| Litauisch - lietuvių kalba | ||
|---|---|---|
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Gesprochen in |
Nordeuropa (Litauen, Weißrussland, Lettland, Polen, Russland) | |
| Sprecher | 4 Millionen (2,9 Mio. in Litauen) | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache in | Litauen, Europäische Union | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
lt |
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| ISO 639-2: | (B) lit | (T) |
| ISO 639-3 (SIL): | ||
Die litauische Sprache (Litauisch) (litauisch: lietuvių kalba) ist eine baltische Sprache innerhalb der indogermanischen Sprachen. Es gibt knapp 4 Millionen Sprecher des Litauischen. Litauisch ist Amtssprache in Litauen. Minderheiten gibt es im Nordwesten Weißrusslands und im Nordosten Polens. Darüber hinaus gibt es größere Gruppen von Exillitauern in verschiedenen Ländern. Allein für Irland geht man von 120.000 Litauern aus, die in der anhaltenden Auswanderungswelle nach 1990 hierher kamen.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Das Litauische entstammt einem Dialektbereich der indogermanischen Ursprache, dem im Allgemeinen noch das Slawische und Germanische zugerechnet werden. Möglicherweise gab es eine länger währende Spracheinheit des Urbaltischen und Urslawischen. Von den baltischen Sprachen lebt neben dem Litauischen nur noch die lettische Sprache. Die Trennung des Lettischen und Litauischen voneinander wird für das frühe Mittelalter (7./8. Jh.) datiert. Von der verwandten ausgestorbenen altpreußischen Sprache gibt es immerhin beachtliche Schriftdenkmäler. Das Litauische zeichnet sich durch viele erhaltene altertümliche grammatische Formen aus, die sich zum Teil auch im Sanskrit oder in anderen alten indoeuropäischen Sprachen wiederfinden. Keine andere lebende in Europa gesprochene Sprache ist näher mit dem indischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen verwandt als das Litauische.
Die Ankunft der Balten im heutigen Siedlungsgebiet wird in das dritte Jahrtausend vor Christus datiert. Die Untersuchung von Gewässernamen hat gezeigt, dass das baltische Siedlungsgebiet sich einst von der Weichsel bis Moskau und Kiew erstreckte - allerdings darf man von dünner Besiedlung ausgehen. Baltische Völkerschaften wurden hier später von den expandierenden Slawen assimiliert.
Die Gründung eines litauischen Staates erfolgte im Mittelalter durch Mindaugas Über die Rolle des Litauischen in diesem Staat ist wenig bekannt. Als Schriftsprache diente eine ostslawische Sprache, das sogenannte Kanzleislawische, in Kyrillica, allerdings angereichert mit litauischem Vokabular.
Das älteste handschriftliche Glosse, ein Vaterunser, stammt aus dem Jahr 1503. Das erste Buch ist der Katechismus des Martynas Mažvydas (Martinus Mossuid), gedruckt 1547 in Königsberg. Das erste Wörterbuch erscheint 1620: Dictionarium trium linguarum von Konstantinas Sirvydas (Constantin Szyrwid) in den Sprachen Polnisch - Latein - Litauisch.
Die Mehrheit der überlieferten frühen litauischen Werke sind kirchliche Texte, die ins Litauische übersetzt wurden. Daraus resultiert, dass im übersetzten Text oft die Syntax der Quellensprache durchscheint und anhand dieser Texte nur bedingt eine Vorstellung von der Syntax der damals gesprochenen Sprache gewonnen werden kann.
Weiterhin von Interesse sind die sogenannten Nebenüberlieferungen. Das sind einzelne Orts- oder Personennamen in fremdsprachigen Dokumenten, z.B. in den Wegeberichten der Kreuzritter oder in altrussischen Chroniken, die oft entstellt sind, aber wegen ihres hohen Alters wichtig für die Namenforschung sind.
In Folge des polnisch-litauischen Aufstands von 1863 wurde im zum Zarenreich gehörigen Teil Litauens 1864 der Satz von litauischen Büchern mit lateinischen Lettern verboten - stattdessen durften nur kyrillische Lettern verwendet werden. Erst 1905 wurde dieses Verbot wieder aufgehoben. Während dieser zudem noch durch Zensur geprägten Zeit wurden Bücher oft im benachbarten Ostpreußen gedruckt und durch die sogenannten knygnešiai ('Bücherträger') ins Land geschmuggelt.
