Legende

Dieser Artikel befasst sich mit der Legende als Erzählung. Weiteres siehe unter Legende (Begriffsklärung).

Legende (v. lat.: legendum = "zu Lesendes") bezeichnet ursprünglich eine Geschichte zum Lesen oder auch Vorlesen.

Die Abgrenzung zu Sagen oder (griech.) Mythen – vom Wort her mündlich tradierten Geschichten aller Art – ist fließend. Christliche Legenden bestehen oft aus Lebensbeschreibungen von Heiligen. Hier unterscheidet man zwischen Märtyrerlegenden, die nach dem Tod eines Märtyrers zu wuchern begannen, und Heiligenviten, die bereits zu Lebzeiten erzählt und nicht selten auch mehr oder weniger dokumentiert wurden. Derartige Überlieferungen können deswegen unter Berücksichtigung ihrer besonderen Spezifika der Geschichtswissenschaft als historischen Quellen dienen.

Kult-Legenden berichten über den Ursprung oder die Herkunft bestimmter religiöser Orte, Bräuche und Gegenstände.


Inhaltsverzeichnis

Wahrheitsgehalt

Als Beispiele für das unterschiedliche Verhältnis von Legenden zur Wahrheit kann man Schriften über Franz von Assisi aus dem 13. Jahrhundert heranziehen. Als dieser zwei Jahre nach seinem Tod (1228), heilig gesprochen wurde, ließ der Papst vom Franziskaner Thomas von Celano den ersten offiziellen Bericht über das Leben des Franziskus und die von ihm nach seinem Tod gewirkten Wunder verfassen. Viele Jahre später legte Celano im Auftrag des Franziskanerordens eine zweite umfangreichere Franziskus-Biografie vor, in der Celano nicht einfach bisher ihm Bekanntes neu formulierte, sondern in welche er für diese Biografie niedergeschriebene Berichte von Gefährten des Franziskus einarbeitete, zu deren Sammlung der Orden seine Mitglieder für dieses Buch aufgefordert hatte. Gegen eine einseitige Vereinnahmung des Heiligen und Wundersucht wendete sich die Dreigefährtenlegende, die einige der ersten Gefährten des Franziskus verfassten, als sie schon älter waren. Sie ist ein Versuch, Franziskus so darzustellen, wie er wirklich war, und verzichtet ausgemachtermaßen auf Wundergeschichten. Gewissermaßen ihr pures Gegenteil sind die Fioretti, eine populäre Geschichtensammlung, in der auch wundersame und fragwürdige Begebenheiten wie Franzens Zähmung des Wolfes von Gubbio erzählt werden, Legenden, die bestenfalls einen metaphorisch verschlüsselten historischen Kern enthalten.

Selbst solche wundersame Geschichten, wie die von der Zähmung des Wolfes von Gubbio kann man jedoch nur dann schlicht als unwahr bezeichnen, wenn man sie wie ein Physikreferat eines Schülers bewertet, das heißt nur dann, wenn man sie wie eine einfache Darlegung naturwissenschaftlicher oder technischer Tatsachen bewertet oder etwa wie einen Zeitungsbericht. Viele Legenden bedienen sich aber offenkundig dichterischer Ausdrucksmittel, und somit teilweise uneigentlicher Ausdrucksweisen, welche Inhalte nur indirekt mitteilen: verbrämt oder verschlüsselt oder überhöht oder bildlich oder durch Vergleich. So gibt es eine Erzählung von Franzens Wolfszähmung, die gar nicht von einem wilden Tier erzählt, sondern davon, dass die Umgebung Gubbios von Überfällen und Raubzügen eines verarmten Ritters heimgesucht worden sei, welcher darin seinen einzigen Unterhalt fand. Diesen Raubritter habe man den „Wolf von Gubbio“ genannt. Franz habe ihn überzeugt, von seinen Raubtouren abzulassen, indem er dafür sorgte, dass die Bürger von Gubbio sich im Gegenzug bereit erklärten, dem Ritter lebenslang Unterhalt zu gewähren.[1] Wenn man, ganz unabhängig davon, ob damit erzählt ist, was damals wirklich vorfiel, zur Kenntnis nimmt, dass solche Gegebenheiten möglich sind und eine solche Übereinkunft vorstellbar und vernünftig ist, so leuchtet einem auch leicht ein, dass eine Erzählung wie die von der Wolfszähmung durch Franziskus nicht unbedingt unwahr sein muss, sondern eine poetische Verarbeitung eines historischen Vorfalls zu einer Fabel sein kann.

