Märchen (mittelhochdeutsch Maere = „Kunde, Bericht“) gehören zur Literaturgattung der Epik. Es handelt sich um kürzere Erzählungen, die von fabelhaften und wunderbaren Begebenheiten berichten, die allesamt frei erfunden sind und keinerlei wirkliche Begebenheiten als Grundlage haben. Sie finden sich zu allen Zeiten und bei allen Völkern dieser Welt. In Deutschland prägten insbesondere die Brüder Grimm den Begriff.
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Hauptartikel: Volksmärchen
Bei Volksmärchen lässt sich kein bestimmter Urheber feststellen. Die mündliche Weitergabe war für lange Zeit die ausschließliche und ist bis heute die natürliche Form der Überlieferung. Dennoch hat auch die schriftliche Überlieferung seit ihren Anfängen auf die traditionelle mündliche Erzählweise miteingewirkt, fanden doch schon im Mittelalter Märchen Eingang in die Literatur und wurden aus den verschiedensten Gründen schriftlich festgehalten. Mit der Möglichkeit des Drucks in der Neuzeit hat die schriftliche Verbreitung naturgemäß eine größere Position eingenommen. Aufgrund der mündlichen Erzähltradition besitzt das Volksmärchen keine konstante Form. Vielmehr tritt es in zahlreichen und teils sehr unterschiedlichen Varianten auf. Was all diese Varianten aber als solche auszeichnet, ist die Grundstruktur der Erzählung, d. h. Thema und Ablauf der Handlung werden in ihren charakteristischen Zügen beibehalten. Die Abweichungen der Varianten voneinander sind umso größer, je älter und je weiter verbreitet ein Märchen ist.
In Deutschland wird mit dem Begriff Märchen in erster Linie die Grimmsche Volksmärchensammlung „Kinder- und Hausmärchen“ (1812) assoziiert, jedoch gibt es noch unzählige andere deutsche Volksmärchen, da die Brüder Grimm nur einen Teil der damaligen Märchen aufzeichnen konnten. In Frankreich wurde die erste Märchensammlung 1697 von Madame d'Aulnoy angelegt und der Ausdruck "contes de fée" (Feengeschichten) geprägt, von dem sich das englische "fairy tales" ableitet. Das Element des zauber- und fabelhaften tritt hier schon in der Namensgebung zum Vorschein. In jedem Kulturkreis gibt es traditionelle Märchen und Sammler, die sich auf die Jagd nach ihnen gemacht haben. Um nur einige Beispiele anzuführen seien noch die Erzählungen aus 1001 Nacht und Charles Perraults "Histoires ou Contes du temps passé avec des moralités".
Hauptartikel: Kunstmärchen
Bei den sog. Kunstmärchen handelt es sich indes um bewusste Schöpfungen von Dichtern und Schriftstellern. Bisweilen greifen sie Motive der Volksmärchentradition auf, meist werden aber neuartige fantastische Wundergeschichten erfunden, die mit dem Volksmärchen aber dennoch durch den Aspekt des Wunderbaren und Unwirklichen verbunden bleiben. Ihr Inhalt wird überwiegend durch die Weltanschauung und die Ideen einer individuellen Person getragen und unterliegt den Einflüssen der Literaturströmungen. In der Romantik erreichte das Kunstmärchen einen frühen Höhepunkt und erhielt entscheidende Impulse für seine weitere Entwicklung. In der Frühromantik lag der Akzent auf sehr künstlichen Schöpfungen, die die Grenzen der herkömmlichen Märchen hinter sich ließen und sich somit dem unbefangene Märchenleser nicht mehr so einfach erschlossen. Das änderte sich jedoch wieder mit den Dichtern der Spätromantik, die den einfachen Märchenton bevorzugten. Der am meistgelesene Verfasser von Kunstmärchen im 19. Jahrhundert war Wilhelm Hauff (1802-1827). Seine Märchenbücher „Die Karawane“, „Der Scheich von Alexandria“ und „Das Wirtshaus im Spessart“ erschienen in drei aufeinanderfolgenden Jahren und spielten, wie die Titel schon verraten, vor unterschiedlichem Hintergrund. Während er in den ersten beiden Bänden die Handlung in den Orient verlegt, dient im letzteren der rauhere Norden als Schauplatz. All seine Märchen kennzeichnet das Abenteuer, was aus seiner eigenen Begeisterung für die Fremde zu erklären ist.
