| Livorno | |
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| Staat: | Italien |
| Region: | Toskana |
| Provinz: | Livorno (LI) |
| Geographische Koordinaten: | 43° 33′ 0″ N, 10° 18′ 53″ O |
| Höhe: | 3 m s.l.m. |
| Fläche: | 104 km² |
| Einwohner: | 160.649 (31. Dezember 2005) |
| Bevölkerungsdichte: | 1544 Einw./km² |
| Postleitzahl: | 57100 |
| Vorwahl: | 0586 |
| ISTAT-Nummer: | 049009 |
| Demonym: | Livornesi oder Labronici |
| Schutzpatron: | Julia von Korsika |
| Website: | http://www.comune.livorno.it/ |
Livorno ist die Hauptstadt der gleichnamigen italienischen Provinz Livorno (Abk. LI) in der Region Toskana. Die am Tyrrhenischen Meer gelegene Stadt hat 160.649 Einwohner (Stand am 31. Mai 2005) und besitzt einen der größten italienischen Häfen. Im englischen Sprachraum ist Livorno unter dem Namen Leghorn bekannt.
Inhaltsverzeichnis |
Livorno liegt in der Küstenebene südlich der Mündung des Flusses Arno, ca. 20 km südwestlich von Pisa. Im Norden und Osten grenzt Livorno an die Gemeinden Pisa und Collesalvetti, im Süden, wo die Hügel der Colline livornesi und eine felsige Steilküste beginnen, an Rosignano Marittimo. Zur Gemeinde Livorno gehört auch der kleine Ferienort Quercianella und die Insel Gorgona.
Eine erste militärische Ansiedlung in der Nähe des heutigen Hafens stammt aus römischer Zeit. Die alten Namen des Ortes (Liburna, Liorna, Livorna) leiten sich wahrscheinlich von dem römischen Kriegsschifftyp Liburne ab. Livorno wurde 1017 erstmals erwähnt, und gehörte die nächsten Jahrhunderte zur Seerepublik Pisa. In dieser Zeit war der Ort ein kleines Fischerdorf und Vorposten zur Verteidigung des Pisaner Hafens (Porto Pisano). Durch dessen allmähliche Versandung wurde Livorno dann immer bedeutender. Der Ort wurde mehrfach bei kriegerischen Ereignissen zerstört, so 1284 von den Genuesern nach dem Sieg über die Pisaner in der Seeschlacht bei Meloria, einer kleinen Insel vor der Stadt. Als der französische König 1405 Pisa an die Florentiner verkaufte, behielt er zunächst Livorno, verkaufte es dann aber 1407 für 26000 Dukaten an die Genueser, die es wiederum 1421 an Florenz weiterverkauften.
Die Florentiner, für die Livorno einen wichtigen Zugangspunkt zum Meer darstellte, begannen mit dem Ausbau des Hafens. Zwischen 1518 und 1534 entstanden, nach Auftrag des Kardinals und späteren Papstes Giulio de Medici und Plänen von Antonio da Sangallo das Hafenbecken Darsena Vecchia und die Festung Fortezza Vecchia.
Livorno selbst blieb jedoch unbedeutend, der Ort hatte 1551 gerade einmal 749 Einwohner. Die Küstenregion am nördlichen Ende der Maremma war relativ unwirtlich, denn es gab noch Sumpfgelände und es herrschete die Malaria. Vorzugsweise Strafgefangene wurden nach Livorno verfrachtet.
Unter den Großherzögen Cosimo I. und Francesco I. wurde der Ort ab 1571 als "ideale Stadt" angelegt. Beauftragt mit der Planung waren bekannte Architekten der Zeit wie Bernardo Buontalenti und Alessandro Pieroni. Das Resultat war eine Stadt mit rechtwinklig orientierten Straßen, umgeben von einer sechseckigen Wallanlage und Wassergräben. Die Sümpfe im Umland wurden trocken gelegt und zwischen Livorno und Pisa ein schiffbarer Kanal gebaut. Zur Verteidigung der Küste vor Piratenüberfällen der Korsaren wurde der Stephansorden gegründet, und dessen Flotte in Livorno stationiert.
Zwischen 1590 und 1603 wurden die "Leggi Livornine" erlassen, auch "Costituzione Livornina” genannt. Diese Gesetze sahen Immunität, Privilegien und Freiheiten für Händler jeglicher Herkunft vor, vor allem aber garantierten sie Glaubensfreiheit. Durch dieses Toleranzedikt wurde Livorno mit der Zeit durch Ansiedlung verschiedenster Bevölkerungsgruppen zu einer kosmopolitischen und multireligiösen Stadt. Jede Gruppe legte eigene Kultstätten an und organisierte sich in Interessenvertretungen, den so genannten „nazioni“, von denen es insgesamt neun gab: Juden, Griechen, Engländer, Deutsche (inklusive Niederländer), Franzosen, Syrische Maroniten, Armenier, Moslems und Waldenser. Die aus Spanien und Portugal stammenden sephardischen Juden mussten in Livorno nicht, wie an anderen Orten in Europa, in einem Ghetto leben.
