Loki

Dieser Artikel behandelt den nordischen Gott Loki. Zu anderen Bedeutungen von Loki siehe Loki (Begriffsklärung).

Loki oder Loge (Lofn oder Loptr; norddeutsch von logi „Feuerbringer”, „Lohe”(?), „Luftgott” und "Lügengott"; nicht zu verwechseln mit dem Riesen Logi, dem Wildfeuer) ist eine Gestalt aus der germanischen Mythologie. Er ist das Kind zweier Riesen, dennoch einer der Asen. Sein Vater ist Farbauti, seine Mutter Laufey (Laubinsel) oder Nal (beide mütterlichen Namen sind erwähnt), seine Brüder sind Byleist und Belblindi, seine Frau ist Sigyn. Durch „Blutsbrüderschaft“ steht er in besonderer Beziehung zu Odin. Dabei wird er, nicht unumstritten, als Lodur identifiziert.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung anhand einiger Mythen

„Loki ist schmuck und schön von Gestalt,
aber bös von Gemüt und sehr unbeständig.
Er übertrifft alle andern in Schlauheit und in jeder Art von Betrug.”
(Gylfaginning, 33)

In seinem Listenreichtum und seiner Gerissenheit stellt Loki ein Musterexemplar des mythischen „Tricksters“ dar. Er besitzt einen ausgeprägten Sinn für Strategie und nutzt ihn, um mit Intrigen und komplexen Lügen seine Interessen durchzusetzen. Da Loki halb Ase, halb Riese ist scheint sein Verhältnis zu den Asen auch daher ein zwiespältiges zu sein.

Die Riesin Sigyn gebar ihm Narfi, mit der Riesin Angurboda zeugt er drei Feinde der Asen: (1.) die Midgardschlange (Jörmungand), welche Thor, den Freund der Menschen, zum Ende aller Zeiten tötet, (2.) die Todesgöttin Hel und (3.) den Wolf Fenrir (Fenriswolf), der beim Weltende den Göttervater Odin verschlingen wird.

Vor allem ist Loki der Feind Balders und ein Gegner Heimdalls. Am Tod Balders, dem „Feind allen Unrechts“, hat Loki als Ratender (an. radbani) Anteil, indem er den blinden Hödr veranlasst, einen Mistelzweig zu werfen, so zu lesen in den Träumen Balders, (an. Balders Draumar). Mit dieser Tat leitet Loki den Untergang der Götterwelt ein.

Loki ist ein Gestaltenwechsler, ein Meister der Metamorphose, der sich in die verschiedensten Tiere und Menschen verwandeln kann. In den überlieferten Mythen ist er Adler, Stute, Lachs, eine Fliege oder ein altes Weib. Denn er wechselt auch sein Geschlecht, erlebt Schwangerschaft und Geburt, trägt in Gestalt einer Stute das achtbeinige Ross Odins, Sleipnir, aus, wie die Sage vom Riesenbaumeister erzählt. Das wird von den germanischen Göttern für einen Mann als schändlich betrachtet. Es ist „eines Argen Art“, sich als Mann wie ein Weib aufzuführen: „Unter der Erde acht Winter warst du / Milchende Kuh und Mutter/ denn du gebarest da / das dünket mich eines Argen Art“, (Lokasenna [Lokis Zankreden], 23).

Loki mit seiner Erfindung, dem Fischernetz. Aus einer isländischen Schrift des 18. Jhd.s
Loki mit seiner Erfindung, dem Fischernetz. Aus einer isländischen Schrift des 18. Jhd.s