Bei der nachrichtendienstlichen Legende besteht der prüfbare Wahrheitsgehalt meist in der Existenz einer Person oder Struktur, deren Identität oder Handlungsweise der Legendenträger angenommen oder zumindest ansatzweise übernommen hat.

Geschichte der Legendendichtung

Lateinische Legendensammlungen sind seit dem 7. Jahrhundert bekannt. Weite Verbreitung fand die bekannte Legenda aurea des Jacobus de Voragine (12631273), der die gewaltige Legendenstofffülle der Zeit sammelte und für kultische Zwecke verfügbar machte. In Deutschland entstanden die ersten Legenden um 900 und gipfelten in mittelhochdeutschen Versepen. Die bekanntesten waren u. a. die des Hartmann von Aue, Konrad von Würzburg oder Rudolf von Ems. Die Reformation leitete das Ende des Legendenkultus ein. Nachdem Luther die Legende als nützlich und fein zu lesendes Werk nach der Bibel zunächst billigte, griff er sie mit dem Wortspiel „die Lügende“ scharf an.

Da die mittelalterlichen Heiligenlegenden oft unkritisch Wunder, Erscheinungen und andere übersinnliche Dinge beschrieben und oft auf sagenhafter Überlieferung beruhten, wurde der Begriff Legende im kritischen Sprachgebrauch der Neuzeit zu einem Synonym für einen historisch nicht oder schlecht belegten Bericht und meist abwertend gebraucht. Nachdem Legenden in der Zeit der Aufklärung dem kritischen Interesse nicht standhielten, wurden sie in der Romantik wieder geachtet. Zahlreiche Schriftsteller des 19. Jahrhunderts beginnend mit einem Plädoyer Herders schufen neue Legenden. Dazu zählten Goethe Legende vom Hufeisen, Kleist, Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Im 20. Jahrhundert fand die Legende bis hin zur Parodie Antilegende eine neue Beachtung.

Bekannte Legenden

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Europa

Asien

  • Japan
    • Legende von der Mondprinzessin
    • Yagyu Muneyoshi ("der einen Pfeil mit der Hand abgefangen haben soll")

Legendäre Orte

Christliche Legenden

Die christlichen Legenden lassen sich unterscheiden in

Jüdische Legenden

Buddhistische Legenden

Hinduistische Legenden

  • Die Legende von den drei Hasen (In: Die Reise zur Sonne-Geschichten zu Ostern, Pfingsten und Johanni, Verlag Urachhaus)

Literatur

  • Hubertus Halbfas: Die Wahrheit der Legende in: Ewald Volgger (Hrsg.): „Sankt Georg und sein Bilderzyklus in Neuhaus/Böhmen (Jindřichův Hradec) – Historische, kunsthistorische und theologische Beiträge“ Schriftenreihe: Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens;57 - N.G. Elwert Verlag, Marburg 2002 - ISBN 3-7708-1212-3

Moderne Legenden

Moderne Legenden sind meist so genannte Urban Legends. Eine kuriose Legende, die sich zuweilen bis heute hält, ist die Muehlenberg-Legende.

Quellen

  1. Markus Arnold. Der Ritterraum : Franz von Assisi – ein Leben für den Frieden. Rex-Verlag, 1981. ISBN 3-7252-0400-4.

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
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