Mündliche Überlieferung spielt bis heute eine große Rolle in der Entstehung und Erhaltung der Dialektvielfalt. Trotz des heute kleinen Sprachraumes lassen sich mehrere Idiome unterscheiden, die in zwei Großgruppen unterschieden werden: Aukštaitisch (Oberlitauisch) und Žemaitisch (mitunter auch Schameitisch geschrieben, Niederlitauisch). Der geschriebenen Sprache liegt das dem Aukštaitischen zuzurechnende Idiom der Region Suvalkija zugrunde, besonders in der Variante wie sie in dem zu Preußen gehörenden Teil der Region gesprochen wurde.
Als historisch kann man indessen die mündliche Überlieferung von Lied- und Erzählgut bewerten - hier gibt es nunmehr riesige Sammlungen an Liedtexten, Märchen, Legenden etc., die zumeist im 20. Jh. notiert wurden. In diesem Material finden sich viele archaische Relikte des Litauischen.
Um die Herausbildung einer litauischen genormten Schriftsprache haben sich besonders Kazimieras Būga und Jonas Jablonskis verdient gemacht. Im Wesentlichen erfolgte diese Normierung während der Unabhängigkeit zwischen den Weltkriegen (1918-1941).
Neben dem Litauischen war während der Zeit der sowjetischen Okkupation das Russische eine weitgenutzte Verkehrssprache, besonders in Industrieregionen, wo Leute aus anderen Sowjetrepubliken angesiedelt wurden, im Politischen, unvermeidlich im Militär, aber teils auch in den Medien, wie Kino und Fernsehen sowie als Publikationssprache in der Wissenschaft. Jedoch war das Russische nie erste Amtssprache. Straßenschilder und amtliche Formulare waren zweisprachig. Im Vergleich zu Lettland und Estland blieb der Anteil der Russischsprecher in Litauen geringer.
Über die Reinheit der litauischen Sprache in der Republik Litauen wacht die parlamentarische Kommission der litauischen Sprache (Lietuvių kalbos komisija), die insbesondere das Eindringen von Fremdworten durch Bildung neuer Begriffe zu bekämpfen sucht und die Aussprache von Fernseh- und Rundfunkmoderatoren kontrolliert. Die Vorschläge, bzw. gesetzlichen Vorgaben dieser Kommission sind nicht unumstritten und oft Gegenstand von Spötteleien.
Typisch für die normierte litauische Schriftsprache ist der Umstand, dass ausländische Lehnwörter und auch Eigennamen der litauischen Aussprache folgend transliteriert werden (z. B. Gerhardas Šrėderis für Gerhard Schröder, Džordžas Bušas für George Bush oder Haris Poteris für Harry Potter - im Deutschen und vielen anderen Sprachen findet dieses Verfahren nur für Begriffe Anwendung, deren Originalsprachen keine Lateinschrift verwenden. Eigennamen werden mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben, andere Substantive dagegen nicht.
Dazu kommt das Anhängen der Endung -as, -is oder -us an maskuline, und eines -a oder -ė an feminine Substantive, auch wenn es sich um Lehnworte handelt (z. B. šlagbaumas, ananasas, vunderkindas – taksi, lėdi sind hingegen indeklinabel). Dieses Hinzufügen der Endung ist rein grammatikalischer Natur und in der artikellosen litauischen Sprache für die Verständlichkeit unverzichtbar.
Seit dem 1. Mai 2004 ist Litauisch eine der Amtssprachen in der EU.
Besondere Verdienste um die Erforschung des Litauischen erwarb sich im 19. Jahrhundert August Schleicher, der als Philologieprofessor an der Prager Universität 1856/57 das erste wissenschaftliche Handbuch der litauischen Sprache in 2 Bänden veröffentlichte. Schleicher beschreibt darin das von ihm in Ostpreußen erlernte preußische Litauisch. August Leskien und Karl Brugmann erforschten ebenfalls das Litauische. Ergebnis einer gemeinsamen Expedition war u.a. eine Sammlung litauischer Märchen und Lieder.
Aufgrund der Altertümlichkeit des Litauischen ist es eine wichtige Quelle in der Indogermanistik. In der Baltistik und Lituanistik wird das Litauische im engeren Kontext erforscht, zudem ist es in der Finnougristik von Interesse, da sich viele Lehnwörter in den ostseefinnischen Sprachen gut anhand baltischen, insbesondere litauischen Materials deuten lassen.