Loki ist als Kulturheros der Erfinder des Fischnetzes, aber er, der Tölpelhaftigkeit und Listenreichtum in sich vereint, wird auch zum Opfer seiner eigenen Erfindung. Er hatte die Asen in seinen Zankreden (Lokasenna) derart erzürnt, dass er sich vor ihnen verstecken musste. In einem Berg schuf er sich ein Haus mit vier Türen, so dass er nach allen Seiten sehen konnte. Tagsüber verwandelte sich Loki von Zeit zu Zeit in einen Lachs, um sich im Wasserfall Franangr zu verstecken. Einmal, als er so alleine da saß, nahm er Flachsgarn und verflocht es zu Maschen, wie man seitdem Netze macht. Da sah er, dass die Asen nicht weit von ihm waren und er sprang schnell als Lachs ins Wasser, um sich zu verstecken. Die Asen fanden das Netz, und einer von ihnen kam auf die Idee, dass es ein gutes Mittel sei, Fische zu fangen. Als Loki von dem Fischnetz in die Enge getrieben war, sprang er darüber. Thor griff nach ihm und bekam ihn auch in der Mitte zu fassen, aber er glitt ihm aus der Hand, so dass er ihn erst am Schwanz wieder festhalten konnte. Es heißt, dass daher und seit dem der Lachs hinten spitz zuläuft.

Der gefangene Loki wurde zur Strafe mit den Eingeweiden seiner Söhne auf spitze (dreikantige) Felsen gefesselt. Über seinem Kopf hängte man eine giftige Schlange, die ätzenden Speichel tropfen ließ. Seine Frau Sigyn fing diesen Speichel in einer Schüssel auf. Nur wenn sie die Schüssel wegzog um sie zu leeren, trafen ein paar Tropfen auf Lokis Gesicht. Er schüttelte und wand sich so gewaltig unter seinen Schmerzen, dass dadurch die Erdbeben entstanden.

In der Ragnarök (Schicksal der Götter) ist er der Anführer der Vernichtung von Götter- und Menschenwelt. Loki und der Gott Heimdall töten sich in der Ragnarök gegenseitig.

Theorien zur Gestalt Lokis

Lokis Handlungen lassen erkennen, dass diese Schlechtes, wie auch Gutes bewirken. Letzteres oft gegen seine ursprüngliche Intention. Dennoch handelt er nicht ausschließlich schädigend. Oft wird Loki wegen seiner Listigkeit und seiner Kreativität von den anderen Gottheiten herangezogen, um aussichtslose Situationen zu bewältigen, was er auch immer schafft. Ebenso lässt er sich durch diese verpflichten, durch seine Schalkhaftigkeit angerichteten Schaden, wieder gut zu machen.

Eine der Theorien über die Gestalt des Loki besagen, dass die Beschreibung seines Wesens als "böse" oder "destruktiv" als ausschließlich christliche Sichtweise erkannt werden muss. Da nahezu alle schriftlichen Belege über Loki aus dem Hoch- und Spätmittelalter stammen, kann nicht zweifelsfrei behauptet werden, dass Loki in der beschriebenen Weise tatsächlich ein germanischer Gott war. Es ist möglich (und wird von einigen Historikern auch so gesehen), dass Loki eine "christliche Erfindung" ist und der germanischen Götterwelt erst lange nach deren Verdrängung durch das Christentum zugedichtet wurde.

Dennoch scheint gerade die Ambiguität Lokis ein Hinweis auf eine authentische vorchristliche Gestalt zu sein, die eine alleinige Zuschreibung des nur "Guten" und nur "Bösen" nicht kennt. Es ist davon auszugehen, dass die "bösen" Seiten Lokis in christlicher Zeit nicht hinzugefügt, sondern die "guten" Wesenszüge und Taten getilgt und die übrig gebliebenen "bösen" betont wurden. (Siehe hierzu den Artikel Trickster).

Weblinks

Commons
Commons: Loki – Bilder, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Jacob Grimm: Deutsche Mythologie K. W. Schütz- Verlag, Coburg. ISBN 3-87725-133-1 (Überarbeiteter Reprint der Originalausgabe von 1943 nach dem Exempar des Verlagsarchives)
  • Dumézil, Georges: Loki. Darmstadt 1959
  • Ström, Folke: Loki: Ein mythologisches Problem. Stockholm 1956
  • Bonnetain, Yvonne S.: Der nordgermanische Gott Loki aus literaturwissenschaftlicher Perspektive. Göppingen 2006 Göppinger Arbeiten zur Germanistik ; Nr. 733; Zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 2005; ISBN: 3-87452-985-1
Quelle:
Artikel Loki aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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