Vorlage:Volksgruppe
Die Mescalero sind Indianer des nordamerikanischen Südwestens, gehören linguistisch der athapaskischen Sprache aus der Na-Dené Sprachfamilie an und zählen zu den östlichen Apachen-Stämmen (engl. Eastern Apache).
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Die einzelnen Gruppen der Mescalero-Apachen nannten sich selbst Shis-Inday (Volk der Bergwälder). Der Name Mescalero wurde diesem Stamm um 1550 von den Spaniern gegeben, weil sie überwiegend die als Century plant bezeichnete Agave parryi ernteten. Das geröstete Herz wurde bevorzugt gegessen. Die Blätter der Agave lieferten auch Fasern für Flechtarbeiten; die Blattspitzen dienten der Anfertigung von Nadeln. Weitere Einsatzgebiete: Grundstoff für Getränke und Medizin. Seit ihrer Umsiedelung in die Reservation bei Ruidoso (New Mexico) leben sie überwiegend von der Holzwirtschaft (daher Volk des Waldes) und von Kasinobetrieben.
Ursprünglich bewegten sich die Mescalero in einem Gebiet zwischen dem Rio Grande im Westen und dem Llano Estacado (engl. Staked Plains) in Texas im Osten bis hinunter in die mexikanischen Provinzen Chihuahua und Coahuila im Süden. Die landschaftliche Vielfalt diese Territoriums dokumentieren die bis zu 4.000 Meter hohen Berge der Sacramento und San Andres Mountains inmitten einer dürren Halbwüste.
Heute leben sie in einer 1.940 km² großen Reservation nordwestlich der Stadt Alamogordo im Süden New Mexicos. Zur Zeit des ersten Kontakts mit den Spaniern bewohnte die Hauptgruppe die Sierra Blanca Mountains nördlich ihrer jetzigen Reservation.
Während des Sommers waren sie in den Bergen zu finden und wechselten des Öfteren das Lager auf der Suche nach Wild und Wildpflanzen. Gelegentlich gingen sie auch auf die Büffeljagd in den Plains im Osten. Dabei benutzten sie vor der Ankunft des Pferdes Hunde als Packtiere. Manchmal wurden sie von den Comanchen angegriffen, die dieses Terrain als Jagdgebiet beanspruchten.
Im Winter zogen die Mescalero in die wärmeren Wüstenregionen, wo sie sich vorwiegend von Wüstenpflanzen ernährten, besonders vom Mescal-Kaktus. Zwischendurch fanden sie auch Zeit, um die Dörfer der Pueblo-Indianer im Tal des Rio Grande zu überfallen und zu plündern. Die Mescalero übernahmen auch einige Elemente der Plainsindianer-Kultur, zum Beispiel das Tipi.
Wie den anderen Banden der Apachen fehlte den Mescalero eine zentralisierte Stammesorganisation. Die wichtigste organisatorische Einheit war die Gruppe (engl. Band), die sich in der Regel in kleinere lokale Gruppen unterteilte. Eine Band war klein genug, dass jedes Mitglied mit den meisten, wenn nicht mit allen anderen verwandt war.
Die ersten Kontakte zu den spanischen Entdeckern waren friedlicher Art, doch die Besiedlung des indianischen Landes durch Kolonisten änderte dieses Verhalten. Die Spanier tolerierten, dass einige ihrer Landsleute unter den Mescalero Sklaven nahmen. Die Mescalero ihrerseits übten sich im Guerillakampf. Sie überfielen in blitzartigen Aktionen die spanischen Ansiedlungen, um sich danach ebenso schnell in ihre Bergverstecke zurück zu ziehen. In den späten 1680er Jahren stellten die Mescalero eine ernsthafte Bedrohung der spanischen Siedlungen dar. Auf diese Weise gelang es ihnen, dem spanischen Einfluss über hundert Jahre lang weitgehend zu widerstehen.
Erst den Jahren 1788 und 1789 führten die Spanier einen Feldzug gegen die Mescalero und Lipan. Mehrere Niederlagen der Indianer und das Versprechen, ihnen Nahrungsmittel zu liefern, hatten zur Folge, dass die Mescalero ihre Raubzüge weitgehend einstellten. Der relative Frieden dauerte bis 1811, als die Mexikaner die Kontrolle über das Gebiet übernahmen. Diese hatten finanzielle Probleme und stellten die Lieferung von Lebensmitteln ein. Alsbald nahmen die Mescalero ihre alte Lebensweise wieder auf und überfielen erneut die Siedlungen am Rio Grande.
Nach der Übernahme des Territoriums New Mexico durch die Vereinigten Staaten, gab es in den 1850er Jahren Versuche, die Übergriffe der Apachen zu beenden oder zumindest einzuschränken. In Verträgen zwischen beiden Parteien wurden dauerhafter Frieden und erneute Nahrungsmittel-Lieferungen vereinbart, diese aber niemals offiziell ratifiziert. Nach Ausbleiben der Lieferungen erfolgten neue Überfälle und die US-Regierung sah sich gezwungen, Fort Davis und Fort Stanton im südlichen New Mexico und Texas zu errichten, um die weißen Siedler zu schützen.
