnierflüssigkeiten oder -sprays verhindert ein vorzeitiges Neuanschmutzen und sorgt in einen gewissen Grad für einen Wasser abstoßenden Effekt.
Ledersohlen können durch spezielle Ledersohlenöle gepflegt werden. Damit wird der Abrieb verringert und es entsteht eine zusätzliche Hydrophobierung.
Werden durchnässte Schuhe durch Wärme (Strahlung oder warme Luft) beschleunigt getrocknet, besteht die Gefahr eines irreversiblen chemischen Umbaus der Lederfaser. In der Folge vehärtet das Leder, wird spröde und reißt oder bricht leicht. Das gilt sowohl für Lederschäfte (besonders gefährdet: vegetabil gegerbte Leder) wie auch für Ledersohlen. Deshalb werden durchnässte Schuhe nur mit Zeitungspapier ausgestopft, das die Feuchte aufsaugt und regelmäßig ausgetauscht wird. Dabei ist der Schuh am besten von allen Seiten von Luft umspült (beim Vorhandensein von Ledersohlen gar durch Aufhängen an eine Wäscheleine). Um den Verlust der Passform zu vermeiden wird gegen Ende Der Trrocknungsphase in den noch leicht feuchten Schuh ein passender Schuhspanner eingelegt.
Weitere Hinweise, siehe Abschnitt „Schuhpflege“ des Artikels Schuh.
Die Reinigung der Bekleidung gehört in die Hände eines Fachmanns, wo sie meist mit organischen Lösungsmitteln durchgeführt wird. Nappaleder ist, da es eine in sich geschlossenere Oberfläche hat, besser gegen Schmutz, Wasser und Staub geschützt.
Handschuhe aus Glacéleder können mit Waschbenzin gereinigt werden. Handschuhe aus Nappaleder, Schweinsleder und Wildleder können mit weichen Waschmitteln oder Spezialwaschmitteln gewaschen werden. Sie werden dann im angezogenen Zustand gewaschen, danach werden sie aufgeblasen und langsam getrocknet. Durch Glattziehen erhält der fast trockene Handschuh seine ursprüngliche Form wieder, durch Knautschen und Dehnen kann man ihn wieder so weich wie vorher bekommen.
Ledermöbel können mit Hilfe eines weichen, möglicherweise auch leicht feuchten Lappens gereinigt werden. Die Verwendung von Lederpflegemitteln ist als problematisch einzustufen. Es sollte in jedem Fall ein Fachmann aufgesucht werden, der sich auf die Reinigung und Restaurierung mit original Gerbereiprodukten spezialisiert hat.
Wertvolle Lederobjekte sollten sorgfältig aufbewahrt werden. Dazu gehört ein Schutz vor der energiereichen Sonnenbestrahlung, vor Staub, Schmutz und Nässe. Leder wird im Museum bei einer mittleren, möglichst konstanten Temperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 % r. F. konserviert. Bei einer höheren Feuchte fördert man die Schimmelbildung. Dabei sollte ein angemessener Luftaustausch gewährleistet sein.
Ist das Lederobjekt bereits geschädigt, brüchig, eingerissen, abgerieben, verzogen, mit Schimmel überzogen, sollte ein ausgebildeter Restaurator hinzugezogen werden.
Leder wird oft mit Wildheit und Ungezügeltheit in Verbindung gebracht. Vermutlich ist das darauf zurückzuführen, dass zur Gewinnung von Leder ein Tier sterben muss und der Träger deshalb ein potentieller Jäger sein muss. In dieser Funktion diente Leder lange Zeit zur absichtlichen Abgrenzung Jugendlicher von der bürgerlichen Gesellschaft (Jugendkultur). Leder haftete deshalb lange ein Hauch von Abenteuerlust und harter Männlichkeit an.
Leder kann aber auch ein Ausdruck für Konvention, Brauchtum und Tradition sein. Es wird schon sehr lange von Menschen verwendet. Daher ist es auch ein Ausdruck einer Verbundenheit mit der Vergangenheit und der Verbindung zu Natur. Bekannte Beispiele sind Trachtenjacken und die berühmte bayerische Lederhose.
In Redewendungen findet man Leder oft als Synonym für die menschliche Haut. In diesem Sinn bedeutet jemandem das Leder gerben, ihn zu verprügeln und jemandem ans Leder wollen, ihn angreifen zu wollen.
Aufgrund der aufwändigen und daher teuren Herstellung wird echtes Leder oft durch Lederimitate, sogenanntes Kunstleder ersetzt. Auch Organisationen wie PETA lehnen den Gebrauch von Leder ab. Kunstleder kann fast alle Lederarten optisch simulieren, nicht jedoch die Trageeigenschaften und die Belastbarkeit. Dabei hängt es stark von der Qualität des Kunstleders ab, wie nah der optische Eindruck dem Original gleichkommt. Der Unterschied in der haptischen Wahrnehmung ist jedoch auch bei hochwertigem Kunstleder deutlich spürbar.
| Wiktionary: Leder – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
Adelung-1793: Leder, das · Blend-Leder, das
Brockhaus-1911: Leder · Englisches Leder
Herder-1854: Leder · Englisches Leder
Lueger-1904: Leder · Polierfaß, -hammer, -holz, -leder, -maschine, -mittel, -scheibe, -stahl, -stein, -stock · Dänisch-Leder · Englisch Leder
Meyers-1905: Leder · Rotsämisches Leder · Englisch Leder · Geschnittenes Leder
Pierer-1857: Leder [2] · Plattblankes Leder · Krausblankes Leder · Leder [1] · Türkisches Leder · Ungarisches Leder · Rothsämisches Leder · Spießiges Leder · Erlanger Leder · Abgesottenes Leder · Alaungares Leder · Abgekochtes Leder · Abgeschwitztes Leder · Dänisches Leder · Englisches Leder · Bautzener Leder · Brüsseler Leder