Zu den beliebtesten Märchendichtern zählt der Däne Hans Christian Andersen (1805-1875). Angeregt wurde er durch die Brüder Grimm und die deutschen Kunstmärchen. Zunächst ist in seinen Märchen noch eine deutliche Anlehnung an das Volkstümliche zu erkennen, doch schon bald entwickelte er seinen eigenen, unverwechselbaren Stil. Im Gegensatz zu den Volksmärchen, die grundsätzlich an einem unbestimmten Ort spielen, beschrieb er sorgfältig den Schauplatz seiner Geschichten und achtete auf die Nähe zur kindlichen Weltauffassung. Seine Erzählungen weisen eine einfache und ungekünstelte Sprache auf und wirken durch einen eindringlichen Erzählton. Es ging ihm darum, das Wunderbare in die Wirklichkeit des Alltags hineinzuholen, ohne dass eine Kluft zwischen beidem entsteht, wie es bei den Romantikern oft der Fall war. In Dänemark wie in Deutschland sah man in Andersens Erzählungen in erster Linie Märchen für Kinder. Das allerdings widersprach seinem eigenen Selbstverständnis, denn er selbst verstand sich als Autor für alle Altersklassen.
Im weitesten Sinne zu den Kunstmärchen können auch die in neuerer Zeit entstandenen Fantasy-Geschichten gerechnet werden. Auch die Science-Fiction-Filmreihe Star Wars weist typische charakteristische Merkmale eines Märchens auf, wie z.B. die fehlenden bzw. äußerst ungenauen Orts- und Zeitangaben ("Es war einmal, vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis..."), die Gleichstellung von Adligen und Bürgerlichen oder das Happy End.
Bei Märchenparodien handelt es sich um Parodien bekannter Märchen. Die Handlung weicht dabei mehr oder weniger stark von der des ursprünglichen Märchens ab. Manchmal bezieht sich die Parodie auf ein einziges Märchen und manchmal auf mehrere gleichzeitig. Bekannte Märchenparodien sind:
Literatur
Filme
Hörspiele
Meisterliche Märchenerzähler die Märchen sammeln gibt es vermutlich, seit es Märchen gibt. Sie trugen zur Entstehung, Überlieferung von Märchen und Märchensammlungen maßgeblich bei. Zu den bekanntesten Märchen-Sammlern gehören Charles Perrault, die Brüder Grimm, Ernst Moritz Arndt, Benedikte Naubert und Ludwig Bechstein. Eine Sammlung orientalischer Märchen enthalten die Geschichten aus 1001 Nacht. Die Reihe „Märchen der Weltliteratur“ stellt Märchen aus aller Welt vor.
Die meisten Märchenerzähler der Gegenwart sammeln alte Volksmärchen und setzen sich für deren Erhaltung und die Tradition des Erzählens ein. Bekanntheit im deutschsprachigen Raum haben insofern u. a. die Deutschen Klaus Adam, Mario Eberlein, Frank Jentzsch und Frieder Kahlert, die Österreicher Folke Tegetthoff, Michael Köhlmeier, Norbert Julian Kober Eva Jensen und Helmut Wittmann, der Schweizer Jürg Steigmeier erlangt. Gerd J. Pohl widmet sich sowohl als Puppenspieler als auch als Rezitator klassischer Märchen, besonders denen der Brüder Grimm. Im internationalen Bereich sind Radha Anjali (Indien), Heather Forest (USA), Huda al Hilali (Irak), Jankele Ya'akobson (Israel), Saddek El Kebir (Algerien), Laura Kibel (Italien), Antonio Sacre (Kuba) und Eth Noh Tec (Japan) zu nennen. Im süddeutschen Raum wurde 1999 ein Bildungsträger mit dem Namen Goldmund e.V. gegründet der Märchen- und Geschichtenerzähler ausbildet. Eine Sonderform des Märchenerzählers ist der fahrende Mundwerker bzw. Bänkelsänger, ein Vertreter des „fahrenden Volkes“. „Fahrendes Volk“ war in Deutschland bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts anzutreffen. Diese Mundwerker zogen umher und erzählten gegen Entgelt Moritaten und/oder sangen Bänkellieder.
Von 1988 bis 2006 fand in Graz alljährlich Europas größtes Erzählkunstfestival „Die lange Nacht der Märchenerzähler“ (GRAZERZÄHLT) statt. 2007 findet diese Veranstaltung in Niederösterreich und dem Namen „fabula“ statt.
In Berlin findet seit 1990 jährlich im November das Märchenfestival Berliner Märchentage statt.
Außerdem gibt es Märchenzoos, das sind Ansammlungen von Dioramen mit kleinen Figuren und Lautsprecher, die (meist gegen Münzeinwurf) Märchen erzählen. Ein traditionsreicher Märchenzoo ist z. B. der Märchenzoo Blauer See (Ratingen).
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