Mongolische Schrift

Mongolische Schrift
Schrifttyp Alphabet
Sprachen Mongolisch
Ewenkisch
Erfinder Tatar-Tonga
Entstehung 1208
Verwendungszeit Seit 1208
Verwendet in Mongolei
Innere Mongolei, China
Offiziell in Innere Mongolei, China
Abstammung Syrisches Alphabet
 → Sogdisches Alphabet
  → Uighurische Alphabet
   → Mongolische Schrift
Abgeleitete Mandschurische Schrift
Klare Schrift
Vaghintara-Schrift
Besonderheiten vertikal von links nach rechts
Unicode-Block U+1800 – U+18AF
ISO 15924 Mong

Die klassische mongolische Schrift war die erste einer ganzen Reihe von Schriften, welche für die Mongolische Sprache entwickelt oder angepasst wurden. Sie wird mit geringfügigen Veränderungen auch heute noch in der Inneren Mongolei in China verwendet, um Mongolisch und Ewenkisch zu schreiben.

Die Schrift, ein Alphabet, wurde 1208 vom uyghurischen Schreiber Tatar-Tonga geschaffen. Er war während eines Feldzuges gegen die Naimanen von den Mongolen gefangengnommen worden, und wurde dann von Dschingis Khan beauftragt, eine Schrift für die mongolische Sprache festzulegen. Zu diesem Zweck passte er das Uighurische Alphabet an die neuen Anforderungen an. Dieses stammte seinerseits über das Sogdische Alphabet vom Syrischen Alphabet ab. Seine größte Besonderheit ist die vertikale Schreibrichtung von links nach rechts (alle anderen vertikalen Schriften gehen von rechts nach links). Die Uyghuren hatten ihre Schrift um 90° im Gegenuhrzeigersinn gedreht, um sie der chinesischen Schreibweise ähnlicher zu machen.

Inhaltsverzeichnis

Schriftzeichen

Das Wort „Mongol“ in der klassischen Schrift
Das Wort „Mongol“ in der klassischen Schrift

Die einzelnen Zeichen nehmen unterschiedliche Formen an, je nach dem ob sie eine initale, mediale, oder finale Position im Wort einnehmen. In einigen Fällen gibt es noch zusätzliche grafische Varianten, deren Wahl vom visuellen Zusammenspiel mit dem jeweils darauf folgenden Zeichen abhängt.

Das Alphabet verwendet jeweils das gleiche Zeichen für einige Vokal- (o/u, ö/ü, finale a/e) und Konsonantenpaare (t/d, k/g, manchmal ž/y) in der mongolischen Sprache, welche im Uighurischen nicht unterschieden wurden. Das Resultat ist annähernd vergleichbar mit der Situation im Englischen, welches 10 oder mehr Vokale mit 5 Zeichen darstellen muss, und den Digraph th für zwei unterschiedliche Laute verwendet. Es kommt trotzdem relativ selten zu wirklichen Mehrdeutigkeiten, da die Anforderungen von Vokalharmonie und Silbenbildung meistens für eine eindeutige Festlegung sorgen.

Zeichen Transliteration Bemerkungen
initial medial final Lat.[1] Kyrillisch
Bild:Mongol a head2.jpg Bild:Mongol a middle 2.jpg Bild:Mongol a tail 1.jpgBild:Mongol a tail 2.jpg a А Unterscheidung meist mittels Vokalharmonie (siehe auch q/γ und k/g)
Bild:Mongol e head.jpg e Э
Bild:Mongol i head.jpg Bild:Mongol i middle1.jpg[2]

Bild:Mongol i middle2.jpg[3]