Nach einer erfolgreichen militärischen Aktion der US-Truppen im Jahre 1855, ersuchten die Mescalero um Frieden und unterzeichneten einen Vertrag, in dem sie zustimmten, eine Reservation bei Fort Stanton zu beziehen. Das Experiment war nur von kurzer Dauer, als Rache suchende Mexikaner die dort lebenden friedlichen Mescalero überfielen. Als General James Carleton mit Hilfe Kit Carsons 1862 schließlich die ausgehungerten Mescalero in einer neun Monate langen Strafexpedition unterwarf, ließ er etwa 500 Stammesangehörige in die Reservation Bosque Redondo nahe Fort Sumner bringen. Die übrigen flüchteten nach Mexiko oder gingen zu den Westlichen Apachen nach Arizona. In Geronimos Chiricahua-Gruppe waren später auch einige Mescalero, doch viele von ihnen dienten als Scouts bei in der US-Armee.
Die in der etwa 65 km² großen Reservation Bosque Redondo lebenden Mescalero mussten den Platz mit etwa 9.000 Diné teilen. Alle Bewohner litten große Not; Dürre vernichtete ihre Ernte, dazu kamen Krankheiten, fast ungenießbares, Alkali-haltiges Wasser und heftige Streitigkeiten zwischen Mescalero und Diné, so dass es viele Tote zu beklagen gab.
Nach zwei Jahren hielten es die Mescalero, die Freizügigkeit gewohnt waren, nicht mehr in der engen Reservation aus und flohen in ihr altes Land zurück. Dort blieben sie fünf Jahre lang und verhandelten mit der Regierung, um eine neue Reservation zu bekommen. Im Jahre 1873 erhielten sie auf ihrem ehemaligen Stammesgebiet zwischen dem Pecos River im Osten und den Sacramento Mountains im Westen eine neue Reservation, die auf Forderung der benachbarten Weißen noch einige Male verändert wurde. In den ersten Jahren waren die Bedingungen dort kaum besser als in Bosque Redondo. Die Pocken wüteten weiter, die Lebensmittel waren knapp und es gab Ärger mit weißen Siedlern.
Man stellte Regeln auf, nach denen die Mescalero "zivilisiert" werden sollten. Sie mussten ihre Haare kurz schneiden, durften keine Tänze mehr veranstalten, mussten die Kleidung der Weißen tragen und anstelle ihrer Zeremonien den amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli, Weihnachten und das Erntedankfest (engl. Thanksgiving) feiern. Farmarbeit aber wurde begrüßt.
Die Bevölkerung in der Reservation erhielt später Zuwachs durch Mitglieder anderer Apachen-Stämme. Es kamen Lipan, die in Mexiko Zuflucht gesucht hatten, einige Mimbrenjo und schließlich 187 Chiricahua, die 1913 aus ihrem Gefängnis in Fort Sill in Oklahoma entlassen worden waren. Anfangs kamen diese drei Stämme nicht gut miteinander aus, aber im Laufe der Zeit entstanden durch Heirat und Freundschaft enge Beziehungen. Schließlich wurden 1964 alle Apachen in der Reservation ungeachtet ihrer Herkunft als Mescalero anerkannt.
Heute verdienen sich die meisten Mescalero ihren Lebensunterhalt mit Lohnarbeit in der Nähe der Reservation. Die Einkünfte des Stammes resultieren aus dem Tourismus, aus Jagd- und Angler-Lizenzen, aus der Holzwirtschaft und der Viehzucht. Außer der Herstellung von Wiegenbrettern (engl. Cradle board) und Perlenschmuck gibt es bei den Mescalero kein traditionelles Kunsthandwerk mehr. In der letzten Zeit entwickelte sich der Tourismus zur erfolgreichsten Einnahmequelle. Ski Apache, das Skigebiet auf ihrem Land, bietet international erstklassige Wintersportbedingungen auf dem Viertausender Sierra Blanca Peak.
Das größte Fest der Mescalero wird am Wochenende des Unabhängigkeitstages, dem 4. Juli, gefeiert. Zentrales Ereignis dieses Festes ist die Sonnenaufgangs-Zeremonie (engl. Sunrise Ceremony), das Ritual eines erwachsen werdenden Mädchens, bei dem die Ga´an, maskierte Berggeister, mit phantasievollem Kopfschmuck Tänze aufführen. Die Mythologie sagt, dass diese Geister bei der Schöpfung zu den Mescalero gekommen sind und sie gelehrt haben, in Harmonie mit der Erde zu leben.
Beim Zensus 2000 wurden 3.156 Bewohner der Mescalero-Reservation gezählt.
Karl Mays Romanfigur Winnetou ist ein Häuptling der Mescalero. Als der Schriftsteller in den 1870er Jahren seinen Protagonisten ersann, waren die Zeitungen voller Berichte über die blutrünstigen Apachen. Karl May, der niemals im Westen der USA war, hat nachweislich sein Wissen über Land und Leute aus zeitgenössischen Reiseberichten und Nachschlagewerken geschöpft, so auch aus dem Pierer, einem bekannten Konversationslexikon dieser Zeit. Der Pierer von 1888 schreibt:
Es ist anzunehmen, dass Karl May, der entgegen dem Zeitgeist für die Sache der Indianer eintrat, bewusst einen Angehörigen des so negativ beschriebenen Stammes für seinen Edlen Wilden wählte.