Luftangriff auf Gernika

Gernika nach dem durch den Bombenangriff ausgelösten Großbrand
Gernika nach dem durch den Bombenangriff ausgelösten Großbrand

Der Luftangriff auf Gernika am 26. April 1937 durch deutsche Kampfflugzeuge war eine militärische Operation während des Spanischen Bürgerkrieges und nach heutiger Auffassung das erste große Kriegsverbrechen der Luftwaffe. Geleitet wurde der Angriff auf Gernika von Wolfram von Richthofen.

Kurz nach Bekanntwerden der Operation entwarf Pablo Picasso sein Monumentalgemälde Guernica, welches in schwarzen, grauen und weißen Farbtönen den Schrecken jenes Apriltages zeigt. Dieses Bild gilt bis heute als unübertroffene Anklage gegen den Krieg.

1997 entschuldigte sich Bundespräsident Roman Herzog bei einem Besuch in Spanien offiziell im Namen Deutschlands für den Angriff.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Zwischen 1936 und 1939 tobte in Spanien ein Bürgerkrieg zwischen der demokratisch gewählten republikanischen Regierung Spaniens und den Putschisten unter General Francisco Franco. Beide Seiten erhielten Unterstützung durch ausländische Truppenverbände und Waffenlieferungen. So versorgte die Sowjetunion die Republikaner, während Deutschland und Italien auf Seiten der Nationalisten standen.

Gernika, eine Kleinstadt mit damals 5.000 bis 6.000 Einwohnern im Baskenland an der Nordküste Spaniens am Golf von Biscaya gelegen, bekannter unter seinem spanischen Namen Guernica, befand sich zu dieser Zeit in einem schmalen, von den demokratisch gewählten Republikanern kontrollierten Streifen, der jedoch durch die von General Francisco Franco angeführten nationalistischen Vorstöße schon im Juli des Jahres 1937 von den anderen republikanischen Gebieten abgetrennt worden war. Als ein Putschversuch faschistischer Generäle scheitert, hofft man auf nationalistischer Seite auf Hilfe aus den gleichgesinnten Ländern Deutschland und Italien. In Berlin sieht man den Bürgerkrieg als Chance, vom Einmarsch in die Tschechoslowakei abzulenken. Zudem soll die seit 1935 im Aufbau begriffene junge deutsche Luftwaffe Kampferfahrung sammeln sowie Entwicklung und Verfeinerung von Luftkampftaktiken vorangetrieben werden

Zur Unterstützung der Putschisten schickte das Deutsche Reich die Legion Condor, bei der die Truppen im Rotationsverfahren immer wieder ausgetauscht wurden, sodass im Laufe des Bürgerkriegs insgesamt etwa 19.000 Mann zum Einsatz kamen. Unterstützung kam von Seiten italienischer Bomberpiloten.

Bereits am 31. März 1937, also knapp einen Monat vor Guernica wurde die etwa 20 Kilometer entfernte Kleinstadt Durango von deutschen Flugzeugen bombardiert. Bei den Angriffen kamen etwa 500 Menschen ums Leben. Das Bombardement erlangte jedoch im Zuge der darauffolgenden Ereignisse kaum Bekanntheit. Heute wird gemeinhin angenommen, dass die Deutschen in Durango ihre Flugzeuge und Waffensysteme für den anstehenden Luftangriff auf Gernika testen wollten.

Der Angriff

Ziel des deutschen Angriffs auf Gernika war angeblich die Zerstörung einer 25 Meter langen und zehn Meter breiten Steinbrücke über den Fluss Oca, die das Zentrum mit östlichen Stadtteil Rentería verband. Dadurch sollte die Infrastruktur zerstört und den Truppen Francos ein leichteres Erobern der Stadt ermöglicht werden.

Am 26. April 1937, einem Montag, um 15.45 Uhr startete auf dem Flughafen von Burgos, etwa 140 Kilometer südwestlich von Gernika gelegen, eine Dornier Do 17 mit vier Mann an Bord. Begleitet von Jagdfliegern aus Vitoria als Schutz flog die Maschine zunächst etwa 10 Kilometer auf den Golf von Biscaya hinaus (von der Seeseite erwarteten die Spanier keine Angriffe) und kehrte dann in einer Schleife nach Gernika zurück, um die Brücke zu zerstören. Die Bomben, entriegelt um 16.30 Uhr, trafen jedoch nicht das Bauwerk, sondern fielen ins Stadtzentrum.

Zehn Minuten später führte das Flugzeug die erste Staffel, bestehend aus drei Savoia-Marchetti SM.79 der italienischen Legion, über der Küste an. Diese steuerte über die Stadt und ließ die Bomben aus einer Höhe von etwa 700 Metern fallen.

Um 17.00 Uhr erhoben sich 50 Kilometer südlich der Stadt, in Vitoria, zehn Heinkel He 51-Jäger; zur gleichen Zeit starteten 27 Junkers Ju 52/3m von Burgos aus.

15 Minuten darauf trafen die He 51 in Gernika ein. Aus einer Flughöhe von nur 30 Metern schossen die Besatzungen auf alle auf den Straßen anzutreffenden Personen. Wenig später warfen die Ju 52 ihre Bomben in drei Wellen ab.

