Lóng (chin. 龙/龍, viet. long, kor. 용 yong, jap. 竜/龍 ryū), der chinesische Drache, ist das wohl bekannteste Fabelwesen Chinas, wenn nicht des gesamten ostasiatischen Kulturkreises. Das in der Mythologie Chinas sehr oft vorkommende Wesen ist, im Gegensatz zu den europäischen Drachen, eher mit einer Gottheit als mit einem (böswilligen) Dämon zu vergleichen. Der Drache, oder besser gesagt, die verschiedenen lokalen Drachengottheiten (in Flüssen, Seen, Buchten, einer Legende nach sogar in Brunnen) werden auch noch heute, besonders in ländlichen Gegenden, angebetet, um beispielsweise Regen zu erbitten. Allerdings waren nicht alle Drachen gutartig. Gefürchtet war u.a. der schwarze Drache der Flut, der für Überschwemmungen und Stürme verantwortlich war.
Gemäß Volkmar Enderlein im Führungsblatt Nr. ISL 2 des Pergamonmuseums 1994 stammt das erste Vorkommen des Drachenmotivs zusammen mit Fenghuang (einem Phönix-ähnlichen Vogel) aus Chinas Zeit der Streitenden Reiche (480-221 v.Chr.). Drache und Fenghuang seien ursprünglich Symbol für das Kaiserpaar für Himmel und Erde gewesen. Dort begegnete das Symbol den China erobernden Mongolen, die es übernahmen und mit ihren weiteren Eroberungszügen in den Fernen und Nahen Osten brachten. Für die Kunst Vorderasiens sei das Drachenmotiv eine Neuerung des 13. Jahrhunderts. Eines der ersten Beispiele für die Übernahme des Motivs findet sich auf einem tauschierten Metallbecken in Nordsyrien. Ab diesem Zeitpunkt findet sich das Motiv Drache und Fenghuang in stilisierter Form auf Teppichen.
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die neun Drachen von Kowloon |
Drachenlampe in einem Tempel auf Taiwan |
In der chinesischen Mythologie gibt es zwei Sorten von Drachen, die Wasserdrachen, die Gottheiten der Gewässer repräsentieren, sowie Feuerdrachen. Obwohl sie sich äußerlich beide nicht unterscheiden, so ist ihr Charakter völlig unterschiedlich: Der Feuerdrache fürchtet das Wasser, während der Wasserdrache das Feuer fürchtet. Es gibt zum Beispiel Märchen, wonach ein bösartiger Feuerdrache durch Wasser getötet wurde. Der Feuerdrache ist auch das „Haustier“ des chinesischen Feuergottes Zhurong (nicht mit der historischen Man-Königin gleichen Namens zu verwechseln!). Er ist rotgeschuppt und spuckt Feuer. Es gibt auch Eisdrachen, die dem Affengott Sun Wukong bei seiner Pilgerfahrt nach Indien sehr hilfreich waren (indem sie zum Beispiel das heiße Wasser von Kochtöpfen kühlten, in denen der Affen-Meister - der Mönch Xuanzang - von Dämonen gekocht werden sollte).
Das Aussehen des Drachen lässt sich folgendermaßen beschreiben: Der Leib ist der einer mächtigen Schlange, die Schuppen die eines Karpfens, der Kopf ähnelt dem des Wasserbüffels mit einer Mähne, auffällig ist auch der Bart und die zwei etwas längeren Bärte an der Nase, die vier Beine (mit variierender Zahl an Zehen, je nach Rang des Wesens) entsprechen denen des Adlers. Am Rücken entlang zieht sich ein roter Schuppenkamm, wie beim europäischen Drachen. Zudem entpringt dem Haupt ein Hirschgeweih. Das Gebiss des Drachen ist eher säugetierartig als reptilienartig (es gibt Schneidezähne, Eckzähne usw.) und mit dem eines Wolfes oder Löwen zu vergleichen. Der Nase, dem Halsansatz und dem Unterkiefer entsprang eine Art Bart.
Allerdings kann der Drache auch andere Formen annehmen. Es gibt in China ein Sprichwort: Der Drache hat neun Söhne, jeder von ihnen ist verschieden. So sind die Schildkröten, die im Tempel die Steintafel tragen und die Löwen auf den geschwungenen Dächern nach chinesischer Interpretation ebenfalls Formen von Drachen. Als ein magisches Wesen ist der Drache meist in der Lage, andere Formen, unter anderen auch menschliche Formen, anzunehmen. Es soll auch magische Objekte geben, meistens in Form einer Perle (die Drachenperlen), die Menschen in Drachen verwandeln können, falls jemand sie verschluckt.
Der wichtigste Drachengott ist der Drachenkaiser des Ostmeeres (Ao Guang), der von einem phantastischen Hofstaat aus (Meeres-)Tiergeistern umgeben war, die eher Menschen mit Tierköpfen darstellten, als mit Tieren zu vergleichen sind (z.B. General Garnele). Berühmt ist er unter anderem durch seine magischen Waffen, die das Aufsehen des Affen Sun Wukong erregten. Auch er wurde als Regenbringer verehrt. Es gibt auch Drachenkaiser (Long Wang, eigentlich Drachenkönig), in den Meeren des Westens, des Nordens und des Südens. Ao Guang ist jedoch der prominenteste Drachenherrscher, und durch seinen Bekanntschaft mit Gestalten wie Nezha und Sun Wukong sehr berühmt (wobei er durch Letzteren auch ins Lächerliche gezogen wurde).
Mit der Ankunft des Buddhismus wurden die wohlwollenden Aspekte des Drachen manchmal verändert und den bösartigeren Naga angeglichen (bei den Long Wang ist dies jedoch definitiv nicht der Fall!).
Der Drache wird als Symbol vielfältig benutzt:
Einer Sage nach verstehen die Chinesen auch sich als Abkömmlinge der Drachen (Long de Chuan Ren).
Interessant ist daher auch, wie oft China mit dem Drachen gleichgesetzt wird. In der Tat ist er seit der Qin-Dynastie Symbol des chinesischen Staates. Auch die Flagge der Qing-Dynastie wird von einem gelben, fünfklauigen Drachen geschmückt.
Der Drache ist eins der zwölf Tierzeichen des chinesischen Kalenders. 2000, 2012, 2024, ... sind Jahre des Drachen.
In Fengshui werden bestimmte geographische Merkmale (meistens Flüsse oder langgezogene Berge) als Drachen interpretiert.
Andere Schreibweisen sind nach Wade-Giles: Lung und (in einer anderen chinesischen Sprache): Liong
Der Long-Drache ist der mächtigste unter den 3 chinesischen Drachen. Weiterhin gibt es noch den Meeresdrachen (li) - der keine Hörner besitzt - und den schwächsten der Drachen, den Drachen der Sümpfe (jiao).
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