Livorno wurde 1675 zu einem Freihafen erklärt. Dadurch erlebte die Stadt eine ca. 200 Jahre andauernde wirtschaftliche Blüte. So wurde Livorno unter anderem bedeutendster Handelposten der Engländer am Mittelmeer. Neben dem Handel, vor allem mit den Ländern der Levante und des Maghreb, blühte das Handwerk. Livorno war zum Beispiel ein Zentrum des Goldschmiedehandwerks und der Bearbeitung von Korallen. Die Stadt wuchs auch außerhalb der ursprünglichen Festungsanlagen, vor allem in südlicher Richtung. Begünstigt durch das tolerante Klima der Stadt wurde Livorno auch ein Zentrum des Verlagswesens; so wurde hier das Werk Dei delitti e delle pene von Cesare Beccaria anonym verlegt (1764), und 1770 der erste Band der italienischen Ausgabe der Encyclopédie gedruckt.
Ab 1830, nach der Besetzung Algiers durch die Franzosen, bricht der Nordafrikahandel ein. Nach dem Anschluss an Italien verliert die Stadt 1865 den Freihafen, was eine weitere drastische Reduzierung des Handels verursacht. Die wirtschaftliche Grundlage der Stadt wird mit der Zeit die Industrie und der Fremdenverkehr: die Stadt wurde, nach englischem Vorbild, zum ersten Seebad Italiens.
1921 wurde die Kommunistische Partei Italiens in Livorno gegründet. Im II. Weltkrieg bombardierte die US-Luftwaffe die Stadt massiv. Die schweren Schäden durch diese Luftangriffe wurden nie wieder ganz behoben. Der Stadtkern wurde in den 1950er Jahren modern wiedererrichtet.
Livorno besitzt einen der wichtigsten Häfen Italiens. Der nördliche Teil ist Handelshafen, vor allem für Mineralöl, Container und Autos. In dem südlichen Teil, in der Nähe der Altstadt, befindet sich der alte Porto Mediceo, heute Fährhafen mit Verbindungen nach Korsika, Sardinien, einigen Inseln des Toskanischen Archipels wie Capraia und nach Nordafrika, sowie Anlegepunkt für große Kreuzfahrtschiffe.
Die Stadt hat auch eine lange Tradition im Schiffbau, die Werft Cantiere Navale Orlando wurde 1865 gegründet. Das Unternehmen Benetti baut auf dem Gelände heute Mega-Yachten. Im Norden der Stadt befindet sich eine Erdölraffinerie des italienischen Konzerns ENI. Weitere Erwerbszweige sind mechanische Industrie und Autozulieferbetriebe (das Unternehmen Bizzarini baute in Livorno in den 1960er Jahren auch Autos).
Die von Benedetto Brin gegründete und im Jahre 1881 eröffnete Marineakademie Accademia Navale bildet Offiziersanwärter der italienischen Marine aus. Symbol der Akademie ist das Segelschulschiff Amerigo Vespucci.
Wichtigster Verein der Stadt ist der Fußballklub AS Livorno, der seine Heimspiele im 1933 errichteten Stadio Armando Picchi austrägt. Andere beliebte Sportarten sind Basketball, Baseball und Fechten (aus Livorno stammen mehrere Fecht-Olympiasieger).
Livorno hat im 2. Weltkrieg einen großen Teil seiner historischen Bausubstanz verloren, dennoch ist die unter den Medici errichtete Stadtanlage noch gut zu erkennen. Die Altstadt ist von dem Festungsgraben Fosso Reale umschlossen, und wird durch die mit Arkaden versehene Haupteinkaufsstraße Via Grande geteilt. Das Stadtviertel Venezia Nuova (1629 angelegt) besitzt noch viele alte Gebäude (darunter ehemalige Lagerhäuser) und ist von an Venedig erinnernden Kanälen durchzogen. Weiterhin sind Gebäude der Belle Epoque erhalten, vor allem Villen an der Uferpromenade Viale Italia in den südlichen Stadtteilen Ardenza und Antignano.
Livorno unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:
Die Küche der Stadt Livorno bietet vor allem Fischgerichte. Sie ist auch von den verschiedenen Bevölkerungsgruppen beeinflusst worden, die sich in der Stadt vermischten. Bekanntestes Gericht ist der Fischeintopf Cacciucco. Weiter Spezialitäten sind Bordatino (Gemüseeintopf mit Polenta), Riso al nero di seppia (Schwarzer Risotto mit Sepien), Baccalà und Stoccafisso (Stockfisch). Triglie alla Livornese sind Rotbarben in einer mit Peperoncino gewürzten Tomatensauce. Eine beliebte Zwischenmahlzeit ist die Torta di Ceci, die wie Pizza verkauft wird. Die Roschette (Kringelgebäck) waren ursprünglich ein jüdisches Passahgericht. Eine weitere typische Spezialität der Stadt ist der Ponce alla Livornese, ein starker Kaffee mit Rum.
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