Gegen 18.50 Uhr erreichten mehrere Messerschmitt Bf 109-Jäger den Ort und schossen auf die Flüchtenden. Zehn Minuten später flogen weitere He 51 den letzten Angriff.

Durch die Bomben und das anschließende Großfeuer wurden etwa 80 Prozent aller Gebäude zerstört. Die Rentería-Brücke allerdings war nicht von einer einzigen Bombe getroffen worden. Sie blieb unbeschädigt.

Beim Luftangriff auf Gernika starben hunderte von Menschen, eine genaue Zahl ist nicht überliefert. Einige Quellen sprechen von 1.654 Toten und 889 Verwundeten [1], andere von 300 getöteten Zivilisten [2], während unmittelbar nach dem Angriff zeitgenössische englische und französische Zeitungen Opferzahlen in Größenordnungen von 20.000 Toten angaben, was nach heutigen Expertenmeinungen jedoch stark übertrieben ist.

Hilfen

Schon nach der ersten Angriffwelle gelang es einem republikanischem Offizier per Telefon das Oberkommando zu erreichen. Er bat um Schutz durch Flugzeuge und Artillerie. Als Antwort bekam er jedoch nur, dass man seinen Wunsch überdenken werde.

Erst um 23.00 Uhr - knapp vier Stunden nach dem Abzug der letzten He 51 - traf ein aus Bilbao kommender Löschtrupp der Feuerwehr ein. Doch auch dieser vermochte den Brand nicht zu löschen, da die meisten Wasserleitungen in der Stadt geborsten waren. Erst 16 Stunden später, um 15.00 Uhr am darauffolgenden Tag, gelang dies.

Eine 1-Kilogramm-Stab-Brandbombe
Eine 1-Kilogramm-Stab-Brandbombe

Abwurfmenge und verwendete Bomben

Im Laufe des Angriffes warfen die Deutschen ca. 22 bis maximal 40 Tonnen Fliegerbomben auf Gernika ab. Das eingesetzte Abwurfmaterial bestand aus 250-Kilo-Sprengbomben, 10 bzw. 50-Kilo-Splitterbomben sowie 1-Kilo-Stabbrandbomben. Letztere machten etwa ein Drittel der Gesamtabwurfmenge aus.

Einmarsch der Nationalisten

Wenige Tage nach den Bombardements nahmen die rebellischen Nationalisten über die Rentería-Brücke kommend die Gegend und auch die Stadt ein. Sie trafen auf keinerlei Widerstand mehr.

Intention der Deutschen

Wie oben erwähnt, war das offizielle Angriffsziel der Deutschen die Brücke. Aufgrund der weiten Streuung der Bombenabwürfe und den zusätzlich eingesetzten Jagdflugzeugen, kann jedoch von einer anderen Absicht ausgegangen werden. Ein Augenzeuge beobachtete zudem, wie drei Bomber nebeneinander fliegen. Für einen Zielanflug, zum Beispiel auf die Brücke, wäre jedoch ein Hintereinanderfliegen zu erwarten gewesen.

Nachfolgend sind einige Spekulationen ob der wahren Angriffsintention aufgelistet

  • Das Ziel des Angriffs könnte die Waffenfabrik Unceta südlich der Brücke gewesen sein. Aber deren Gebäude wurden nicht beschädigt. In Anbetracht des abzusehenden Einmarsches der Franco-Truppen, wäre eine Zerstörung der Fabrik militärisch gesehen jedoch kontraproduktiv gewesen, da die Nationalisten die Fabrik besetzen und die Waffenproduktion für die eigene Seite fortsetzen konnten, was sie auch taten, zumal der Waffenfabrikant Rufino Unceta ein Franco-Anhänger war.
  • Die wirklichen Ziele könnten das Parlamentsgebäude und die Eiche von Guernika gewesen sein. Allerdings wurden auch sie beim Angriff nicht getroffen. Eine Zerstörung der baskischen Nationalsymbole hätte den militärischen Widerstand im Baskenland anfachen können.
  • Möglicherweise war der Luftangriff eine Vergeltungsaktion für die Lynchjustiz der zivilen Bevölkerung an abgeschossenen Piloten der Legion Condor. Allerdings war in Gernika und seiner näheren Umgebung nie ein deutscher Flieger abgeschossen worden.
  • Von britischer Seite wurde die Ansicht vertreten, mit dem Angriff sei ein Konzept zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung erprobt worden. Die wäre die praktische Umsetzung der Strategie des „Totalen Krieges“, die 1935 von Ex-General Erich Ludendorff entworfen worden war.

Sicher ist, dass die Deutschen in Gernika ihre Flugzeuge und Waffensysteme für weitaus größere Bombenangriffe im 2. Weltkrieg getestet haben.

Quellen

  1. Ernst Alexander Rauter: Folter in Geschichte und Gegenwart. Eichborn Verlag, 2. neue und erweiterte Auflage 1988, Seite 55
  2. Y. Magazin der Bundeswehr; Ausgabe 04|2007, Seite 94

Literatur

  • GEO; Ausgabe 05|Mai 2007: Guernica (Jens Schröder)

Weblinks

Quelle:
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