Markus Lüpertz

Markus Lüpertz
Markus Lüpertz
Markus Lüpertz: „Der gestürzte Krieger“ – Bronzeplastik gegenüber dem Theater des Westens
Markus Lüpertz: „Der gestürzte Krieger“ – Bronzeplastik gegenüber dem Theater des Westens
Spielbein/Standbein (1982) Kunstmuseum Bonn
Spielbein/Standbein (1982) Kunstmuseum Bonn

Markus Lüpertz (* 25. April 1941 in Reichenberg, heute Liberec, Tschechische Republik) ist ein deutscher Maler und Bildhauer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Lüpertz studierte von 1956 bis 1963 an der Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goosens und für ein Semester an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1961 ist er in Düsseldorf auch als freischaffender Künstler tätig. 1962 zieht Lüpertz nach West-Berlin. Dort gründet er zusammen mit Bernd Koberling und Karl Horst Hödicke die Selbsthilfegalerie „Großgörschen 35“. 1970 erhält Lüpertz den Preis der Villa Romana und hält sich im Rahmen eines einjährigen Stipendiums in Florenz auf. 1976 nimmt er eine Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe an. 1977 präsentiert die Hamburger Kunsthalle erstmals einen Überblick über sein Oeuvre. Es folgen Ausstellungen in der Kunsthalle Bern, im Stedelijk Museum, Amsterdam, und im Van Abbemuseum, Eindhoven. 1982 ist er mit Werken auf der documenta VII in Kassel und auf der Gruppenausstellung Zeitgeist zu sehen. 1984 nimmt er an der Ausstellung Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf teil. 1986 wird er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. 1988 beruft man ihn zum Rektor der Akademie.

Lüpertz lebt und arbeitet in Berlin, Karlsruhe, Düsseldorf und Florenz. Er ist verheiratet und hat 5 Kinder. Wegen seiner oft selbstgefälligen öffentlichen Auftritte, seiner egozentrischen Rhetorik und seines extravaganten Lebensstils wird der Künstler auch als „Malerfürst“ bezeichnet. Er ist mit anderen bekannten deutschen Künstlern wie Jörg Immendorff und mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder befreundet.

Werk

Im Gegensatz zu den vielen abstrakten Tendenzen in der Malerei seiner Zeit beschäftigt sich Lüpertz mit einfachen gegenständlichen Motiven, die er in expressiver Manier malt. 1962 begann er in Berlin mit der so genannten „dithyrambischen Malerei“. 1964 folgte anlässlich der Eröffnung der Galerie „Großgörschen 35“ die Ausstellung „Dithyrambische Malerei“. Zwei Jahre später erschien „Kunst, die im Wege steht. Dithyrambisches Manifest“. 1969 bis 1977 malt er in Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte vorwiegend „deutsche Motive“ (symbolträchtige Gegenstände der Vergangenheit wie Stahlhelme, Schaufeln oder Flaggen) in großen Formaten. Ab 1977 entstehen „Stil-Bilder“, in denen er sich stärker als bisher an abstrakteren Tendenzen der fünfziger Jahre orientiert. Anfang der achtziger Jahre gibt er diese Tendenzen zugunsten einer neuen Gegenständlichkeit und Räumlichkeit auf, wobei er immer öfter in Serienbildern auf Zitate aus der Kunstgeschichte zurückgreift.

Lüpertz gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Neoexpressionismus. In seinen Gemälden kehren bestimmte Motive wie Schneckenhäuser, Stahlhelme, Ähren, Armeemäntel und Akte immer wieder. Seit 1980 entstehen auch Bühnenbildner und Skulpturen.

Neben seiner Tätigkeit als Maler und Bildhauer widmet sich Lüpertz gelegentlich der Dichtkunst und Klavier spielend dem Free Jazz.

Kontroversen

Im August 2005 wurde die umstrittene Mozartskulptur von Markus Lüpertz, die auf dem Ursulinenplatz in Salzburg aufgestellt worden war, vom selbsternannten „Pornojäger“ Martin Humer mit rotem Lack lackiert und gefedert. Der Skulpturenschänder begründete seine Tat mit den Worten: „Wir lassen uns das nicht gefallen. Provokation muss mit Provokation beantwortet werden.“ Die Statue sei „auch eine Art der Pornografie“, und „Mozart so darzustellen ist eine Abscheulichkeit. Das kann nur ein Psychopath machen.“ Der Künstler restaurierte selbst die Skulptur. Auch in Augsburg gab es Kontroversen um eine Aphrodite-Plastik für einen Brunnen im Stadtzentrum. Am 14. Juni 2006 wurde in Bamberg seine in der Nähe des Brückenrathauses aufgestellte Skulptur „Chillida“ umgestürzt und dabei schwer beschädigt – der Kopf des Kunstwerkes riss ab. Seine Skulpturen werden umgangssprachlich auch als „Bazel-Skulpturen“ (Baz = umgangssprachlich nasser Sand, Schlamm) bezeichnet, da sie an Objekte erinnern, welche z.B. Kinder aus sehr nassem Sand formen.

Holzbänke statt Sofas

Markus Lüpertz zieht, laut einem Gastbeitrag vom August 2006 im „Cicero“, Holzbänke jedem Sofa vor. Sofas würden „eine Form von Gefangensein“ vermitteln, „ein Vereinnahmtwerden“, das ihm „zutiefst suspekt“ sei. Das Sofa lähme die Menschen. Er selbst werde nie eins besitzen. Lüpertz hat Holzbänke.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • „Kunst, die im Wege steht. Dithyrambisches Manifest“, 1966
  • „Markus Lüpertz. Malerei, Plastik, Zeichnung“, 1993, ISBN 3879093431
  • „Der mediterrane Mythos“, 1995, ISBN 3852560330
  • „Markus Lüpertz. Hommage a mozart“, 2005, ISBN 3854984472 (mit Michael Baum, Joachim Beickler, Andreas Brandt)
  • „Markus Lüpertz – Durs Grünbein“, 2005, ISBN 3879098700 (mit Durs Grünbein, Andrea Firmenich, Johannes Janssen)
  • „Markus Lüpertz – Totentanz“, 2006, ISBN 3874482766 (mit Klaus Hurtz)

Öffentliche Sammlungen (Auswahl)

Weblinks

Commons
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Quelle:
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