Bild:Mongol i tail2.jpg i, yi И,Й, Ы, Ь Am Wortende häufig in vorhergehende Silbe absorbiert.
Bild:Mongol o head.jpg Bild:Mongol o middle.jpg Bild:Mongol o tail.jpg o, u О, У Unterscheidung durch Kontext.
Bild:Mongol oe head.jpg Bild:Mongol o middle.jpgBild:Mongol oe middle.jpg Bild:Mongol o tail.jpgBild:Mongol oe tail.jpg ö, ü Ө, Ү Unterscheidung durch Kontext.
Bild:Mongol n head.jpg Bild:Mongol n middle.jpg[4]

Bild:Mongol a middle 2.jpg[5]

Bild:Mongol a tail 1.jpg n Н Unterscheidung von medialem und finalem a/e durch Position in Silbenfolge.
Bild:Mongol mng middle.jpg Bild:Mongol ngt tail.jpg ng Н, НГ Nur am Wortende (medial für Komposita).

Transkribiert Tibetisch U+0F44; Sanskrit ङ.

Bild:Mongol b head.jpg Bild:Mongol mbm middle.jpg‎ Bild:Mongol b tail.jpg b Б, В
Bild:Mongol p head.jpg Bild:Mongol p middle.jpg‎ p П Bei mongolischen Wörtern nur initial.

Transkribiert Tibetisch U+0F54;

Bild:Mongol q head.jpg Bild:Mongol q middle.jpg Bild:Mongol ga tail.jpg q Х Nur mit hinteren Vokalen.
Bild:Mongol ga head.jpg Bild:Mongol ga middle.jpgBild:Mongol q middle.jpg Bild:Mongol ga tail.jpg Bild:Mongol ga tail3.jpg γ Г Nur mit hinteren Vokalen.

Zwischen Vokalen heute als langer Vokal ausgesprochen.[6]

Bild:Mongol k head.jpg Bild:Mongol k middle.jpg Bild:Mongol g tail.jpg k Х Nur mit vorderen Vokalen.

g zwischen Vokalen wird heute als langer Vokal ausgesprochen.[7]

g Г
Bild:Mongol m head.jpg Bild:Mongol m middle.jpg Bild:Mongol m tail.jpg m М
Bild:Mongol l head.jpg Bild:Mongol l middle.jpg Bild:Mongol l tail.jpg l Л
Bild:Mongol s head.jpg Bild:Mongol s middle.jpg Bild:Mongol s tail.jpg s С
Bild:Mongol sh head.jpg Bild:Mongol sh middle.jpg Bild:Mongol sh tail.jpg š Ш Die Aussprache dieses Zeichens hat sich nicht verändert.
Bild:Mongol t head2.jpg Bild:Mongol t middle.jpgBild:Mongol t middle2.jpgBild:Mongol t middle3.jpg Bild:Mongol t tail.jpg t, d Т, Д Unterscheidung durch Kontext.
Bild:Mongol ac.jpg Bild:Mongol ac.jpg č Ч, Ц Ursprünglich keine Unterscheidung zwischen /Bild:Ch IPA.jpg'/ und /ts'/, heute durch Kontext.
Bild:Mongol j1 head.jpg Bild:Mongol j1 middle.jpg ǰ Ж, З Unterscheidung durch Kontext.

Ursprünglich oft mit y unten austauschbar.

Bild:Mongol y1 head.jpg Bild:Mongol y1 middle.jpg Bild:Mongol i tail2.jpg y Е, Ё, И, Ю, Я Teil von Diphtongs, obwohl eigentlich ein Konsonant.
Bild:Mongol r1 head.jpg Bild:Mongol r1 middle.jpg Bild:Mongol r tail2.jpg r Р Normalerweise nicht initial.[8]
Bild:Mongol w head.jpg Bild:Mongol w middle.jpg v В Transkribiert Sanskrit व.
Bild:Mongol f head.jpg Bild:Mongol f middle.jpg‎ f Ф Das klassische Mongolisch kennt diesen Laut nicht.
Bild:Mongol kk head.jpg Bild:Mongol kk middle.jpg К Transkribiert Russisch К.
Bild:Mongol ts.jpg Bild:Mongol ts.jpg (c) (ц) Transkribiert Tibetisch /ts'/ U+0F5A; Sanskrit छ.
Bild:Mongol dz.jpg Bild:Mongol dz.jpg (z) (з) Transkribiert Tibetisch /dz/ u+0F5B; Sanskrit ज.
Bild:Mongol h head.jpg Bild:Mongol h middle.jpg (h) Transkribiert Tibetisch U+0F63; U+0FB7;