| Litauisch | Deutsch | IPA |
|---|---|---|
| b | b | [b] |
| c | z | [ts] |
| č | tsch | [tʃ] |
| ch | ch | [x] |
| d | d | [d] |
| f | f | [f] |
| g | g | [g] |
| h | h | [h] |
| j | j | [j] |
| k | k | [k] |
| l | l | [l] |
| m | m | [m] |
| n | n | [n] |
| p | p | [p] |
| r | r | [r] |
| s | s | [s] |
| š | sch | [ʃ] |
| t | t | [t] |
| v | w | [v] |
| z | s | [z] |
| ž | j wie in "Journal" | [ʒ] |
| Litauisch | Deutsch | IPA |
|---|---|---|
| a | a | [a] |
| ą | a | [aː] |
| e | ä | [ɛ] |
| ę | ä | [ɛː] |
| ė | e | [eː] |
| i | i | [i] |
| į | i | [iː] |
| y | i | [iː] |
| o | o | [oː]/[ɔ] |
| u | u | [u] |
| ų | u | [uː] |
| ū | u | [uː] |
| Litauisch | Deutsch | IPA |
|---|---|---|
| ei | ey (Gley) | [ɛi] |
| ai | ai (Mai) | [aɪ̯] |
| ui | ui (pfui) | [uɪ̯] |
| uo | uo (Duo) | [uo] |
| au | au | [aʊ̯] |
Ą, ę, į und ų sind aus nasalisierten Vokalen entstanden. Sie dienen weiter der Unterscheidung zwischen grammatischen Formen bzw. Lexemen. Das e ist einem kurzen deutschen ä (wie das e in dt. Dreck) ähnlich, das ė entspricht eher dem deutschen e. Das o wird überwiegend lang ausgesprochen, Ausnahmen hiervon sind hauptsächlich in Fremdworten anzutreffen, wie z. B. kokonas 'Kokon' oder fokusas 'Fokus'. Z und ž sind stimmhaft wie in frz. Balzac bzw. Orange. Das r wird dental gerollt. Das i vor a, o und u wird nicht ausgesprochen; es markiert nur, dass der davorstehende Konsonant weich gesprochen wird. Die Buchstaben q, w und x nicht verwendet. Bei Fremdwörtern werden sie als kv, v und ks übernommen, z.B. taksi 'Taxi'. Der Buchstabe f kommt nur in neuen Fremdwörtern, wie z. B. filmas oder futbolas vor, in älteren Entlehnungen fand Ersetzung durch p statt, z.B. Prancūzija 'Frankreich'.
Das Litauische ist in gewissem Maße eine Tonsprache, d. h. unterschiedliche Betonung kann bedeutungsrelevant sein. Daher werden litauische Belege in Lehrwerken auch oft mit den entsprechenden Akzenten versehen.
Das Litauische ist eine hochflektierende Sprache und darin dem Lateinischen, dem Altgriechischen oder dem Sanskrit ähnlich, insbesondere in seiner Fixierung auf die Endungen zur Angabe des Kasus und in der unbeschränkten Voranstellung von bestimmenden Adjektiven und Substantiven vor dem eigentlichen Substantiv und deren Verschränkung.
Das Litauische kennt keine Artikel und kommt im Wesentlichen mit vier Zeiten aus (zwei Formen der Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft; zudem wird die mehrmalige Vergangenheit verwendet: ėjo 'er ging' : eidavo 'er ging regelmäßig'). Es gibt die Numeri Singular und Plural, historisch und in einzelnen Dialekten, sowie in der Literatur ist auch der Dual anzutreffen. Verwendete Genera sind männlich und weiblich, auch Neutrum (niekatroji gimine); sächliche Formen sind nur sehr vereinzelt anzutreffen und nur in historischer Perspektive als solche zu erkennen. Neben Indikativ und Imperativ gibt es den Konjunktiv, der in der Vergangenheit mit Partizipien kombiniert wird. Auffällig sind die zahlreichen Partizipformen. Für jede Zeitform existiert ein aktives und passives Partizip; lediglich für die dem Litauischen eigene Zeitform der mehrmaligen Vergangenheit existiert nur ein aktives Partizip. Mit Hilfe dieser Partizipien lassen sich auch zusammengesetzte Zeitformen im Aktiv und Passiv bilden. Hinzu kommen spezielle Formen des Gerundiums sowie verschiedene Adverbialpartizipen.
In der Deklination werden die Fälle Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ (sekundär als Inessiv entstanden) und Vokativ unterschieden. Zudem gibt es historisch und in einigen Dialekten noch drei weitere sekundäre Lokalkasus: Illativ (z. B. miškan 'in den Wald (hinein)', Adessiv (z. B. miškiep 'am Wald'), Allativ (z. B. miškop 'zum Wald hin'). Der Ablaut ist im Litauischen weitverbreitet, kommt allerdings nicht innerhalb der Konjugation oder Deklination zum Einsatz, sondern vor allem in der Wortbildung, z.B. bei der Angabe der Transitivität: lūžti 'zerbrechen (intransitiv)' - laužti 'zerbrechen (transitiv)'.
