Lehnbedeutung oder Bedeutungsentlehnung nennt man den sprachlichen Entlehnungsvorgang, wenn ein geprägter Begriff mit spezifischem Bedeutungsgehalt oder ein Vorstellungskomplex aus einer Sprache in eine andere ohne Übernahme des Wortkörpers übernommen wird. Der fremde Begriff wird dabei nicht einfach als Wort entlehnt, sondern ein heimisches Wort erhält seinen semantischen Wert. In der Regel bedeutet dieser Vorgang nicht einen Ersatz, sondern eine Erweiterung des ursprünglichen Bedeutungsgehalts.
Lehnbedeutungen sind oft die Folge eines engen Sprachkontakts. Eine Teiläquivalenz von Wörtern (weitgehende semantische Übereinstimmung) kann zur analogischen Erweiterung des Begriffsumfangs führen (z. B. engl. cut "schneiden; auch: jemanden geflissentlich übersehen", daher dt. (jmd.) schneiden; lat. legere "aufsammeln; auch: lesen", daher dt. lesen, zunächst nur "aufsammeln", dann auch "lesen"). Solange derartige Entlehnungsprozesse noch im Gange sind, können sie als sprachfremde Neologismen wahrgenommen werden.
Bedeutungsentlehnung ist in der Sprachgeschichte besonders prominent und häufig im Zuge religiöser Mission. Viele deutsche Kirchenwörter sind Begriffsübernahmen aus dem Lateinischen, diese ihrerseits aus dem Griechischen, wo oft noch ein alttestamentlich-hebräisches Wort im Hintergrund steht. Oft bestanden die ursprünglichen Konnotationen daneben fort und wirkten auf Religiosität und Theologie zurück. Die dabei entstehenden Bedeutungsverschiebungen zum Ursprungsbegriff einerseits und zum Alltagswort andererseits können beträchtliche Verstehensschwierigkeiten verursachen, vgl. etwa Rechtfertigung (Theologie).
Solche jüdisch-christlichen Lehnbegriffsreihen sind z.B.
Eng verwandt mit der Lehnbedeutung ist die Lehnübersetzung, zusammen werden beide als Lehnprägungen klassifiziert.