Beispiele

Historische Formen Moderne Druckschrift Erstes Wort transliteriert:
Bild:Mclassical mimic.jpg Bild:Wikiclassicalmongol.jpg
 
Bild:Mongol w head.jpg v
Bild:Mongol i middle1.jpg  i
Bild:Mongol k middle.jpg k
Bild:Mongol i middle1.jpg i
Bild:Mongol p middle.jpg p
Bild:Mongol a middle 2.jpg e
Bild:Mongol t middle.jpg d
Bild:Mongol i middle1.jpg i
Bild:Mongol y1 middle.jpg y
Bild:Mongol a tail 1.jpg a
  • Transliteration: Vikipediya. čilügetü nebterkei toli bičig bolai.
  • Kyrillisch: Википедиа, Чөлөөт Нэвтэрхий Толь Бичиг Болой.
  • Transkription: wikipedia, tschölööt newterchii tolj bitschig boloi.
  • Wörtlich: Wikipedia, Enzyklopädie Schrift frei ist.
  • Übersetzung: Wikipedia, die freie Enzyklopädie.

Abgeleitete Schriften

Klare Schrift

1648 schuf der oiratische Mönch Zaja Pandit diese Variante, mit dem Ziel die geschriebene Sprache besser an die tatsächliche Aussprache anzunähern, sowie die Transkription von Tibetisch und Sanskrit zu erleichtern. Die Schrift wurde von den Kalmyken in Russland bis 1924 verwendet, und danach durch das Kyrillische Alphabet ersetzt. In Xinjiang in China wird sie bis heute von den Oiraten eingesetzt.

Vaghintara-Schrift

Eine weitere Variante wurde 1905 vom Burjatischen Mönch Agvan Dorjiev (1850–1938) entwickelt. Sie sollte ebenfalls einige Unklarheiten beseitigen, und zusätzlich zum Mongolischen das Schreiben der Russischen Sprache ermöglichen. Die bedeutendste Änderung bestand allerdings in der Elimination der Positionalen Formvarianten der Schriftzeichen. Alle Zeichen basierten auf der medialen Form der ursprünglichen mongolischen Schrift.

Unicode

Im Unicode-Standard nimmt die mongolische Schrift den Block U+1800 – U+18AF ein.[9] Er umfasst Buchstaben, Zahlen und diverse Satzzeichen für Mongolisch, die Klare Schrift, Xibe und Mandschurisch, sowie Erweiterungen zur Transkription von Sanskrit und Tibetisch.

Referenzen

  1. Poppe, Nicolas Grammar of Written Mongolian 3rd ed. University of Washington, 1974.
  2. Nach Konsonant als i transliteriert.
  3. Nach Vokal als yi transliteriert, mit seltenen Ausnahmen wie naim (acht) oder Naiman.
  4. Zeichen für Silbenbeginn (n-<Vokal>).
  5. Zeichen für Silbenende (<Vokal>-n).
  6. Beispiele: qa-γ-an (khan) wird zu qaan. Einige Ausnahmen wie tsa-g-aan (weiß) bleiben bestehen.
  7. Beispiel: de-g-er verd zu deer verkürzt. Einige Ausnahmen wie ügüi (nein) bleiben bestehen.
  8. Transkribierte Fremdworte erhalten normalerweise einen Vokal vorangestellt. Beispiel: Transkription von Русь (Russland) ergibt Oros.
  9. Unicode block U+1800 – U+18AF; Mongolian.

Weblinks

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