Die Nominativendung gestattet in den meisten Fällen die Feststellung, ob es weibliche oder männliche Substantive sind: -as, -us, -ys sind immer männlich, -a, -ė weiblich, nur -is ist mehrdeutig.
Mögliche männliche Endungen von Adjektiven sind -as, -ias, -us und -is; mögliche weibliche Endungen sind -a, -ia, -i und -ė. Bei der Steigerung wird für den Komparativ immer -esnis (m.) -esnė (f.) und für den Superlativ -iausas, -iausia verwendet.
Die meisten Adjektive haben auch eine pronominalisierte Langform. Sie ist durch Anhängen des Personalpronomens jis/ji an die Kurzform gebildet bei späteren phonetischen Verkürzungen.
Adjektive lassen sich leicht in Adverbien umwandeln. Dabei werden die männlichen Adjektiv-Endungen durch folgende Endungen ersetzt:
Beim Steigern der Adverbien wird an den Adjektiv-Stamm die Endung -iau für den Komparativ und die Endung -iausiai für den Superlativ angehängt.
Die Kardinalzahlen werden teilweise wie Adjektive behandelt, z.B. vienas, teils als Substantive, z.B. tūkstantis.
Die Ordinalzahlen werden wie Adjektive behandelt. Sie lauten pirmas '1.', antras '2.', trečias '3.', ketvirtas '4.'. Weitere werden nach dem Muster Stamm + tas gebildet. Dabei kommt es teils zu phonetischen Abweichungen: aštuoni '8' - aštuntas '8.'. Jeweils nur die letzte Zahl wird als Ordinalie gebildet šimtas dvidešimt aštuntas '128.'.
Die Beugung des Verbes geht unter Verwendung dreier verschiedener Stämme vonstatten. Es handelt sich dabei um Stämme des Präsens', des Präteritums und des Infinitivs. In einigen Fällen unterscheiden sich diese Stämme nicht sonderlich, z.B. kala, kalė, kalti 'schlagen, schmieden', in anderen bestehen deutliche, historisch entstandene Unterschiede, ohne dass man dies regulär erklären könnte, z.B. renka, rinko, rinkti 'sammeln' oder mato, matė, matyti 'sehen'.
Zudem werden in einigen Zeitformen weitere Beugungsklasse unterschieden, die sich nach dem Stammauslaut - dem sogenannten Themavokal richten. Reste einer archaischen athematischen Konjugation sind kaum noch in Verwendung. Erkennen kann man den Stamm an der Endung der 3. Person Singular. Anhand dieser Endungen in der 3. Person Singular werden in der Gegenwart drei und in der Vergangenheit zwei Beugungsklassen unterscheiden. In der Gegenwart enden Verben der ersten Klasse auf -a oder -ia, der zweiten Klasse auf -i, der dritten Klasse auf -o. In der Vergangenheit lautet die Endung der ersten Beugungsklasse -o, die der zweiten Klasse -ė. Ist das Verb reflexiv, wird an die Endsilbe die Endung -si angehängt. Im Infinitiv enden Verben immer mit -ti, reflexive Verben immer mit -tis.
Das Litauische verfügt als synthetische Sprache über eine gewisse Freiheit in der Folge der Satzglieder. Sowohl die Reihenfolge Subjekt-Prädikat als auch andersherum ist möglich: vaikas eina - eina vaikas 'das Kind geht'. Ähnliches gilt für das direkte Objekt kala vinį - vinį kala '(er) schlägt einen Nagel (ein)'. Die Verwendung des Personalpronomens ist nicht notwendig. Insbesondere in der dritten Person muss dann aus dem Kontext erschlossen werden, ob es sich um mehrere oder eine Person handelt, ob diese männlich oder weiblich ist/sind. Das Adjektiv steht regelmäßig vor dem Substantiv und stimmt in Genus, Numerus und Kasus mit dem attributierten Substantiv überein.
Der Wortschatz der litauischen Sprache wurde im 20-bändigen akademischen Wörterbuch von 1941-2002 gesammelt. Ein beachtlicher Teil der Lexik ist ererbt und findet lautgesetzliche Entsprechungen im Lettischen, in den slawischen und anderen indoeuropäischen Sprachen. Natürlich sind die direkt vergleichbaren Wörter weitaus weniger zahlreich als die später hieraus gebildeten Wörter. Hinzu kommen Entlehnungen, insbesondere aus den slawischen Sprachen - etwa ein großer Teil der christlichen Terminologie wie bažnyčia 'Kirche' aber auch aus germanischen Sprachen, z.B. kunigas 'Priester'. Da das Litauische ab dem 16. bis zum Beginn des 20. Jh. eine Sprache der Dörfer war - in den Städten und im Adel wurde Polnisch gesprochen - fehlten viele Begriffe, die u.a. von Sprachnormierern wie Jonas Jablonskis neu geschaffen wurden. Heute wacht eine parlamentarische Kommission über die „Reinheit“ der litauischen Sprache. Vielfach werden neue Wörter kreiert, um keine Anglizismen zu übernehmen. Ein populäres Beispiel ist das Wort žiniasklaida für 'Medien' (wörtlich: Nachrichtenausbreiter), das sich im Alltagsgebrauch durchgesetzt hat. Der Computer heißt dagegen schlicht kompiuteris.
Anhand des Familiennamens kann das Geschlecht der Person ersehen werden sowie, bei Frauen der Familienstand. Zu dem Familiennamen Kazlauskas (der Mann) gehört Kazlauskienė (dessen Frau) und Kazlauskaitė (deren Tochter). Seit Kurzem gibt es auch die Möglichkeit der Beibehaltung des Mädchennamens bei Heirat, für Doppelnamen oder eine familienstandsneutrale Namenswahl, die sich indessen keiner großen Beliebtheit erfreuen.
Da ein Teil des litauischprachigen Gebietes zu Ostpreußen und somit zum Deutschen Reich gehörte und hier spätestens seit dem 19. Jh. eine intensive Germanisierung einsetzte, kann man viele Familiennamen litauischen Ursprungs heute auch in Deutschland antreffen. Zu den bekanntesten dürfte Wowereit aus lit. Voveraitis 'Sohn des Eichhörnchens' gehören. Weitere sind z.B. Kurbjuweit oder Batschkus.
Die Normsprache ist auf der Grundlage des Südoberlitauischen der Region Suvalkija entstanden. Alle anderen Dialekte weichen hiervon mehr oder weniger stark ab.
Eine große Gruppe Mundarten bildet das Niederlitauische im Westen (Žemaitija, Niederlitauen). Diese Dialekte weisen relativ große Unterschiede zum Aukštaitischen (Oberlitauischen) auf und sind für Oberlitauer meist nur schwer zu verstehen. Dafür sind besonders die nördlichen Mundarten dem benachbarten Lettischen ähnlicher. Die Zwielaute ai, ei werden oft als a:, e: ausgesprochen, die Laute ą, ę, į, ų werden vielfach nasal realisiert. Der Wortakzent wird auf den Wortanfang vorverlegt. Die iterative Vergangenheitsform auf -davo gibt es nicht, dafür eine periphrastische Konstruktion, z.B. liuoba skaityti 'er pflegte zu lesen'. Große Unterschiede bestehen auch in der Lexik.
Ein markanter Zug der nordöstlichen Dialekte (in der Region Aukštaitija) ist die Realisierung von un statt an und in statt en.
Für das Dzukische ist die Ersetzung von d, t durch dz, c in bestimmten Positionen auffällig, z.B. dzievas statt dievas 'Gott'.
Im nordwestlichen Weißrussland gibt es einige kleinere litauische Sprachinseln (Zietela, Gervėčiai, Lazūnai), deren Mundart besonders archaisch ist. Die dortigen Dialekte bewahrten beispielsweise alle vier Lokalkasus und teilweise auch den Dual. Andererseits wurden sie in hohem Maß vom dortigen slawischen Idiom beeinflusst. Sowohl der litauischen als auch der slawischen Mundart Nordwestweißrusslands liegt ein jatwingisches Substrat zugrunde. Die Zietelaer Mundart, die südlichste überhaupt, unterscheidet sich auffällig von den anderen in Weißrussland (z. B. kein dz-Lautwandel) und weist viele westbaltische Züge auf (z. B. oft z statt ž).
Die Verbformen yra (Präsens von sein) und bit (Perfekt von sein) werden für alle Personen aller Numeri gebraucht, z. B. aš yra čia 'ich bin da', mes bit ten 'wir waren dort' (in der Schriftsprache nur für die dritte Person, vgl. aš esu čia; mes buvome ten).
Die meisten Sprachinseln in Weißrussland schrumpfen, oft sprechen nur mehr ältere Menschen litauisch, die Jüngeren assimilieren sich ans Weißrussische bzw. Russische.
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